Und wieder ein weiteres kostenloses, mit Kostümverkauf und zahlpflichtigen Ramsch-Items finanziertes MMO, welches sich mit dem gleichen einfallslosen Animestil in eine Reihe stellt mit den immer gleichen anderen „Free to play“-MMOs, die man als Redakteur…Stop. So sieht zwar der erste Eindruck aus, als Aeria Games uns in den Redaktionsräumen besucht, aber es gibt dann doch einiges mehr, um Grand Fantasia aus der oft drögen Masse der WoW-Nachahmer und Japano-RPG-Stilanleihen hervorzuheben.

Grand Fantasia - Story TrailerEin weiteres Video

Like a Boss

Als Publisher und Entwickler steht man oft vor der folgenden grundsätzlichen Entscheidung: Stürzt man sich Kopf voran in die Untiefen innovativer Spielkonzepte und riskiert es, am Markt vorbei zu entwickeln oder geht man den sicheren Weg, produziert bereits Dagewesenes und hofft, von der Konkurrenz einen Teil der Konsumenten abzuzweigen? Grand Fantasia gibt sich klar mit der Reproduktion zufrieden. Gleich als erstes fällt der knuddelig verspielte und in Pastellfarben gehaltene Stil der Spielwelt ins Auge. Die Charaktere sind komplett im Kindchenschema mit großen Köpfen, dünnen Gliedmaßen und großen Augen gehalten.

Grand Fantasia - Das könnte selbst eure Freundin begeistern!

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Je kürzer der Rock, desto größer die Zielgruppe. Warum auch nicht?
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Was bei so niedlichen Charakteren allerdings Miniröcke und teils gewagte Ausschnitte zu suchen haben, mag einer erhofften Erweiterung der Zielgruppe geschuldet sein. Diese soll nämlich sowohl Jungen als auch Mädchen, beziehungsweise junge Männer und Frauen ansprechen mit der Mischung aus Putzigkeit und kämpferischen Inhalten. Um sich der Monsterscharen zu erwehren (MMO-typisch trifft man auf den großen Ebenen meist jeweils nur einen Monstertyp dicht an dicht gedrängt mit seinen Artgenossen an) gibt es immerhin acht Endklassen, zu denen ihr euch ausbilden könnt.

Vom Assassinen über den Magier, Kämpfer oder Waldläufer reicht das Heldenregister, welches nach Genrestandards aufgestellt ist. Zusammen mit bis zu maximal fünf Mitstreitern könnt ihr euch an Raids in der Spielwelt wagen, für Gilden ist ein höheres Limit geplant. Spannend und von der Standardformel abweichend wird es bei den imposant modellierten Bossgegnern, die der meist mit Fantasyanleihen gespickten Welt einen interessanten Kontrast entgegensetzen. Die Obermotze sind nicht weniger als offenbar durch Dampfkraft betriebene Riesenroboter. Sogar eine Art Steampunk-Optimus Prime konnten wir entdecken.

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Gegen solche Ungetüme tretet ihr erst recht spät im Spiel an.
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Wenn ihr aber nicht gerade das Levelmaximum von 65 erreicht habt und gegen diese Prachtgegner antretet, erwarten euch eher die üblichen Verdächtigen und jede Menge Erfahrungspunkte sammeln in Form von Quests oder einfach dem typischen Massenabschlachten stetig nachwachsender Monsterpopulationen. Rollenspieler, die gerne in der Welt ihre Spuren hinterlassen, dürfen sich über Statuen freuen, die in der Spielwelt zu ihren Ehren errichtet werden. Solch ein Monument wird demjenigen gewidmet, dem der finale Schlag beim Kampf gegen einen der seltenen Weltbosse gelingt. Die Statuen wechseln sogar je nach Ausrüstung des entsprechenden Spielercharakters ihr Aussehen, selbst wenn sie bereits am Eingang einer der großen Städte stehen.

Hardcoregaming und Homoehen

Aber auch abseits von Hochlevelorgien und Grindmarathons kann man sich in der Spielwelt vergnügen. Ein Beziehungssystem erlaubt Partnerschaften zwischen Charakteren (auch gleichgeschlechtliche, aber leider keine Polygamie). Besonders reizvoll sind dabei Partnerschaftsboni wie eine erhöhte Erfahrungspunktezuwachsrate. Pärchenquests, sammelbare Lovepoints und Liebesbriefe sind weitere Spielelemente, mit denen virtuelle Pärchen prahlen können. Nett für Spieler, die das Rollenspiel der reinen Spielmechanik vorziehen.

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Oooooh, da isser aber traurig, der kleine Tentakel.
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Der wirklich neue Aspekt des Spiels wird aber durch eine wirklich knuddlige Innovation verkörpert. Was zunächst an die Pets anderer MMORPGs erinnert ist in Wirklichkeit ein unschätzbarer Helfer. Gleich bei der Charaktererstellung werdet ihr mit einem sogenannten „Puk“ ausgerüstet, der nicht nur eine unglaublich putzige Kugelkreatur ist, sondern mit euch zusammen auch im Level aufsteigt. Und je stärker der Puk wird, desto stärker unterstützt er euch. Ihr könnt seine jederzeit per Fenster im Spiel einsehbare Behausung mit Werkbänken und Labortischen einrichten, so dass der kleine Geselle für euch neue Waffen schmieden, Tränke brauen oder andere Items generieren kann. Besonders witzig ist dabei eine Art Itemroulette, in dem ihr in immer schwieriger werdenden Runden stärkere Items gewinnen könnt…oder euren Einsatz unwiederbringlich verliert.

Mit seinen Aufstiegen erhält der kleine Helfer erst Beine, dann Arme und mit Kostümen könnt ihr sein Aussehen dann auch noch individuell anpassen. Im Spiel sahen wir gar einen kleinen Cthulhu-Puk. Auch auf das seelische Wohl will geachtet werden, ähnlich wie in den Neunzigern das Tamagotchi verlangt der Kleine regelmäßig nach Zuwendungen…meist in materieller Form. Besonders praktisch: Gegen eine kleine Bezahlung erledigt der Puk lästige Aufgaben wie das Aufstöbern bestimmter Ingredienzien, die ihr benötigt, vollautomatisch. So bleibt mehr Zeit für spannende Erkundungstouren durch das weitläufige Reich, anstelle des geisttötenden Abgrasens bekannter Gebiete nach dem letzten Fitzelchen Elfenflügelwasser.

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Und weils so schön war...die Puks sind einfach zu goldig.
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Wer Echtgeld investiert, kann seinem Puk übrigens mehrere Aufgaben in einer Befehlskette geben oder Erfahrungsbuffs für ihn kaufen. Weitere Spielbeschleuniger umfassen Leihmounts, falls ihr noch kein eigenes habt, Rucksäcke für mehr Inventarstauraum, praktische Potions und eine Abschaltung des Erfahrungspunkteverlustes im Falle eines Charaktertodes. Letztlich soll aber auch Nichtbezahlern ein vollwertiges Spielerlebnis geboten werden.