Dark Age of Camelot: Catacombs (PC-Test)
(von Nedzad Hurabasic)

Drei Jahre nach der Veröffentlichung des Originalspiels Dark Age of Camelot in Europa (Februar 2002), in dem die Geschichte von der Tafelrunde König Artus', der keltischen Sagen und der nordischen

Mythologien aufeinander treffen, erfreut sich das Online Rollenspiel allen Unkenrufen zum Trotz noch immer einer großen Anhängerschar. Zwar sind die Spielerzahlen seit der Veröffentlichung von Konkurrenz-MMORPGs wie World of Warcraft und Everquest II gesunken, doch immer

Dark Age of Camelot: Catacombs - DAoC: Catacombs Trailer

noch tummeln sich zu Spitzenzeiten tausende abenteuerlustige Spieler auf den Servern des europäischen Betreibers GOA. Die ungebrochene Beliebtheit bei der eingeschworenen Fangemeinde kommt nicht von ungefähr, veröffentlicht doch der US-Entwickler des Spiels, Mythic Entertainment, in regelmäßigen Abständen neue Inhalte für das Rollenspiel, um die Kundschaft bei der Stange zu halten.

Mit den beiden ersten offiziellen Erweiterungen Shrouded Isles (2003) und Trials of Atlantis (2004) wurde dem Spiel neben inhaltlichen Komponenten vor allem ein grafischer Neuanstrich verpasst, der es auf den neusten Stand der Technik brachte und damit konkurrenzfähig halten sollte. Zwischendurch gab es selbstverständlich auch die üblichen kostenlosen Updates, mit denen die Spielbalance verbessert, Fehler ausgemerzt und ein stetiger Fluss neuer Inhalte integriert wurden. Zwei große kostenlose Addons namens "Foundations" und "New Frontiers" brachten darüber hinaus

Häuserzonen für Spieler respektive eine Generalüberholung des Reichskampfes (RvR). Mit "Catacombs" revolutionieren die Entwickler das MMORPG-Genre nicht neu, sondern unternehmen erneut den Versuch, ihr ein wenig in die Tage gekommenes Spiel einen modernen Anstrich zu verpassen.

Neue Charaktergrafiken
Zentrale Bestandteile des aktuellen Addons sind daher neue Grafiken für die Spielfiguren, viele Monster und klassischen Dungeons des Spiels. Alle neuen Abenteuerzonen, bzw. die Katakomben sind natürlich bereits im neuen Stil entworfen worden.

Waren die Modelle der Spielfiguren bisher noch lediglich 2D-Grafiken, so hat man mit der neuen Grafik-Engine nun auch die Möglichkeit, dem Aussehen seiner Charaktere eine Frischzellenkur zu verpassen. Wobei das eigentlich eine übertriebene Beschreibung ist, denn prinzipiell wird nur das Gesicht manuell den individuellen Wünschen angepasst, der übrige Körper sowie Rüstungen

Dark Age of Camelot: Catacombs - Mehr als nur Facelifting?

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und andere Gegenstände folgen dem neuen Look & Feel automatisch. Wem die neuen Modelle und Grafiken jedoch nicht gefallen, kann sich auch weiterhin die klassischen Spielfiguren anzeigen lassen. Über eine Einstellung in den Optionen ist es außerdem möglich nur seine eigene Figur im neuen Design und aus Performancegründen Landschaft und andere Charaktere mit den alten Modellen anzeigen zu lassen.

Packshot zu Dark Age of Camelot: CatacombsDark Age of Camelot: CatacombsErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Das kann vor allem bei älteren Rechnern von Vorteil sein, insbesondere bei resourcenhungrigen Massenkämpfen kann es sonst zu Verzögerung bei der Darstellung kommen. Hat man seine Entscheidung für ein Facelifting einmal getroffen ist sie aber nicht für immer in Stein gemeißelt. Falls das neue Gesicht doch nicht den eigenen Erwartungen entspricht, steht ein "Gesichtschirurg" in Form eines speziellen NPCs bereit, der für Abhilfe sorgt und den Anpassungsmanager für den jeweiligen Charakter wieder freischaltet.

