Wer sich heute noch traut, ein MMO auf den Markt zu werfen, hat entweder Eier aus Stahl oder ein verdammt gutes Konzept. Oder vielleicht auch beides. Angeblich stirbt diese Spielezunft, doch Area Games glaubt offensichtlich an eine blühende Zukunft für das neue Werk Echo of Soul.

Echo of Soul - Teaser Trailer

Na gut, so besonders neu ist das Spiel doch wieder nicht. Fernöstliche Gamer erfreuen sich schon seit einiger Zeit an diesem Spiel, das seine Herkunft nicht verleugnen kann. Gemacht wurde es von eben jenen Leuten, die auch Lineage 2 auf dem Konto haben, was hin und wieder über die Blume zum Vorschein kommt.

Viele Spielelemente erscheinen so klassisch, dass sie schon virtuellen Staub ansetzen. Eben das typische Klassensystem, dasselbe alte Handwerk-Grinden, Instanzen, Buffs und Emotes. Nichts Neues im Westen. Der Kniff an Echo of Soul liegt am ehesten in seinem überdimensioniert dargestellten Kampfverhalten. Monströse Klopperschwerter stanzen ihr Profil in das Fleisch übel gelaunter Gegner, während der Held (oder die Heldin) Pirouettchen dreht und Salti vollführt.

Echo of Soul - Gute Nachrichten für Windows-XP-Nutzer

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Echo of Soul bedient sich vieler bekannter MMO-Zutaten, schmeckt sie aber zum Teil neu ab.
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Zugegeben, bei dem Anblickt fragt man sich manchmal, ob wohl der Zirkus wieder in der Stadt sei. Andererseits fehlt es keinesfalls an Schauwert. Flüssige Animationen ohne sichtbare Übergänge und schick choreographierte Abläufe sind Balsam für die Augen. Ebenso wie der Rest der Grafik, der für MMO-Verhältnisse ziemlich schmuck, wenn auch nicht endlos hochaufgelöst erscheint. Wie denn auch, wenn Echo of Soul noch auf schlafmützigen XP-Rechnern laufen soll.

Wer noch immer XP verwendet, wird bei Echo of Soul nur wenige grafische Abstriche erfahren. Die allermeisten Effekte entsprechen nämlich dem DirectX-9-Standard. Von physisch basiertem Texturing, wie es derzeit in Mode kommt, ist keine Spur zu sehen. Grobe 512-Pixel-Texturen kleistern so manchen Gang in bräunlichen Tönen zu, ohne ihn mit erkennbaren Details zu versehen. Einzig der fischaugige Distortion-Effekt an Portalen dürfte in die DX10-Ecke gehören (und auf XP wegfallen).

Kurzum: Man sieht, dass Echo of Soul nicht mehr taufrisch ist, aber in Sachen Stimmung ist alles im Lot. Vor allem Städte sehen wunderbar aus und suggerieren anhand ihrer engen Gassen ein treibendes Eigenleben für die Zukunft. Und man sollte nie vergessen: Es geht um ein verdammtes MMO. Sparsamkeit ist oberstes Gebot, damit möglichst viele Spieler etwas davon haben.

Ein weiteres MMO, das wahrlich nicht schlecht aussieht. Ob es aus der Masse herausstechen kann, wird sichnoch zeigen.Ausblick lesen

Kein Grund zum Schmollen, immerhin ist genug Inhalt zum Austoben vorhanden. Zum Beispiel in Form von offenen Gildenkämpfen, die das übliche PvP-Treiben dezentralisieren. So seid ihr auf der Oberwelt grundsätzlich vor den Angriffen anderer Einzelspieler geschützt, doch kann das Ausrufen einer Gilden-Fehde die ganze Situation kippen. Verfeindete Gilden können sich überall an die Gurgel gehen.

Leider muss man das auf lange Sicht sogar, denn das Levelcap von 60 erreicht man auf normalem Wege nicht. Nur im PvP werden nötige Rüstungsgegenstände und Erfahrungspunkte für High-Level-Anwärter ausgespuckt. Ganz schön knifflige Angelegenheit, so ganz ohne heilende Klasse als Helferlein der zweiten Reihe. Wer einen Gesundheitsschub benötigt, kann sich entweder anhand von Tränken und Bandagen selbst heilen, oder muss auf darauf vertrauen, dass einer seiner Begleiter eine heilende Schriftrolle für die komplette Gruppe dabei hat.

Echo of Soul - Gute Nachrichten für Windows-XP-Nutzer

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Kurios: Echo of Soul läuft sogar noch auf betagten Windows-XP-Rechnern. Erlebt man auch nicht mehr alle Tage.
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Dieser Ansatz unterscheidet sich zwar von vielen anderen MMOs, ob er die bessere Lösung darstellt, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Ohne heilende (aber kämpferisch schwache) Klasse gibt es kein Aggro-Gefälle mehr, wodurch ein ganzes Stück Gruppenstrategie flöten geht, gerade in Kampfgruppen von bis zu 20 Leuten. Außerdem muss man sich darauf verlassen, dass andere Gruppenmitglieder mitdenken und auf die Trefferpunkte ihrer Kumpanen achten. Im Schlimmsten Fall verwenden alle gleichzeitig eine Schriftrolle und verschwenden ihre Ressourcen. Absprache über Teamspeak und Co wird wohl unabdinglich sein.

Eher nebensächlich, aber doch markant scheint zudem die Aufteilung der übrig gebliebenen Klassen. Sie bestimmt unter anderem das Geschlecht eures Avatars. Waldläufer, Magier und Hüter gibt es nur mit einem „in“ Appendix. Soll heißen, sie sind ausschließlich weiblich. Wollt ihr einen Kerl spielen, so müsst ihr euch für Krieger, Schurken oder Hexenmeister entscheiden. Spielerisch macht das sicher kaum einen nennenswerten Unterschied, aber solche Dinge können typischen Rollenspielern gehörig auf die Nerven gehen, wenn sie nicht nur virtuell schauspielern, sondern nebenher noch ein wenig schlachten wollen.

Nun, der Fokus des Spielsystems liegt so oder so bei letzterem und wird durch zusätzliche wöchentliche Events mit speziellen Belohnungen angeheizt. Typische Grinder müssen sich dagegen an ein Ticket-System für Dungeons gewöhnen. Instanzen und besonderer Kerker lassen sich nicht beliebig oft durchforsten, da man eine Art Eintrittskarte benötigt. Eine Anzahl davon ist in jeder Woche frei. Wollt ihr mehr, bleibt nur der Erwerb von Tickets im Ingame-Shop, der das Free-to-play-Modell refinanziert.