Lego Universe ist ein Online-Rollenspiel. Oder auch nicht. Denn es bricht mit vielen Klischees und Mechaniken der Genrekollegen. Es gibt zwar vier Klassen, aber keine Stufen, und das Regelsystem ist auf zwei einfache Werte reduziert, Lebenspunkte und Fantasie (plus einem dritten, abstrakten Wert für Panzerung, der als zusätzliche Lebenspunkte fungiert). Eine Weiterentwicklung des Charakter gibt es nur durch die recht seltene Verbesserung der zwei bzw. drei Werte und durch die getragene Ausrüstung.

Als kunterbunte und durch die Lego-Ausrüstung oft skurril aussehende Minifigur rennt, hüpft und springt man durch die verschiedenen Welten des Universums und erledigt allerlei Aufgaben. Nebenbei wird alles zerdeppert, was nicht niet- und nagelfest ist und gehortet, was das Zeug hält. Das Spielgefühl ist dabei gerade durch das ständige (Doppel-)Springen inklusive Salto fast das eines Jump-and-Runs, und tatsächlich wird gerade auch bei der Jagd nach den in den Welten verstreuten sammelbaren Items und in einigen Missionen Renn- und Hüpftalent gefordert.

Rumgehüpfe im Plastikland

Das alles spielt sich flüssig und leicht, die Bedienung über Tastatur und Maus ist sehr intuitiv und klappt mit wenigen Ausnahmen einwandfrei. Ein Tastendruck, und ein Objekt ist in seine Einzelsteine zerlegt, ein anderer, und man hat per Schnellbau etwas errichtet, eine Quest angenommen oder sein Pet einen Schatz ausgraben lassen.

LEGO Universe - Massive Charme-Offensive im MMOniversum

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Ein MMO wie jedes andere - oder etwa nicht?
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Das (verhältnismäßig) simple Spielprinzip ist höchst motivierend, da so ziemlich jede Aktion belohnt wird, und man seiner Sammlung ein paar neue Steine, Modelle oder Ausrüstungsgegenstände hinzufügt. Wird die eigene Minifigur dann doch mal zerdeppert, ist das ebenfalls keine Spaßbremse: Ruckzuck wird die Figur ohne große Nachteile in der unmittelbaren Umgebung wieder zusammengesetzt.

Und ja, es wird gekämpft im Lego Universe. Allerdings halten sich die Konflikte dankbar im Hintergrund. Es gibt Missionen, für die man mit Zombie-Piraten die Plastikklingen kreuzen muss oder aber eine gewisse Anzahl an Stromlingen oder Dunkelspinnlingen erledigen – doch ist so etwas immer fix erledigt, und lästiges Grinden braucht es hier nicht, da es keine Belohnungen in Form von nötigen Erfahrungspunkten gibt.

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Es wird auch gekämpft - wenngleich sehr kindgerecht.
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Zumindest in der Theorie, denn in der Praxis gibt es in jeder der Spielwelten auch noch eine Reihe an „Achievments“ zu erspielen, und für die muss man dann leider simple Aufgaben wieder- und wiederholen, beispielsweise in mehreren Abstufungen bis zu 1000 Gegner einer Art verkloppen oder xyz-mal eine bestimmte Tätigkeit ausführen, wie auf der Piratenorgel zu spielen oder einen bestimmten Gegenstand zu zerdeppern. Als Belohnung locken Steine für die Sammlung oder Ausrüstungsteile.

Für Familien und LEGO-Bastler – MMORPG-Veteranen sollten draußen bleiben!Fazit lesen

Wer sich darauf einlässt und den Achievments hinterher jagt, verfällt aber auch schnell in pure Fließbandarbeit und zögert so das Spiel künstlich in die Länge. Wer die kleinen Belohnungen jedoch ignoriert, kann sich auf ein flüssiges Spiel freuen: Alles geht flott voran, in wenigen Minuten hat man einen Haufen Missionen angenommen und genauso schnell auch wieder erledigt. Oft wird in den Aufgaben nur verlangt, von A nach B zu laufen oder etwas zu besorgen.

Die zeitaufwändigeren Quests bestehen darin, etwas zu finden, aber meist ist das abzusuchende Areal so überschaubar, dass man dabei vor keine größeren Probleme gestellt wird. Allerdings ist das komplette Spiel in seiner jetzigen Version dann auch recht fix „durchgespielt“ – wer langfristig MMO-motiviert bleiben möchte, muss dann zwangsläufig die Achievements sammeln gehen.

Das Universum ist bunt – aber nicht bunt genug

Die Nichtspielercharaktere und die zugeteilten Aufgaben ticken im humorigen Lego-Charme. Durch diese Leichtigkeit wird das Spiel sehr zugänglich, da man quasi die ganze Zeit über am Schmunzeln ist. Jüngere Spieler – an die das Spiel natürlich gerichtet ist - finden dadurch ebenfalls problemlos einen Zugang, und sie werden auch nicht mit ellenlangen Texteinblendungen oder Dialogen überfordert. Dieser Ansatz hat aber natürlich auch einen Haken.

