Mit dem Add-on „Die Reiter von Rohan“ erhält das in die Jahre gekommene MMO-Rollenspiel „Der Herr der Ringe Online“ weit mehr als nur ein neues Gebiet. Eine gelungene neue Kampfvariante zu Ross, eine grafische Aufwertung wie auch direkte Bezüge zur literarischen Vorlage machen aus Rohan beinahe ein neues Spiel.

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Aber nur beinahe, denn die Wurzeln dieses MMOs reichen in vielerlei Hinsicht tief. Auf der einen Seite steht eine fünf Jahre alte Community, die Tolkiens Werk bis zum Ende „nacherleben“ will. Manche von ihnen lieben ihr bisher bekanntes Turbine-Mittelerde mit seinen altertümlich wirkenden Abklapper-Quests.

Auf der anderen Seite steht die Fraktion der „Schnell-mal-durchquesten“-Zocker, die – nicht zu Unrecht – modernere, actionreichere Spielelemente suchen und zu Guild Wars 2 abwandern.

„Die Reiter von Rohan“ macht es beiden Fraktionen recht. Tolkien-Spieler finden all das, was sie bisher am Ball hielt, und mehr. Sie erleben nicht nur Boromirs Fall, nein, sie schlüpfen sogar kurzzeitig in die Haut von Frodo, Sam und dem tragischen Helden aus Minas Tirith, um die Geschichte hautnah zu erleben. Sind Zeuge des Niedergang eines Dorfes, suchen Spuren wie Detektive, mischen sich in Angelegenheiten, die sie nichts angehen, und lernen somit die Kultur eines ganzen Landstrichs kennen.

Mittelerde-Touristen mit weniger Bezug zur Vorlage erfreuen sich hingegen an instanzierten Orten, schnelleren Schlachtregeln und am Kampf zu Ross. Im Detail sind das unheimlich viele Komponenten, die dem bisherigen Spielablauf ein neues, komplexes Regelwerk überstülpen, ohne das bisher bekannte zu verändern.

Der Herr der Ringe Online: Reiter von Rohan - Fast wie ein neues Spiel

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Mit den Reitern von Rohan erhält HdRO weit mehr als nur ein neues Gebiet.
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Wie ein Rollenspiel in einem Rollenspiel, das nur dann zutage kommt, wenn man es braucht. Das trifft insbesondere, jedoch nicht ausschließlich auf das neue Haupt-Feature zu: das Kriegsross. Diese Erweiterung frischt HdRO auf und modernisiert es, ohne den liebgewonnenen Charakter des Spiels zu verändern.

Packshot zu Der Herr der Ringe Online: Reiter von RohanDer Herr der Ringe Online: Reiter von RohanErschienen für PC

In dieser Aussage spielen die üblichen Kleinigkeiten eines MMO-Add-ons keine große Rolle, runden aber das Paket gewohnt routiniert ab. Die Levelgrenze steigt von 75 auf Stufe 85, es winken massig Quest-Reihen, neue Taten, zwei neue Tugendstufen, die das Maximum auf 16 heben, ein brandneues Rüstungsset und selbstverständlich bekommen Handwerker neue Materialien. Die Ost-Emnet-Handwerksstufe bedient euch mit neuen Erzen, Fellen, geheimen Texten, Edelsteinen, Kochrezepten und allem, was man halt so braucht, um den eigenen Charakter wie auch Begleiter zu stärken.

Größere Gruppeninstanzen und Raids werden leider erst Ende des Jahres nachgereicht – ähnlich wie schon beim Isengart-Add-on. Für Käufer des vollen Pakets zum Glück kostenfrei und nicht wie zuerst vermutet gegen Aufpreis. Die Qualität dieses Endgame-Contents kann somit noch nicht in die Wertung einfließen, aber angesichts der bisherigen Leistung sind keine Patzer zu erwarten. Es wäre schön, wenn man zusätzlich einige der 60er-Instanzen aus Moria skalieren könnte – etwa die große Treppe. Anderweitig lieferte Turbine bislang immer gute Unterhaltung für alle Charakterstufen und wird den Trend hoffentlich beibehalten.

