Ostern gehört nicht gerade zu den Festen, die in den USA oder in Asien großartig begangen werden. Entsprechend haben uns auch in dieser Woche wieder derart viele Nachrichten aus Ost und West erreicht, dass wir wieder mal zum Rundumschlag ausholen müssen, nachdem wir uns einen der üblichen Verdächtigen vorgeknöpft haben.

Mit der Entwicklung von Computerspielen ist das ein wenig wie mit der Schürferei nach Gold. Man kann jahrelang von früh bis spät bis zu den Hüften im Wasser stehen und findet doch nur ein paar Krümel, die kaum den Lebensunterhalt sichern, während der Typ neben einem mit dem ersten Schwung ein paar fette Nuggets im Sieb hält, die ihn zu einem reichen Mann machen.

Mehr Technik, mehr Glück?

NCSoft gehörte einst zu diesen Glückspilzen. Die Südkoreaner waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort und merkten bald, wie genial Ultima Online war und dass diesem neuen Spielkonzept namens MMORPG die Zukunft gehören würde. Man setzte Jake Song daran, einen Gegenentwurf zu basteln, lockte Richard Garriott mit einem Schwung Unternehmensanteilen gleich noch mit ins Boot, nachdem der Ultima-Erfinder mit Electronic Arts aneinandergeraten war, und brachte Lineage auf den Markt.

Das Spiel gilt bis heute als Grundstein des asiatischen Erfolges auf dem umkämpften Markt der Online-Games. Es war die Steilvorlage für eine junge Branche und das Goldstück, von dem NCSoft seit über 15 Jahren zehrt. Doch wie so oft bei den Goldgräbern gab man sich bei NCSoft nicht zufrieden, sondern baute mit dem Gold ein gewaltiges Unternehmen auf, einen Konzern. Das Ziel: Mit viel mehr Personal und Technik mehr schürfen, schneller schürfen und viele weitere Nuggets heranschaffen.

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Taumeln in den Untergang

Doch ganz so einfach ist es eben doch nicht. Zwar konnte sich das Unternehmen recht gut am Markt positionieren, zog jedoch nie wieder einen solch dicken Brocken aus dem Wasser - obwohl man mit unzähligen Mitarbeitern an allen erdenklichen Stellen zu schürfen begann. So auch im Westen, der wegen dürftiger Internet-Infrastruktur den Asiaten noch immer um Jahre hinterhinkte.

Doch der westliche Ableger wollte nicht so recht in die Gänge kommen. Interne Interessenkonflikte verhinderten, dass Lineage und sein Nachfolger in der westlichen Welt Fuß fassen konnten. NCSoft schlug alle Warnungen in den Wind, butterte Unsummen in die westliche Tochter, versuchte sich zeitweise gar mit einer Europa-Vertretung, in der man weitere Millionen sinnlos versenkte.

Im Westen nichts Neues

In Südkorea liefen die guten Teams davon, im Westen bekam man erst gar keine zusammen. Kaum ein Spiel konnte überzeugen, die meisten wurden eingestellt. Einzig die Jungs von ArenaNet konnten sich behaupten, lieferten mit Guild Wars ein nicht überdurchschnittlich gutes, aber doch funktionierendes Onlinespiel ab und bauten mit Guild Wars 2 diesen Ansatz noch einmal aus und gingen etwas konsequenter in Richtung MMOG.

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Entsprechend wird der westlichen Tochter jetzt auch langsam der Geldhahn abgedreht. 16 Mitarbeiter des ehemals stolzen, westlichen Hauptquartiers in Austin wurden in der vergangenen Woche entlassen - unbestätigten Insider-Informationen zufolge handelte es sich dabei um das komplette Support-Team. Es scheint fast, als habe man NCSoft West nach dem Misserfolg von WildStar komplett abgeschrieben.

Selbst ist der Publisher

Das muss nicht zwangsläufig schlecht sein, denn in Südkorea arbeitet man mit Lineage Eternal längst an einer Möglichkeit, die Spiele weltweit selbst zu vermarkten und zu betreuen, ohne sich externe Stellen leisten zu müssen, die am Ende doch nicht so funktionieren, wie man sich das vorgestellt hätte.

Dann müssen westliche Spieler wenigstens nicht mehr jahrelang warten, bis sie mal in den Genuss eines längst in Asien veröffentlichten Spiels kommen - nur um dann festzustellen, dass man mit vergleichsweise wenig Support und dafür vergleichsweise hohen Preisen abgezockt wird. Sofern ein Spiel überhaupt erscheint - auf das in Südkorea recht erfolgreiche Blade & Soul warten wir immerhin noch heute.

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ArenaNet hält die Fahnen hoch

Wobei zumindest ein westlicher Ableger von NCSoft noch nicht ganz abgeschrieben sein wird: ArenaNet, die mit Guild Wars 2 einen recht soliden Beitrag zum Gesamtumsatz beigetragen haben. Doch auch der hat in den letzten Monaten spürbar nachgelassen, immerhin folgt Guild Wars 2 dem spielerfreundlichen Buy-To-Play-Modell.