Das kann glücklicherweise beliebig oft wiederholt werden, da das neue Aussehen anfangs doch etwas ungewohnt ist. Schließlich haben sich viele Spieler nach einigen Jahren an die alten Modelle gewöhnt, ein nicht gut zu machender Fehlgriff wäre da sehr schmerzhaft. Sind die Änderungen der verschiedenen Gesichtsmerkmale (Haut- Augen- und Haarfarbe, Haarschnitt, Nase, Mund, Bart, bei einigen Rassen auch Tätowierungen) abgeschlossen und auch die Größe des Charakters angepasst, können die ersten Schritte mit dem "getunten" Helden unternommen werden.

Sehr gewöhnungsbedürftig ist anfänglich aber nicht nur das neue Aussehen der Spielfigur und der angelegten Rüstung, sondern vor allem auch der Bewegungsablauf. Der Versuch der Entwickler den Charakteren mehr Leben einzuhauchen und das Spiel damit realistischer zu machen ist lobenswert. Dass die Figuren jetzt blinzeln, ist ein nettes Feature, wenn auch für den Spielablauf nicht wirklich bedeutsam. Dafür sind die Bewegungsabläufe mehr als gewöhnungsbedürftig, schwankt der edle Ritter beim Laufen doch plötzlich merklich von einer Seite zur anderen. Ein leicht "tuntiger" Touch kann nicht abgestritten werden, was sicherlich nicht jedermanns Geschmack trifft. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen.

Neue Dungeons & instanzierte Zonen
Jedes der drei Reiche Albion, Hibernia und Midgard erhält mit Catacombs eine neue Stadt unter der Erde, die als Ausgangspunkt für Abenteuer in den weitverzweigten Höhlen dienen.

Dark Age of Camelot: Catacombs - Mehr als nur Facelifting?

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Die Zugänge zu den neuen Gebieten liegen in den alten Hauptstädten Camelot, Jordheim oder Tir na nOgh. Grundsätzlich sind die neuen Abenteuergebiete für Spieler aller Spielstufen geeignet, da jede Zone unterschiedliche Schwierigkeitsgrade enthält. Auch mit einem völlig neu angelegten Charakter ist es also möglich die ersten Schritte in die Katakomben zu wagen, z. B. um eine der fünf neuen Klassen auszuprobieren.

Während Albion mit dem Ketzer nur eine neue spielbare Charakterklasse erhalten hat, wurden Hibernia (Vampyr und Banshee) und Midgard (Hexenmeister und Walküre) gleich mit zwei ausgestattet. Als Grund für dieses Missverhältnis gaben die Entwickler an, dass Albion ohnehin schon über mehr wählbare Klassen verfügt, was auch den Tatsachen entspricht. Allerdings gelang es Mythic erneut nicht, die neuen Klassen vor der Integration in das Spiel einem eingehenden Test zu unterziehen.

Das zeigt sich daran, dass z. B. Hexenmeister und Vampyr im Verhältnis zu alten Charakterklassen deutlich zu stark geraten sind und deshalb eine regelrechte Schwemme dieser Klassen aufgetreten ist. Zwar hat der Entwickler bereits mit ersten Patches und Fixes auf diese Missstände reagiert und vor allem den Hexenmeister wieder abgeschwächt(MMORPG-Fachjargon: "Nerf"), doch diese sind aufgrund der mehrmonatigen Patch-Verzögerung beim europäischen Betreiber GOA bisher nur auf amerikanischen Servern aufgespielt. Es wäre mehr als wünschenswert, dass die Updates endlich auch in Europa zeitnah aufgespielt werden. Wie man es besser macht, zeigt Konkurrent World of Warcraft.

