In der südkoreanischen Beta wurde ArcheAge über Nacht zum Symbol einer neuen Generation von MMOGs und zum großen Hoffnungsträger. Dann plötzlich steuerten die Entwickler ihre Sandbox-Hoffnung auf einen neuen Kurs. Einen Kurs, den viele Spieler lautstark gefordert hatten, dessen Folgen letztlich aber niemand mehr verantworten wollte. Jetzt ist die Spielerwelt besorgt und fragt sich: Ist ArcheAge eigentlich noch zu retten?

ArcheAge

Alles hätte so einfach sein können, wären Jake Song und sein Team nur ihren anfänglichen Überlegungen treu geblieben. ArcheAge wäre dann das Vorzeige-MMOG der Kategorie Sandbox schlechthin geworden. Es hätte seine Zielgruppe gefunden und, wie das bei einer guten Sandbox der Fall ist, über die Monate und Jahre hinweg neue Spieler hinzugewonnen.

Umgekehrt würde ein Schuh draus

Doch man wollte besonders schlau sein bei XLGAMES und mit dem Spiel nicht nur die Liga der Sandbox-Fans ansprechen, sondern die ganze Themepark-Community gleich mit. Die meldete sich nämlich von Beginn an lautstark zu Wort, wollte auch gerne ArcheAge spielen, dabei aber keinesfalls auf all die Annehmlichkeiten verzichten, an die man von den Spielen der letzten Jahren so gewöhnt wurde.

Also begannen die Entwickler damit, geplante Sandbox-Features aus dem Spiel zu vernachlässigen, zu streichen und Stück für Stück zu ersetzen - durch das übliche, generische Gameplay. Sandpark nennt Jake Song diese seltsame Mischung und glaubt, zumindest lässt das sein Auftreten in Interviews und Präsentationen vermuten, tatsächlich noch immer, dass er damit auf dem richtigen Weg sei.

Doch das Gegenteil ist der Fall. Das jüngste Update 1.0 hat mit seiner PvE-Ausrichtung, dem stupiden Grind sowie an Sabotage grenzende Pay-To-Win-Ansätze auf den südkoreanischen Servern nicht etwa für einen Ansturm von neuen Spielern gesorgt, sondern im Gegenteil für eine weitere Abwanderung all jener, die bislang doch noch einen kleinen Funken Hoffnung in sich getragen hatten, darunter auch einige treue Streamer.

Es kann nur besser werden

Doch wer einmal die Gelegenheit hatte, ArcheAge zu spielen, der weiß: Dieses Spiel hat nach wie vor das Zeug zum ersehnten Dauerbrenner. Die Entwickler müssten lediglich den Mut haben, all die neuen, geebneten Pfade wieder mit ordentlich Sand zuzuschütten und zu den originellen Plänen zurückzukehren, die man im Sinn hatte, als man das Spiel einst konzeptionierte - in Anlehnung an das altehrwürdige Lineage, das noch heute den größten Teil des Umsatzes von Jake Songs Ex-Arbeitgeber NCSoft generiert.

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In Südkorea ist das wahrscheinlich illusorisch, in anderen Teilen der Welt hingegen nicht. Das erklärt wohl auch den Ansturm auf die gerade in Russland gestarteten Server, bei denen sich die Fans derzeit äußerst uneins darüber sind, ob man sie denn nun als Betaserver bezeichnen sollte oder ob das Spiel nun doch schon offiziell veröffentlicht wurde - denn zurückgesetzt wird nichts mehr.

Das schnelle Geld

Gerüchten zufolge hat der Publisher in Russland zudem innerhalb weniger Stunden über zehn Millionen Dollar mit dem Spiel umgesetzt, das derzeit im MMO-Ranking in Russland einen der vordersten Plätze einzunehmen scheint. Dieser Erfolg könnte jedoch von kurzer Dauer sein, wird er doch vor allem von einer Hoffnung der Fans genährt - dass der Publisher den Erwartungen der russischen Community entgegenkommt und die Sandbox-Mechaniken, anders als in Südkorea, in den Vordergrund stellt.

