Es soll tatsächlich Spieler geben, die jene statischen Figuren lieben, die mit diversen Sonderzeichen über dem Kopf in der Landschaft stehen und Zeit ihres virtuellen Lebens vorgeben, Hilfe zu benötigen. Dabei sind diese Typen der Ausbund an Dämlichkeit und gehören dringend ausgerottet.

Was auch immer manche Spieler am gemeinen Quest-NPC finden - mich machen diese Typen aggressiv. Kaum habe ich ihnen die gewünschten zehn Rattenzähne gebracht, schicken sie den nächsten Deppen zu den Nagern, die natürlich punktgenau wieder dort aufgetaucht sind, wo ich eben noch über geschlagene zehn Minuten hinweg als Kammerjäger unterwegs war. Und das Feuer, das ich eben für seinen Kollegen gelöscht hatte, brennt auch schon wieder. Eine glaubwürdige Welt sieht anders aus.

Nicht reagieren, sondern agieren

Generell sind Quest-NPCs und deren sinnfreie Aufgabenerteilungen der offensichtliche Beweis für die Trägheit von MMOG-Entwicklern. Denen sollte nämlich längst klar sein, dass man Elemente, die ursprünglich für Solo-Welten gedacht waren, nicht mal eben so in eine persistente Umgebung übernehmen kann, ohne sie damit ihrer Authentizität zu berauben. Umso dringender, dass endlich mal ein Studio ein wenig Grundlagenforschung betreibt und nach Alternativen sucht.

Wiped! - Die MMO-Woche - Wenn das Chaos um sich greift

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Gehören vielleicht bald der Vergangenheit an: Quest-NPCs mit dringenden Anliegen im Herzen und Sonderzeichen über dem Kopf.
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Genau dieser Angelegenheit hat sich Sony Online Entertainment verschrieben und ist dafür, wie wir bereits berichteten, eine Partnerschaft mit den Leuten von Storybricks eingegangen. Die können statische Quest-NPCs ebenso wenig leiden wie ich und arbeiten deswegen an einer neuen, aus sich herausgehenden Form von künstlicher Intelligenz.

EverQuest Next - Genre`s Next Top-AI

Gemeint ist eine künstliche Intelligenz, die nicht nur reagiert, sondern auch mal die Initiative ergreift. Klingt irgendwie gut, ist für den durchschnittlichen MMOG-Spieler jedoch kaum zu begreifen. Umso erfreulicher, dass SOE langsam mit ein paar Details herausrückt - konkret in Bezug auf das heißersehnte EverQuest Next, von dem wir ohnehin noch viel zu wenig wissen.

Was wir jedoch wissen: Den gemeinen, starren Quest-NPC, der mit seinem Sonderzeichen über dem Kopf auf Spieler wartet, werden wir in EverQuest Next tatsächlich nicht mehr sehen. Diese Sorte scheint bei SOE anscheinend endgültig ausgedient zu haben - und zwar bei allen neuen Titeln. NPCs wird es zwar auch weiterhin geben, doch gönnt man denen fortan auch ein Leben, dem sie nachgehen, wenn sie gerade nicht vom Spieler daran gehindert werden.

Packshot zu EverQuest NextEverQuest NextRelease: PC: 2014

Schwärmerei für den Schwarm

In EQN wird man NPCs auch nicht länger von Monstern, Mobs und virtuellem Viechkram trennen können. Ihnen allen wird gleichermaßen Leben eingehaucht und sie alle werden stets das tun, was ihrer designergegebenen Mentalität entspricht - sie wandern, sammeln, bauen, kämpfen und tun, wonach ihnen gerade der neu entwickelte Sinn steht. Und der steht auch einer künstlichen Intelligenz, je nach Rasse, Klasse und Beruf, nach ganz unterschiedlichen Dingen.

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Sieht dumm aus, hat aber ordentlich etwas in der Birne: Ein Mob in EverQuest Next.
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Aus diesen Verhaltensweisen serverseitig gesteuerter Wesen erwachsen spätestens dann Events, wenn sich mehrere dieser Kunstwesen zu einer Art Schwarmintelligenz zusammenrotten und gemeinsamen Zielen nachgehen. Anders als beispielsweise bei Guild Wars 2 sind diese Events dann nicht gescriptet - sie geschehen einfach und bringen, wenn die Mechanik wirklich wie geplant zündet, endlich jenes Element in die virtuelle Welt, das man als Schmetterlingseffekt bezeichnet.

Der Schmetterlingseffekt

Der steht dafür, dass in komplexen, nichtlinearen dynamischen Systemen eine große Empfindlichkeit auf kleine Abweichungen in den Anfangsbedingungen besteht. Geringfügig veränderte Anfangsbedingungen können im langfristigen Verlauf zu einer völlig anderen Entwicklung führen. So etwas gab es bislang nur in Sandbox-MMOGs wie EVE Online und dann auch nur, wenn der Spieler den Schmetterling mimte.

