Die Flut der MMO-Spiele reißt nicht ab. Neben kommerziell sehr erfolgreichen Produkten wie WoW und Co. etablieren sich zunehmend kostenlose Games am Markt, die entweder komplett für lau gezockt werden können oder gegen Bezahlung herunterladbare Zusatzinhalte anbieten. Das gilt auch für »Navy Field«, eine Online-Marine-Simulation, in der man den Zweiten Weltkrieg auf dem Wasser nachspielen kann. Wir haben uns die deutsche Version angesehen.

Navy Field - Cinematic Trailer

In unserer Jugendzeit waren die Menschen noch glücklich. Internet war ein Fremdwort, Computerspiele waren was für Hobbybastler, und Schiffe versenken spielte man mit einem Stift auf kariertem Papier. All das hat sich nachhaltig geändert. Das Internet ist für viele Zocker zum wichtigsten Medium geworden, und auch der spielerische Seekrieg findet inzwischen virtuell statt.

Navy Field - Auf zu neuen Ufern: Das Marine-MMO macht auch ohne Orks und Elfen Spaß.

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Skandal: eklatante Fehlplanungen beim Bau des neuen Berliner Großflughafens.
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Nur heißt es jetzt nicht mehr Schiffe versenken, sondern »Navy Field«. Die MMO-Simulation, die schon seit mehr als einem Jahr auf dem Markt ist, versetzt den Spieler in die Zeit des Zweiten Weltkriegs und lässt ihn an Bord von knapp 100 verschiedenen Schiffstypen an den unterschiedlichsten Seeschlachten teilnehmen. Dabei sind kleine One-on-one-Duelle genauso möglich wie große taktische Manöver und gewaltige Wasserschlachten mit vielen Teilnehmern.

Schiffeversenken deluxe
Der Spielablauf von »Navy Field« ist keineswegs ungewöhnlich, sondern entspricht weitgehend dem, was aus anderen MMO-Titeln hinlänglich bekannt ist. Man levelt mit seinem Charakter durch das Sammeln von Erfahrungspunkten, treibt Handel, schließt sich einem Clan an und kämpft, was das Zeug hält. Nur dass es hier nicht um einzelne Helden geht, die mühsam hochgepäppelt werden, sondern um Schiffe und deren Besatzungen.

Zu Beginn verfügt man lediglich über eine bescheidene Fregatte und vier einfache Matrosen. Nachdem man die im Heimathafen, der Werft von Busan, auf die Geschütze und das Reparaturdock verteilt hat, sollte man sich zunächst dem recht umfassenden Tutorial widmen. Denn die Steuerung der Pötte ist zwar simpel, aber sehr gewöhnungsbedürftig. So legt man mit der rechten Maustaste fest, in welche Richtung der Stahlsarg dampfen soll.

Ein Klick auf die F-Taste lässt ihn beschleunigen, V verringert die Fahrt. Die linke Maustaste dient zum Zielen, und mit der Leertaste ballert man drauflos. Die Schwierigkeit liegt denn auch weniger in der Steuerung als solcher, sondern in dem Umstand, dass naturgemäß jeder Richtungs- und Geschwindigkeitswechsel nur mit Verzögerung vonstatten geht.

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Hier sparen wir uns einen anzüglichen Witz über die richtige Größe von dicken Rohren.
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Glücklicherweise führt das Tutorial nicht nur gut in die Bedienung ein, sondern bietet auch Übungsmissionen für die unterschiedlichen Geschützarten. Selbst die korrekte Benutzung von Flugabwehrgeschützen kann hier trainiert werden. Auch Übungsmissionen mit mehreren Teilnehmern sind möglich. So gilt es beispielsweise, innerhalb von nur acht Minuten 30 computergesteuerte Schiffe abzuschießen. Die wehren sich zwar nicht, sind aber recht schnell unterwegs. Allein ist diese Aufgabe nicht zu bewältigen, und ohne erste Erfahrungen in der korrekten Benutzung der Kanonen wird man ebenfalls scheitern.

Das Zielen auf gegnerische Schiffe ist anfangs simpel gehalten, denn dies wird von einem automatischen Erfassungssystem übernommen. Dieses richtet die Geschütze selbsttätig auf den anvisierten Gegner aus und stellt den richtigen Schusswinkel ein. Dadurch wird der Einstieg ungemein erleichtert, denn so kann man sich zunächst auf das Handling seines Dampfers konzentrieren.

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Gefährlich: auf offener See einen fahren lassen.
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Spätestens jedoch, wenn man sich erstmals auf echte Feindfahrt begibt, sollte man sich von den Automatikfunktionen verabschieden, denn manuell lässt es sich definitiv präziser ballern - die nötige Übung vorausgesetzt. Außerdem ist es weitaus reizvoller und spielerisch erheblich anspruchsvoller, seine Siege »von Hand« zu erreichen, als sie der ungenauen Automatik zu überlassen.

Schiffsbaukasten
Wie schon erwähnt, verfügt man als Anfänger lediglich über eine kleine Fregatte und unerfahrene Seeleute. Mit zunehmender Spieldauer steigert man nicht nur die Werte seiner Leute, sondern schießt sich auch immer mehr Kohle zusammen. Die wird nicht nur in den Ausbau des vorhandenen Pottes gesteckt, sondern dient auch der Anschaffung neuer und besserer Schiffe bis hin zum mächtigen Flugzeugträger.

