Für sich genommen ist es schon ziemlich verrückt, wenn über 1.200 Nerds aus allen Teilen der Welt nach Island reisen, um den EVE-Kosmos zu feiern. Noch verrückter allerdings ist es, wenn dieses Ereignis von einem weiteren überschattet wird und sich der Mond tatsächlich mal eben so vor die Sonne schiebt.

Für ihr alljährliches Fanfest haben sich die Leute von CCP immer schon recht ungewöhnliche Dinge einfallen lassen. Das kosmische Ereignis, das man in diesem Jahr für die Fans organisiert hat, wird man allerdings so bald nicht mehr übertreffen können: Kaum irgendwo sonst auf der Welt war die totale Sonnenfinsternis so eindrucksvoll zu beobachten wie “am Ende der Welt”, wo die 1.200 angereisten Fans andächtig gen Himmel starrten, bevor sie wieder in die Halle strömten, um sich dem Tagesgeschäft zuzuwenden.

Von Frisbees und Feuerbällen
Und das hat sich im Laufe der letzten Jahre stark verändert, dreht sich nicht länger nur um Raumschiffe und deren Fitting, sondern um die Zukunft des Gaming im Allgemeinen. Klingt ein wenig verrückt und so fühlt es sich auch an - spätestens wenn man auf dem Fanfest einen der VR-Helme der neusten Generation auf dem Kopf hat, auf einer seltsamen Matte herumhüpft, Frisbees wirft oder mit Feuerbällen jongliert.

Mit EVE Online hat es wohl recht wenig zu tun, wenn Entwickler während der Arbeitszeit ihre kühnsten Träume unter der VR-Haube verwirklichen. Und doch lässt CCP ihnen bei solchen Spielereien freie Hand. Wer kann schon sagen, ob man bei so viel Brainstorming nicht irgendwann mal auf das nächste große Ding stößt - letztlich wurde auch EVE Valkyrie so geboren, das sich in den letzten Monaten ransant entwickelt hat.

Der Mann, der Träume platzen lässt

Als Hauptquartier für all das Brainstorming dient mittlerweile CCPs Studio in Atlanta, in dem einst World of Darkness hätte entstehen sollen. Die Räumlichkeiten wurden in eine Art Versuchslabor umgerüstet, die “VR Labs”, in denen bezeichnenderweise CCP Dreamcrusher die Oberhand über all die Hirngespinste seiner Kollegen hat.

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Die “VR Labs” funktionieren bisweilen wie ein Kontra-Computer in der Science Fiction, der entgegen aller Vernunft und Logik arbeitet, von gegenteiligen Annahmen und unwahrscheinlichen Ergebnissen ausgeht - ein Studio der Querdenker also. Aber kreuz und quer zu denken, scheint gerade in diesen Zeiten durchaus angeraten, denn man kann erahnen, dass den verschiedenen VR-Geräten die Zukunft gehören wird - wenngleich wir absolut noch keine Ahnung davon haben, was später mal funktionieren wird und was nicht.

Alles dreht sich

Es gibt bislang keine Erfahrungswerte, keine Spiele, an denen man sich orientieren könnte, keine exklusiven VR-Genres und keine speziellen Zielgruppen, die es zu bedienen gilt. Es herrschen Goldgräberstimmung und Orientierungslosigkeit gleichzeitig. Nichts ist sicher, alles ist möglich. Dazu kommen die technischen Unwegbarkeiten, die noch nicht abgeschlossene Entwicklung der VR-Geräte, fehlende Standards sowie das Problem mit der Motion Sickness. Vieles von dem, was man bastelt, wird später mal im Papierkorb landen.

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Doch nicht nur in Island und Atlanta wird mit der neuen Technologie experimentiert - auch in Shanghai beschäftigen sich Mitarbeiter von CCP mit ganz neuen Ansätzen. Dort, wo eigentlich die Shooter Dust 514 und Project Legion entstehen, hat man nebenbei EVE Nemesis auf die Beine gestellt, einen VR-Rail-Shooter, in dem man als Kanonier eines EVE-Schlachtschiffes feindliche Formationen und Bordgeschütze sprengen kann.

EVE Nemesis - Space Invaders Erbe?

Der Clou: EVE Nemesis kommt komplett ohne starken Rechner aus, läuft auf Samsungs Gear VR, bei dem ein Standard-Smartphone, in diesem Fall ein Galaxy S5 hinter eine mit Linsen bestückte Brille gesetzt wird. Trotz dieser relativ einfachen Technik ist der Effekt ähnlich wie bei einem Oculus Rift der Entwicklungsstufe DK 2 - und für das Galaxy S6 verspricht Samsung noch einmal eine gewaltige Verbesserung für VR-Fans.

Ob man nun über Matten hüpft, Frisbees oder Feuerbälle durch die Luft wirbelt oder mit der dicken Wumme Raumschiffe röstet - das alles sind lustige Spielereien, aber noch keine Spiele. Und wahrscheinlich werden auch nie welche daraus werden. Doch wann, wenn nicht jetzt, sollte ein Studio damit beginnen, dieses gewaltige neue Feld zu bestellen, das mit den VR-Geräten plötzlich vor uns liegt?

Oculus Rift, Project Morpheus, Gear VR - wie auch immer sie heißen mögen - diese Geräte sind gerade dabei, die kühnsten Träume der Science Fiction zu überholen. Und wenngleich CCP mit Vampiren und Werwölfen gescheitert ist - mit Science Fiction sind die Isländer groß geworden und auch EVE Online war anfangs nicht mehr als ein Hirngespinst, das seltsamerweise funktionierte.

Wiped! - Die MMO-Woche - EVE Fanfest - Ein kosmisches Ereignis

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Immer mehr VR-Geräte drängen sich ins Bewusstsein potenzieller Kunden. Sieht so die Zukunft des Gamings aus?
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Ausblick

Vielleicht werden wir auf dem nächsten Fanfest bereits weitere VR-Projekte zu sehen bekommen. Vielleicht wird auch die Weltraum-Sandbox selbst irgendwann um das eine oder andere VR-Feature erweitert und entsprechende Geräte unterstützen. Auf jeden Fall leben wir in einer spannenden Zeit, in der sich die Unterhaltungsindustrie gerade neu erfindet und erfinden muss, um die technischen Möglichkeiten der rasant fortschreitenden technischen Entwicklung auszureizen.

Packshot zu Eve OnlineEve OnlineErschienen für PC


Wie immer gibt es nach meiner Rückkehr aus Island auch noch den einen oder anderen Beitrag zu CCPs Spielen - diesmal zumindest zu EVE Online und Valkyrie, das sich seit dem Fanfest im vergangenen Jahr gewaltig gemausert hat. Was der Rest der Branche so treibt und welche Innovationen uns aus Gefilden fernab der kalten Insel so erwarten, werden wir uns in der kommenden Woche gemeinsam anschauen.