Jedes Reich erhält mit Catacombs neun neue Untergrunddungeons. Sechs der neuen Zonen tragen in allen Reichen denselben Namen, haben aber angepasste Inhalte. Die übrigen drei Untergrundgebiete sind reichsspezifisch. Darüber hinaus gibt es erstmals auch so genannte "Persönliche Abenteuer", besser bekannt als Instanzierte Dungeons.

Diese speziellen Abenteuergebiete sind nur für einzelne Spieler bzw. Gruppen zugänglich und auf deren Stufe zugeschnitten. So soll gewährleistet werden, dass einzelne Spieler oder Kleingruppen ihrr Abenteuer oder Quests ohne Stress durch schneller voranschreitendeoder besser ausgerüstete Gruppen, die ihnen die Monster wegschnappen, absolvieren können. Die Eingänge zu diesen "Separees" sind über speziell gekennzeichnete, leuchtende Tore möglich und befinden sich sowohl in den neuen Abenteuergebieten als auch in klassischen Dungeons.

Die persönlichen Instanzen sind auch die einzigen Orte, in denen man die neue "Tauschwährung" namens "Aurulit" finden kann. Aurulit ist ein seltenes und wertvolles Erz, dass nur bei Händlern der Untergrundstädte gegen einzigartige Gegenstände (Rüstungsteile, Waffen und Schmuckstücke) eingetauscht werden kann. DAoC-Veteranen kennen dieses Prinzip schon aus dem Dungeon "Darkness Falls", wo man statt des Erzes Juwelen für Gegenstände eintauschen kann.

Im Westen nichts Neues?
Grafisch sind einige der neuen Untergrundbereiche phänomenal und auch durch ihre schieren Ausmaße höchst beeindruckend. Die neue Grafik-Engine kommt hier richtig zur

Dark Age of Camelot: Catacombs - Mehr als nur Facelifting?

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Geltung und verschafft dem Spiel durch farbenprächtige Umgebungen aber auch bedrohliche, dunkle Kreaturen eine einzigartige Atmosphäre. Spielerisch hingegen gibt es nichts Neues, vom bekannten Spielprinzip wird zu keiner Zeit abgewichen. Richtige Überraschungen sind daher Mangelware. Es gilt also wieder sich an Horden von mehr oder weniger starken Gegnern zu versuchen, um möglichst wertvolle Gegenstände zu erbeuten. Hatte Mythic die Itemgier der Spieler mit dem Atlantis-Addon noch auf die Spitze getrieben (Stichwort: Artefakte), sollen die neu zu erbeutenden Gegenstände diesmal zwar auch wieder mächtig sein, aber nur sehr wenig Auswirkungen auf den Reichskampf haben. Da das RvR aber spätestens im Endgame für die Mehrheit der Spieler die zentrale Motivation ist, um überhaupt weiterzuspielen, ist fraglich, ob die Rüstungsspirale damit aufgehalten werden konnte.

Mit dieser Erweiterung gibt es auch über 400 neue Mini-Quests, die vor allem für Einzelspieler gedacht sind, die nur wenig Zeit haben. Dafür gibt es aber auch nur kleinere Goldbelohungen und Erfahrungspunkte zu ergattern, daher sind die vielen neuen Abenteuer für erfahrene Recken auch eher unattraktiv. Neu ist auch, dass NPCs, die Quests vergeben, farblich gekennzeichnet sind. Bisher war es nötig jeden Computer-Charakter anzusprechen und auf diese Weise zu prüfen, ob er ein Abenteuer vergibt oder nicht. Dies ist sicherlich ein nützliches Feature, dass es vor allem Anfängern erleichtern wird, die Spielwelt zu erobern.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ neue Grafikengine + gute neue Charaktermodelle + instanzierte Dungeons + Neue Gebiete

Contra:
- schlechte Balance der neuen Klassen - Anfängerfeindlich - Gameplay ohne ÜberraschungenPro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ neue Grafikengine + gute neue Charaktermodelle + instanzierte Dungeons + Neue Gebiete

Contra:
- schlechte Balance der neuen Klassen - Anfängerfeindlich - Gameplay ohne Überraschungen