Wer früher zum alljährlichen EVE Fanfest ins entlegene Reykjavík flog, gehörte definitiv zum harten Kern einer Community, die ausnahmslos am PC zu Hause war. Seit diesem Jahr allerdings ist das anders. Kaum war CCPs Konsolen-Shooter Dust 514 in die Beta gestartet, entsendete die junge Community auch schon ihre ersten Vertreter nach Island. Das taten auch wir...

Präsenz zeigen, Kontakte knüpfen und von den EVE-Veteranen lernen - so lautete die Mission der reisefreudigen Dust-Fans, die in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem legendären Fanfest aufschlugen. Dabei stellte für die meisten Konsolen-Söldner nicht nur die Insel im hohen Norden Neuland dar, sondern auch die Veranstaltung an sich.

Unter Freunden - und Feinden

Natürlich kennt man Spielemessen, war schon auf der E3, der Comic-Con oder der Gamescom. Doch nirgendwo, das wurde in unzähligen Gesprächen deutlich, fühlte man sich so zu Hause wie in Reykjavík während des EVE-Fanfests. Dort traf man nämlich auf 1.499 Gleichgesinnte, die alle gleichermaßen in und um New Eden stritten - ob nun auf dem Boden oder im Weltraum, an der Konsole oder dem PC.

Dabei hat Dust 514 im Laufe seiner Entwicklung immer wieder für Ärger gesorgt, stieß insbesondere bei den EVE-Fans auf wenig Gegenliebe, weil die sich als ungefragte Geldgeber spätestens zu dem Zeitpunkt hintergangen fühlten, als CCP verkündete, Dust 514 ausschließlich für die Playstation 3 veröffentlichen zu wollen und nicht für den PC.

Die Erfolgsformel

Doch der Zorn der Veteranen scheint weitgehend verflogen. Die Fans von EVE Online haben längst verstanden, dass Dust 514 mehr als ein gewöhnlicher Online-Shooter werden soll, dass es langfristig darauf ausgelegt ist, die Welt von New Eden nachhaltig zu erweitern - durch Spieler, die sich im Leben nie mit dem Weltraum-MMOG hätten anfreunden können und durch ein Gameplay, das in Kombination mit EVE schier unendliche Möglichkeiten eröffnet.

Dust 514 - Befreiungsschlag - Die letzten Infos vor dem Start

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Die Formel hinter EVE Online und Dust 514 - ausgesprochen kreativ, wenngleich mathematisch etwas problematisch.
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Wenn die EVE-Fans heute auf dem Fanfest in unzähligen Sitzungen, Diskussionen und Präsentationen an der Gestaltung des geliebten Weltalls mitwirken, wissen sie, dass die Fans von Dust 514 zeitgleich daran arbeiten, die Planetenoberflächen so authentisch und interessant wie möglich zu machen. Deswegen addiert Creative Director Torfi Frans Ólafsson EVE und Dust in seiner Erfolgsformel auch längst nicht mehr - er multipliziert die beiden Titel miteinander.

Packshot zu Dust 514Dust 514Erschienen für PC und PS3

Ein Shooter für die Ewigkeit?

Und die Rechnung könnte aufgehen, denn mittlerweile zählt CCP über eine Million Registrierungen für Dust 514, obwohl das noch immer in der Beta läuft und auf spielerischer Sparflamme gehalten wird. Denn die meisten Verknüpfungen zu EVE Online, von denen Spieler und Entwickler in der Vergangenheit geträumt haben, haben es noch nicht ins Spiel geschafft.

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Für das EVE Fanfest ließ sich CCP nicht lumpen.
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Das spielt sich noch immer wie ein gewöhnlicher Online-Shooter im Stil von Battlefield oder PlanetSide 2. Zwar kann ein Söldner in Dust 514 auch Unterstützung seiner Kollegen aus dem Weltall anfordern und der Pilot dann eine Salve auf die Planetenoberfläche schicken, doch tragen die Schlachten in Dust 514 längst nicht so viel zum Geschehen in New Eden bei, wie das die Spieler beider Titel gerne hätten.