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Das neue Kriegsross ist zwar das Haupt-Feature des Rohan-Add-ons, doch die Masse an kleineren Neuerungen ändert den Spielablauf ebenfalls ordentlich.
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Bleibt nur eine Frage offen: Warum sollte man das Add-on kaufen? Wer die 39 Euro für die DVD-Retail-Fassung auf den Tisch legt, bekommt alle großen und kleinen Features plus ein paar nützliche Boni auf einen Schlag und kann sich ohne Beschränkungen ins Abenteuer stürzen.

Rohan hat kleine Ecken und Kanten, aber inhaltlich ist es ein wohltuend großes und modernes Add-on. Herr der Ringe Online erlebt einen zweiten Frühling.Fazit lesen

Gemäß der Free-to-Play-Philosophie sind aber sämtliche Neuerungen für alle Spieler mit entsprechend entwickeltem Charakter zugänglich. Auch für jene, die gar nichts zahlen und nicht einmal ein Abo haben. Jedermann kann Aufgaben erfüllen, das neue Kriegsross reiten, quasi kostenfreien Spaß haben. Warum also für das Add-on Geld ausgeben? Ist HdRO nicht „Free-to-Play“?

Free-to-Play für knapp 40 Mücken?

Es dürfte inzwischen bekannt sein, dass Herr der Ringe Online nur deswegen das Free-to-Play-Attribut verdient, weil man sich Währungseinheiten für den Shop im laufenden Spiel durch Taten und Quests verdienen kann. Ist zwar eine endlose Sisyphos-Arbeit, aber wer durchhält, kommt komplett kostenfrei durch das gesamte Spiel inklusive Rohan-Add-on.

Man darf die verdienten Turbine-Punkte nur nicht sinnlos auf den Kopf hauen. Wollt ihr alle drei Klassen des neuen Kriegsrosses verwenden, umfangreiche Quest-Reihen und die im Winter hoffentlich nachgelieferten Instanzen genießen, so müsst ihr sie in Einzelteilen aus dem Ingame-Shop erwerben. Rechnet man die zu verdienenden Turbine-Punkte in echtes Geld um, liegt die Summe sogar höher als beim Kauf des kompletten Add-ons als Pack. In den allermeisten Fällen wird aus „Free-to-Play“ schnell „pay a little something once in a while“, weil man die im Spiel erworbenen Shop-Punkte mit harten Euros ergänzt.

Aber wer sollte Turbine einen Vorwurf machen? Das Studio will auch Geld verdienen, die Server erhalten, neue Erweiterungen entwickeln und so weiter. Es lohnt sich allemal und kommt letztendlich nur auf eure Bequemlichkeit an. Seid ihr gewillt, erst tagelang Wölfe, Würmer und Orks zu schlachten, Gegenden zu erkunden und Bringdienste zu leisten, um handlungsorientierte Quests einkaufen zu können? Nein? Dann greift gleich zum Add-on, das schon in der Vorbestellung zehn Euro zu teuer wirkte (egal in welcher Ausführung), aber an sich sein Geld wert ist.

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Free-to-Play-Rollenspieler kommen kostenfrei in das neue Gebiet, müssen aber einige Einschränkungen in Kauf nehmen.
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Wollt ihr völlig kostenlos durch Rohan, wird die Reise mühseliger. Das neue Kriegsross, das später in diesem Text noch genauer beleuchtet wird, gibt es kostenlos, aber von den umfangreichen Fähigkeiten steht nur ein Drittel zur Verfügung. Als Grundausrüstung reicht das „mittlere Ross“ vollkommen, denn die Pferdeklasse ist kein „Pay-to-win-Faktor“. Aber wer die Klasse seines Pferdes an die Rolle in der Party anpassen möchte, wird um den Kauf einer weiteren nicht herumkommen.

Was kann ein Wächter mit einem mittleren Pferd anfangen? Er will mit seinem schweren, ausdauernden Kriegsross mitten im Mob stehen. Jäger und Barden mit großer Reichweite wollen flinke Gefährten, die sie in der zweiten Reihe vom Mob fernhalten und deswegen leichter gepanzert sind. Die für Free-to-play-/Premium-Rollenspieler bereitgestellte mittlere Variante ist ein guter Kompromiss aus beidem.

