Es war die Woche der guten Nachrichten. Die einen haben einen Publisher gefunden, die anderen einen neuen Produzenten und wieder andere gleich ein neues Millionenpulikum. Und doch hat jede noch so glitzernde Medaille eine Kehrseite und Wiped wäre nicht, was es ist, wenn wir uns mit den Erfolgsmeldungen der PR-Abteilungen abspeisen ließen, ohne nicht auch einen Blick auf die ganze Geschichte zu werfen.

Was Black Desert betrifft, so hat diese Geschichte gerade erst begonnen, denn mit einem Spiel, das aktuell noch immer verschiedene geschlossene Testphasen in Südkorea durchläuft, muss man im Laufe der nächsten zwölf Monate kaum rechnen. Und doch wäre es nachlässig, das Spiel nicht im Auge zu behalten, immerhin bietet es Dinge, von denen wir seit Jahren nur noch träumen können.

Zu schön, um wahr zu werden?

Da wäre diese riesige, unvergleichlich schöne, offene Welt, in der es kein Phasing gibt und keine einzige Instanz - auch nicht in den tiefsten Dungeons. Eine Welt, in der man nicht beliebig von einem Ort zum anderen teleportieren kann - wo das Zurücklegen einer Strecke im Idealfall Profit bedeutet, weil Güter über weite Strecken mit gewissen Risiken in Karawanen transportiert und auf einem wirklich dynamischen Markt zwischen den Städte gehandelt werden.

4 weitere Videos

Und dann gibt es Burgbelagerungen, die an die alten Tage in Lineage 2 erinnern, offenes PvP samt Strafenregister, dazu das Zähmen von Tieren in der freien Wildbahn und deren Nutzung, ein komplexes Crafting- sowie ein freies Action-Kampfsystem mit ordentlicher Physik und Parkour-Elementen, wie man es sonst nur von guten Solo-Titeln erwarten würde.

Im Westen nichts Neues

Die südkoreanischen Entwickler haben, was den meisten westlichen Studios fehlt: Technisches Know-how - gepaart mit Risikobereitschaft und Experimentierfreudigkeit - dazu ein üppiges Budget. Doch gleichzeitig fehlt ihnen, was westliche Studios haben: Publisher, die sich sicher auf den hiesigen Märkten auskennen, die Lokalisierungsprobleme meistern und einen soliden Service bei fairer Preispolitik bieten können.

4 weitere Videos

Zugegeben - Publisher von diesem Schlage gibt es leider nicht viele und asiatische Studios haben meist nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Immerhin lassen die jüngsten Entwicklungen bei Firmen wie Sony Online Entertainment, Trion Worlds und selbst Gameforge erkennen, dass man an sich zu arbeiten bereit ist und man notfalls auch die gesamte Firmenphilosophie dabei umkrempelt.

Von der untersten Liga in die oberste?

Was Black Desert betrifft, so hatte ich dereinst die Hoffnung, dass Pearl Abyss auf einen dieser Publisher zurückgreifen würde, um den vielversprechenden Titel auch im Westen zugänglich zu machen. Doch die vermeintlich gute Nachricht, mit der die Südkoreaner in dieser Woche so optimistisch aufwarteten, sorgte bei mir für ein ziemlich flaues Gefühl in der Magengegend. Ja, Black Desert hat einen Publisher für die USA und Europa gefunden. Nein, es ist keines der erwähnten Häuser.

4 weitere Videos

Das Unternehmen, dass den Titel auch nach Europa bringen soll, heißt Daum Communications. Klingt international, ist jedoch nichts anderes als ein südkoreanischer Betreiber von Internetportalen, der offenbar mit aller Gewalt sein Geschäftsfeld erweitern will. In Europa versuchte die Truppe schon eine ganze Weile unter dem Namen Gamescampus mit Spielen wie 9Dragons, Legend of Edda, Carte, Real Soccer und ConquerX2 ihr Glück.

Es kann nur besser werden

Dies jedoch vergeblich, denn alle diese Titel sind mittlerweile abgeschaltet. Lediglich Shot Online und RF Online laufen noch - letzteres aber auch eher schlecht als recht. Mal abgesehen davon, dass besagte Spiele grottig sind, hat sich Gamescampus in der Vergangenheit weder in Sachen Support noch bei der Preispolitik mit Ruhm bekleckert.

Wiped! - Die MMO-Woche - Die gute Nachricht zuerst

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 363/3651/365
Wer Shot Online hosten kann, kommt auch mit Black Desert klar - glaubt zumindet Pearl Abyss.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Was auch immer die Leute von Daum da auf der E3 mit Pearl Abyss ausgehandelt haben - sie sollten ihre Firmenphilosophie dringend überarbeiten, bevor sie einen AAA-Titel wie Black Desert im Portfolio aufnehmen. Wie schnell ein solcher Schuss für einen Publisher nach hinten losgehen kann, hat die jüngst abrupt beendete Partnerschaft von Sony Online Entertainment und ProSiebenSat.1 Games gezeigt.