Entsprechend scheint der Begriff Sandbox kaum als Bezeichnung für SOEs neue Mechaniken zu genügen, schließlich liefern die Entwickler von EQN diesmal nicht nur den Sandstrand ab - sie füllen ihn auch noch mit virtuellen Badegästen, die nicht minder tiefe Spuren darin hinterlassen als die Spieler. Daraus ergibt sich eine Welt, die dem Chaos entgegenstrebt, die nicht von einer immer wiederkehrenden Ordnung heimgesucht wird, wie bei herkömmlichen MMOGs mit sich ständig zurücksetzenden Werten und NPCs.

Das Chaos-MMORPG

SOE ist also drauf und dran, jene nichtlineare Dynamik zu entwickeln, die uns andere Entwickler stets nur vorgaukelten. Und wenn alles nach Plan läuft, tun John Smedley und seine Jungs mehr, als sie derzeit ahnen und bereichern das MMOG-Genre, das bislang immer in die Kategorien Themepark und Sandbox unterteilt wird, um eine völlig neue Gattung: das Chaos-MMORPG.

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EverQuest Next hat mehrere Ebenen. Und auf allen greift das Chaos um sich - auch wenn sich mal keine Spieler einmischen.
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Doch angesichts all des Chaos in der Welt stellt sich natürlich die Frage, wie man den Spieler zu einer halbwegs ordentlichen Spielerfahrung verhelfen will. Die Antwort lautet Rohsong und ist so etwas wie ein Quest-Journal und gleichzeitig viel mehr. Woher der Begriff Rohsong kommt, konnte ich bislang nicht in Erfahrung bringen, jedoch gefällt mir die Idee, dass jemand in der Tat so etwas wie ein rohes, ungeschriebenes Lied im Hinterkopf hatte.

Und mein Rohsong singt stets mit

Denn wie ich so wandere durch die Welt von EverQuest Next füllt sich Rohsong ganz von selbst mit Inhalten. Es zeichnet auf, was ich tue und registriert, wem ich begegne und auf welche Art. Daraus zieht es Schlüsse, erkennt Freund und Feind und schlägt mir von sich aus vor, wohin ich mich auf der Suche nach Abenteuern, Ruhm oder Reichtum denn wenden könnte.

Rohsong ist also Wegbegleiter und Kritiker, Tagebuch und Schicksal, Vergangenheit und Zukunft zugleich. Und wie alle Wesenheiten in EverQuest Next hat es eine künstliche Intelligenz - obendrein eine, die zusehends Informationen sammelt und Wissen anhäuft. Wohin das führt, vermag wohl derzeit niemand zu sagen, doch ich wage zu prognostizieren, dass Rohsong für so manche Überraschung gut sein wird.

Knie nieder, NPC!

So wie die NPCs, ob sie mir nun einzeln oder in der Gruppe begegnen. Nicht nur haben sie eine Einstellung mir gegenüber, die weit über das hinausgeht, was man in herkömmlichen MMOGs als Ansehen bezeichnet. Sie reagieren dabei auch noch auf Gegenstände, die ich bei mir habe, die mir möglicherweise Autorität verleihen oder ihnen Furcht einflößen. Die Möglichkeiten, die dieses System bietet, sind vielfältig.

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Ebenso wie die Dynamik, die NPC-Völker, -Banden, -Rudel oder was sonst noch so alles existieren mag, in die Länder tragen, die ganz ähnlich den Besitzer wechseln können wie jene in PlanetSide 2, wo allerdings nur drei Fraktionen und überhaupt keine NPCs existieren. Da kann es also passieren, dass Kobolde Regionen einnehmen, in denen sie Reichtümer wittern. Machen sie Beute, werden sie mächtiger, finden weitere Anhänger, errichten Außenposten und verteidigen sie als ihr Territorium.

Bis zur territorialen Überdehnung

Dabei stoßen sie zwangsläufig an die Grenzen anderer Gebiete, überrennen möglicherweise die Reiche der Dunkelelfen, die dann für jede Hilfe dankbar sind und einen beherzt eingreifenden Spieler nicht nur reich belohnen, sondern auch weit sinnvoller, als es der wolfspelzsuchende Standard-NPC in herkömmlichen - bleiben wir einfach mal bei der Terminologie “Ordnungs-MMOGs - jemals tun könnte.

Das alles setzt natürlich voraus, dass Storybricks und SOE ihre neuen KI-Mechaniken auch wirklich bis ins kleinste Detail durchdacht haben. Denn wo erst einmal das Chaos herrscht, können selbst Entwickler irgendwann nur noch zuschauen und hoffen, dass die Welt nicht komplett aus den Fugen gerät. Doch die Ernte, die SOE mit diesem Ansatz einfahren könnte, ist jedes Risiko wert.

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Eine gewisse Sicherheit gibt zudem noch das Konstruktionsprogramm Landmark, das Sony Online Entertainment nicht nur als Spielplatz für bau- und bastelwütige Fans betreibt, sondern auch als Test- und Entwicklungslabor. Und dann lassen sich sämtliche KI-Abläufe auch vor Öffnung etwaiger Testserver schon intern prima in allen Details simulieren - wenn man sich nur diverser Zeitraffer-Funktionen bedient.

