Als die Mannen von CCP ihre Weltraumsimulation EVE Online vor acht Jahren auf den damals noch jungen MMO-Markt brachten, wollte niemand so recht daran glauben, dass es das kleine Entwicklerteam aus Island schaffen würde, länger als ein paar Monate zu überleben. Doch die Nachfahren der Wikinger sind ein ungemein zähes Völkchen, das im Laufe der Jahrhunderte ein besonderes Maß an Kreativität entwickeln musste. Auf dem EVE-Fanfest 2011 waren wir diesem Phänomen auf der Spur.

EVE-Fanfest - Bilder zum EVE-Fanfest

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Mittlerweile veranstaltet nahezu jeder MMO-Publisher mindestens einmal jährlich eine große Party. Die ist dann meist eine seltsame Mischung aus Betriebsfest und Tag der offenen Tür, bei der sich Entwickler und Fans gleichermaßen die Kante geben – allerdings räumlich durch diverse Absperrungen voneinander getrennt. Ganz anders läuft das in Reykjavík, wo CCP mittlerweile jährlich zum nördlichsten Spielertreffen der Welt lädt.

Am Ende der Welt

Denn während die Branchenriesen ihre Feierlichkeiten an solch belebten Orten wie Anaheim in Kalifornien oder gar Las Vegas begehen, richtet CCP die Party genau dort aus, wo man auch das Jahr über arbeitet: in Reykjavík, das selbst als Hauptstadt Islands nicht mehr als 120.000 Einwohner zählt. Ein kleines Nest also, das ein durchschnittlicher Mitteleuropäer im Leben nicht besuchen würde.

EVE-Fanfest - 3000 Zocker im ewigen Eis

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Viele Besucher waren anwesend.
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Und trotzdem treiben seit einigen Tagen über 3000 verrückte Zocker aus aller Welt ihr Unwesen in der größten Sporthalle der Insel, die derzeit eher an eine Raumstation erinnert, weil man sie eigens an die eher düstere Atmosphäre von EVE angepasst hat. Und wenn 3000 Gäste auf 120.000 Einwohner kommen, sorgt das für derart viel Wirbel in der Stadt, dass jeder Laden, der etwas auf sich hält, den Besuchern Rabatte gewährt und der Bürgermeister persönlich auf die Bühne klettert, um EVE und seinen Fans zu huldigen.

Auf Tuchfühlung mit dem Fan

In Island hat CCP längst den Status eines Vorzeigeunternehmens, das nicht nur ordentlich Geld, sondern auch neue Bewohner ins kleine Land gespült hat. Übermütig oder gar arrogant ist man trotzdem nicht geworden. Man fühlt sich ganz im Gegenteil offensichtlich stark mit der Community verbunden. Und die weiß das zu schätzen.

Packshot zu Eve OnlineEve OnlineErschienen für PC

Auf dem Fanfest schotten sich die Entwickler nicht ab, sondern stehen rund um die Uhr mitten im Getümmel, um sich dort das eine oder andere Lob - aber auch jede Menge Kritik - abzuholen. Letztere wird, so hat man zumindest das Gefühl, tatsächlich ernst genommen. Und nicht selten sieht man, wie einer der Entwickler im Gespräch mit den Fans Block und Bleistift zückt, um sich ein paar Notizen zu machen.

EVE prägt

Auch an einem ganz besonderen Stand wurde während der Veranstaltung viel gekritzelt – allerdings nicht auf Papier. Da Symbole und folglich auch Tattoos nicht erst seit dem neuen Charaktergenerator zum Leben in EVE dazugehören, hat CCP den besten Tattoo-Meister der Insel in die Pflicht genommen. Und der pflastert dort verrückten Fans die Haut mit allen erdenklichen Symbolen aus New Eden zu. Selbst das CCP-Logo läuft mittlerweile hautnah in der Halle herum.

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Wer drauf steht, konnte sich ein EVE-Tattoo stechen lassen.
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Wer die Dinge lieber über und nicht auf der Haut trägt, findet eine Auswahl an Klamotten, wie man sie gerade in New Eden trägt. Und wer seine eigenen verrückten Ideen mit Incarna im Spiel verwirklicht sehen will, für den hat die Schneiderin von CCP ein offenes Ohr.

Das Buch zum Spiel

Doch es gibt auch weniger kosmetische und bedeutend nützlichere Dinge zu erwerben – darunter das EON-Magazin, das von einer kleinen Gruppe passionierter Zeitungsmacher herausgegeben wird. Und die arbeiten derzeit an etwas, das EVE Online von Beginn an fehlt: einem echten Handbuch.

Und weil sich EVE Online kaum auf ein paar Seiten erklären lässt, ist das Werk über 400 Seiten stark und hilft tatsächlich nicht nur Neulingen weiter, sondern auch erfahrenen Spielern, die wissen wollen, wie man Wurmlöcher nutzt, Raumstationen errichtet oder feindliche Flotten aus dem All fegt.

CCP expandiert und rekrutiert

Wer glaubt, dass er selbst verrückt und talentiert genug ist, um ins Team zu passen, bekommt an einem eigens errichteten Stand die Gelegenheit, mit den Headhuntern von CCP zu sprechen, die in diesen Tagen wirklich alle Hände voll zu tun haben - denn CCP expandiert in allen Bereichen und braucht ständig neue Leute. Wer ins Team will, muss allerdings nicht nur gut sein, sondern auch bereit, nach Island zu ziehen.