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Die verschiedenen Lego-Themenwelten bieten viel Abwechslung.
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Spannende Figuren oder Nichtspielercharaktere sucht man vergebens. Story, Hintergrundgeschichte und die Quests bleiben oberflächlich. Vor allem die Spieler, die gerne auf Rollenspiel-Servern spielen, werden es hier schwer haben, sich in die Rolle einer Minifigur hineinzufühlen und sie mit Leben zu füllen.

Ein Teil dieses einzigartigen Charakters ist natürlich das Erscheinungsbild der Plastikwelt: Im Lego Universe ist es bunt. Natürlich sehen die Figuren klein und knuffig aus, und die Pets, Gegner und viele Gegenstände im Spiel sind aus Steinchen zusammengesteckt. Die thematisch gestalteten Welten, also Boden, Himmel und die grobe Landschaft, haben keine Noppen und geben sich verhältnismäßig schlicht und recht detailarm. Sicher gehört eine glatte, bunte und aufgeräumte Optik irgendwie zum Lego-Gefühl, aber trotz Wettereffekten und einigen Tag- / Nachtunterschieden könnte die Szenerie schöner und detailreicher sein. Dass der Blick in die Ferne ebenfalls nicht weit reicht, stört hingegen kaum, da die meisten Welten recht klein und überschaubar sind.

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In der Ritterwelt treffen wir nicht auf Harry Potter.
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Die Minifiguren hingegen sind trotz der Einschränkungen ihres Plastikdaseins erstaunlich beweglich, toll animiert und auch immer wieder schreiend komisch anzusehen, etwa, wenn der Geschäftsmann mit Räuberbart, Piratenkopftuch, Bratpfanne und Metalldetektor durch die Gegend hüpft. Etwas schade ist dabei, dass schon nach wenigen Minuten im Spiel die Figur definitiv nicht mehr so aussieht, wie man sie sich im Charaktereditor zusammengepuzzelt hat.

Nur das Gesicht bleibt gleich, alle anderen Teile werden mit der erworbenen Ausrüstung ausgetauscht – die tolle Elvis-Frisur weicht so beispielsweise schon in den ersten Augenblicken einem Raumfahrer-Helm, was der Figur einen komplett neuen Charakter gibt und die eigene Editor-Arbeit zunichte macht. Immerhin lässt sich so mit der Zeit die eigene Figur auch der Lieblingsspielwelt anpassen.

Die Welten haben bestimmte Themen und bringen so etwa die Welt des Piraten-Legos, der Ninja-Klötzchen oder eine riesige Minifiguren-Baustelle auf den Bildschirm. Lego hat in seiner langen Lebenszeit eine Vielzahl an Spielwelten geschaffen, so dass die Firma hier aus einem schier unermesslichen Repertoire schöpfen kann. Lego-fremde Marken wie Harry Potter, Indiana Jones, Batman oder natürlich Star Wars, die allesamt in den letzten Jahren einen erheblichen Anteil am Erfolg von Lego und vor allem den bisherigen Videospielen hatten, finden sich darunter jedoch nicht.

Bauen und Erdenken

Wo Lego draufsteht, müssen natürlich Bauklötzchen und Kreativität drin sein. Lego Universe gibt den Spielern sehr mächtige Waffen an die Hand, um ihrer Fantasie vollen Entfaltungsraum zu lassen. Im Laufe des Spiels erhalten sie kleine Grundstücke, die sie nach ihren eigenen Vorstellungen mit den gesammelten Modellen und Steinen gestalten können.

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Erstaunlich, was mit Legosteinen alles möglich ist.
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Die Modelle – etwa ein Stück Burgmauer – lassen sich einfach auswählen und auf dem Grundstück platzieren und an andere Modelle anschließen. Die Bausteine hingegen sind einzelne Legos – sie lassen sich beliebig einfärben und genau wie die realen Steine aneinanderfügen, so dass mit etwas Zeit und Einfallsreichtum richtig komplexe und tolle Bauwerke entstehen können.

Modelle und Eigenkreationen können dann noch mit unterschiedlichen Verhaltensweisen belegt werden. Mit diesen Verhaltensweisen lässt sich festlegen, wie Figuren mit diesen Dingen interagieren – so lassen sich sogar animierte Dioramen oder eigene Spiele bauen.

LEGO Universe - Worldbuilder - Trailer8 weitere Videos

Die Möglichkeiten des Baukastensystems sind überwältigend. Alles, was mit den echten zwei Händen möglich ist, ist auch im Spiel machbar – wer gerne mit Lego bastelt, kann bei Lego Universe endlos viel Zeit verbringen.

