Was liegt zwischen Nottingham und Amsterdam? Berlin natürlich - zumindest für die etwas verrückten Wikinger von CCP, die ihre verschneite Insel ausnahmsweise mal verlassen haben, um all jene Fans von EVE Online auf dem europäischen Festland zu besuchen, die es sich nicht erlauben können, einmal im Jahr ans nördliche Ende der Welt zu fliegen.

Wenn es um Geselligkeit geht, macht den Nordmännern so schnell niemand etwas vor. Das ist vor allem traditionell begründet und nebenbei überlebenswichtig, denn während der langen Winter des hohen Nordens fehlt es dem menschlichen Organismus mangels Sonnenlicht nicht nur an Vitamin D - es kommt auch vermehrt zu Depressionen. Und die geht der gemeine Isländer einfach dadurch an, dass er ausgelassen feiert und den Brennivín fließen lässt.

Gesellige Nordmänner

So erleben das Jahr für Jahr rund 1500 Fans von EVE Online, die bis ans Ende der Welt pilgern, um ein Stück von dieser Tradition mitzuerleben und nebenbei zu erfahren, was CCP so für die Zukunft von EVE Online und dessen Ablegern geplant hat. EVE Online, mittlerweile ein MMO-Oldie im zwölften Jahr, dank kontinuierlicher Weiterentwicklung jedoch kein Stück gealtert, hat so manche Krise allein deswegen überstanden, weil sich Entwickler und Spieler nach jedem noch so erbitterten Konflikt immer wieder zusammengerauft und an einem Strang gezogen haben.

EVE Online - EVE Euro Tour 2015: Titanen über Berlin

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Die „Generation EVE” hat ihren ganz besonderen Charme und ist weit weniger toxisch als die Community manch anderer MMOs.
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Bisweilen wird gar behauptet, EVE Online habe eine der besten Communitys der Branche, eben weil die Spieler ihre Konflikte in der Sandbox austragen können und weil New Eden mit seinen bisweilen harschen Bedingungen die Spieler dazu bringt, Verbündete zu suchen und sich gegenseitig unter die Arme zu greifen. In Zeiten großer Not rücken die Menschen eben auch mal zusammen - fast ein wenig wie während der eisigen isländischen Winter.

Not a bar, not a club, something sexier in between

Und weil nicht jeder Fan in der Lage ist, mal eben nach Island zu fliegen und diese ziemlich einzigartige Erfahrung selbst zu machen, hat man sich bei CCP kurzerhand entschlossen, den Spielern ein wenig entgegenzukommen und die EVE Euro Tour 2015 zu starten. Von Nottingham führte die Route eine Handvoll CCP-Mitarbeiter nach Paris und von dort aus über Berlin bis nach Amsterdam.

Packshot zu Eve OnlineEve OnlineErschienen für PC

Grund genug für mich, mal im Cosmic Kaspar in Berlin Mitte aufzuschlagen und zu schauen, was eigentlich genau hinter dieser EVE Tour steckt. Der Keller, der „weder Club noch Bar” sein will, aber auf jeden Fall sexy, würde von seiner Architektur her durchaus als Raumhafenkneipe durchgehen und wurde wahrscheinlich auch genau deswegen von CCP angemietet.

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Mitfeiern ist Ehrensache

Innen drin tummelten sich unter anderem der legendäre Lead Community Developer und Schnulzensänger „CCP Guard” sowie „CCP Phantom” und „CCP Shadowcat” vom deutschen Community-Team. Letztere beiden, seit Jahren im eisigen Exil zwischen den Kontinenten arbeitend, waren sichtbar froh, mal wieder ganz offiziell eine der sympathischsten Städte des Festlandes besuchen zu dürfen.

Nicht zuletzt lag das jedoch auch an den unzähligen Fans, die sich im Cosmic Kaspar eingefunden hatten und die nicht nur aus Berlin stammten, sondern aus allen Teilen Deutschlands und der europäischen Nachbarschaft. „Wenn CCP eine Party schmeißt”, erklärte uns ein ein offensichtlich treuer Fan an der Theke, „ist es Ehrensache, dass wir mitfeiern.”

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Gunjack im Cosmic Kaspar. Die Jungs und Mädels von CCP hatten zwei der Einsteiger-VR-Brillen von Samsung dabei.
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Fehlt nur noch Han Solo

Dabei stand das Feiern gar nicht so sehr im Vordergrund wie die Kommunikation. An allen Tischen und in jeder Ecke wurde über die Politik von New Eden debattiert. Kontakte wurden vermittelt, Verträge geschlossen und Allianzen geschmiedet. Ein ganz normaler Abend in einer ganz normalen Raumfahrerkneipe also.