Noch immer handelt es sich bei den Schlachtfeldern in Dust um kleine, in Bezug auf EVE unbedeutende Arenen, auf denen sich bei Abschluss immerhin ein wenig ISK und mit etwas Glück sogar das eine oder andere Stück Ausrüstung erbeuten lässt. Die Motivation, den Shooter dauerhaft zu zocken, fällt jedoch noch immer verhältnismäßig gering aus.

Dieses Datum lässt sich merken

Mit umso größerer Spannung warten beide Fangemeinden nun auf die nächsten Schritte, in denen Dust 514 ganz vorsichtig weiter in die Sandbox eingelassen werden soll. Vorsichtig deswegen, weil es die Spielergemeinde von EVE Online nie verzeihen würde, wenn CCP die Balance der Welt durch übereilte Erweiterungen gefährden würde.

Der Hintereingang zur Mega-Sandbox ist bislang nur ein kleiner Spalt. Doch die Freiheit dahinter lässt sich bereits erkennen und sie ist schier grenzenlos.Ausblick lesen

Und so wird auch die erste echte Erweiterung mit dem Titel Uprising, die am 6. Mai aufschlagen soll, kaum an den Fundamenten der Sandbox rütteln. Und doch wird sie den Shooter noch einmal gehörig aufwerten und für den großen Tag vorbereiten, an dem Dust 514 endlich offiziell veröffentlicht wird - den 14. Tag des fünften Monats im laufenden Jahr. Wie sollte es auch anders sein?

Die haben ja einen Schatten!

Und weil CCP durchaus stolz auf das erste große Update ist und gerne vorzeigt, woran man in den letzten Monaten im stillen Kämmerlein gearbeitet hat, mussten wir uns auf dem Fanfest nicht mit der aktuellen Version begnügen, sondern durften von Donnerstag bis Samstag nach Herzenslaune durch Uprising toben, das schon auf den ersten Blick beeindrucken kann.

Mit Uprising findet die grafische Tristesse in Dust nämlich ein unerwartetes Ende. Gezählt sind die Tage, in denen sich die Planetenoberflächen stets grau in grau präsentierten. Die Planeten bekommen Farbe, werden nach und nach von außerirdischer Flora überwuchert und durch Unreal-Features wie “Indirect Shadows” realistischer denn je in Szene gesetzt.

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Next Generation

Der Rückstand zu High-End-Shootern auf dem PC fällt kaum noch auf und das auf der Konsole schwächelnde Defiance von Trion Worlds hat im direkten Vergleich mit Dust 514, das mit Uprising obendrein noch ein komplett verbessertes Benutzerinterface spendiert bekommt, grafisch gar keine Schnitte mehr.

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Dass Dust 514 zeitnah für PC erscheinen könnte, bestreitet man bei CCP übrigens nach wie vor - die Frage nach der Kompatibilität zur kommenden Playstation 4 beantworteten die Entwickler auf dem Fanfest hingegen mehrfach verdächtig ausweichend und die bestehende enge Kooperation mit Sony legt zumindest nahe, dass man Dust 514, das ja ohnehin weitgehend auf die Unreal Engine 3 setzt, in dieser Hinsicht aufwärtskompatibel baut.

Schranken- und kostenlose Kommunikation

Wie offen man Dust 514 gebaut hat, beweist CCP auch an den vielen kleinen Änderungen, die man mit Uprising vornimmt. Da wird die neu gestaltete Galaxiskarte ins Spiel gebracht, die Skill-Ansicht, die bislang auf EVE-Spieler zugeschnitten war, wird übersichtlicher gestaltet, die Kampfanzüge werden an die fürs Genre typischen Rollen angepasst und nebenbei komplett neu ausbalanciert.

