Als wir uns in der vergangenen Woche auf die weite Reise nach Island machten, hatten wir keine Ahnung, was uns auf dem EVE-Fanfest erwarten würde. Wir hofften auf einige Brocken EVE, ein paar Gramm Dust 514 und vielleicht noch den gehauchten Versprecher eines Entwicklers von World of Darkness. Unsere Hoffnung wurde erfüllt. Und mehr noch - nachdem wir all die kleinen Puzzleteile zusammengesetzt hatten, erlebten wir eine echte Offenbarung.

Als sich das EVE-Fanfest 2011 seinem Ende zuneigte, zeigten sich die meisten anwesenden Vertreter der internationalen Presse sichtbar enttäuscht. Da wurde kein neues Spiel angekündigt und sowohl Dust 514 als auch World of Darkness blieben augenscheinlich außen vor. Nicht einmal zu EVE Online selbst gab es Spektakuläres zu sehen. Wofür zum Teufel war man denn ins ferne Island gereist? Und was sollte man jetzt seinen Lesern erzählen, für die das alles eine einzige Enttäuschung sein musste?

Das soll es nun gewesen sein?

Doch hätte sich so mancher in jenen Augenblicken der absoluten Frustration etwas weniger von ihrer hohen Erwartungshaltung blenden lassen, wäre ihnen vielleicht aufgefallen, dass die anwesenden Fans keineswegs enttäuscht zu sein schienen, sondern in einer seltsamen Mischung aus Euphorie und Ehrfurcht über etwas tuschelten, das sich CCPs große Vision nannte.

Was also hatten die Spieler von EVE Online auf dem Fanfest erlebt und erkannt, was den Pressevertretern komplett entgangen war? Wir machten uns ans Werk, sprachen mit Fans und Entwicklern, setzten kleinste Informationssplitter zusammen, bis wir das große Ganze sahen...

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Carbon als Schnittstelle aller Entwicklungen

CCP, das offenbarte sich dem erfahrenen Beobachter auf dem diesjährigen Fanfest erstmals, entwickelt längst nicht mehr nur eine Sandbox für die Spieler. Man stellte vielmehr langsam aber sicher die Arbeitsabläufe der Teams so um, dass aus der kompletten Entwicklung aller derzeitigen und zukünftigen Titel selbst so etwas wie eine Sandbox wird. CCP hat also tatsächlich eine Vision – und ihr Name ist 'Carbon'.

Carbon, im Deutschen als Kohlenstoff bezeichnet, weist von allen chemischen Elementen die größte Vielfalt an chemischen Verbindungen auf, und die bilden bekanntermaßen die Grundlage allen irdischen Lebens. Überträgt man dieses Wissen nun auf CCPs Carbon Framework, wird schnell klar, dass der Name hier Programm ist.

Eine für alle, alle für eine

Bislang nahm man fälschlicherweise an, Carbon sei der grandiose neue Charakter-Generator für EVE Online. Tatsächlich jedoch ist selbiger nicht mehr als das erste für uns sichtbare Produkt, das Carbon hervorgebracht hat. Unzählige weitere werden folgen, denn mit Carbon verhält es sich ganz ähnlich wie mit dem aus der Natur bekannten Namensgeber.

Das Framework bietet die Grundlage für ein Modulsystem, mit dem die Entwickler kleine oder große Ideen gleichermaßen in jede beliebige virtuelle Welt einbauen können. Jede noch so winzige Errungenschaft in EVE Online kommt damit auch der Entwicklung von Dust 514 und World of Darkness zugute – und umgekehrt.

Dreifache Metamorphose

So arbeitet ein Team von EVE Online derzeit daran, dass die Geschütztürme nicht mehr statisch auf dem Schiff installiert sind, sondern dass sie bei Bedarf optisch eindrucksvoll aus dem Rumpf gefahren werden. Und da solche Verwandlungen auf jeden Fall auch in Dust 514 und sogar in World of Darkness passieren, sollen alle Teams auf die einmal entwickelten Ergebnisse zurückgreifen können.

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Besonders einfach erscheint das natürlich dadurch, dass EVE Online und World of Darkness auf der gleichen Engine basieren. Die hauseigene Trinity Engine ist dabei allerdings längst nicht mehr auf dem Stand von 2003. Im Laufe der Jahre wurde sie immer wieder erweitert, angepasst und perfekt ins Carbon Framework eingebettet.

Kommunikationstalent Carbon

Doch Carbon kommuniziert nicht nur mit Trinity, es versteht sich auch prächtig mit der Unreal Engine 3. Und das muss es auch, denn im Gegensatz zu World of Darkness setzt CCP bei Dust 514 auf das bekannte Framework von Epic Games. Und diese Tatsache lässt immerhin vermuten, dass der Konsolen-Shooter doch eine schnellere Spielmechanik bekommen wird als EVE oder WoD.

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Unabhängig von der Engine werden alle drei Titel natürlich auch vom Charakter-Generator profitieren, der in den nächsten Monaten ebenfalls noch gehörig ausgebaut werden soll und dann tatsächlich Gesichter generiert, die mit ihren kleinen Fältchen und typischen Hautpigmenten von echten kaum noch zu unterscheiden sein werden. Dass die Carbon Engine auch Haare und Kleidung physikalisch genau berechnet, macht die Illusion perfekt.