Alte Feindschaften aus dem Spiel, die durchaus existieren, blieben an diesem Abend mal außen vor. Zu größeren Disputen oder gar Handgreiflichkeiten kommt es in der Praxis offenbar viel seltener, als Kritiker von politisch geprägten Welten mit offenem PvP das gerne behaupten. Im Zweifelsfall suchen sich allzu erbitterte Gegner eben ein Plätzchen in einer möglichst weit entfernten Ecke vom Cosmic Kaspar.

Nebenbei lockten die CCPler interessierte Fans einmal mehr mit einem VR-Helm - ausnahmsweise mal nicht das Oculus Rift. Zumindest nicht ganz, denn Samsung verwendet für sein Gear VR tatsächlich die Brille des Oculus Rift, auf die von vorne einfach ein Samsung-Smartphone geklemmt wird. Das generiert dann die zwei typischen Bilder, die von den Oculus-Linsen auf die Netzhaut geworfen werden.

VR fürs kleine Geld

Klingt spektakulär und das ist es auch - allerdings nur optisch. Denn selbstverständlich kann ein Smartphone noch nicht das leisten, was einen gestandenen PC samt Grafikkarte der neusten Generation ins Schwitzen bringt. Eine Simulation wie EVE Valkyrie für Samsungs Gear VR umzusetzen, ist zumindest in den nächsten Jahren noch ein Ding der Unmöglichkeit.

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Ganz anders bei einem Spiel wie Gunjack. Das platziert den Spieler in der Geschützkanzel eines Großkampfschiffes aus dem EVE-Universum und schickt ihm Wellen von gegnerischen Jägern entgegen denen er sich mittels geschickter Kopfbewegungen erwehren muss. Und wenngleich es atemberaubend aussieht: In der Praxis ist Gunjack ein Handy-Game und Shooter auf Schienen. Nichts anderes also als die VR-Variante des Arcade-Klassikers Galaga - nett für zwischendurch, aber nichts, was einen echten EVE-Spieler langfristig begeistern könnte.

Plan B from Outer Space

Trotzdem scheint zumindest im Cosmic Kaspar niemand sauer zu sein, dass man bei CCP außer EVE Online noch diverse andere Projekte in der Pipeline hat, solange sie irgendwie in New Eden angesiedelt sind. Man weiß, dass der Publisher ausgiebig mit den VR-Geräten experimentiert und glaubt mehrheitlich, dass solche experimentellen Ausflüge der Weltraum-Sandbox mittelfristig nur nützen können.

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Auch ein schickes neues T-Shirt haben CCP Shadowcat und CCP Phantom mitgebracht - eigens entworfen für die EVE Euro Tour.
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Das glaubt auch „CCP Phantom”, der sich durchaus auf die Community freut, die Spiele wie Valkyrie und Gunjack möglicherweise anlockt. Vor der zusätzlichen Arbeit, die dadurch auf ihn zukommen könnte, fürchtet sich der Senior Community Developer ganz offensichtlich nicht - die bekomme man schon gestemmt.

Zurück zum großen Kino

Überhaupt schienen die CCPler vom Community-Team trotz all der Organisationsarbeit völlig entspannt. Sie genossen es offensichtlich, mal mitten unter all jenen zu sein, mit denen sie bisher nur in den Foren zu tun hatten. Und umgekehrt sah man immer wieder Besucher, die das Gespräch mit „CCP Shadowcat” und „CCP Phantom” suchten, um über dies und jenes zu diskutieren.

Zum Beispiel über CCPs Ankündigung, zu den alten, großen Erweiterungen zurückzukehren. Auch wenn das letztlich nicht bedeutet, dass EVE Online häufiger oder weitreichender erweitert wird als bisher, sondern lediglich mit mehr Tamtam, so ist doch gerade letzterer wichtig, um ein altes MMO wie EVE Online ab und zu wieder ins Gespräch und in die Nachrichten zu bringen. Auch für die Fachpresse wird es damit wieder einfacher, hier und da mal ein Plätzchen für den Oldie zu finden und einen schicken Trailer anzuhängen.

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Solutions for a small planet

Fantreffen wie sie in Nottingham, Paris, Berlin und Amsterdam stattfinden, da ist man sich in der EVE-Community einig, sind eine wundervolle Sache, um die bestehende Spielergemeinde zu pflegen. Neue Spieler jedoch werden sich kaum nach New Eden begeben, weil sie sich gerade zufällig in eine etwas skurril anmutende Raumfahrerkneipe verirrt haben.

Für mich hat sich der Ausflug nach Berlin Mitte übrigens ganz besonders gelohnt, klopften mir doch absolut unerwartet Loxya und Hardedged, zwei alte Kollegen von der Corp Erzgebirge United auf die Schulter, die sich ebenfalls im Cosmic Kaspar herumtrieben und denen ich in all den Jahren gemeinsamer Abenteuer noch nie persönlich begegnet war. Wenn man Teil der EVE-Community ist, erscheint unser Planet eben doch nicht mehr so gigantisch und unpersönlich wie einst. In diesem Sinne - bis zum nächsten Fanfest!

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