Die Fusion aus Free-to-Play-, Gelegenheitskäufer- und Dauerkundensystem ist eine Gratwanderung, die Turbine in der Regel gelingt. In Rohan haben sie es jedoch ein wenig übertrieben. Speziell bei den nebensächlichen Dingen, die selbst Käufer des Add-ons nur im Shop erwerben können. Der Preis für Kleinigkeiten wie ein Pferde-Farbbündel (merke: eine andere Farbe für ein virtuelles Tier!) ist völlig überzogen. Selbst nützlichere Einkaufsgegenstände, etwa der kontoweit verfügbare sechste Inventarbeutel für alle Charaktere, wären erheblich attraktiver, wenn sie ein wenig günstiger im Shop stünden.

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Selbst bei Regen spielt Turbine die Magie Rohans voll aus.
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Ja, HdRO ist in die Jahre gekommen und die Anzahl der Spieler hat abgenommen. Die Zeiten mögen hart sein. Der harte Kern und die noch immer zulaufenden Neueinsteiger bilden aber noch immer eine große Gemeinschaft, die man mit solchen Schachzügen vergraulen kann.

Abseits davon gibt es wenig Grund zur Klage. Das neue Gebiet Rohan ist riesig, die Neuerungen sind zahlreich und die Atmosphäre ist wie immer grandios. Ab ins Abenteuer.

Mit einem Charakter der Stufe 75 oder leicht darunter öffnen zwei Zugänge den Weg nach Rohan. Entweder man wartet geduldig auf Level 75, empfängt Post von der Elbenherrin Galadriel und lässt sich von ihr ganz offiziell nach Rohan schicken. Oder man geht auf eigene Faust über die Brücke beim großen Fluss und freundet sich mit dem Reitervolk der Rohirrim an.

Die erste Variante führt in ein faszinierendes Sitzungsspiel, das den sowieso schon tief gestrickten Bezug auf die literarische Vorlage nochmals intensiviert. Euer Held erlebt durch Frodos Augen, wie die Ringgemeinschaft zerfällt. Der verzweifelte Gondorische Krieger Boromir trachtet im Namen seiner Heimat nach dem Ring und Frodo flüchtet in Panik.

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Endlich kommt man in Sitzungsspielen näher an die Ringgemeinschaft. Ihren Zerfall erlebt ihr in drei Perspektiven - grandios.
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Innerhalb einer Quest-Reihe gilt es, die Spuren der Ereignisse zusammenzusuchen und die volle Geschichte aus weiteren Ansichten zu erleben. Erst durch Boromirs Perspektive, inklusive seiner Motivation, seiner Läuterung und seines heldenhaften Falls. Anschließend in der Rolle von Frodos Gärtner und bestem Kumpel Sam, der seinen Hobbit-Verstand einsetzt, um Frodos Versteck ausfindig zu machen.

Schönere Handlung, modernere Spielelemente

Allein diese Reihe an Sitzungsspielen mit all ihren Blickwinkeln und Erklärungen bringt HdRO näher an die Vorlage als je zuvor und lässt Tolkien-Fans noch direkter an der Saga teilhaben. Unter diesen Umständen verzeiht man den Entwicklern sogar kleine Ausrutscher. Etwa den Umstand, dass Boromir Frodo mit dem Schwert angreift, um dem Spieler die Bedrohung durch ihn deutlicher zu vermitteln. Ist ein wenig übertrieben, aber anderweitig bleibt das Hintergrundmaterial originalgetreu.

Selbstverständlich wurde der weitere Weg durch die Grasfelder Rohans mit Quests zugepflastert, die euch Probleme und Nöte der ansässigen Bevölkerung näherbringen. Nicht weit vom Schauplatz liegt Sarumans Turm, und der dunkle Zauberer hätte das Reitervolk gerne auf seiner Seite. Er lässt den müden alten König Theoden von seinem Diener Schlangenzunge beschwatzen, sodass böse, plündernde Orks und Uruk-Hai ungestört das Land passieren können. Nahrung und Handelswaren bleiben mancherorts aus, weil Händler nicht mehr gefahrlos passieren können. Und weil Theoden ihnen den Hahn abdreht.

