Turbine hat ein Luxusproblem namens „Zu viel Inhalt“. Die Lizenz für Tolkiens Saga hat der Entwickler noch bis 2017 inne - bis dahin sollte das MMO-Abenteuer rund um Frodo, Gandalf, Aragorn und den Ring möglichst komplett sein. Zwei Jahre in Rohan zu verweilen war angesichts dieses Zeitdrucks ziemlich gewagt, doch nun darf man endlich wieder Bündel packen. Auf nach West-Gondor!

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Müsste ich das kostenlose Update „Pfade der Toten“ in drei einfache Aussagen packen, dann würde das Resultat „Mehr Landschaft, neue Regeln, höherer Schwierigkeitsgrad“ lauten. Ich bin eigentlich erstaunt, dass Turbine das ganze Paket umsonst weggibt, statt es wieder in einem gigantischen Add-On zu verscherbeln. Aber wer will sich denn über Großzügigkeit beschweren. Ich sicher nicht!

Der Herr der Ringe Online: Pfade der Toten - Mit großen Schritten zum Höhepunkt der Saga

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Mehr Gegend, mehr Inhalte und der Schwierigkeitsgrad wurde auch wieder angezogen.
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Das neue Gebiet West-Gondor ist keineswegs so ausladend groß wie West-Rohan, umfasst aber immerhin vier sehenswerte Unterregionen, nämlich die Pfade der Toten, das Schwarzgrundtal, Lamedon und die Anfurten von Belfalas. Allesamt gefüllt mit Dörfern und Städten, von denen zwar nicht alle aus der Buchvorlage stammen, aber die meisten irgendwo Erwähnung finden, und sei es nur in Anhängen, beziehungsweise in Ergänzungswerken des Herrn der Ringe.

Bei der Umsetzung der Landschaftsvorgaben hat sich Turbine selbst übertroffen. Während frühere Entwürfe der Mittelerde-Topografie immer wieder kleinen Abweichungen und Neuinterpretationen unterlagen (siehe Dunland und Enetwaith), passt die Vogelperspektive diesmal genau zu Tolkiens Entwürfen. Das spiegelt sich sogar in den Übersichtskarten wieder, die endlich genau zeigen, wo man sich aufhält, und nicht nur ungefähr.

Um in die neuen Gebiete zu gelangen, durchstreift man zuerst die einst gefürchteten Pfade der Toten, die nun harmlos sind. Der Geschichte nach war Aragorn bereits hier und verpflichtete die Geister der ehrlosen Eidbrecher zu einem neuen Schwur. Viel zu tun gibt es hier also nicht mehr. Auf der anderen Seite der Höhle sieht das schon ganz anders aus. Während die Schwanenritter rund um Prinz Imrahil der Verteidigung Minas Tiriths entgegenreiten, machen sich jene fiesen Korsaren von Umbar in West Gondor breit, die aus dem Osten anreisen um Saurons Armee zu unterstützen. Denen blasen wir nun den den Marsch, damit sie erst gar nicht in der Weißen Stadt ankommen. Sei es über ein Sitzungsspiel mit Aragorn, der die Eidbrecher-Geister beim Stein von Erech versammelt, oder durch das Absolvieren von Quests mit dem eigenen Charakter.

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Turbine verstehen nach wie vor gut, die Spielwelt zu vermitteln.
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Wie üblich kommt der rote Faden weit subtiler daher als in einer kurzen Zusammenfassung wie dieser. Persönliche Nöte der Anwohner summieren sich im Laufe des Spiels zu größeren Handlungsfragmenten, sodass man den Fortschritt gewissermaßen selbst zusammenstrickt. So kurz vor dem letzten großen Kapitel der Saga verdichtet sich die Stimmung jedoch spürbar.

Auf dem Weg zum Finale steigt endlich wieder der Schwierigkeitsgrad. Unfassbar, wie viel wertvollen Spielinhalt die Jungs von HDRO in ein kostenloses Update packen.Fazit lesen

Neu eingespielte, bittersüße Musik wirft emotionale Schatten voraus und lässt erahnen, welche Opfer die Konfrontation an den Toren Minas Tiriths kosten wird. Fließende Übergange von den Holzbauten Rohans zu den Steinhäusern des numenorischen Stils deuten nicht nur regionale Präferenzen an, sondern visualisieren zugleich eine Entwicklung in die Hochkultur der Menschen. Architektonisch meint man eine Kreuzung aus zwergischen sowie elbischen Einflüssen zu vernehmen.

Einmal mehr beweist Turbine ein Händchen für das Subtile, für die kulturellen Parabeln der Vorlage, die manchmal weit mehr erzählen als die eigentliche Handlung. Für Fans des Stoffes ein wahrer Genuss. Und für MMO-Cracks? Ja, für die gibt es auch neues Futter!

Gehobene Ansprüche

In Updates und Add-Ons vom letzten Jahr schraubte Turbine noch mächtig an den Charakterwerten herum, die man seit einiger Zeit selbst definieren kann. Das sollte den Einstieg für Anfänger etwas zügiger gestalten, das Aufleveln interessanter machen und Einzelgängern das Abenteuer erleichtern. Insgesamt eine gute Änderung mit modernem Anstrich. Der harte Kern der HDRO-Spieler beschwerte sich allerdings fortwährend über den zeitlgeich gesunkenen Schwierigkeitsgrad im End-Content. Es gäbe ja angeblich keinen Grund mehr gemeinsam in eine Schlacht zu ziehen. Schon gar nicht auf der Oberwelt.