Der Rest in Kürze

Und auch wir bedienen und diesmal des Zeitraffers, was die anderen Themen betrifft. Da wäre beispielsweise die Ankündigung, dass Black Desert die letzte Beta-Runde hinter sich gebracht hat und man sich in Südkorea nunmehr aufs Release vorbereitet. Aus Russland wurden derweil Alien-Invasions-Events für Skyforge vermeldet - leider ohne einen Funken jener Dynamik, die wir uns für EverQuest Next erhoffen.

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Derweil erhoffte sich Trion Worlds, bei ArcheAge einen großen Schlag gegen die Bots gelandet zu haben. Allerdings scheint der Ban-Hammer vorwiegend ehrliche Spieler getroffen zu haben, die jetzt zu Hunderten im offiziellen Forum aufbegehren. Da nützt es wenig, dass Scott Hartsman den Nordkontinent “innerhalb von Wochen” ins Spiel bringen will, “nicht Monaten”. Außerdem steht ein Reboot für die Plattform Steam an. Doch darüber in Kürze mehr.

Life is Feudal & Gloria Victis

Wie wichtig Steam in diesen Tagen ist, beweist der Early-Access-Run auf die Mittelalter-Sandbox Life is Feudal. Obwohl das Spiel derzeit nur rudimentär vorhanden ist, wurden bereits 65.000 Versionen an Mann und Frau gebracht. Für das kleine Team, das hinter dem Projekt steckt, sind das nicht nur eine Menge Vorschusslorbeeren, sondern auch ein stattliches Sümmchen Geld, das die Entwicklung hoffentlich weiter vorantreiben wird.

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Sichtbar voran geht es derzeit auch mit Gloria Victis, das in eine ähnliche Richtung geht wie Life is Feudal und entsprechend oft damit verwechselt wird. Gloria Victis befindet sich in der Pre-Alpha-Phase und hat aktuell Rezepte, ein Buff-System und Potions verpasst bekommen. Doch ähnlich wie bei Life is Feudal werkelt auch an diesem Spiel ein recht kleines Team und die Entwicklung wird sich noch ein ganzes Weilchen hinziehen.

DC Universe Online & Star Trek Online

Nicht ganz so lange wird wohl SOE brauchen, um DC Universe Online mit dem angekündigten neuen Interface auszustatten. Und das ist mehr als überfällig, denn genau diese völlig chaotisch geratene Benutzerführung war für mich einst der Grund, das an sich recht spaßige Game in die virtuelle Tonne zu treten.

Etwas länger überlebt hat auf meiner Platte da schon Star Trek Online, wo man sich mit Delta Rising endlich mal die Voyager Thematik vorknöpfen will und mit Seven of Nine einen der besseren Charaktere mit ins Spiel bringt. Wenn Cryptic nur mal seine Talente bündeln und wieder Welten entwickeln würde und keine Mini-Games…

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The Secret World, EVE Online & Star Citizen

Funcom habe ich es hingegen verziehen, dass The Secret World nur vom Namen her eine Welt ist und nicht von der Mechanik. Dafür liefern Joel Bylos und sein Team halbwegs regelmäßig neue Inhalte ab, mit denen man die Fans regelmäßig wieder ins Spiel lockt. Und weil es schon zur Tradition geworden ist, über Halloween The Secret World zu spielen, gibt es rechtzeitig zum Fest eine neue Quest-Reihe, in der mysteriöse Signale urplötzlich die an sich so stoischen Untoten beeinflussen.

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Keinen sonderlichen Einfluss auf die Fachpresse hat seit der Umstellung von zwei großen auf viele Mini-Updates leider CCPs Weltraum-Sandbox EVE Online. Zu unspektakulär sind auch die Änderungen mit dem aktuellen Update Oceanus, als dass man sie der Allgemeinheit wirklich vorstellen sollte. Und auch die epischen Trailer, mit denen CCP immer wieder von sich reden machte, scheinen auszubleiben. Mal schauen, was die Isländer auf dem kommenden Fanfest dazu zu sagen haben.

Zum 55. Mal danke sagt derweil Chris Roberts, der fortan nicht mehr nur mit dem erfolgreichsten Kickstarter-Spiel aller Zeiten im Guiness Buch der Rekorde steht, sondern zudem auch noch mit dem erfolgreichsten Kickstarter-Projekt aller Zeiten. 55 Millionen Dollar hat Star Citizen eingespielt, beinahe zeitgleich mit einer Analysten-Meldung, in der man einen Rückgang der Kickstarter-Finanzierungen um 20 Prozent bis zum Ende des Jahres vorausberechnen will.

Ausblick  
Doch was genau auf Kickstarter geschieht, lässt sich allenfalls beobachten - im Voraus berechnen lässt es sich nicht. Denn wer weiß schon, welcher Kult-Entwickler morgen auf der Crowdfunding-Plattform aufschlägt und eine Idee präsentiert, der niemand widerstehen kann. Und falls das passiert, ist Wiped natürlich wie gehabt zur Stelle, um an vorderster Front davon zu berichten.