Was den Bauspaß allerdings etwas dämpft, sind die Beschränkungen der Zweidimensionalität eines Bildschirms. Gerade im Bausteinmodus rotiert man oft wild mit der Kameraperspektive und bedient den Zoom, um das Klötzchen genau an die gewünschte Stelle zu bugsieren. Das ist nicht immer ein leichtes Unterfangen, so muss man beispielsweise ganz schön friemeln, bis man einen Stein unter einen anderen buxiert bekommt. Baut man mit Modellen, sind dies schon (halb-) fertige Klötzchenkombinationen, aber auch hier kann es dauern, bis man alles da hat, wo es hin soll – Hilfslinien oder ein Gitterraster würden den Komfort im Baumodus sicher verbessern.

Bauen, spielen - aber kommunizieren?

Es sind nur selten Dinge wie die Regeln, die Handhabung oder selbst die Präsentation, die einen MMORPG-Spieler langfristig bei der Stange halten. Auch die tollste Grafik bietet nach einigen Stunden Spielzeit keinen Anreiz mehr, während man sich andererseits aber auch an die schlechteste Steuerung und die unfairsten Kämpfe gewöhnen kann. Wenn man aber die Spieler fragt, warum sie nach zwei oder drei Jahren immer noch das Spiel spielen, bekommt man immer dieselbe Antwort: Es ist die Community.

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Leute, können wir das nicht friedlich lösen?
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Die Spieler lernen im Rollenspiel andere Leute kennen, schließen Freundschaften und organisieren sich in Gilden. Sie erleben gemeinsam Abenteuer und tauchen in die Hintergrundwelt ein. Genau an dieser Stelle kommt Lego Universe jedoch ins Straucheln.

Zwar hat man die Wichtigkeit des sozialen Verknüpfens mit anderen erkannt, und erhebt „Connect with Friends“ neben „Building“ und „Playing“ zu einem der drei Grundpfeiler des Spiels. Und ja, man kann natürlich auch mit anderen chatten, tauschen, um die Wette laufen, die Kreationen der anderen besuchen und sich in den Minigames mit ihnen messen. Doch das Connecten wird einem nicht leicht gemacht – und das liegt ausgerechnet an Legos größtem Vorteil, der breiten Zielgruppe.

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Charmebolzen: Der Grafikstil ist kindgerecht wie immer.
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Die Marke Lego ist seit vielen Jahren auf dem Markt, steht für qualitativ hochwertiges und kreatives Spielzeug. So ziemlich jeder hat in seinen Kindertagen damit gespielt, und daher wundert es natürlich nicht, dass Lego in den gut 60 Jahren seines Bestehens viele treue Fans quer durch alle Altersgruppen gewonnen hat. Doch primär bleibt Lego natürlich Kinderspielzeug, und daher ist auch Lego Universe in erster Linie für Kinder geeignet.

Ein Online-Rollenspiel für eine jüngere Zielgruppe erfordert jedoch umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Kinder. So auch im Lego Universe, wo Namen vor der Freigabe geprüft werden und die Chat-Funktionen stark eingeschränkt sind. Alle Eingaben werden vorher automatisch geprüft, wenn dem System etwas nicht gefällt, muss man umformulieren. Doch vor der dahinter liegenden Intelligenz würde selbst ein sadistischer Hülsenfruchtzähler mit Bürokratiefetisch in Ehrfurcht erblassen.

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Kommunikation: Alles muss, nichts geht.
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Fast nichts ist erlaubt, und nach Minuten des ergebnislosen Chat-Versuchs sammelt die Tastatur Bissabdrücke der Verzweiflung. Das System sperrt sich offensichtlich willkürlich gegen sogar ganz alltägliche Worte oder sogar etliche vom Spiel verwendete Termini wie „Riki Rakete“, erlaubt dann aber andererseits auch wieder durchaus doppeldeutige Formulierungen wie „Kommst du nicht hoch?“ Die Logik dahinter erschließt sich nicht, und die Chatlaune bleibt auf der Strecke: Im Frust versinkt schnell jeglicher Versuch der Kommunikation mit anderen.

Zudem sollte man sich als erwachsener Spieler darüber im Klaren sein, dass man noch viel mehr als in anderen MMORPGs mit Kindern zusammenspielt. Optimal geeignet ist Lego Universe daher für Familien – der legobegeisterte Vater und die gelegentlich spielende Mutter, die ein Spiel suchen, das sie mit ihren heranwachsenden Kindern gemeinsam spielen können und dabei deren Kreativität und soziale Kompetenz fördern – ohne sich selbst dabei zu langweilen.

Ganz ohne elterliche Kontrolle geht das Spielen für den Nachwuchs trotz der Chat-Kontrolle nicht – hier fehlen umfassende, von den Eltern einzustellende Regeln für den Account ihres Sprösslings wie etwa bei einem der wenigen Konkurrenz-Produkte: Free Realms. Dort lässt sich etwa festlegen, wie viele Stunden täglich und zu welchen Uhrzeiten gespielt werden darf.