Aufgepasst, Fanboys, provokante These: MMORPGs sind langweilig. Na, blubbert das Blut schon in den Adern vor Wut? Die könnt ihr auch irgendwann in Defiance ablassen, da wird vielleicht sogar jemand drauf aufmerksam. Und zwar im Fernsehen. Nicht nur die Nachbarn, die eure Schreie der Verzweiflung durchs geöffnete Fenster ertragen müssen.

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Trion Worlds sind mit Rift relativ erfolgreich. Ein weiteres Fantasy-MMORPG war den Entwicklern nun wohl zu langweilig, zudem macht man sich ja nicht selbst Konkurrenz. Also verfrachtet mich das Entwicklerstudio aus San Diego bei Defiance in die Vereinigten Staaten der nahen Zukunft. Dort wird die San Francisco Bay Area erst überrascht, heimgesucht und eventuell auch überrannt von Außerirdischen. Verhindern sollen das die Spieler.

Defiance - Das neue MMO der RIFT-Macher

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Defiance
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Mit dem Shooter-MMO öffnen Trion Worlds jedoch nicht nur die Tür zum uns drohenden Schicksal, sondern bauen gemeinsam mit dem Syfy Channel aus den USA auch ein Fenster in die Wand daneben. Der Fernsehsender soll jede Woche eine Stunde lang die Ereignisse auf der invasierten Erde beleuchten. Im Gegenzug können auch Vorkommnisse in der Fernsehproduktion auf die persistente Online-Welt wirken. Ist der Himmel auf den TV-Bildern plötzlich rot und es regnet Säure – nun, dann regnet es auch in Defiance ätzende Flüssigkeit.

Ein Hirngespinst? Offenbar nicht, auch wenn alle Detailanfragen mit Äußerungen im Sinne von „noch nicht festgelegt“ oder „wir arbeiten noch am genauen Konzept“ beantwortet wurden. Doch die Entwickler meinen es ernst, sonst würden sie es wohl nicht auf der Gamescom vor der Presse hinausposaunen. Markenchef Alex X. Rodberg bekam sich bei dieser europäischen Premiere fast nicht mehr ein und warf mit dem Begriff Revolution wild um sich. Damit bezog er sich neben der neuen Verbindung zwischen Online- und Realwelt auch auf das plattformübergreifende Konzept. So fallen die Barrieren zwischen Konsolen- und PC: Xbox -360-, Playstation -3- und PC-Spieler sollen sich auf einem Server tummeln – und gegen die Außerirdischen kämpfen.

Die Besucher aus dem Weltraum kommen natürlich nicht zu Besuch, rauchen ein paar Atomjoints, entführen Ufo-Bekloppte für biologische Experimente und hüpfen Hula-Hula auf der UN-Zentrale in New York. Sie sind auf die Eroberung unseres Mutterplaneten aus. Sie wollen die blaue Kugel verformen, bewohnbar machen für sich selbst, und die Menschen verdrängen. Also rauschen weiße Schweife aus dem Himmel herab auf die Oberfläche. Es sind Archen, die die Kreaturen der fremden Spezies als Transportmittel zu ihrem neuen Zuhause nutzen. Dachten sie. Denn ein paar Menschen haben etwas dagegen, auch wir. „Arkfall“, erfahren wir am Rande unseres Bildschirms und hetzen zum öffentlichen Quest, wie viele andere Spieler in Reichweite auch.

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Tod den Unterdrückern
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Die Verteidiger der Menschheit kommen zusammen und wollen die weitere Unterjochung der Erde verhindern. Dabei ist Kooperation nötig, wenn alle das Gleiche machen, ist ein weiteres Monster auf der Erde zuhause. Viel zu viele haben es bereits geschafft. In der Vegetation und der Tierwelt ist der Einfluss deutlich sichtbar, wie ein Zwitterplanet wirkt die Umgebung. Da hoppeln halb graue, halb gepunktete Karnickel durch die unbekannten, angebauten Pflanzen nahe einer Arche, Mammutbäume ragen in den Himmel, fremdartige, riesige rote und stachelbewehrte „Blumen“ bringen eine dunkle, aber doch stechende Farbe hinein.

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Im ersten Moment dachte ich an Farcry, doch die Bay Area ist bereits über die bekannten Eindrücke hinaus verändert. Und um ehrlich zu sein: Was ich von Defiance zu Gesicht bekomme, könnte auch ein Mod von Rift sein, nur mit Kompagnons in Rüstungen, die nach einem Einsatz in Halo aussehen. Mit angelegter Waffe aus der Schulterperspektive rücken ich als Teil einer Menschengruppe dann auf einen Außenposten der Cyborgs vor. Die sind neben den außerirdischen Invasoren die dritte Fraktion, die um die Kontrolle der Erde kämpft.

Neben den Schusswaffen geht unser Kommando auch mit Spezialangriffen wie einem Energielasso gegen die Kriminellen vor. Die wollen das vermeintliche Chaos des Überlebenskampfes zu ihrem Vorteil nutzen. Doch die wahre Menschheit ist nicht am Ende.
Mehr als diese zwei, ja, es sind wohl bloße Scharmützel, bekomme ich in dieser frühen Entwicklungsphase nicht zu sehen.

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Eine komplett dynamische Welt?
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Abseits der Archen und Quests sollen in der „komplett dynamischen“ Welt plötzliche Ereignisse an nicht vordefinierten Stellen stattfinden. Wenn sich etwas verändert in der Bay Area, dann ist das sichtbar – die Sanduhr der Zeit läuft online weiter, auch während ich nicht dort bin. Vielleicht erfahre ich ja zuvor im Fernsehen davon? Oder auch im Webstream, denn Trion und Syfy planen, dass die Episoden zeitgleich zu veröffentlichen, in verschiedenen Sprachen, überall.

Natürlich wird es auch PvE geben, mit Charakteren und Quests; offenbar soll Defiance jedoch eine komplette Spieler-gegen-Spieler-Welt sein, mit Clans, Gilden und Kooperationen, mit PvP an allen Ecken und Enden. Dadurch werden die Spieler vielleicht noch mehr zu Kooperation mit anderen menschlichen Mitstreitern gezwungen. Wer alleine auf einem PvP-Server herumläuft, ist leichte Beute, da kommen sogar hehre Akteure über ihre moralische Integrität ins Grübeln.

Doch zumindest bei der Steuerung soll die Hürde tief liegen. „Einsteiger werden keine Probleme haben“, versichert Alex X. Rodberg, der Markenchef von Trion Worlds, als er auf die Steuerung für die Konsolenversionen angesprochen wird. Sie soll dem Standard anderer Shooter entsprechen und so den Nachteil gegenüber den klassischen Tastatur-Maus-Nutzern der PC-Spieler einigermaßen ausgleichen.