Neue Spiele haben die großen Studios derzeit nicht auf Lager. Macht aber nichts, schließlich gibt es noch genügend offene Baustellen, mit denen man sich beschäftigen kann. In Guild Wars 2 zum Beispiel, in Tera, in Firefall sowie in jedem anderen Online-Game, das man uns in den letzten Jahren verkauft hat.

Zweieinhalb Jahre ist es nun auch schon wieder her, dass ich mich in meinem Arbeitszimmer eingeschlossen und über vier intensive Wochen hinweg Guild Wars 2 gezockt habe. Eine Woche davon verbrachte ich mit dem PvE-Inhalt, die restlichen drei Wochen erstürmte ich mit meiner Gilde wohl jede Festung, die es in den Grenzlanden zu erstürmen gab.

Wie gewonnen, so zerronnen

Dann allerdings ging dem Spiel die Puste aus. Für einen Vielspieler wie mich bot Guild Wars 2 schlicht zu wenig Abwechslung. Neuer PvE-Inhalt kam zu langsam nach, die PvP-Arenen konnten längst nicht mit guten MOBA-Games mithalten und das Welten-PvP war eine unendliche Geschichte, in der man erbittert um eine Burg kämpfte, nur um sie, während man sich einen Kaffee kochte, gleich wieder zu verlieren.

Und so gammelte Guild Wars 2 in den folgenden Monaten und Jahren auf meiner Platte vor sich hin. Die Updates nahm ich allesamt fleißig mit, loggte sogar hier und da mal ein. Die “Lebendige Welt” blieb jedoch ebenso weit hinter den Erwartungen zurück wie die “dynamischen Events” - vom gleichgültigen Welten-PvP mal ganz zu schweigen. Auch die Aktivität in der ehemals so riesigen Community ist spürbar zurückgegangen, trotz Abofreiheit. Guild Wars 2, so scheint es, droht langsam in Vergessenheit zu geraten.

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Von allem etwas

Grund genug für ArenaNet, dieser Entwicklung dringend entgegenzusteuern. Und wenn das mit den kleinen Updates nicht funktioniert, dann muss eben ein großes her: Eine klassische Erweiterung mit dem Titel Heart of Thorns. Führen soll die ins Herz des Dschungels, wo Zivilisationen auf die Spieler warten, neue Bosskämpfe, herausfordernde Inhalte für Gruppen, eine neue Klasse.

Außerdem arbeitet man wohl an einem neuen PvP-Modus, der ein paar Elemente von Hybrid-Spielen wie Natural Selection aufzugreifen scheint. Auf jeden Fall sollen, so der Plan der Entwickler, darin nicht nur PvP-Fans auf ihre Kosten kommen, denn eine Gruppe, die in “Stronghold” aktiv ist, muss jemanden abstellen, der Versorgungsgüter organisiert und Truppen managt.

Erweiterte Grenzen

Selbstredend, dass dieses Element ebenso auf Clan- und Gruppenspieler abzielt wie die angekündigten Gildenbehausungen. Die sind im Video kurz zu sehen und lassen die Hoffnung aufkommen, dass sie sich nicht in einer unbedeutenden Instanz befinden könnten, sondern irgendwo auf den Karten des Welten-PvP, das um ein Grenzland erweitert werden soll.

Interessant dürfte in dieser Hinsicht auch die Ankündigung der Gleiter sein, die frappierend an die Fluggeräte aus ArcheAge erinnern und wunderbar in die Umgebung von Guild Wars 2 mit ihren unterschiedlichen Höhenlagen und der ganzen Hüpferei passen - ganz zu schweigen von den Möglichkeiten, die sich im Welten-PvP daraus ergeben könnten.

Ob man für selbiges allerdings auch eine dringend notwendige grundlegende Überarbeitung der nicht funktionierenden Mechaniken vorgesehen hat, ist bislang nicht bekannt, denn die Mitarbeiter von ArenaNet kommunizierten auf der PAX South gegenüber Kolleginnen und Kollegen lieber in Superlativen, statt mit wirklich brauchbaren Details rauszurücken.

Notfallplan des Westens?