Eine Entscheidung, die viele stolze Rohirrim nicht verstehen. Sie bäumen sich in ihrer Not gegen die Befehle des Königs auf, sorgen selbst für Ordnung in ihren Landstrichen. Helfende Hände sind herzlich willkommen. Wenn auch nicht überall. Aus einer Stadt werdet ihr sogar verbannt und müsst euch gelegentlich hineinschleichen, bis ihr euren Ruf wiederhergestellt habt.

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Orks und Uruks ziehen ungestört durch das Land der Pferdeherren. Sie plündern und verbrennen ganze Ernten.
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Turbine schafft es mit Rohan, HdRO abwechslungsreicher und zügiger erscheinen zu lassen. Man hat das Gefühl, nicht mehr ständig denselben Schmus in anderer Verpackung zu verrichten. Das liegt aber nicht nur an den geschickt aneinandergereihten Aufgaben, sondern auch an den zügigeren Schlachten.

Einige Feinheiten mag man gar nicht als einschneidend wahrnehmen, etwa das neue Loot-System. In Rohan braucht ihr nicht mehr an jeden Gegner heranzutreten, um ihn zu plündern, denn das geschieht automatisch. Bis zu 50 Funde werden in einem speziellen Plüderbeutel eine Stunde lang aufbewahrt. In der Zeit müsst ihr aussortieren, was ihr behalten wollt. Könnt ihr also auch in Ruhe nach der Schlacht machen.

Diese Funktion spart unterm Strich so viel Aufwand, dass ihr deutlich mehr Abenteuer in kürzerer Zeit bestreitet, mit weniger Unterbrechungen und weniger Grübeln, was unterwegs in das Inventar passt und was nicht. Schlachtunterbrechungen wegen Überladung bleiben nun aus, obwohl selbst der sechste Inventarbeutel aus allen Nähten platzt, wenn man mal ordentlich bei der Sache ist.

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Dank des offenen Anzapfens bilden sich Spielgemeinschaften ungezwungener. Allein dieses Feature modernisiert HdRO erheblich.
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Zwei weitere Elemente sparen zusätzlich Zeit, ohne Aufgaben zu vereinfachen. Die erste nennt sich „offenes Anzapfen“. Es lässt euch Gegner angreifen, die ein anderer Spieler abseits eurer Party gerade bearbeitet. Das war zwar vorher schon möglich, doch bekam man dafür weder Erfahrungspunkte noch die Lösung einer Aufgabe gutgeschrieben. Nicht selten stand man quasi Schlange und wartete darauf, dass bestimmte Gegner wieder auftauchten, die jemand anderes gerade erst niedermetzelte. Wollte man jemanden unterstützten und dafür Belohnung abstauben, blieb nur die Möglichkeit, eine Gruppe zu bilden.

Das ist in Rohan nicht mehr nötig. Jeder kann sich in jeden Kampf einmischen, löst dadurch die eigenen Aufgaben gleich mit und erhält einen Anteil der Ausbeute. Klar, manch einer mag beleidigt sein, wenn plötzlich ein Fremder auftaucht und die lange Vorbereitung auf eine schwere Solo-Quest im Nachhinein sinnlos macht. Andererseits führt das die Streiter Mittelerdes schneller zusammen, weil Gruppierungen ungezwungener sind. Und in der Regel ist man für ein wenig Unterstützung dankbar, gerade als Solospieler.

Laut einigen Entwicklern, die die Betaphase begleiteten, spielt Turbine mit dem Gedanken, das offene Anzapfen wie auch das neue Plündersystem in die alten Gebiete einzubauen. Diese Anpassung wäre willkommen, da sie HdRO auch für Spieler modernisieren würde, die Level 75 noch nicht erreicht haben. Kehrt man nach Isengart oder an den großen Fluss zurück, wirkt das manuelle Plündern jedes einzelnen Gegners sogar ziemlich lästig.