Entsprechend dringlich ist es dem Publisher derzeit mit der ersten kostenpflichtigen Erweiterung zu Guild Wars 2: Heart of Thorns. Die wird wieder zum Vollpreis angeboten und soll noch einmal einspielen, was Guild Wars 2 einst an Umsatz generierte. Tatsächlich allerdings scheint sich die Begeisterung vieler ehemaliger Spieler in Grenzen zu halten.

MOBA inside

Das liegt an der allgemeinen MMO-Müdigkeit einerseits, andererseits jedoch auch daran, dass ArenaNet bislang kaum triftige Gründe liefert, noch einmal tief in den Geldbeutel zu greifen, um eine Erweiterung zu spielen, die zwar jede Menge Kleinigkeiten und Detailarbeit zu bieten hat, jedoch wirklich große Features, die den Preis rechtfertigen würden, missen lässt.

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Doch vielleicht trägt der kommende PvP-Beta-Test dazu bei, ein wenig Begeisterung zu wecken. Am kommenden Dienstag dürfen alle Käufer des Originals den neuen Wettkampfmodus “Festung” testen, der als eines der wesentlichen neuen Features angekündigt wurde und stark an ein MOBA-Game erinnert. Bis zur kommenden Woche dürften wir wissen, ob das eine gute Idee ist und wie man sie umgesetzt und ins Spiel eingebunden hat.

Black Desert - folgt es ArcheAge in den Untergang?

Generell ist es nämlich für Entwickler nicht immer ganz einfach, eine Idee, die in der Theorie gut klingt, auch praxistauglich umzusetzen. Insbesondere in Onlinespielen mit PvP-Anteil schaffen es Spieler immer wieder, Lücken im System auszumachen und für sich dergestalt auszunutzen, dass das komplette Spielkonzept dadurch auf einmal wie ein Kartenspiel zusammenbricht.

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Auch Black Desert scheint derzeit ein Problem mit dem Konzept zu haben, denn die anfangs so eindrucksvollen Spielerzahlen gehen schon in der Betaphase signifikant zurück. Und auch die Maßnahmen, die von den Entwicklern ergriffen werden, um den Fall aufzuhalten, scheinen nicht die gewünschte Wirkung zu erzielen. Im Gegenteil - denn nun befürchten die Fans, dass ihre große Hoffnung schon vor Release zerstört wird.

Konkret sind es die Anpassungen der Levelkurve, die den Fans Sorgen bereiten, das PvP-System und das plötzliche Verschwinden vieler anspruchsvoller Gruppen- und Open-World-Inhalte, darunter die Bosse und Häuser samt privater Läden. Zu den Gründen schweigen die Entwickler - es scheint aber fast so, als passe man Black Desert für die Vorlieben der Solo-Gamer an und das wäre ein verheerender Schritt für die Sandbox.

Triad Wars - stapelt nicht zu hoch

Da ist es manchmal klüger, von Anfang an nicht allzu sehr auf den Putz zu hauen und das zu versprechen, was man am Ende tatsächlich liefern kann. Die Entwickler von United Front Games scheinen das berücksichtigen zu wollen und erklärten aktuell, dass ihr vielversprechender Titel Triad Wars entgegen früherer Hinweise kein MMO werde.

Der Nachfolger des gefeierten Sleeping Dogs soll jedoch einen Koop-Modus bekommen, in dem Spieler gemeinsam Operationen ausführen können. Angesiedelt ist Triad Wars ebenfalls in Hong Kong, spielt jedoch vor den Ereingnissen von Sleeping Dogs, wo die Stadt von Triadenkämpfen erschüttert wurde. In Triad Wars ist man also Teil des Problems, das Hautcharakter Wei Shen in Sleeping Dogs bekämpfen sollte.

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Ghost in the Shell Online - ab in die Lobby

Ebenfalls weit von einem MMO entfernt ist wohl auch Ghost in the Shell Online, das wir bereits in der vergangenen Woche kurz angeteasert hatten und zu dem jetzt ein paar mehr Infos vorliegen. Insgesamt soll es in dem Team-Game acht spielbare Charaktere geben, die in unterschiedlichen Spielmodi mit jeweils einem einzigartigen Skill - von Geschütztürmen über tragbare Bomben bis hin zu einer Tarnkappe, antreten.

Publisher des mutmaßlichen Lobby-Spiels ist übrigens Nexon, die aktuell auch angekündigt haben, Ghost in the Shell Online noch 2015 nach Amerika zu bringen. Wann es in Europa spielbar sein wird, ist derzeit noch nicht bekannt. Fraglich ist außerdem, ob es Nexon schafft, als Publisher endlich mal sauber zu arbeiten und den Kampf gegen Cheater entschieden zu führen.

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The War of Genesis 4 - Spiral Genesis Online - Formation einhalten!