Und was im Kleinen funktioniert, klappt auch im Großen. Die Planeten in Dust 514, so verspricht CCP, gleichen ihren Pendants in EVE Online bis ins Detail. Und weil EVE Online schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, in dem man zwar die Planeten ordentlich aufgemotzt, die interstellaren Nebel allerdings eher vernachlässt hatte, präsentierte der Veranstalter noch einen kleinen Ausblick in den künftigen Sternenhimmel von New Eden sowie ins Innere der Stationen.

Es lebe der Avatar

Die sollen übrigens nur der Anfang von CCPs großen Plänen sein. Später soll der Spieler weit mehr Orte mit seinem neuen Avatar besuchen können – auch das Innere der teilweise riesigen Schiffe. Ab Incarna darf der Raumfahrer immerhin schon mal sein Quartier auf der Station beziehen. Das lässt sich später auch nach Belieben einrichten und verleiht, ähnlich wie Tattoos auf dem Körper des Avatars, dezente passive Boni.

Und weil es sich alleine so einsam wandelt, sorgt CCP auf der Station für allerlei Beschäftigungsmöglichkeiten. Mit Incarna stehen dann schon diverse Kasinos offen, in denen man seinen Mitspielern die mühsam erspielten ISK wieder abnehmen kann. Außerdem sollen sich verschiedene illegale Güter nur noch via Avatar auf der Station handeln lassen. Und damit Schmuggler auch genügend Spaß bei ihrer Arbeit haben, legt die Concord deren Verfolgung dann komplett in die Hände der Spieler.

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Und weil die trotz all der neuen Infos auf dem Fanfest noch immer Schwierigkeiten damit hatten, das eher komplex strategisch ausgerichtete EVE Online mit der Spielmechanik eines Shooter-MMOs wie Dust 514 zu verknüpfen, zog CCP am Ende der Veranstaltung noch ein Ass aus dem Ärmel, mit dem in dieser Form wohl niemand gerechnet hätte.

CCP packt aus

Der Trailer zeigt einen Teil der Vision, die CCP bei der Entwicklung von EVE Online und Dust 514 lenkt. Es ist die Vision von der funktionierenden Verknüpfung zweier Welten, die wiederum nur ein kleiner Schritt auf einem unglaublich langen Weg sind, an dessen Ende die perfekte virtuelle Welt warten soll, in der nichts mehr unmöglich sein wird.

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Die Wirkung, die dieser Trailer auf der riesigen Leinwand bei den Fans erzielte, lässt sich kaum in Worte fassen. Nur soviel: Von den 3000 Anwesenden hatte die überwiegende Mehrheit Tränen in den Augen – eine große Zahl gestandener Kerle heulte lautstark Rotz und Wasser. Dass CCPs CEO Hilmar Veigar Pétursson vorab beteuerte, dass das Video die Zukunft von EVE und Dust zeige und nichts, was man in Kürze erwarten dürfe, interessierte jetzt niemanden mehr.

Der Nebel lichtet sich

Erstmals überhaupt formt sich ein Bild, wie das Zusammenspiel zweier Welten funktionieren könnte. Erstmals fühlen die Kapselpiloten, welche Aufwertung New Eden durch die Einführung von Avataren erfährt, welche Möglichkeiten daraus erwachsen. Und es kommt Hoffnung auf, dass Dust 514 eben doch kein gewöhnlicher Shooter für Konsolen werden könnte, sondern viel mehr.

Der Film ist kein bedeutungsloser CGI-Schnipsel, sondern wurde tatsächlich, das haben wir uns von CCP bestätigen lassen, aus Spielszenen mit den Engines von EVE und Dust erstellt. Auch die Kommunikation zwischen den beiden Welten funktioniert zwischen PC und Konsole, genau wie im Trailer dargestellt. Vivox macht das möglich.

CCP steht für Sandbox

Ja, Dust 514 wird eine Sandbox, wie alle Spiele von CCP. Denn genau das sei das Konzept, nach dem man arbeite, versicherte uns Hilmar Veigar Pétursson. Dass Dust floppt, hält der Unternehmenschef für unmöglich. Und wenn es anfangs kein Erfolg werde, würde man es einfach stetig weiter perfektionieren – wie man das mit EVE seit Jahren macht.

Das alles ist möglich, weil CCP eigenständig arbeitet und das Studio komplett von der wachsenden EVE-Fangemeinde getragen wird, die mittlerweile virtuell mehr Spieler beherbergt, als ganz Island real Einwohner zählt. Und diese eingeschworene Fangemeinde, das wurde in der großen Halle in Reykjavík spürbar, ist ein unabdingbarer Bestandteil dieser Vision von CCP.

Carbon ist der andere wichtige Teil. Und deshalb will man dieses Werkzeug auch unter keinen Umständen jemals verkaufen, vermieten oder aufgeben. Denn Carbon, so klärt uns Hilmar Pétursson auf einmal mit sehr ernstem Blick auf, sei ein sehr mächtiges Zaubermittel. Und irgendwie kommt man nicht um hin, ihm das zu glauben.

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