2007 wird ein schönes Jahr! Zumindest für Online-Rollenspieler. Unzählige Titel sind derzeit in Arbeit, World of Warcraft: Burning Crusade und Vanguard: Saga of Heroes gerade erschienen und mit Age of Conan und Warhammer Online kündigen sich zwei echte Schwergewichte im Kampf um die Spielergunst bereits am Horizont an. Da fällt es schwer, aus der Masse hervor zu stechen.

Turbine, das Entwicklerteam hinter Dungeons & Dragons Online, hat jedoch abseits von spielerischen Vorzügen noch ein ganz anderes Ass im Ärmel: Die prestige- und zugkräftige Herr der Ringe-Lizenz. Ab April 2007 versucht Der Herr der Ringe Online: Die Schatten von Angmar die Verkaufscharts zu stürmen. Unser Preview klärt, warum die Chancen dafür äußerst gut stehen.

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Mittelerde, live erleben
Die Herr der Ringe-Lizenz birgt natürlich noch einen weiteren Vorteil: Während andere Entwicklerstudios ganze Welten und Hintergrundgeschichten erdenken müssen, greift das Turbine-Team einfach auf den riesigen Story-Fundus von Tolkien zurück. Dessen schöpferische Kraft ging bekanntlich weit über die Ring-Trilogie hinaus, Bücher wie das Silmarillion sind gespickt mit verschiedensten Erzählungen zur Ring-Welt, Religionen und mythischen Geschöpfen.

Im Spiel bereist man daher nicht nur bekannte Orte wie die Wetterspitze oder Bruchtal, sondern schlägt sich beispielsweise mit den Crebain herum, den schwarzen Krähen, die Saruman als Späher dienen.

Der Herr der Ringe Online - Wir packen aus: Ein Streifzug durch Mittelerde.

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Nicht überall in Mittelerde ist es so friedlich wie in Bree
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Das Spielgeschehen ist wie die Film-Trilogie während des Dritten Zeitalters, bzw. den Ringkriegen angesiedelt. Während man also die ersten Schritte mit seinem unerfahrenen Recken tätigt, machen sich an anderer Stelle gerade die Gefährten auf, den Einen Ring zu zerstören. Turbine gelingt dadurch das Kunststück, dem Spieler ein "Mitten drin, statt nur dabei"-Gefühl zu vermitteln. Zwar spielt man die Geschichte nicht selber nach, dafür trifft man im Verlauf des Spiels immer wieder lieb gewonnene Charaktere wie Gandalf, Elrond oder die Nazgûl, die zum Teil sogar Quests vergeben. Zudem soll es beispielsweise möglich sein, Seite an Seite mit Aragorn oder anderen Gefährten in Instanzen zu kämpfen.

Aufmerksame Spieler können hin und wieder kleine Querverweise auf die Filme entdecken oder erfahren Details zur Vorgeschichte. Wählt man z.B. die Rasse der Zwerge, darf man in deren Startgebiet einem Gespräch zwischen Thorin und Gandalf lauschen, in dessen Verlauf man über den Verbleib des Drachen Smaug (bekannt aus "Der kleine Hobbit") erfährt. Solche Storyschnipsel erwecken die Welt des Ringes zum Leben und sorgen für Langzeitmotivation.

Packshot zu Der Herr der Ringe OnlineDer Herr der Ringe OnlineErschienen für PC

Gut gegen Böse
Um in den Tiefen Moria's oder den brennenden Hügeln des Schicksalsberges bestehen zu können, bedarf es natürlich eines kampfstarken Helden. Den wählt man zu Beginn aus einer der vier Rassen und sieben Klassen. Ob Hobbits, Menschen, Zwerge oder Elfen - jedes Volk hat bestimmte Klassenbeschränkungen. So kann man zum Beispiel keinen zauberkundigen Zwerg spielen oder als hinterhältiger Elfenschurke durch die Lande ziehen.

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Die ganze Grafikpracht entfaltet sich erst bei aktiviertem Bloom-Effekt
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Wer jetzt denkt, die Worte Ork oder Troll überlesen zu haben, irrt. Turbine hat sich bewusst gegen "böse" Rassen entschieden. Einerseits, um dem Erbe von Tolkien und dessen Ideologie von Gut und Böse gerecht zu werden. Andererseits existiert laut den Entwicklern einfach nicht genügend Hintergrundwissen um die Fieslinge glaubwürdig zu gestalten. Jedoch soll man über das Monsterplay-Feature in ausgewählten Gebieten doch in die schleimige Haut eines Bösewichts schlüpfen.

