Irgendwann im Sommer 2007 kam ich erstmals so richtig in Berührung mit Mythos, das die Flagship Studios damals eigentlich nur als Technikableger von Hellgate: London im Hintergrund betrieben - und das sich schnell zu einem eigenen Projekt verselbstständigte.

Doch wie so oft kam es anders als gedacht, nach der Flagship-Pleite und dem folgenden Rechtewirrwar schien das Spiel in der Versenkung zu verschwinden, bevor der koreanische Entwickler Hanbitsoft es doch noch erfolgreich in seiner Heimat auf den Markt brachte. Kürzlich erfolgte nun auch der europäische Launch via Frogster, mittlerweile mit Free-to-Play-Business-Modell.

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Wenn ich euch sage, dass sich die Welt von Uld seit damals optisch kaum geändert hat, dann wisst ihr schon mal, dass der Zahn der Zeit zumindest oberflächlich bereits deutlich an der Grafik genagt hat. In diesem Bereich dürft ihr wirklich keine großen Erwartungen mitbringen, lediglich einige hübsche Kampf- und Magieeffekte stechen aus dem grau-braunen, sehr altbacken wirkenden Einheitsbrei hervor und verzaubern das Auge hin und wieder. Auf der anderen Seite muss man einem kostenlosen Online-Spiel durchaus Zugeständnisse machen, schließlich müsst ihr im Vergleich zu MMOs mit Abosystem nicht einen Cent in das Vergnügen investieren und geht zumindest auch bei einer reinen „Ausprobier-Session“ keinerlei finanzielle Risiken ein.

Mythos Global - Und weil es nicht gestorben ist, schnetzelt es ab heute

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Trotz altbackener Grafik können sich die Kampfeffekte sehen lassen.
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Fehlende Klassenbalance

Wie für diese Spielgattung üblich, klickt ihr euch zum Start einen Avatar zusammen, mit dem ihr euch anschließend in das Abenteuer stürzt. Die Auswahl ist hier sehr übersichtlich gestaltet, es stehen vier unterschiedliche Völker mit speziellen Boni und Widerständen (Gremlin, Zyklop, Sartyr oder Mensch) und drei Klassen zur Verfügung. Ob ihr euch als Pyromant (Magier), Tüftler (Schütze) oder Blutklinge (Nahkämpfer) in die Monsterhatz werft, hängt voll und ganz von euren persönlichen Vorlieben ab. Allerdings sei gleich angemerkt, dass eure Entscheidung für einen dieser Archetypen alles andere als folgenlos für den Spielspaß ist.

Der Grund: fehlende Balance. Während sich Blutklingen mit fortschreitender Spieldauer nur noch mit viel Mühe und unter ständigem Einsatz hilfreicher Tränke durch die Dungeons schlachten können, räuchern „korrekt“ geskillte Pyromanen ganze Populationen mit wenigen Handstreichen aus. Wer also am liebsten Nahkämpfer spielt, sollte sich in Mythos am besten einer Gruppe anschließen, die bis zu 5 Mitglieder stark sein kann.

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Auf sich allein gestellt sieht man als Blutklinge gegen harte Gegner manchmal alt aus, es mangelt noch an Klassenbalance.
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Bis etwa Stufe 15 (von maximal 50) kommt man generell aber auch als Solospieler sehr gut in Mythos zurecht und ist nicht auf Mitspieler angewiesen. Wer unbedingt will, stürmt die durch die Bank weg instanzierten Kerker zwar auch anschließend auf sich allein gestellt. Letztendlich verbreiten die zufallsgenerierten Abenteuergebiete aber so wenig Flair und wiederholen sich in ihrer grundsätzlichen Struktur und freudlosen Gestaltung so stark, dass schon wegen des sozialen Aspekts die Gruppensuche empfohlen sei.

Kostenlos ist’s OK, lange fesseln kann es aber leider nicht.Fazit lesen

Der grundlegende Spielablauf ist ebenfalls sehr repetitiv und motiviert eigentlich nur hartnäckige Item-Jäger zu lang anhaltenden Sessions: Solange man nicht in eines der gefürchteten Quest-Löcher fällt (beispielsweise zwischen Level 18 und 25), holt ihr euch so viele Missionen ab, wie ihr finden könnt, und klappert anschließend die Dungeons ab. Das geht immerhin sehr bequem, denn jede Zone Ulds besitzt Portale, mit denen ihr fix in die Verliese oder andere Bereiche des Spiels teleportiert werdet.

Einfaches Kampfsystem, Déjà-vu-Dungeons

Die Dungeons und ihre gefährliche Population gleichen sich in Aufbau und Design häufig sehr, ein permanentes Déjà-vu ist die Folge: Hier war ich doch schon tausendmal, denkt man - und hat vermutlich recht. Auf dem Weg zur letzten Ebene eines Kerkers habt ihr eigentlich nur eine Aufgabe: Sammelt die gesuchten Objekte, tötet alle Bewohner, holt euch dabei den Masterschlüssel für die Hauptruhe und killt am Ende den Boss. Wer nur an den Inhalt der Truhe will, muss noch nicht einmal den umnieten, es genügt, den Schlüssel anzuwenden und die Gegenstände einzuheimsen (die übrigens meist besser sind als alles, was die Bosse fallen lassen).

Auch das Kampfsystem ist sehr einfach konzipiert. Wer den unübersichtlichen Skilltree durchschaut, stellt nämlich schnell fest, dass es nur recht wenige aktive Fertigkeiten gibt. Neben primären Angriffstalenten sollen vor allem passive Attribute und Helferchen wie Heil-Drohnen oder Lavagiganten für Abwechslung sorgen. Ihr lauft also meist dauerklickend durch die Kerker und klaubt im Sekundentakt neue Gegenstände auf. Denn wenn man Mythos eines nicht vorwerfen kann, dann Item-Geiz. Nahezu jeder zweite Treffer wird mit einem neuen hübschen Schwert, Stab oder Rüstungsteil belohnt. Doch auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt.

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Items ohne Ende - doch nicht alle sind nützlich oder besitzen sinnvolle Attribute.
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Beispielsweise erhaltet ihr überproportional oft Bögen und Armbrüste - dummerweise gibt es für diese Waffengattung keinerlei Skills und damit sind sie praktisch nutzlos und müllen nur das für Nicht-Zahler viel zu kleine Inventar voll. Immer wieder hagelt es auch Gegenstände, die aufgrund ihrer sinnlosen Werte eigentlich nur zum Verkauf taugen - ärgerlich, wenn das bei besonders seltenen Dingen passiert. Neben der Iso-Perspektive als Standard könnt ihr übrigens auch noch in eine MMO-Ansicht schalten. Gerade in den engen Dungeon-Gängen sorgt diese Kamera jedoch eher für Verwirrung als Durchsicht. Ein interessanter, aber fehlgeschlagener Versuch.

Ein Wort zum Itemshop: Derzeit herrscht hier noch gähnende Leere, bis auf Inventarvergrößerungen und Erkennungszauber für Gegenstände gibt es kaum sinnvolle Möglichkeiten für Investitionen. Da muss ich das Business-Modell wohl falsch verstanden haben. Da dieser Weg der Item-Beschaffung zurzeit wegfällt, bleibt noch der Umweg übers Handwerk, das zwar mit einem ziemlich konfusen Menü aufwartet, eifrigen Bastlern aber zahlreiche zusätzliche Items beschert. Im Kontrast zum Item-Hagel steht das Angebot im Bereich PvP - bis auf private Duelle sind leider keinerlei zwischenmenschliche „Begegnungen“ möglich.