Es ist nur eine Alpha-Version, die vom gefürchteten H1Z1-Virus verbreitet wurde. Und doch hat die Krankheit schon wenige Minuten nach Ausbruch ihre ersten Opfer gefordert. Die Symptome: Ausgeprägte Tollwut und ein Hass auf alles und jeden. Insbesondere auf die Schöpfer der Seuche, deren Skrupellosigkeit offensichtlich keine Grenzen kennt.

Sony Online Entertainment hat es getan. Man hat H1Z1 via Steam unters Volk gestreut, nicht ohne vorher die Warnung auszusprechen, den ‘Early Access nicht zu kaufen, wenn man ein fertiges Produkt erwarte. “Das Ziel hierbei ist es, euch früh reinzulassen, damit ihr uns helft, ein Spiel zu formen, von dem ihr für lange Zeit ein Teil sein wollt.”

Wir haben euch gewarnt!

Smedleys Worte klingen durchaus vernünftig, doch hätte er sie sich auch gleich sparen können. Kaum war H1Z1 nämlich auf der Steam-Startseite aufgetaucht, wurde der Pawlowsche Gamer-Reflex ausgelöst. Die Spieler fingen an zu sabbern, wollten und mussten dieses Spiel haben. Smedleys sicherlich gut gemeinte Warnung war nun ebenso vergessen wie die Tatsache, dass man 19,99 Euro oder wahlweise 36,99 Euro für den Alpha-Zugang zu einem Free-To-Play-Titel zahlen sollte.

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Rund 30.000 Spieler sind es aktuell, die sich via Steam gleichzeitig in H1Z1 herumtreiben unzählige mehr warten auf Einlass. Erfahrungsgemäß sind das etwa zehn Prozent derer, die insgesamt über einen Account verfügen. Etwa zehn Millionen Dollar dürfte SOE mit H1Z1 also schon eingenommen haben - Monate, vielleicht Jahre bevor das Spiel überhaupt fertig sein wird.

Bitterer Nachgeschmack

SOE dürfte sich über diese Finanzspritze durchaus freuen. Die Spieler, die ja eigentlich gar keine Spieler sein sollten, sondern Entwicklungshelfer, ärgert das allerdings gewaltig. Sie fühlen sich über den Tisch gezogen, jammern über Bugs, technische Probleme sowie, wer hätte das gedacht, ein spürbar unfertiges Spiel.

Dabei fällt auf, dass sich die Spielerschaft grob in zwei Lager unterteilt, die bislang eigentlich sehr wenig miteinander zu tun hatten: Die MMOG-Fans einerseits, die sich mangels Alternativen auf das Open-World-MMOG gestürzt haben und die Fans von Survival-Games wie DayZ auf der anderen Seite, die es durchaus gewohnt sind, einen Zwanziger für Unfertiges zu löhnen.

Alles Gute kommt von oben

Konkret sind es die ‘Airdrops’, die vor allem die Survival-Szene zum Amoklaufen bringt. Für Echtgeld schmeißen SOEs Rosinenbomber nämlich ein paar zufällige Vorräte und Ausrüstungsstücke ab. Sony hält das für unbedenklich, schließlich könne man die Luftpost nur bestellen, wenn der Server ordentlich gefüllt sei. Zudem sei der Inhalt des Abwurfs nicht bekannt und die Gefahr entsprechend groß, denn er locke Zombiehorden an.

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Man garantiere nicht dafür, dass der Besteller auch nur ein Stück der bestellten Ware erhalte, denn SOE fliege das Flugzeug sehr langsam und laut und der grüne Rauch mache es schon von weitem sichtbar. Entsprechend wahrscheinlich ist es also, dass außer den Zombies auch andere Spieler auf die Lieferung aufmerksam werden und an der Abwurfstelle gekämpft wird.

Zwanzig Euro und keinen Cent mehr!

Für viele MMOG-Veteranen geht das, sofern die Abwürfe erst einmal ordentlich umgesetzt sind, theoretisch in Ordnung. Sie denken schon darüber nach, wie man den Käufern ihre begehrte Lieferung abjagen kann. Die Survival-Liga allerdings ist mehrheitlich strikt gegen eine solche Option und keinesfalls bereit, über den Einstiegspreis hinaus noch etwas zu berappen.