Die Klassenauswahl entspricht den üblichen Genre-Standards: Der Wächter zieht den Schaden der Gegner auf sich und bietet anderen Gruppenmitgliedern Schutz, die so genannten Kundigen greifen auf ein umfangreiches Repertoire alchemistischer Künste zurück. Barden motivieren mit ihren Gesängen die Gruppe und erhöhen mit fröhlichen Klängen Statuswerte.
Ein nettes Feature von HdR Online: Unschlüssige Spieler können sich in kurzen Erklärungsfilmen die Vor- und Nachteile der Charakterklassen erklären lassen.

Die Charaktererstellung erlaubt zudem, den Helden je nach Geschmack zu individualisieren. Bart oder Körperfülle lassen sich ebenso modifizieren wie die Länge der Haarpracht. Außerdem kann man dem Helden einen Herkunftsort zuweisen. Stammt ein Mensch beispielsweise aus Rohan oder Gondor, hat dies aber nur Einfluss auf dessen Hautfärbung oder Namensvorschläge. Spielerische Vor- und Nachteile ergeben sich daraus nicht.

Aufbruch in die bekannte Welt
Besonders viel Spaß machen zu Beginn des Spiels die Tutorials. Diese werden nicht als simple "Drücke Taste x"-Anweisungen präsentiert, sondern in Form von kleinen Einleitungsinstanzen, in denen man bereits erste Kämpfe überstehen muss. Unser Menschenwächter muss beispielsweise aus einem Gefängnis ausbrechen und trifft gegen Ende sogar auf einen der schwarzen Reiter. Als Elb hingegen säubert man in Elronds Auftrag eine von Orks überrannte Stadt. Solche Szenen sind geskriptet und versprühen jede Menge Filmatmosphäre.

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Die Übersichtskarte zeigt alle wichtigen Stationen Eriadors
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Später darf man sich dann, entgegen erster Planungen, auch in schwierigeren Instanzen und Raids versuchen. Das Spielerlimit ist hier auf 24 Mann beschränkt, um größeren Problemen bei der Gruppenfindung entgegen zu wirken. Erlegte Gegner hinterlassen besonders wertvolle Belohnungen. Anders als z.B. in World of Warcraft wird man jedoch auch als Solospieler an die Spitzengegenstände gelangen. Raids sind also kein essentieller High-Level-Inhalt, ohne den man nicht vorankäme.

Aktuell liegt das Maximallevel auf Stufe 50. Ob da per Addon noch mal nachjustiert wird ist derzeit noch nicht bekannt, wohl aber sehr wahrscheinlich. Bisher sind die Grenzen Mittelerdes nämlich noch stark eingeschränkt. Zu Beginn bewegen sich die Spieler nur in Eriador, das vom Meer im Westen über Bree bis zum Nebelgebirge im Osten reicht. Weitere Gebiete sollen in künftigen Addons nachgereicht werden, wobei jede Erweiterung eine eigene Geschichte erzählt. Die Schatten von Angmar handelt z.B. den Sturz des Hexenkönigs ab.

Besser gut geklaut, als…
In Sachen Bedienbarkeit macht Der Herr der Ringe Online alles richtig, obwohl man einige Male sehr deutlich zu den großen Konkurrenten World of Warcraft und Everquest hinüberschielt. Teilbare Quests oder das Vergleichsfenster angelegter und gefundener Gegenstände kennen erfahrende MMO-Spieler bereits. Das User Interface ist klar strukturiert und übersichtlich, die Minimap zeigt sogar Questgeber schon aus der Ferne an.

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Das Interface lehnt sich stark an Genre-übliche Standards an
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Überhaupt dürfte Die Schatten von Angmar für Gelegenheitsspieler eine Offenbarung sein. Der Einstieg verläuft recht gemächlich, ist durch die Einstiegsinstanzen aber dennoch spannend inszeniert, die frühen Quests geben eine klare Linie auf dem Weg in höhere Stufen vor und auch die Menüs erschlagen den Spieler nicht mit einem Wirrwarr unnützer Features. Derart zugänglich sind leider die wenigsten Online-Rollenspiele.

Auch grafisch machen die Weiten Mittelerdes einiges her. Der Herr der Ringe Online lässt sich mit Fug und Recht als bisher schönstes MMORPG bezeichnen. Die Texturen sind hochauflösend, die Welt detailreich gestaltet. Butterweiche Überblendeffekte (Bloom) verleihen den saftig-grünen Wiesen Bruchtals einen besonderen Glanz und dem Spiel eine stimmige Atmosphäre. Erfreulicherweise ist die Performance selbst auf durchschnittlichen Systemen erstaunlich gut.