Klar ist: NCSoft West benötigt die Einnahmen aus der anstehenden Erweiterung dringend. In den letzten Quartalszahlen kam der westliche Zweig des südkoreanischen Publisher nicht sonderlich gut weg. WildStar steht jenseits von Gut und Böse, die mit Guild Wars 2 erzielten Einnahmen waren im dritten Quartal des vergangenen Jahres um besorgniserregende 8,5 Prozent eingebrochen..

Die erste kostenpflichtige Erweiterung könnte zumindest einen Teil der ursprünglichen Fangemeinde noch einmal zurück ins Spiel locken, das grundsätzlich kein schlechtes war, jedoch aufgrund der Doppelausrichtung auf PvP und PvE gleichzeitig viel zu viele offene Baustellen hatte, um langfristig zu begeistern. Die zu schließen sollte jetzt jedoch unbedingt Vorrang haben, bevor man mit zu vielen neuen Inhalten gleich weitere Probleme schafft. Überzeugt die Erweiterung nämlich nicht, dürfte das nicht nur verheerende Auswirkungen auf das Team von ArenaNet haben, sondern auf NCSoft West insgesamt.

TERA - baut Luftschlösser

Ganz ähnliche Ideen wie ArenaNet scheint man auch bei EnMasse zu haben. Dort hat man, nachdem man den Rechtstreit mit NCSoft beigelegt hat und endlich wieder mit voller Kraft entwickeln darf, jede Menge weitere Ideen in der Schublade. Das nächste bedeutsame Update ist für den 24. Februar angesetzt und, ähnlich wie die Erweiterung zu Guild Wars 2, stark auf Gilden ausgerichtet.

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Diese Strategie hat durchaus einen Grund, haben mehrere Untersuchungen doch gezeigt, dass ein MMOG-Spieler vor allem dann bereit ist, über einen langen Zeitraum hinweg in einem Spiel zu verweilen, wenn er Mitglied einer Spielergemeinschaft ist. Und so sehr einige Solisten gerade in den Foren gegen die kommenden Clan-Inhalte von Guild Wars 2 und TERA wettern - sie sind nun mal der Kern eines jeden MMOs. Nur wenn Gilden echte Ziele haben, an denen sie arbeiten können, bleiben sie bestehen.

Die obere Liga

Für TERA sind entsprechend gleich mehrere Dinge geplant, darunter der Kreuzzug - ein Kampfsystem, in dem Gilden gegeneinander antreten, um sich einen ruhmreichen Platz im eingebundenen Liga-System zu sichern. Die Top-Gilden eines jeden Servers können dann auf eines von mehreren Luftschlössern als neues Vereinsheim hoffen.

Außerdem versprechen die Entwickler für die Teamplayer von TERA noch zwei neue Dungeons, ein PvP-Schlachtfeld für zwei Teams zu je fünf Personen und die bereits erwähnte neue Klasse. Anders als Heart of Thorns werden die Erweiterungen natürlich weiterhin kostenlos angeboten und dürften, angesichts des nahen Erscheinungstermins, kaum mit der Guild-Wars-Erweiterung kollidieren.

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Firefall - Angst vor PvP

Auch in den Red5 Studios bemüht man sich derzeit, sein mäßig laufendes Spiel mit einem Update wieder auf Trab zu bringen. Und wenngleich Firefall in seinem jetzigen Zustand noch immer ein Schatten dessen ist, was der im letzten Jahr gechasste Mark Kern uns einst versprochen hat, so ist es doch gut für das eine oder andere unterhaltsame Feuergefecht - ein Spiel für zwischendurch also.

Immerhin scheint man bei Red5 verstanden zu haben, an welchen Baustellen man noch arbeiten muss. Bei vielen der Veränderungen handelt es sich um kleine, aber wichtige Details. Dazu kommt das PvE-Kriegsgebiet im Amazonas, das für etwas mehr Abwechslung im derzeit arg maroden Endgame-Bereich des Spiels sorgen soll, jedoch leider einmal mehr offenbart, welche große Angst insbesondere amerikanische Studios vor nachhaltigem PvP haben. Ein Fehler.

Destiny - Reparaturarbeiten

Fehler hat man auch bei Bungie gemacht. Und das sage ausnahmsweise mal nicht ich, sondern Game-Designer Luke Smith, der Fehler im Design des ersten DLCs zum Spiel einräumt. Und die verspricht er im zweiten DLC zu korrigieren. Im Hinterkopf hatte der Entwickler hierbei wohl konkret die “Wirtschaft” des Spiels, konkret die Belohnungen.