Packshot zu Black Desert OnlineBlack Desert OnlineErschienen für PC

Ein gutes Spiel braucht ein gutes Publishing - oder das Projekt ist zum Scheitern verurteilt. Die Zeiten, in denen sich unbedarfte Onlinespieler schamlos abkassieren lassen, sind vorbei. Trotz immer neuer Titel haben Abzock-Publisher zusehends Probleme am Markt. Man informiert sich, man kommuniziert und insbesondere in Europa ist man sich einig: Pay-To-Win ist ein No-Go.

ArcheAge - Trions Verantwortung

Genau darüber wird derzeit auch in der Community von ArcheAge diskutiert, denn Trion Worlds hat sich ein Geschäftsmodell ausgedacht, das durchaus interessant ist, jedoch nach wie vor Raum für Spekulationen aller Art lässt. Dreh- und Angelpunkt sind die ‘Labor Points’, die man einsetzen muss, wenn man craften, bauen, anbauen und looten möchte.

4 weitere Videos

Diese Punkte regenerieren sich mit der Zeit - in der kostenlosen Version bedeutend langsamer als für Abonnenten, die obendrein auch Punkte bekommen, wenn sie nicht im Spiel eingeloggt sind. Eine Idee, die man von den Browsergames übernommen hat also und eigentlich keine schlechte. Ein Blick auf den Shop offenbart jedoch, dass Trion Worlds auch über das Abo hinaus noch die eine oder andere Vergünstigung an den Spieler bringen möchte - von weiteren ‘Labor Points’ bis hin zu Ausrüstungsstücken.

Trions Strohhalm könnte zur Liane werden

Und wenngleich einige Top-Gilden bereits Trion den Rücken gestärkt und beteuert haben, dass halbwegs clevere Spieler ganz ohne Geld ganz oben mitspielen können, weil man auf die Ressourcen befreundeter Spieler zurückgreifen kann, herrscht insbesondere unter europäischen Spielern doch die Sorge, dass Trion Worlds in Sachen Geschäftsmodell über die Stränge schlägt. Immerhin hat man dort bereits verlauten lassen, dass die gesamte Sache noch im Experimentierstadium sei und man sich die kritischen Stimmen zu Herzen nehmen werde.

4 weitere Videos

Wie wichtig das für Trion Worlds ist, zeigen die aktuellen Spielerzahlen. In einem Interview mit Forbes sprach Scott Hartsman jüngst von über zwölf Millionen Spielern, auf die man schaue. Eine Zahl, die natürlich niemand nachprüfen kann - allerdings dürfte ArcheAge, dessen Betatests die Millionengrenze überschritten haben, nachhaltig zum Wachstum des Publishers beitragen - böse Zungen sprechen auch von einer Rettung.

Eine Art EVE Online, nur auf der grünen Wiese

Was ArcheAge selbst betrifft, so bin natürlich auch ich unter den Millionen und stelle fest, dass ArcheAge mittlerweile wieder in meiner persönlichen Top-5-Liste der vielversprechendsten neuen MMORPGs rangiert. Es bietet eine weitreichende Welt, die insbesondere auf Themepark-Spieler ungewohnt detailreich wirken mag - in Hinblick auf die Möglichkeiten, die sie bietet.

Den Eindruck von “es gibt immer etwas zu tun” hat man mittlerweile zwar auch in vielen andere Onlinespielen - in ArcheAge allerdings wird er begleitet von dem Gefühl, dass alles mühevolle Streben auch irgendwie Sinn macht. Das gilt allerdings nur, sofern man auch wirklich begeisterter Gildenspieler ist und Sandbox-Content über Erzähltes stellt. Solisten mit Hang zu episch gescripteten Abenteuern werden anderswo besser bedient. Doch davon mehr demnächst in einem ausführlichen Reise- und Arbeitsprotokoll.

World of Warcraft: Warlords of Draenor - was wird denn das?

Anlass zur Sorge geben derweil die Protokolle, die man in diesen Tagen so von den mehr oder weniger glücklichen Besuchern der WoW-Beta liest. War bislang noch jede Erweiterung zu World of Warcraft zumindest umstritten, sind sich namhafte WoW-Fachjournalisten und Fans mehrheitlich erschreckend einig darüber, dass Blizzard im Laufe der letzten Monate Träume geweckt hat, die man mit der Erweiterung keinesfalls erfüllen kann.