Und noch ein Spiel der Kategorie “wie war doch gleich der Titel” haben wir auf der Liste: The War of Genesis 4 - Spiral Genesis Online, kurz TWoG4SGO. Das verspricht nicht weniger als über 300 spielbare Charaktere. Klingt verrückt, macht aber Sinn, wenn man sich die ersten Gameplay-Videos anschaut und bedenkt, auf welche Spielmechanik die Entwickler setzen.

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In TWoG4SGO steuert man als Spieler nämlich nicht nur einen Charakter, sondern eine ganze Gruppe von Helden - fast wie in einem Solo-Rollenspiel. Dabei spielen Formationen eine entscheidende Rolle und statt anspruchsloser Klickfolgen soll ein gewisses Maß an Taktik und Strategie ins Spiel kommen. Ob das funktioniert, wissen wir nicht, jedoch werden wir ein Auge auf die Berichte werfen, die uns aus der südkoreanischen Closed-Beta-Phase erreichen, die in der kommenden Woche beginnen soll.

Windward - Piraten voraus!

Ein Spiel mit Retro- und Indie-Charme gleichermaßen wird derweil Windward, das gerade auf Steam in den Early-Access gegangen ist. Windward verknüpft alte Pirates!-Erinnerungen mit flotten, isometrischen Kämpfen - zu Wasser und in der Luft. Dazu gibt es eine Menge von Sandbox-Mechaniken.

So lässt sich die Umgebung zerstören und die Erfüllung von Lieferaufgaben für bestimmte Städte sorgt dafür, das selbige mit der Zeit wachsen. Wer möchte, kann Windward als Solo-Game spielen - am meisten Spaß dürfte man jedoch mit Freunden haben. Und wenngleich Windward als Indie-Spiel sicher noch nicht das erhoffte Pirates!-MMO sein dürfte und noch jede Menge Entwicklungszeit in das Projekt fließen soll, lohnt es sich für Fans, das Ding mal anzuschauen.

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Music Man Online - Schuster, bleib bei deinen Leisten

Weit skurriler ist da noch das neue Music Man Online, das derzeit bei Snail Games entwickelt wird, dem Studio, das auch für Age of Wulin verantwortlich zeichnet. In Music Man Online, geistreicherweise kurz MMO, sammeln Spieler im Laufe ihrer virtuellen Karriere keine Jagdtrophäen und Waffen, sondern peppige Musik und eindrucksvolle Tanz-Moves.

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Dazu gibt es natürlich jede Menge mehr oder weniger schicke Klamotten, Autos und Immobilien zu erspielen und wohl auch zu erwerben - denn wer will schon wie ein armer Schlucker dastehen. Interessant ist Music Man Online vor allem deswegen, weil Snails CEO Shi Hai nicht nur die Spieleschmiede leitet, sondern ebenfalls eine ganze Reihe von KTV-Karaoke-Läden in Shanghai und Umgebung.

Kurz notiert - WildStar Online & Neverwinter

In die Kategorie “Features, die die Welt nicht braucht” kann man wohl auch das Minispiel für WildStar stecken, in dem sich Spieler gegenseitig mit einem Laser Phaser abschießen sollen. Überhaupt sind Minispiele sicher nicht das, was WildStar Online noch vor dem Untergang bewahren könnte und es scheint beinahe als hätten die Entwickler jedwede Bemühungen in dieser Richtung ohnehin längst aufgegeben und arbeiteten nur noch so lange es eben geht an was auch immer einem gerade in den Sinn kommt.

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Etwas substanzieller erscheint da schon das Elemental-Evil-Update zu Neverwinter, das aktuell veröffentlicht wurde und das bislang umfangreichste Update sein soll. Ob es auch künftig noch derart große Updates zu Neverwinter geben wird, ist allerdings fraglich, da allein im vergangenen Monat 18 Mitarbeiter der Cryptic Studios im Rahmen der von Perfect World angeordneten Kürzungen ihren Hut nehmen mussten.

Ausblick

Langfristig werden weder Carbine, Cryptic und all die anderen Studios da draußen auf jeden Fall neue Produkte liefern müssen, da die Mechaniken ihrer Spiele nicht darauf ausgelegt sind, über Jahre hinweg zu begeistern und entsprechend Umsatz zu generieren. Gelingt ihnen das nicht, sind sie dem Untergang geweiht. Doch vielleicht ist das gar nicht so schlimm, immerhin schaffen sie so Platz für neue, kreative Welten, die mehr bieten als ein paar nette Klassen, Umgebungen und NPCs, die von jedem Reisenden zehn Rattenfelle fordern.

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Crowfall scheint eine solche Welt zu werden, in der die Mechaniken vor den Landschaften entwickelt werden und die tiefgreifenden Inhalte vor den oberflächlichen. Nicht umsonst hat es auf Kickstarter eingeschlagen wie eine Bombe und mit 1,8 Millionen Dollar glatt ein Milliönchen mehr eingestrichen, als man sich erträumt hatte. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.