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Trotz des Kriegsrosses gibt es noch immer genug Gründe, zu Fuß zu kämpfen. In Höhlen oder dicht bewaldeten Landstrichen könnt ihr die edlen Rösser nicht einsetzen.
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In Rohan ist die Funktion bitter nötig, da immer mehr Gegenstände in Ruhe separiert werden wollen. Neue Waffen, Rüstungen, Rezepte und ein obendrein legendäres Zaumzeug für das neue Schlachtross lassen den Wust an Gegenständen nochmals anwachsen. Es ist eine wahre Erlösung, Inventar-Entscheidungen in Ruhe nach der Schlacht fällen zu können.

Rauf auf das Kriegsross

Das zweite vereinfachende Spielelement in Form der offenen Quests wird es jedoch nur ab Rohan und in folgenden Gebiets-Updates geben. Erreicht ihr einen Landstrich oder ein Gebäude, in dem sich eine offensichtliche Aufgabe anbietet, poppt sie über dem Questlog auf, wodurch lästiges Laufen zu fernen Quest-Gebern entfällt. Zumindest was einen Großteil der „Sammle-Felle“- und „Besiege-X-Orks-in-Gebiet-Y“-Aufgaben angeht.

Sollt ihr eine Anzahl Uruk-Hai vernichten, wird sogar der erste von ihnen, der die aufpoppende Quest auslöste, gleich mitgezählt. Ist die Tat vollbracht, braucht ihr sie auch nirgends abzugeben. Ein weiterer Klick genügt.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Gehören Felle oder andere Rohstoffe zu einer personenbezogenen Aufgabe im Rahmen eines Handlungsstrangs, startet man die Reise noch immer bei der betreffenden Figur und beendet sie dort, um die Geschichte voranzubringen. Das übliche Abgrasen dreier Quest-Geber, die „zufällig“ beieinander stehen und euch in dieselbe Richtung schicken, wurde jedoch auf geschickte Weise reduziert. Nicht nur eine bequeme Neuerung: NPCs erhalten dadurch mehr Gewicht. Ihre Geschichten vermitteln mehr Inhalt abseits des üblichen „Wir sind zu faul oder zu schwach, um die Aufgabe selbst zu erfüllen“. Wirklich schön!

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In einer Gruppe übernimmt jeder Spieler eine Aufgabe, passend zu seiner Klasse.
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Zumal einige Ortschaften für jeden Spieler einzeln instanziert werden. Heißt im Klartext: Ihr seht das Dorf Langhold noch in all seiner Paracht, aber euer Kumpel, der in der Handlung schon weiter ist, sieht bereits eine Version, die in Schutt und Asche liegt. Der nächste hat hingegen schon die Level-85-Ortschaft Hytbold erreicht und hilft den Anwohnern beim Wiederaufbau.

Wie schon gesagt, es ist für jeden etwas dabei. Wenn nicht im Detail, dann im Hauptfeature, denn das Kriegsross stellt euch vor völlig neue Aufgaben.

Egal, auf welchem Weg ihr nach Rohan gelangt, die Geschichte führt weiter in die Steppe hinein zur Stadt Harwick, in der man das erste Kriegsross erhält.

Einmal aufgesessen, ändert sich das komplette Schema. Ein neues, braun gefärbtes Schnellzugriffsfeld zeigt fremde Fertigkeiten an, die vornehmlich dem Kampf dienen. Die Steuerung des edlen Tiers fällt allgemein ungewohnt aus. Vier Geschwindigkeitsstufen dienen nicht nur der vorsichtigen Navigation in engen Räumen, sondern auch dem schnellen Wenden auf weiten Schlachtfeldern. Nur wenn das Kriegsross Geschwindigkeit gewinnt und den Wutbalken füllt, haben Attacken volle Wirkungskraft.

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Der berittene Kampf nimmt richtig Fahrt auf, wenn Gegner ebenfalls auf Mounts antraben.
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Auch an das leicht bockige Einlenken muss man sich erst gewöhnen, doch schaffen Steigerungen der Rossattribute Abhilfe. Der Edelgaul gewinnt nämlich eigene Erfahrungspunkte und steigt ebenfalls in Rangstufen auf, die mit Punkten für einen Fertigkeitenbaum belohnt werden. So lernt er, schneller zu wenden, ergattert mehr Moral und Kraft und meistert zusammen mit dem Reiter neue Schlachttechniken.

