Die Flagship Studios sind wohl eine der wenigen Spieleschmieden dieser Welt, die bereits einen Namen haben, ohne ein einziges Werk vorweisen zu können. Was jedoch vorwiegend an der bewegten Hintergrundgeschichte des jungen Teams liegt: Nach Querelen mit Publisher Vivendi wanderte Mitte 2003 eine ganze Schar Kreativköpfe des Kult-Unternehmens Blizzard ab, um ein eigenes Studio zu gründen - Flagship war geboren. Und deren Oberhaupt Bill Roper ist in der Branche ebenso berühmt wie berüchtigt, führte er doch in der Vergangenheit Serien wie Diablo oder Starcraft zu weltweitem Erfolg.

Als erstes Projekt der Flagship Studios ist nun Hellgate: London seit Monaten in aller Munde. Tatsächlich ist es jedoch "nur" das zweite Flagship-Spiel, denn beim Tochterunternehmen Flagship Seattle entsteht derzeit das Action-RPG Mythos. Ursprünglich lediglich als Test für die Serverstabilität und Netzwerkperformance für große Projekte gedacht, gedieh Mythos weitaus besser als zunächst erwartet - und soll jetzt als eigenständiger Titel veröffentlicht werden. Wir konnten bereits einen Blick auf die frühe Alpha-Version werfen.

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Ein Netzwerktest im Spielregal
Netzwerktest? Richtig gehört. Damit man beim Start von Hellgate: London nicht auf die üblichen Multiplayer-Probleme (Servercrashes, Lags etc.) stößt, sollten unter realen Bedingungen ausführliche Tests durchgeführt werden, um Servercrashes und Lags zu vermeiden und sich nicht schon am ersten Tag die Missgunst der Spieler zuzuziehen. Ein löblicher Ansatz. Bei Flagship gibt man sich jedoch mit simplen Betatests und halbgaren Systemchecks scheinbar gar nicht erst ab. Stattdessen programmiert die emsige Truppe mal eben ein eigenständiges Spiel. Wer kann, der kann.

Dass mit Mythos jedoch ein halbgares Nebenprodukt ohne Vollpreisberechtigung zu erwarten ist, darf bezweifelt werden. Dafür sollte der (ex)-blizzard'sche Perfektionswahn sorgen. Zumal Vollpreis ebenfalls nicht zutrifft - Mythos wird zum Release als kostenloser Download angeboten und auf monatliche Gebühren verzichten.

Mythos Global - Angespielt: das neue Spiel der Hellgate: London-Macher. Kostenlos und richtig gut!

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Wenn das der Gesundheitsminister wüsste: Die Mütze sitzt viel zu eng.
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Nun mag sich der ein oder andere Kritiker verdutzt die Haare raufen ob der eintönigen Genreauswahl im Flagship-Portfolio. Doch eine hochwertige Referenz an den Ur-Vater aller Hack & Slay-Abenteuer kann eigentlich nie eine schlechte Wahl sein. Während Hellgate: London eher für Spieler der MTV Generation mit Hang zu Science-Fiction-Horror und Bombast-Effekten gedacht ist, versprüht Mythos einen herzhaften Klassik-Charme in bester Diablo-Manier, inklusive Iso-Perspektive, witzigen Untertönen und natürlich den bekannten Suchtprinzipien.

Pyromanen und Blutbriefe
And dieser Stelle würde nun eigentlich eine kurze Zusammenfassung der Hintergrundgeschichte folgen. Dass dies nicht der Fall ist, lässt sich schnell erklären: Mythos hat keine Story. Braucht es jedoch auch nicht. Da der Titel, anders als die meisten Action-RPG's, vollständig auf Onlinemetzeleien setzt, ist eine Solokampagne mit eigenem Handlungsrahmen unnötig.

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Besonders harte Gegner erkennt man schon von weitem - sie leuchten meist in grellen Farben.
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Also gleich zur Charaktererstellung: Die bietet momentan jedoch nur wenige Möglichkeiten, um die künftigen Weltenretter an unsere Vorlieben anzupassen. Lediglich die Form und Farbe der Haare lässt sich, zumindest im derzeitigen Alpha-Stadium, anpassen. Außerdem stehen vorerst nur zwei Charakterklassen zur Auswahl. Der Bloodletter hat eine besondere Vorliebe für scharfes Schnittwerkzeug und teilt vor allem im Nahkampf ordentlich aus. Pyromancer setzen hingegen auf die Macht des Feuers und fackeln ihre Gegner aus der Ferne nieder. Die Wahl der Rasse ist ebenfalls noch stark eingeschränkt: Derzeit kann man nur mit Elfen oder Gremlins ins Abenteuer ziehen, später sollen noch die Menschen spielbar sein. Auch weitere Klassen sind geplant.

Nach einer kurzen Einführungsquest und ersten Gehversuchen mit der intuitiven Steuerung landet man in Stonehill, dem Dreh- und Angelpunkt, um Aufträge anzunehmen, Gegenstände zu handeln oder Freunde zu treffen. Stonehill ist übrigens der einzige nicht-instanzierte Ort im Spiel, da Mythos zu großen Teilen auf zufallsbasierte Inhalte setzt. So werden nicht nur Gegenstände und Monster dynamisch generiert, auch Quests und Dungeons gestalten sich bei erneutem Durchspielen immer wieder anders.

Yps-Gimmick Nr. 23: der Geldmagnet
Der Spielverlauf ist jedoch grundsätzlich der Gleiche: In Stonehill nehmt ihr einen Auftrag der zahlreichen NPC's an und erhaltet eine kleine Karte, die per Rechtsklick einen Questdungeon freischaltet. Per Portal reist man dann bequem zur relevanten Grotte. Das mag zwar recht komfortabel sein, allerdings muss man so leider auf Außenareale verzichten und sich stattdessen zu oft durch grafisch sehr ähnliche Gewölbe kämpfen.

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Stonehill dient als Marktplatz und Treffpunkt für Gilden und Freunde.
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Doch gerade hier spielen die Flagship-Jungs ihre jahrelange Diablo-Erfahrung gekonnt aus. Die Monsterhackerei mag grafisch zwar weit hinter aktuellen Titeln des Genres liegen, macht dafür aber von der ersten Sekunde an einen Heidenspaß. Die flotten Kämpfe erfordern bis auf den rechtzeitigen Einsatz der Spezialfähigkeiten nur wenig Hirnschmalz. Neben der Jagd nach Erfahrungspunkten motiviert vor allem das Sammeln der seltenen Gegenstände.

Diese findet man in mehreren Farbstufen. Violette Waffen sind beispielsweise besonders selten und bieten legendäre Eigenschaften. Außerdem gilt es Edelsteine für die sockelbaren Items, Zutaten für das Crafting-System und natürlich Bares zu finden. Nettes Feature: Gefundenes Gold muss man sich nicht mehr mühsam zusammenklicken. Als wandelnder Geldmagnet "saugt" euer Recke die glänzenden Taler einfach auf, sofern sie in der Nähe liegen.