Obwohl es in dieser Hinsicht wohl nie Einigkeit geben wird, hat Turbine eine interessante Lösung für das Problem parat. So treten nun Gegnergruppen auf, die geschlossen agieren. Man kann also keine einzelnen Monster aus der Gruppe ziehen, sondern legt sich mit dem gesamten Mob an, komme was wolle.

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Wem das Spiel durch die letzen Updates zu leicht wurde, sollten die neuen Herausforderungen gefallen.
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Wer mal richtig eine aufs Maul braucht oder Groundhopping in den umliegenden Spawnkreisen betreiben möchte, reist einfach mal völlig auf sich gestellt durch das Gebiet „Tarlangs Krone” . Selbst bei gesprengtem Levelcap, das nun um fünf Zähler höher bei Stufe 100 liegt, eine Selbstmordmission, da mit eben solchen Gegnergruppen nur so gespickt. Hier erlebt das Gruppenspiel von HDRO eine kleine Renaissance.

Einzelgängern helfen dort nicht einmal die neuen Rüstungstypen, die man anhand von sogenannten Essenzen hochzüchtet. Vier Slots zum Aufpeppen der Charakterwerte fasst so eine Rüstung, wobei der schwierige Part nicht das Beschaffen der Essenzen ist. Die fallen als Beute bei Gegnern auf dem Feld ab. Es ist deren handwerkliche Bearbeitung, die am meisten Mühe kostet. Sofern man denn den Anspruch hegt, eine individuelle Ausführung anzufertigen. Kurz angebundene Naturen sparen sich einfach eine Essenzen-Rüstung von der Stange zusammen.

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Auch neue Rüstungstypen und Mechaniken gibt es zu bewundern.
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Alternativ stehen wieder komplette Rüstungssets bereit, die man anhand von täglich ausgegebenen Quests in Dol Amroth zusammensetzt. Moment, sagte ich täglich? Stimmt so nicht, in Dol Amroth gibt es Quests für den 100er Zirkel, bei denen man nur alle zwei bis drei Tage um den Ruf bei einem Gebäude kämpft. Funktioniert ähnlich wie beim Wiederaufbau in Rohan. Heißt also: Kleinere Aufgaben spendieren Münzen, die man wiederum in Ruf oder Rüstungsteile steckt.

Ist der Rufstatus bei einem Gebäude auf Maximum, geht es ans Eingemachte. Man trainiert den Ernstfall für die Befreieung des besetzten Gebäudes in einer Schlacht und muss inzwischen irre starke Gegner vertrimmen. Schwierig schwierig, wird aber reich entlohnt, zum Beispiel durch neue Instanzen für Gruppe, und hat zudem weniger den Geschmack einer Beschäftigungstherapie als die repetitiven Quests aus dem Rohan-Endcontent.

Abseits der handfesten Neuerungen, die vor allem dem Gruppenspiel zugute kommen, führt „Pfade der Toten” auch ein paar nebensächliche Features ein. Am auffälligsten dürfte der offizielle Welt-Kanal des Chats sein. Sooo neu ist der gar nicht, denn es gab auf einigen Servern schon immer eine inoffizielle Version eines Server-umgreifenden Chat-Kanals. Aber was soll's, nun gibt es einen offiziellen.

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Nach wie vor nicht Pay-to-Win, aber ein paar Entwicklungen sorgen für Stirnrunzeln.
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Weniger offensichtlich, dafür um so gravierender fällt die Einflechtung von Mithril-Münzen und anderen „Blanko-Scheck”-Funktionen aus dem HDRO-Shop auf. Die erwähnten Münzen gibt es schon seit einer Weile, aber wie die Erfahrung zeigt, steigt ihr „Komfort” zusehends, weil sie beinahe alles vergüten, was die Reise kürzer gestaltet, insbesondere das Reisen zu entfernten Questgebern.

Statt „Pay to win” tischt Turbine eine Art „Pay-to-save-time”-System auf, bei dem man im Extremfall nur noch zu Fuß losstapft, wenn man irgendetwas für Quests einsammeln oder Geger vermöbeln muss. Wenn man es sich denn leisten kann. Auf Dauer schlucken diese Münzen einen Haufen echtes Geld. Selbst wenn man meist darauf verzichtet, läppert sich der Betrag irgendwann zusammen, sonst hottet man dem „faulen” Rest seiner Mannschaft manchmal hinterher.

Ähnlich verhält es sich mit der Gesellen-Fertigkeit fürs Reiten. Für schlappe 30 Euro erhält jedes Pferd von jedem Charakter eines Accounts einen Geschwindigkeitsschub von ursprünglich 62% auf beinahe 80%. Auf dass einem die Kumpels ewig hinterher galoppieren oder ebenfalls die 30 Mücken auf den Tisch legen. Eine beunruhigende Entwicklung.