Schon dieses neue Spielelement schafft reichlich Motivation zum Herumprobieren. Welche Gegner kann man zu Ross gut bekämpfen? In welchen Gegenden hat man dafür den meisten Platz? Wo sollte man lieber vom Ross absteigen und zu Fuß weitermachen?

Tatsächlich hat die Umgebung am meisten Einfluss auf Erfolg und Spaß beim berittenen Kampf. Es ist zwar nicht übermäßig stilvoll, stehenden Orks und lahmen Würmern vom Gaul aus den Garaus zu machen, aber es ist durchaus möglich, solange man genug Platz zum Anreiten oder Umkreisen der Gegner hat. Das Anreiten birgt übrigens einen ähnlichen Charakter wie viele Echtzeitkämpfe neuerer MMOs, weil es eine weitere Echtzeitkomponente in die Schlacht bringt. Nicht schlecht.

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Im düsteren Fangorn-Wald geht euch der Hintern auf Grundeis. Hier ist es richtig gruselig.
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So richtig launig wird die Geschichte erst, wenn Orks ebenfalls beritten auftauchen - auf Wargen. Uruk-Hai nutzen sogar richtige Pferde. Na, ob das so Tolkien-konform ist, sei mal dahingestellt, aber für den berittenen Kampf hat die Entscheidung sehr viel Sinn. Denn wenn eure Widersacher das Spielchen mitmachen, erhält der berittene Kampf erst die erhoffte Dynamik. Warg-Reiter dackeln nicht hinter dem deutlich schnelleren Ross her. Sie versuchen euch den Weg abzuschneiden, kreuzen im Team euren Kurs und wollen euch sogar vom Gaul werfen.

Solche Feinde trifft man nur auf offenen Feldern mit massig Platz. Doch bleibt die Gefahr präsent, durch den Radius der Rossattacken ständig weitere Gegner zu ziehen. Ein wenig Strategie kann nicht schaden.

Eine Halbautomatik vereinfacht die Angelegenheit ein wenig. Aktiviert ihr sie, kostet jeder Angriff mehr Kraft, doch das Pferd läuft dann von selbst auf den markierten Gegner zu, sobald eine beliebige Angriffsvariante ausgewählt wurde. Außerdem stellt sich die anderweitig verhasste automatische Fokussierung als nützlich heraus. Drückt man X auf der Tastatur, so richtet sich die Kamera immer nach dem markierten Gegner. Normalerweise stört diese (abschaltbare) Funktion, doch zu Ross hilft sie, den anvisierten Gegner im Auge zu behalten. Vor allem in einer Schlachtross-Party ist das sinnvoll, denn im Pulk wird es schnell mal unübersichtlich.

Mannigfaltige Fertigkeiten

Ob alleine oder in Begleitung spielt keine Rolle – habt ihr das System erst einmal inne, bereitet diese neue Kampfvariante unheimlich viel Spaß. Vorausgesetzt, die Server spielen mit. Gelegentlich plagen heftige Lags den Spielfluss, was mitunter zu sekundenlangen Zwangspausen mit Standbild führt. Ist keineswegs permanent der Fall. An manchen Tagen bemerkt man die Aussetzer kaum. Aber wenn mal wieder viel los ist, können solche Stotterer nicht nur den Spaß verderben, sondern auch zu einem bösen Ausgang einer Schlacht führen. Turbine sollte hier unbedingt nachbessern, denn abseits dieses Schnitzers bringt das Schlachtross ausschließlich positive Veränderungen in das Spiel.

Allein die Pflege ist mal wieder unüberschaubar. Über Quest-Belohnungen erhält das Kriegsross ständig Erfahrungspunkte, auch wenn ihr alle Schlachten zu Fuß erledigt. Beritten fallen jedoch weit mehr ab und so versucht man natürlich, so viele Auseinandersetzungen wie möglich auf dem Gaul zu bestreiten.

Nun, Turbine wäre nicht Turbine, wenn diese Regelung ohne Konsequenzen bliebe. Drei Fertigkeitenbäume wollen abhängig von Schlachtross- und Charakterklasse entwickelt werden. Sie entsprechen Haltungen, die ihr im laufenden Kampf wechseln könnt. Hat je nach Klasse unterschiedliche Auswirkungen.