Ein besonders dummes Missverständnis, denn H1Z1 wird gar keinen Einstiegspreis haben. Wie PlanetSide 2 wird auch H1Z1 als Free-To-Play-Game auf den Markt kommen. Die Pakete, die SOE da abwirft, sind der erste konkrete Entwurf einer Idee, wie man zahlungswilligen Spielern die Möglichkeit geben kann, Geld ins Spiel zu stecken, ohne ein allzu großes Ungleichgewicht zu schaffen. Er ist ebenso wenig final wie der Rest von dem Gerüst, aus dem mal ein Survival-MMORPG werden soll.

Die süßeste Versuchung seit der Apokalypse

Ein Missverständnis, das SOE ganz klar mit verursacht hat und das sowohl dem Studio als auch H1Z1 extremen Schaden zufügen wird. Man hätte der Versuchung widerstehen müssen, den Zugang zum Spiel auf Steam anzubieten und damit einer Gruppe von Spielern, die mit MMORPGs überhaupt nichts am Hut hat.

Diese Spieler haben Smedleys warnenden Worte nicht gelesen. Sie wissen auch nicht viel über die Entwicklung von MMORPGs und schon gar nicht über deren Finanzierung. Sie haben keine Ahnung, mit welchem personellen Aufwand SOE da zu Werke geht. In beinahe jedem Beitrag vergleichen sie H1Z1 mit DayZ oder gar Infestation, dem ehemaligen The War Z, als handle es sich bei all diesen Spielen um finale und damit vergleichbare Produkte.

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SOE hat das Geld dieser Community bewusst mitgenommen, dabei aber unterschätzt, welche Konsequenzen daraus erwachsen können. Jetzt bietet Smedley, der früher mal versprochen hatte, keine Waffen über H1Z1 abzuwerfen, verärgerten Käufern gar eine Rückabwicklung an - aus technischen Gründen jedoch nicht via Steam. Doch die wütende Masse hat längst deinstalliert und ohnehin weiß dort kaum jemand, wer dieser John Smedley eigentlich ist und was er denn jetzt noch will, nachdem er die Community um ihr Erspartes gebracht hat wie seinerzeit die Macher von The War Z.

Wer im Glashaus sitzt, sollte sich kein Geld zuwerfen lassen

Dabei lief bis dato alles so wunderbar für H1Z1. Eine kleine, beschauliche Gemeinde aus MMORPG-Fans mit Vorliebe für offene Welten und PvP-Affinität begleiteten das Projekt und begrüßten SOEs Offenheit und die gläserne Produktion. Mit diesen Leute konnte man arbeiten, ihre Wünsche, Bedenken, Kritikpunkte waren nützlich und wichtig.

Damit ist es jetzt vorbei. Die Stimmen der Weisen werden von denen der lauten, wütenden Masse übertönt. Die gläserne Produktion läuft Gefahr, zu einem Scherbenhaufen zu werden. Im schlimmsten Falle übernehmen die Survival-Puristen jetzt das Ruder und machen aus H1Z1 tatsächlich, was kein MMORPG-Fan wirklich möchte - doch nur ein weiteres DayZ.

Overwatch - Paintball-Fans bekommen es schon jetzt

Während SOE gegen die aufgebrachten Apokalyptiker kämpft, schlägt sich Blizzard mit Juristen herum, denn das Titan-Überbleibsel Overwatch könnte seinen eingängigen Namen verlieren. Den hatte sich nämlich ein anderes Unternehmen bereits gesichert, als Blizzard auf die Idee kam, seine Rechte daran anzumelden.

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Wer also unbedingt Overwatch haben möchte, sollte sich schon mal darauf einstellen, dass es sich dabei um eine App für Paintball-Spieler handeln könnte. Fans von Blizzards Projekt hingegen sollten vielleicht die Gunst der Stunde nutzen und sich einen schnittigen Namen einfallen lassen, den man dem neuen Spiel geben könnte. Oder man nennt es einfach wieder beim Namen: Titan.

Crowfall - Kniefall vor der Community

Keine Namenskonflikte gibt es derweil bei dem Studio, das auf der Webseite mit dem schnittigen Namen Play2Crush mit einem Countdown aufgefallen war. Das Spiel der beiden Entwickler, die in ihrer Vergangenheit Titel wie Ultima Online, Star Wars: Galaxies und Shadowbane mit zu verantworten hatten, soll Crowfall heißen.