Wiped! - Die MMO-Woche - Die gute Nachricht zuerst

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 363/3651/365
Halten die Warlords of Draenor den Spielerrückgang von WoW auf oder beschleunigen sie ihn gar noch?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ob es sich nun um die Quest-Reise handelt, die als uninspirierend und viel zu linear beschrieben wird oder um die Garnison, die nur in der Theorie an die eigene Warcraft-Vergangenheit erinnert, in der Praxis jedoch auch nicht mehr ist als ein Standard-Housing mit aufgepfropftem NPC-Management, wie man es erstmals in Star Trek Online gesehen hat.

Derzeit, so der Tenor der Kritiker, sei nicht ersichtlich, wohin Blizzard mit den Garnisonen gehen möchte und welchen konkreten Nutzen es für die Spieler haben wird. Die Ära, in der die Community Selbstzweck-Mechaniken in einem MMOG zu akzeptieren bereit ist, ist auf jeden Fall auch für Blizzard vorbei und das Studio sollte dringend einen kreativen Kopf einstellen, wenn man nicht noch mehr Spieler verlieren will.

Destiny - Optimismus bei den Analysten

Wobei man bei Activision derzeit offensichtlich vorrangig mit Destiny rechnet, dessen Beta in vollem Gange ist. Bungies Titel, für den der liebe Robert Kotick auf der Ausgabenseite bereits 500 Millionen Dollar veranschlagt hat, scheint mittlerweile über alle Maßen wichtig für den Publisher zu sein. Man ist sich sicher, mit dem teuersten Spiel auch gleichzeitig das erfolgreichste aller Zeiten entwickelt zu haben.

4 weitere Videos

Auch Analysten wie Dough Creutz von Cowen & Company blasen derzeit ins gleiche Horn wie der Activision-CEO Kotick: “Wie glauben nach wie vor, dass mit Sicherheit über 15 Millionen Kopien von Destiny verkauft werden. Mittlerweile schauen wir mit zunehmender Wahrscheinlichkeit auch auf 20 Millionen.”

Ganz spaßig, aber nicht überragend

Wobei die Argumente von Kotick und den Analysten gleichermaßen auf der irren Annahme beruhen, dass sich ein Erfolgstitel samt Franchise einfach mal mit Geld erschaffen ließe. Dabei hätte ein Blick aufs eigene Studio genügt, um dem grenzenlosen Optimismus Einhalt zu gebieten, denn wenn ein Studio das Zeug und das Geld dazu gehabt hätte, einen Megahit zu basteln, dann wohl Blizzard. Doch Titan klemmt im besten Falle wieder am Reißbrett.

Klar - Bungie hat sich mit Halo einen großen Namen gemacht und beeindruckende Erfolge gefeiert, doch das war eine andere Zeit. Das Genre der Online-Shooter ist mittlerweile übersättigt mit Spielen ganz ähnlicher Bauart. Zwar ist Destiny irgendwo mit Borderlands 2 und Warframe im obere Segment anzusiedeln, jedoch ist es längst nicht so innovativ und überragend, wie es sein müsste, wollte man tatsächlich einen neuen Kult begründen. In dieser Hinsicht hat Ubisofts Beitrag The Division schon mehr Potential.

Firefall - ab nächster Woche dann offiziell

Sogar Defiance wird mittlerweile als Alternative zu Destiny gehandelt - nicht zu vergessen Firefall, das bei den Red 5 Studios seit fast zehn Jahren in der Entwicklung ist und ab der kommenden Woche endlich veröffentlicht werden soll - genau wie Warframe und im Unterschied zu Destiny übrigens Free-To-Play. Firmengründung in 2005, Grundsteinlegung für das eigene Spiel in 2007 - das erinnert ein wenig an die Geschichte von Carbine, die gerade WildStar auf den Markt gebracht haben.

4 weitere Videos

Und tatsächlich gibt es hier eine Gemeinsamkeit: Auch die Gründer von Red 5 stammen aus dem ursprünglichen Entwicklerteam von Blizzard - namentlich sind das Mark Kern, William Petras und Taewon Yun. Auch ihnen ging zwischenzeitlich das Geld aus, nur wurden sie nicht von NCSoft übernommen, sondern vom ehemaligen Blizzard-Partner für China: The9.

Ausblick

Firefall wird mich auf jeden Fall in der kommenden Woche beschäftigen, werden von den Entwicklern ab Start immerhin schon mal drei actiongeladene 20-Mann-Raids versprochen und, für mich noch interessanter: Open-World-PvP - ein Element, das man irgendwann zwischenzeitlich mal aus dem Spiel entfernt hatte, um es noch einmal komplett neu anzugehen. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.