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Viele Ortschaften sind um eure Hilfe dankbar. Aber nicht alle. Aus der Festung Harwick werdet ihr sogar kurzzeitig verbannt.
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Barden kennen das System bereits. Je nach Haltung und Ausrichtung können sie andere Fertigkeiten verwenden. Während der Trällerknabe einige Sekunden braucht, um „Kriegsrede“ oder „Harmonie“ zu aktivieren, geht der Haltungswechsel auf dem Pferd sofort vonstatten. Allerdings hängt der Nutzen von der Charakterklasse des Reiters ab. Während Jäger und Waffenmeister nur wenige Änderungen in ihren Fertigkeiten finden, bekommt der Barde mit jeder neuen Haltung ein komplett anderes Skillset. Dementsprechend versuchen Barden die Fertigkeitsbäume ihres Battle-Mounts möglichst gleichmäßig auszubauen, während Waffenmeister vornehmlich auf Kampfkraft setzen.

Erstaunlich modern erscheint die Verteilung der gewonnenen Fertigkeitenpunkte. Sie können nicht nur aufs Geratewohl zugeteilt, sondern auch jederzeit umgestellt werden. Keine Entscheidung ist endgültig. Noch besser: Man darf von vornherein zwei Konfigurationen speichern und beliebig wechseln. Weitere Speicherslots sind im Shop erhältlich. Im laufenden Kampf ist ein Wechsel der Fertigkeitenkonfiguration aber unangebracht, denn dafür muss der Reiter zuerst absteigen.

Weiteres Getüttel findet ihr in der optischen Pflege. Während normale Mounts vorgefertigte Designs haben, dürft ihr Schlachtrösser erst mal selbst ausstatten. Wie eingangs erwähnt, sind die im Shop erhältlichen Farben schweineteuer, aber während der Quests findet ihr immer wieder neue Sattel, Zaumzeug und weitere Reitutensilien.

Das edle Tier soll ja auch schön aussehen, wenn ihr mal wieder mit der Sippe durch Bree flaniert. Legendäres Zaumzeug darf wie üblich mit Runen und magischen Steinen versehen werden, doch sortiert Turbine sie nicht ins Pferdemenü ein. Ihr findet das Zaumzeug bei den legendären Gegenständen. Verwirrt eingangs ein wenig, ist aber die logischere Entscheidung.

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Die Reiter von Rohan ist ein Fest für Auge und Ohr. Nicht viele andere MMOs vermitteln eine derart dichte Atmosphäre.
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Apropos alte Gegenden: Der Kampf zu Ross ist bisher ausschließlich in Rohan möglich. In den früheren Gebieten reitet ihr zwar ebenso schnell (und noch einen ganzen Zacken zügiger als mit den normalen Mounts), aber die Schnellzugriffsleiste bleibt ausgegraut. Wer bei einem Angriff im Sattel bleibt, bekommt die Hucke voll.

Ist nicht tragisch. Wer seinen Charakter schon auf Rohan-Niveau entwickeln konnte, gewinnt in den alten Gegenden sowieso kaum bis keine Erfahrungspunkte. So richtig Platz hat man da auch selten. Immerhin darf man noch schneller reisen – ist doch auch was.

Allgemein gibt es nur wenige Dinge, die das Rohan-Add-on abseits von Rohan mitbringt. Am auffälligsten dürfte die zweite Schnellzugriffsleiste sein. Wer zu wenig Platz für Fertigkeiten-Icons hat, sortiert die passiven (etwa Marksteine) auf die zweite Leiste. Ein kleiner Knopf unten im Menü schaltet zwischen der neuen und der alten Leiste hin und her.

Grafik, Musik und kleine Macken

Mit über fünf Jahren auf dem Buckel zeigt HdRO inzwischen unschöne Stellen, die schlichtweg nicht mehr zeitgemäß sind. Das betrifft vor allem die Startgebiete der Ered Luin. Dagegen wirkt Rohan ausgesprochen detailreich. Der grafische Stil wurde beibehalten. Die Gegenden sollen möglichst realistisch aussehen und dabei gelegentlich die Grenze zum Surrealen überschreiten.

