Schaut man sich das Szenario von Crasher an, kommt man leicht auf falsche Gedanken. Denn sobald (Spielzeug-)Autos zu sehen sind, die sich in bunter Grafik mit Waffen und Spezialattacken beharken, denkt man unweigerlich an Klassiker wie Micro Machines, Trackmania oder Revolt.

Doch anders als die erwähnten Titel ist Crasher kein typisches Fun-Rennspiel, in dem man als erster die Ziellinie erreichen muss. Vielmehr geht es darum, die Fahrzeuge des gegnerischen Teams auszuschalten und strategische Punkte einzunehmen. Vom Spielgefühl ist das eine Mischung aus WoW-Arena und einem beliebigen Ego-Shooter, nur eben mit Autos.

Crasher - Trailer

Am Anfang jeder Runde hat der Spieler die Wahl aus einer Vielzahl an Modellen, von denen jedes unterschiedliche Fähigkeiten besitzt. Insgesamt vier Spezialattacken sind pro Auto einsetzbar, wofür jedoch stets Energie benötigt wird. Immer im Auge behalten sollte man auch seine Lebenspunkte, denn ein frühzeitiger Tod bedeutet schnell die Niederlage fürs gesamte Team. Beide Leisten regenerieren sich langsam von alleine, in den hektischen Gefechten muss man aber oft herumliegende Power-Ups einsammeln, um sie schnell aufzufüllen.

Crasher - Dieser Zusammenprall ist nicht so prall

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 4/81/8
Große Explosionen mit kleinen Autos: Crasher ist unkomplizierte Action der anderen Art.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die wählbaren Fahrzeuge sind in verschiedene Kategorien aufgeteilt, die stark an MMOs erinnern. Im Groben gibt es Heiler, Tanks und Damage-Dealer, die sich zusätzlich in Sub-Kategorien einteilen. Beispielsweise können Reparaturautos Drohnen beschwören, die für sie kämpfen, aber im Ausgleich etwas schlechter heilen. Da diese Art von Spielmechanik auf Spieler-gegen-Spieler-Kämpfe ausgelegt ist, ist Crasher ein reines Online-Spiel.

Als solches steht die reine Spielmechanik im Vordergrund. Story, Einleitung, Szenario? Fehlanzeige. Außer einem „Tutorial“ (lies: Die Tastaturbelegung wird anhand eines Bildchens erklärt), gibt einem Crasher keinerlei Anhaltspunkte darüber, warum sich seltsame Autos gegenseitig mit noch seltsameren Waffen abschießen. Macht ja nix, solange der Rest stimmt…

Kein Totalschaden, aber ein paar Beulen

Doch auch wenn die actiongeladenen Gefechte spaßig sind (insbesondere mit Freunden und Headset), hat Crasher mit einigen Problemen zu kämpfen. Selbst nachdem das Spiel kurz nach Release gepatcht wurde, sind die Server instabil und neben Lags hatten wir auch Komplettabstürze zu beklagen. Hinzu kommt, dass es oft eine ganze Weile dauert, bis man eine Partie gefunden hat, was neben der noch geringen Spielerzahl am schlechten Matchmaking liegt. Zumindest haben wir im Test alle Partien über einen manuell gewählten Server betreten, da die Wartezeiten ansonsten unmenschlich sind.

Crasher - Dieser Zusammenprall ist nicht so prall

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 4/81/8
Rennspiel trifft MMO: Damage-Dealer, Heiler & Co. wurden bei der Online-Verwandtshaft abgeschaut.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Gerade lange Wartezeiten sind bei einem Spiel wie Crasher problematisch, denn auch wenn man durch Teamwork und Taktik die Partien zu seinen Gunsten lenken kann, ist das Spiel eher etwas für Zwischendurch.

Neben den vier Spezialfähigkeiten schießt der Wagen auch automatisch auf den anvisierten Gegner. Dadurch wird man in seinen Möglichkeiten eingeschränkt, Überzahlsituationen sind quasi unmöglich zu gewinnen (insbesondere als Heiler).