Damit man nicht einfach blindlings den jeweils besten verfügbaren Kahn anschafft, wurde ein gutes Kontrollsystem eingebaut. Denn jeder neue Schiffstyp erfordert auch eine spezielle Besatzung. So kann z.B. ein Matrose nicht als Kapitän eingesetzt werden, sofern er nicht den dafür benötigten Level erreicht hat. Gleiches gilt auch für die Schützen und alle weiteren Besatzungsmitglieder, ohne die ein Schiff nicht auslaufen kann. Seine Ersparnisse sollte man zudem sorgsam einsetzen. Anstatt der eigenen Kollektion immer mehr Schiffe hinzuzufügen, ist der schrittweise Ausbau der vorhandenen Schlachtgeräte empfehlenswert, bevor man seine Flotte erweitert.

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Geht übel aus: Kreisverkehr auf dem Wasser
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Natürlich werden im Laufe der Zeit immer bessere und stärkere Schiffstypen verfügbar, und deshalb empfiehlt sich auch gelegentlich eine Neuanschaffung. Doch mit einem gut gerüsteten Kreuzer kann man unter Umständen mehr Schaden anrichten als mit einem schlechten Zerstörer. Da man grundsätzlich nur mit einem Schiff ins Gefecht zieht, ist der gezielte Ausbau eines oder zweier Modelle sowie das Leveln von deren Besatzungen erheblich wichtiger als eine hohe Anzahl von Kähnen.

Außerdem ist gerade der systematische Ausbau der Schiffe bei »Navy Field« sehr reizvoll, denn Panzerung und Aufbauten können genauso individuell angepasst werden wie der Antrieb. Mathematische Naturen werden zudem angesichts der detaillierten Beschreibungen von Gewicht, Durchschlagskraft und Reichweite der einzelnen Geschütze ihre Freude haben, denn all dies gilt es zu berücksichtigen, will man später bei den Onlinegefechten Erfolg haben.

Wer hier patzt, erleidet buchstäblich innerhalb kürzester Zeit Schiffbruch, wovon der leidgeprüfte Autor dieser Zeilen ein oder zwei Lieder singen kann. Immerhin sind versenkte Schiffe nicht auf Nimmerwiedersehen verschwunden, sondern werden gegen ein entsprechendes Entgelt repariert. Gleiches gilt im Übrigen auch für die Besatzungen, die ebenfalls nicht als Fischfutter enden, sondern auf den frisch renovierten Stahlsärgen wieder auftauchen.

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Aufgedeckt: Dopingwerte von Teilnehmern der Tour de France.
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Je nachdem, für welches der im Spiel verfügbaren Länder (Japan, Deutschland, UK und USA) man sich im Laufe des Spiels entscheidet, stehen sehr unterschiedliche Schiffstypen zur Verfügung. Dennoch ist keine der Nationen gegenüber den anderen benachteiligt, denn jeder Typ hat Schwächen und Stärken. Wer sich vor dem Einstieg in »Navy Fields« hierüber eingehend informieren möchte, sollte auf der Webseite zum Spiel vorbeischauen, denn dort findet sich unter anderem eine Auflistung der verfügbaren Schiffe mit deren Spezifikationen. Und weil die Entwickler offenbar liebe Menschen sind, haben sie auch gleich noch eine Kommentarfunktion integriert, so dass Zocker von ihren Erfahrungen mit den jeweiligen Modellen berichten können. Bleibt zu hoffen, dass die Gemeinde hiervon auch regen Gebrauch machen wird.

Wassersucht
Wer sich an den virtuellen Schiffsschlägereien beteiligen möchte, braucht sich lediglich kostenlos auf der Webseite der Betreiber registrieren und den Spielclient herunterladen. Dessen Größe liegt bei etwa 400 MB. Nutzern der deutschen Version sei die manuelle Installation des Patches empfohlen, denn der bereinigt einige sprachliche Ungereimtheiten. Während unseres Tests lief der Server übrigens völlig stabil, obwohl diverse Matches stattfanden.

Die Grafik ist zwar nicht im Highend-Bereich angesiedelt, dafür allerdings sehr detailreich und zweckmäßig. Gerade die minimalistische Wasserdarstellung gewährt zu jeder Zeit optimale überssicht und lenkt den Blick nicht vom Wesentlichen ab - den spektakulären Seeschlachten. Dankenswerterweise ist es möglich, den Bildschirm auf das eigene Schiff zu zentrieren. So behält man stets die Übersicht, muss in den fordernden Massenschlachten allerdings etwas taktischer bzw. vorsichtiger agieren.

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Unsere Eltern haben es immer gesagt: Rauchen gefährdet die Gesundheit.
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Um zu verhindern, dass blutige Anfänger von erfahrenen Zockern mit deren fetten Pötten aufgerieben werden, wurden verschiedene Zonen auf dem Server eingerichtet. Neben den Anfängergebieten mit ihren Tutorial- und Anfangsmissionen gibt es freie Kampfgebiete sowie Handels- und Clanzonen, in denen man beispielsweise sein Teamwork verbessern kann. Anders als in den freien Kampfgebieten kann man dort nur in größeren Teams an Auseinandersetzungen teilnehmen.

Wer will, kann natürlich als Neuling mit seinem Kahn ins Kampfgebiet aufbrechen. Das sei jedoch nur spottresistenten Naturen mit Hang zum Masochismus empfohlen. Da es weder Zeitlimitierungen gibt, noch irgendwelche anderen Einschränkungen, sollte man sich gründlich vorbereiten, bevor man den Schritt ins Getümmel wagt. Es lohnt sich in jedem Fall und ist dem Spielspaß zuträglich. Wer auf MMO-Action der etwas anderen Art steht, dem sei ein Blick auf das Programm wärmstens empfohlen.