Jack Emmert hat ja nicht ganz unrecht. Auf die Frage, warum das kommende "Neverwinter" nicht "Neverwinter Nights 3" heiße, meinte der Cryptic-Chef auf der E3, dass er sowieso noch nie verstanden habe, warum das Spiel den Namenszusatz "Nights" getragen hat: "Da ging es doch um Neverwinter und nicht speziell um die Nachtzeit. Warum nennt man es nicht gleich so? Ich glaube sehr daran, Dinge so einfach wie möglich zu machen", so Emmert.

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Bevor die nach wie vor zahlreichen NN-Fans zu Fackeln und Mistgabeln greifen und "Majestätsbeleidigung!" schreiend die Cryptic-Zentrale stürmen: "Neverwinter" heißt auch deshalb so, weil es eine etwas andere Art der Spielmechanik anbieten wird. Die neue Ausrichtung ist deutlich actionlastiger, das Spielgeschehen soll viel flüssiger ablaufen als bei den meisten Spielen, die auf den Regeln des Tabletop-Klassikers D&D basieren. Eine Pausefunktion wird es deshalb nicht geben, dennoch versprechen die Macher, dass taktisches Vorgehen eine gewisse Rolle spielen wird. Das typische Stop-and-Go will man eben vermeiden.

Neverwinter - Das Ein-bisschen-MMO

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Drachen. Natürlich.
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Basis für "Neverwinter" ist und bleibt D&D. Die Berechnungen der (gewürfelten) Werte laufen allerdings im Hintergrund, der Spieler muss sich also nicht mit Formeln und anderen Zahlenspielen beschäftigen. Abgesehen davon will Cryptic aber möglichst viele Eigenheiten von D&D mitnehmen und integrieren.

Das betrifft vor allem die Charaktere. Nach derzeitigem Stand werden es fünf Klassen ins Spiel schaffen, und zwar Kämpfer, Dieb, Ranger, Kleriker und Magier. Allerdings ist das letzte Wort hier noch nicht gesprochen, man wolle laut Emmert abwarten, wie gut sich die einzelnen Typen ins Spielgeschehen integrieren. Grundsätzlich wollen die Entwickler aber so viele Charakterklassen wie nur möglich einbauen – eventuell werden manche auch nach dem Release nachgeliefert, im Gespräch sind der Beastmaster Ranger und der Artificer.

Besonderes Augenmerk lenkt das kalifornische Entwicklerstudio, das mit den MMOs "Champions Online" und "Star Trek Online" bekannt geworden ist, auf den Online-Aspekt des Spieles. "Neverwinter" ist allerdings kein MMO, sondern in erster Linie ein kooperatives Action-Rollenspiel. Es hat aber einen starken Online-Fokus. So wird es unter anderem ein Auktionshaus geben, eine Bank und bestimmte Gebiete, in denen man die Charaktere anderer menschlicher Spieler treffen und mit ihnen plaudern kann.

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Ach, und böse, düstere Skelettbogenschützen.
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Die Kampagne kann aber laut Cryptic auch komplett solo durchgespielt werden, das Programm stellt einem hier KI-Kameraden zur Seite. Diese wird man mit eher einfachen Befehlen auch dirigieren können, zu den simplen Aktionen gehören "Gehe dorthin", "Greife dies an" oder "Verteidige jenes". Cryptic verspricht bei den Begleitern eine ausbalancierte Auswahl an Charakterklassen. Wer etwa einen Tank spielt, der bekommt einen Heiler und Damage-Dealer in seine Party. Doch auch hier ist das letzte Wort zur Klassenauswahl nicht gesprochen.

Mach's dir schöner, mach's dir selber

Mit Freunden wird "Neverwinter" vermutlich weit mehr Spaß machen, der Kooperativmodus ist schließlich das Herzstück des Spieles. Die menschlichen Begleiter treten aber nicht einfach nur an die Stelle der KI-Knechte, damit wäre das Spiel natürlich schnell viel zu simpel. Das Programm passt den Schwierigkeitsgrad von Monstern und Bossen der Anzahl echter Spieler entsprechend an. Zusätzlich dazu wird es bestimmte Aufgaben geben, die nur mit einer menschlichen Gruppe zu bewältigen sein werden.

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Natürlich warten finstere Katakomben auf die Abenteurer.
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"Neverwinter" spielt etwa 100 Jahre nach den Ereignissen der beiden Vorgänger, Schauplatz ist nach wie vor die Stadt, die dem Spiel auch ihren Namen leiht. Neverwinter hat sich allerdings stark verändert. So ist etwa ein Vulkan ausgebrochen und hat einen Großteil der Stadt zerstört. Fremde Mächte sind daraufhin nach Neverwinter gekommen, um die Stadt wieder aufzubauen. Doch nicht alle Einwohner heißen die Besucher willkommen und wünschen sich die gute alte Zeit zurück. Das führt natürlich zu Konflikten, und der Spieler ist als Held mittendrin.

Eine der absoluten Besonderheiten der beiden Neverwinter-Nights-Vorgänger war der ausgeklügelte Level-Editor, das "Aurora-Toolset". Dieses Baukastensystem machte es auch Spielern ohne ausgeprägte Programmierkenntnisse möglich, Module, also im Prinzip Level, selbst zu erstellen. Das ist auch der Grund, warum "Neverwinter Nights" bis heute noch gerne gespielt wird.

Schön, das Niewinter zurückkehrt. Beim Entwickler Cryptic bleiben aber noch einige Zweifel zurück.Ausblick lesen

Cryptic will dieses Element aufgreifen und sogar ausbauen. Auch "Neverwinter" wird einen Editor namens "The Foundry" mitbringen. Dieser erlaubt und fördert die Erschaffung von User Generated Content. An oberster Stelle soll auch hier die einfache Bedienung stehen, Cryptic will die Erstellung von Maps und Missionen möglichst intuitiv gestalten. Mit Drag and Drop können dann Aufgaben und Monster platziert und verknüpft werden, als Grundlage dienen vorgefertigte Layouts mit Räumen in Höhlen oder Dungeons.

Trotz aller angestrebten Simplizität versprechen die Entwickler, dass auch Profis genügend Tiefe vorfinden, um besonders ausgeklügelte Werke zu erstellen, ganz nach dem Motto "Einfach zu lernen, schwer zu meistern". Dazu gehören Elemente wie Aktionsketten und Dialogbäume.

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Die Ruhe vor dem Sturm.
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Man will allerdings nicht nur das Erstellen von Inhalten so einfach wie möglich machen, auch das Suchen und Finden soll unkompliziert über die Bühne gehen. Vorbei sind also die Zeiten, in denen man sich durch unzählige Foren-Threads und User-Kommentare lesen musste, um ein empfehlenswertes Modul zu finden. Dazu wird wohl ein Wertungssystem eingeführt, das direkt im Hauptprogramm zum von Usern erstellten Inhalt führt.

Als Beispiel nannte Jack Emmert eine "What's hot"-Kategorie, wir vermuten mal stark, dass es daneben auch "Neue Levels" oder Cryptic-Empfehlungen geben wird. Der Wechsel zum User Generated Content soll übrigens schnell und direkt gleich aus dem Hauptspiel möglich sein.