Auch scheut man sich bei CCP nicht davor, eine heilige Kuh, die ordentlich Milch abgeworfen hat, zu schlachten, wenn es das Spielerlebnis verbessert. Und so war es kaum verwunderlich, dass ein Raunen durch den Saal ging, als während der Dust-Präsentation auf dem Fanfest verkündet wurde, dass man den Voice-Chat, der übrigens auch die Spieler von EVE und Dust verbindet, künftig komplett kostenlos zur Verfügung stellen will.

Damit Krieg wieder Sinn macht

Die bedeutsamste Neuerung, die uns mit Uprising erwartet, dürfte aber jene Mechanik sein, die den Corporations endlich das Erobern von Bezirken auf Planeten ermöglichen wird. Und nicht nur das - es wird dann möglich sein, anderen Unternehmen den Krieg zu erklären und Einrichtungen in den eigenen Bezirken zu installieren, die einen mit dringend nötigem Kriegsgerät versorgen, um damit einen Feldzug gegen die Stellungen des Feindes einzuleiten.

Planetare Einrichtungen werden teilweise für Boni sorgen, die nicht nur den Söldnern auf der Oberfläche helfen, sondern der gesamten Corporation - also auch den Kollegen, die mit ihren Raumschiffen vom PC und EVE Online aus Schützen- und wahrscheinlich auch Finanzhilfe leisten, weil sie sich von den Feldzügen am Boden große Vorteile versprechen. Wer einen Planeten besitzt, hat Einfluss auf dessen Industrie - auch und vor allem auf die in EVE Online.

Dust 514 - Befreiungsschlag - Die letzten Infos vor dem Start

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Die Galaxis im Überblick. Die neue Karte ist bedeutend zweckmäßiger und übersichtlicher als die riesige 3-D-Map aus EVE Online.
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Geduldsprobe bestanden

Dass all diese Funktionen tatsächlich mit dem Start von Uprising ins Spiel kommen, darf bezweifelt werden. Wahrscheinlich wird CCP das Update, wie so oft bei EVE Online praktiziert, in mehrere Teile aufspalten und Stück für Stück aufspielen. Daran allerdings hat sich auch die noch junge Dust-Community bereits gewöhnt.

“Dust 514 ist ein Shooter für die Ewigkeit, und wir sind stolz darauf, Teil einer solchen Spielergemeinde zu sein”, erklärte mir ein begeisterter Dust-Fan, der extra aus den USA angereist war, im Gespräch nach der großen Präsentation. “Wir sind geduldig mit CCP, weil wir das große Ganze sehen, die Vision mit den Entwicklern teilen und erstmals einen Shooter mit Metagame erleben dürfen”, fällt ihm ein Kollege ins Wort.

Und tatsächlich hebt sich Dust 514 durch seine Verbindung zu EVE Online vom Rest des Genres ab. Das Spiel ist nur oberflächlich betrachtet ein Shooter. Eigentlich ist es weit mehr - nämlich ein weiterer Zugang zum größten aller Online-Sandkästen. Dust 514 bringt das Leben in New Eden auf die Planetenoberflächen und gibt den Spielern mehr Möglichkeiten denn je, sich im virtuellen Raum zu verwirklichen.

Enter the Vicious Cycle!

Das Argument, dass Shooter-Fans an der Konsole keinen Nerv haben würden, sich mit den politischen Streitigkeiten diverser Spielervereinigungen im Weltraum auseinanderzusetzen, dass sie einfach nur unbeschwert eine Runde ballern wollen, lässt Chief Marketing Officer David Reid nicht gelten. Er ist sich sicher, dass der Branche ein Paradigmenwechsel bevorsteht.

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Und so arbeitet der Marketing-Experte auch schon an einem entsprechenden TV-Spot, der Shooter-Fans in aller Kürze vor Augen führen soll, was sie bislang verpasst haben: das Sandbox-Erlebnis. Letztlich allerdings sei es an den Spielern selbst, in einer riesigen Propaganda-Aktion mit dem klangvollen Motto ‘Enter the Vicious Cycle’ “Millionen von Halo- und Call-of-Duty-Fans aus ihrem Gefängnis zu befreien, von dem sie nicht mal wissen, dass es existiert.”