Ziel für den kommenden DLC, der den Titel “Haus der Wölfe” trägt, sei es, “den Grind zu verringern und Spieler die spaßigen Teile ihres Arsenals schneller zukommen zu lassen”. Klingt gut, beseitigt jedoch noch lange nicht die schwerwiegendsten Probleme von Destiny. Die hat das Spiel nämlich vor allem, was den Langzeitspielwert betrifft. Doch wer weiß - vielleicht ist das bei einem DLC-Game dieser Größenordnung auch durchaus nicht ganz unbeabsichtigt.

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PlanetSide 2 - “laggy, aber spaßig”

In welcher Größenordnung PlanetSide 2 anzusiedeln ist, wollte Sony Online Entertainment am vergangenen Wochenende beweisen. Man trommelte am 24. Januar so viele Spieler wie möglich zusammen und schickte sie, wie üblich, gegeneinander in den Kampf. So brachte man es auf 1.158 Spieler in einer einzigen Instanz und stellte so einen neuen Rekord für die “meisten Spieler online in einem Single-FPS-Battle” auf. Der war, so die hervorstechende Meinung der Community, zwar “laggy, aber spaßig”.

Verglichen mit einem MMOG beeindruckt diese Zahl natürlich wenig - verglichen mit anderen FPS-Games hingegen schon. Zumindest macht die Größenordnung Hoffnung, dass in manchen Studios noch immer daran gewerkelt wird, Online-Welten wieder etwas massiver zu machen. Bedenkt man, dass ein Server von Ultima Online 1998 noch auf 30.000 Spieler ausgelegt war, während die meisten modernen MMOs gerade mal wenige tausend Spieler verkraften, kann etwas technische Grundlagenforschung an dieser Stelle nicht schaden.

Elite: Dangerous - weniger ist manchmal mehr

Mit vielen Spielern kommt auch der Server von Elite: Dangerous klar - allerdings nicht an einem Fleck. Befinden sich zu viele Raumschiffe in einem Sonnensystem, öffnen sich unbemerkt Instanzen. Jedoch ist die Milchstraße im Spiel derart groß und die Spieler derart erkundungsfreudig, dass es nicht so oft zu Begegnungen kommt, wie man es in gewöhnlichen MMOGs gewohnt ist.

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Nicht mehr so klar kommt man bei Frontier derzeit allerdings mit der Zahl der Mitarbeiter. So macht derzeit eine Nachricht die Runde, nach der sich das Unternehmen von 15 Mitarbeitern verabschiede. Entgegen ersten Befürchtungen scheint die unschöne Ankündigung jedoch durchaus positive Seiten zu haben - wenn schon nicht für die Betroffenen, dann zumindest für Core-Gamer.

Die Games-Industrie ist kein Vergnügungspark, Frontiers nächstes Spiel schon

Die 15 Entlassenen werkeln nämlich allesamt im Frontier-Studio in Halifax. Das wird geschlossen, weil es komplett auf die Entwicklung von Handy- und Casual-Games ausgerichtet war. Von dieser Sparte möchte man sich jedoch komplett verabschieden und sich wieder dem harten Kern zuwenden. Und der besteht traditionell nicht nur aus den Fans von Elite: Dangerous.

Was nicht jeder weiß: David Brabens Studio hat nicht nur Elite entwickelt, sondern auch die sehr beliebte RollerCoaster-Tycoon-Serie bis zum dritten Teil. Und die soll einen neuen Ableger bekommen, der wie Elite: Dangerous in Cambridge entwickelt wird. Das Spiel wird Coaster Park Tycoon heißen und die Herzen aller Vergnügungsparkarchitekten und -Manager vermutlich höher schlagen lassen.

Ausblick

Höher schlagen werden möglicherweise auch die Herzen der Fans von Richard Garriott, wenn sie im Laufe der kommenden Woche unser ellenlanges Interview mit dem Mann lesen, der in den 1970ern das Computerrollenspiel mit erfunden hat, in den 1990ern dann das MMORPG, der in den 00ern als Entwickler strauchelte, als erster Privatmann zur Internationalen Raumstation flog und der nun mit Shroud of the Avatar einen ganz neuen Vorstoß ins Genre versucht. Also - wir lesen uns!