Das wäre ja nicht so schlimm, ich spiele gerne auch mal ein etwas einfacheres Spiel in der Mittagspause, doch Crasher fehlt etwas, was in den meisten Online-Spielen mittlerweile berechtigterweise Standard ist: Schutz vor „Leavern“. Es gibt keinerlei Nachteile, wenn man eine Partie vor Ende verlässt, in den seltensten Fällen beendet man ein Spiel mit derselben Menge an Teilnehmern wie am Anfang.

Spaßige Online-Schlachten, die zum jetzigen Zeitpunkt noch einen unfertigen Eindruck hinterlassen.Fazit lesen

Wer länger spielt, ist früher stark

Am Ende jeder Runde bekommt man nach einem undurchschaubaren System Erfahrungspunkte für sein Profil, sowie manchmal Items zugesprochen. Letztere können am Auto angebracht werden, um kleinere Vorteile für zukünftige Matches zu haben. Dadurch werden aber Kämpfe zwischen Spielern verschiedener Levels zum Teil unfair, auch wenn die Boni nicht weltbewegend sind.

Crasher - Dieser Zusammenprall ist nicht so prall

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 4/81/8
Noch wirkt Crasher an vielen Stellen unfertig.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ein großes Problem ist aber, dass die Belohnungen (vermutlich) abhängig vom Punktestand der jeweiligen Partie sind. Dieser ist besonders hoch, wenn man viele gegnerische Fahrzeuge abgeschossen hat. Spielt man jedoch einen der sowieso unpopulären Unterstützer, macht man weniger Abschüsse und somit weniger Punkte. Dadurch wird diese „Klasse“ noch uninteressanter – dabei ist jede gute Gruppe auf sie angewiesen.

Neben dem Profillevel kann man theoretisch auch an gewerteten Spielen teilnehmen, um in der Rangliste aufzusteigen und sich einen Namen zu machen. Zum Zeitpunkt des Tests ist dieses Feature jedoch noch nicht implementiert – hier muss dringend nachgereicht werden.

Umfangreiche Bruchlandung

Sowieso ist Crasher vom Umfang her mau, denn bisher gibt es lediglich zwei Spielmodi: Team-Deathmatch und Gebietskontrolle (wechselnde Punkte auf der Karte müssen für eine gewisse Zeit gehalten werden). Während für das Team-Deathmatch immerhin drei verschiedene Karten zur Verfügung stehen, deren Eigenheiten beachtet werden müssen (ansteigende Lava, weg brechender Boden), gibt es für den zweiten Spielmodus nur eine einzige.

Crasher - Dieser Zusammenprall ist nicht so prall

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 4/81/8
Schade: zu wenige Modi, zu wenig Karten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Übrigens: Während man im Deathmatch nach Abschuss des eigenen Fahrzeugs aufs Ende der Runde warten muss, erscheint man im Kontrollmodus nach kurzer Zeit wieder am nächstgelegenen Spawnpunkt. Diese Punkte können ebenfalls eingenommen und verloren werden.

Wie schon eingangs erwähnt, ist die Grafik von Crasher in erster Linie eines: bunt. Jede der Spezialattacken hat eine eigene Animation, welche den Bildschirm in vielen Farben aufblitzen lässt. Wenn wir uns mitten im Gegnerteam befinden, geht da schon mal die Übersicht flöten, doch das ist ja Teil der Herausforderung. Denn nach einiger Zeit hat man die meisten Kisten schon gesehen und weiß, welche Dinge sie mit einem anstellen können. Dank der frei drehbaren Kamera lässt sich daher mit etwas Übung auch in hektischen Situationen noch der Überblick wahren. Ob einem der comichafte Grafikstil zusagt, ist natürlich eine persönliche Angelegenheit, doch der Mix mit den futuristischen Fahrzeugen ist gelungen.

Wenig knallig hingegen ist der Sound, denn außer eines sich ständig wiederholenden Titel-Songs wird hier wenig geboten. Gut, die Waffen und Spezialeffekte werden mit altbekannten Brutzelgeräuschen unterlegt, doch etwas mehr Abwechslung hätte dem Spiel gut getan. Auch hatten wir einen wiederkehrenden Bug zu beklagen, der nach einigen aufeinander folgenden Partien einsetzt: Zunächst setzt die Musik alle paar Sekunden kurz aus, dann verschwindet sie komplett.