Wiped! - Die MMO-Woche - Postapokalyptischer Scherbenhaufen

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Crowfall soll an alte Zeiten anknüpfen und versucht das mit einem zeitlosen Grafikstil.
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Ganz konfliktfrei kommen jedoch auch die Herren Coleman und Walton nicht davon, fühlten sich viele MMO-Fans doch von dem Text auf der Webseite angegriffen, der mit den Worten “Where did we go wrong?” einleitete. Den Fehler allerdings, so erklärte J. Todd Coleman jetzt, schreibe man nicht irgendwem zu. Er habe damit sich selbst gemeint, der mit “WoW im Weltraum”, “WoW mit Vampiren” oder “WoW mit Weltraum-Vampiren” zufrieden gewesen sei, statt innovativ zu sein. Das wolle er nun korrigieren und etwas Neues bauen.

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Identity - kommt nach dem zweiten Leben

Neues schwebt auch dem Studio mit dem interessanten Namen Asylum Entertainment vor. Ein MMORPG nämlich mit “kompletter Freiheit” und einem Fokus auf Spieler-Interaktion. Und als wäre das nicht schon schwierig genug, hat man sich auch noch vorgenommen, das Spiel mit dem eingängigen Namen Identity mit einer realistischen Grafik zu versehen, wie sie derzeit kaum ein Solo-Game bietet.

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Dafür bemüht man die nagelneue Unreal Engine 4 und einige begnadete Artisten. Und weil das alles ordentlich ins Geld geht, hofft man auf die Unterstützung hoffnungsvoller Gamer, die den Traum einer zweiten Realität - samt netter Wohnung mit Einbauküche - träumen. Und tatsächlich - über ein Drittel der insgesamt erhofften 150.000 Kanadischen Dollar hat man bereits zusammen. Bleibt nur zu hoffen, dass man ein Projekt wie Identity damit stemmen kann

Pantheon: Rise of the Fallen - nicht abgeschrieben

Wobei auch eine gescheiterte Crowdfunding-Kampagne nicht notwendigerweise das Aus für ein Projekt bedeuten muss. Brad McQuaids MMORPG Pantheon: Rise of the Fallen war seinerzeit auf Kickstarter gescheitert und bei Visionary Realms musste man einige personelle Verluste hinnehmen.

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Trotzdem arbeitet McQuaid mit einem kleinen, passionierten Team und hohem persönlichem Risiko weiter an Pantheon. Und der Einsatz scheint sich zu lohnen. Creative Director Chris Perkins verspricht jetzt sogar, dass man nicht mehr aufgeben werde. Am Ende, so der Entwickler werde tatsächlich ein fertiges Spiel dabei herauskommen.

Elite: Dangerous - das expandierende Universum

Wobei fertig ja immer relativ ist, wenn es um ein MMORPG geht, denn die sind bekanntlich niemals fertig, wenn man seine Spieler halten oder gar noch neue gewinnen möchte. David Braben weiß das und macht bei Elite: Dangerous das Gegenteil von dem, was ein großer Publisher nach Release seiner Titel für gewöhnlich tut.

Nach dem Release hat man bei Frontier einen Kassensturz vorgenommen und festgestellt, dass man mit dem Spiel einen Überschuss erzielt hat. Grund genug für David Braben, die Gewinne wieder dort zu investieren, wo sie am besten aufgehoben sind und das Entwicklerteam aufzustocken, damit die Updates künftig schneller kommen. Aktuell sind es übrigens die von mir im Test bemängelten Multiplayer- und Clan-Optionen, an denen Braben und sein Team arbeiten.

EVE Online - nach Proteus wird es finster

Überhaupt geht es bei den Weltraum-MMOs erfreulich fix voran, denn auch die von CCP in diesem Jahr eingeführte Patch-Politik trägt Früchte und beschert den Fans von EVE Online ein Update nach dem anderen. In dieser Woche war es Proteus, das sowohl Weltraum als auch Schiffe wieder einmal optisch aufwertet. Und damit die Community stets im Bilde darüber ist, was man bei CCP so angestellt hat, hat man das vergangene Jahr noch einmal mit dem Spielerrat analysiert.

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Das laufende Jahr wird dann auf jeden Fall finster für die Isländer. Zumindest im am 20. März, denn dann schlägt die nächste Totale Sonnenfinsternis zu und die hat ihr Zentrum - wie sollte es auch anders sein - in Island. Zur gleichen Zeit hält CCP, wie es der Zufall will, sein berüchtigtes Fanfest ab, dem ich natürlich wieder beiwohnen werde - zum nunmehr fünften Mal in Folge. Doch das ist eine andere Geschichte und soll im März erzählt werden.