Schlimmer noch: Mitarbeiter von CCP werden gezwungen, ihren EVE-Account einfrieren zu lassen – zumindest wenn sie in der oberen Liga der Sandbox mitspielen. Und genau das ist für eingefleischte Fans eine Bedingung, die dann zum Bedauern der CCP-Headhunter meist dazu führt, dass Interessenten die Verhandlungen sehr schnell wieder abbrechen.

Die Carbon-Engine – CCPs mächtigstes Werkzeug

Einige allerdings sind mutig genug, sich auf das Abenteuer einzulassen, darunter auch der deutsche 'CCP Sputnik', der vor einigen Jahren seine Heimat verlassen hat, um sein neues Leben der Carbon-Engine zu widmen – aus der sich schon jetzt der wahrscheinlich beste Charaktergenerator entwickelt hat, den die Branche je gesehen hat.

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Mist. Frank F. konnte seine Glücksspielsucht nicht unterdrücken und brauchte seine Dosis. Glück gehabt.
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Neugierig, wie wir sind, haben wir 'CCP Sputnik' für eine Weile entführt, um uns mit ihm über seine Arbeit bei CCP zu unterhalten und nicht zuletzt um ihm ein paar Geheimnisse und Hintergründe zur Carbon-Engine zu entlocken. Wir erlebten mehr als nur eine Überraschung, denn tatsächlich steckt hinter Carbon weit mehr, als selbst Leser einschlägiger Foren derzeit noch ahnen. Carbon ist mehr als eine Engine – es ist Teil einer Vision.

In Island friert selbst der heißeste Konflikt ein

Doch anders als uns Journalisten ging es den Fans von EVE gar nicht so sehr um Dust 514 oder World of Darkness. Für sie bietet das Fanfest die ideale Möglichkeit, sich einmal jährlich zu treffen, zu feiern oder ihre Skills im PvP-Turnier zu messen. Bemerkenswert ist dabei, wie friedlich die Party trotz des hohen Alkoholpegels doch verläuft.

Denn anders als auf der Blizzcon oder Sonys Fanfaire 'leben' die Fans von EVE auf einem einzigen Server, einer Sandbox. In Island kommen Spieler live zusammen, die sich in New Eden keine fünf Sekunden am Leben lassen. Doch so erbittert die Konflikte auch im Spiel ausgetragen werden – auf dem Fanfest herrscht Waffenstillstand.

Chessboxing – ins Gesicht!

Das gilt jedoch ausschließlich für die Fans. Die Entwickler hingegen prügeln sich bisweilen, bis das Blut spritzt. In einer seltsamen Sportart, die sich Chessboxing nennt, sind diesmal tatsächlich zwei Entwickler parallel am Schachbrett und im Boxring gegeneinander angetreten und haben den Fans gezeigt, was PvP wirklich bedeutet.

Die Aktion war jedoch nicht so sinnlos, wie sie sich anhört. Die beiden hartgesottenen CCPler prügelten sich für einen guten Zweck und spielten immerhin eine Million ISK ein – gemeint ist ausnahmsweise die isländische Währung und nicht die gleichnamige aus EVE Online, die angesichts der schweren Bankenkrise im Land, so witzelt man zumindest, mittlerweile mehr wert sein dürfte.

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EVE Online – ein Fanprojekt?

Die wirklich interessanten Veranstaltungen fanden jedoch zwischen den Shows statt. Im kleinen Kreis setzten sich dabei Spieler und Entwickler zusammen, um ausgiebig über alle erdenklichen Themen zu diskutieren, gemeinsam neue Ideen zu sammeln und Strategien für die Zukunft des Sci-Fi-MMOs zu erarbeiten. Bemerkenswert dabei sind die zahlreichen Teams aus Ehrenamtlichen, mit denen CCP intensiv zusammenarbeitet.

Hand in Hand mit den Entwicklern an seinem Lieblingsspiel zu arbeiten, Geschichten zu schreiben, Events zu organisieren oder Texte zu übersetzen, ist der Traum vieler Fans. Die Chance, dass CCP besonders fleißigen und talentierten Helfern früher oder später einen Job anbietet, ist außerdem so groß, dass es hin und wieder große Lücken in die Reihen der Freiwilligenorganisation ISD reißt.

CCPs legendäre Gastfreundschaft

Und nicht nur das Interstellar Services Department hat einen gewissen Einfluss auf das Spiel – auch und vor allem die von den Spielern gewählte Interessenvertretung CSM hat ein Wörtchen mitzureden. Die neun Vertreter müssen dabei natürlich ein gewisses Maß an Stressresistenz besitzen, kommen dafür aber auch in den Genuss einiger bezahlter Ausflüge nach Island.

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Wie prollig.
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Die 3000 anderen Fans mussten ihre Reise natürlich aus eigener Tasche bezahlen. Beschwert hat sich allerdings niemand und angesichts der beinahe legendären Gastfreundschaft der Isländer ist uns auch nicht ein einziger Besucher begegnet, der dieses Event im nächsten Jahr verpassen möchte. Und weil man im nächsten Jahr mit noch mehr Gästen rechnen muss, baut die Stadt schon jetzt eine passende Halle. Hoffen wir, dass sie rechtzeitig fertig wird.

Das Interview mit 'CCP Sputnik' wollen wir euch natürlich auch nicht vorenthalten, doch zuerst gibt es tonnenweise Material zu sortieren. Außerdem für euch im Gepäck haben wir einen ausführlichen Bericht über die atemberaubende Vision von CCP, heiße Infos zum nächsten Update von EVE Online und die komplizierte Verknüpfung der erfolgreichen Sandbox mit dem geplanten Konsolen-Shooter Dust 514. Wer mehr will, muss schon selbst nach Island fliegen.

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