Klappt in Rohan hervorragend, kostet aber mehr Rechenkraft und Speicher als zuvor. Sichtweite und Detailreichtum in der Flora wurden ein ganzes Stück angehoben, sodass man nun durch dichte Blumenfelder stolziert und selbst ferne Bauten am Horizont erkennt. Schärfere Texturen, schicke Beleuchtung und feiner modellierte Gebäude lassen Grafikkarte und Festplatte heißlaufen. Die weiten Wiesen Rohans ermöglichen zudem einen ausführlichen Blick zum Himmel, der ebenfalls eine Generalüberholung genießen durfte.

Wolkenspiele samt blendender Sonne und sichelförmigem Mond wirken schärfer, farbkräftiger und liebevoller gestaltet als zuvor. Selbst bei Regen kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Hätte der Nachthimmel endlich dynamische Mondphasen, wäre der Eindruck perfekt.

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In den Methallen holt ihr euch Quests ab und zelebriert ausführliches Rollenspiel. Der optische Detailreichtum ist für ein MMORPG umwerfend.
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Wer nicht mindestens einmal auf die Aussichtsplattform von Amon Hen steigt, um einen Sonnenaufgang zu bewundern, hat ein Herz aus Stein. Und selbst das schmilzt spätestens mit dem Einsatz der Musik dahin. Chance Thomas beweist sein Kompositions- und Arrangement-Talent in 22 herzerwärmenden Stücken, die allesamt orchestral eingespielt vorliegen.

Selbst die zugegebenermaßen flache und arg an den Filmsoundtrack angelehnte Titelmusik erklingt in neuer Pracht. Sucht ihr nach echter Gänsehautstimmung, dann wird euch das neue melodramatische Rohan-Thema umwerfen. Bitte mehr davon! Der Mann ist sein Geld wert!

Wenn Rohans verzehrend zweistimmige Streichermelodie in den fantastisch rustikalen Methallen erklingt, wenn das Feuer prasselt, wenn Zwerge, Menschen, Elben und Hobbits im Schatten der liebevoll verzierten Wandteppiche ausführliches Rollenspiel pflegen, dann will man nur noch dasitzen und die Szenerie genießen.

Das Gegenteil findet man im Fangorrn-Wald. Er ist so düster und dicht, dass euch der Schauer über den Rücken läuft. Grün leuchtende Monsterspinnen ziehen im Bodennebel ihre Kreise, böse Bäume bedrohen unbedachte Wanderer. Spendeten kleine, romantische Lichtungen und Begegnungen mit Ents sowie dem zurückgekehrten Zauberer Gandalf keinen Trost, wäre das Verlangen zu fliehen größer als der Mut für das Abenteuer.

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Rohan verschafft High-Level-Spielern umfangreiche handlungsbasierte Quest-Reihen.
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Schade, dass kleinere Patzer noch immer die Stimmung stören. Etwa NPCs, die euch mal in Deutsch und mal in Englisch antworten, die Landkarte, die euch den Landstich Eregion statt Rohan zeigt, wenn ihr herauszoomt, sowie die permanente Absturzgefahr auf Windows XP (32 Bit). Löchrige Synchro und gelegentliche Crashs sind verschleppte Krankheiten, die erstmals in Isengart richtig auffielen und längst behoben sein sollten. Der erwähnte Lag auf den Schlachtrössern tut sein Übriges.

Herr der Ringe Online mag weiterhin das erzählerisch stärkste und atmosphärisch schönste MMO auf dem Markt sein, aber mit solchen Kleinigkeiten vergrault Turbine alle, denen das reine Spielen ebenso wichtig ist wie die Atmosphäre. Es geht nur um kleine Schnitzer, nicht um Game-Breaker. Nervig sind sie trotzdem.

Auch bedauerlich: Da Rohan ausschließlich für High-Level-Spieler zugänglich ist, haben Neueinsteiger kaum etwas von den grafischen und spielerischen Aufwertungen. Vielleicht sollte Turbine irgendwo neue, modernere Startgebiete hineinmogeln, um den ersten Eindruck für Neueinsteiger zu verbessern und alten Hasen weitere Anlaufpunkte zu liefern. Alternativ könnte Turbine die bisherigen Startgegenden ein wenig überholen. Würde dem Spiel guttun.