Gleiches hoffen derweil auch die Fans in der westlichen Welt. Dort hält ausgerechnet der angeschlagene MMOG-Publisher Trion Worlds das Schicksal des Sandparks in den Händen - und indirekt auch sein eigenes. Würde man nämlich tatsächlich die Zeichen der Zeit erkennen und ArcheAge komplett an die Erwartungen der unzähligen Sandbox-Fans anpassen, wäre der Publisher wieder im Geschäft. Folgt man jedoch den neuerdings geebneten Pfaden der Südkoreaner, verschwindet bald nicht nur der Traum von ArcheAge aus den Köpfen der Spieler, sondern Trion Worlds als Publisher gleich mit.

Pantheon: Rise of the Fallen, Pathfinder Online, Shroud of the Avatar

Pantheon: Rise of the Fallen - Plan B

Wie schnell Träume platzen können, musste aktuell auch Brad McQuaid erfahren. Mit 800.000 Dollar wollte der Erfinder von EverQuest und Vanguard durchstarten, doch die Kickstarter-Community versagte dem Altmeister die Treue. Gerade mal die Hälfte des erhofften Geldes hätte er beisammen gehabt - und auch die 3157 Unterstützer insgesamt sind angesichts der ambitionierten Pläne eine eher traurige Bilanz.

Von diesen Rückschlägen jedoch will sich der Branchenveteran nicht abbringen lassen und sammelt auf der eigenen Homepage kräftig weiter. Doch auch hier scheint sich der erhoffte Erfolg nicht einzustellen. Im Gegenteil - nicht einmal die Hälfte der Kickstarter-Unterstützer wollte den Umzug mitmachen und mit den 135.000 bislang gesammelten Dollar lässt sich auch nicht allzu viel anfangen.

Lehrgeld gezahlt

Bleibt nur zu hoffen, dass McQuaid die richtigen Schlüsse aus seinem Misserfolg beim Crowdfunding zieht und dort nachbessert, wo es nötig ist: Erstens erwartet die Community nämlich einen möglichst überzeugenden, nicht zu langen Filmclip mit einigermaßen aussagekräftigen Spielszenen und zumindest einem Hauch von Atmosphäre.

Zweitens sollte man die Community keinesfalls damit abschrecken, dass das gesammelte Geld nur einen kleinen Teil der Finanzierung ausmachen wird und man hinterher ohnehin noch bei diversen Investoren anklopfen wird, um den Großteil des nötigen Geldes heranzuschaffen. Das nämlich führt die Idee hinter dem Crowdfunding ad absurdum. Und drittens verzeiht die Community einen Pfusch aus alten Tagen längst nicht so schnell, wie sich das so mancher Entwickler erhofft.

Pathfinder Online - bewegte Bilder

Etwas schlauer war man da schon bei Pathfinder Online und entsprechend hat man nicht nur das Funding erfolgreich abgeschlossen, sondern steckt mittlerweile auch mittendrin in der Entwicklung der wesentlichen Spielelemente - darunter auch der in einem MMOG nicht ganz unwichtige Kampf. Wie der ungefähr aussehen wird, führen die Jungs von Goblinworks in einem aktuellen Video vor.

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Daran scheiden sich, wie so oft in der Branche die Geister. Während Spieler, die erst in den letzten Jahren ins MMOG-Genre vorgestoßen sind, die Optik, die natürlich längst nicht final ist, als ausgesprochen abstoßend empfinden, scheinen sich ältere und erfahrenere Spieler nicht weiter an den kleineren Macken des Kampfsystems zu stören und im Gegenteil dessen Ausrichtung zu begrüßen. Für uns gehört Pathfinder Online auf jeden Fall zu den Spielen, mit denen wir uns in diesem Jahr noch etwas eingehender befassen werden.

Shroud of the Avatar - ein Avatar, zwei Avatare, drei...

Und noch ein Spiel verdient in diesem Jahr unsere Aufmerksamkeit - nämlich Richard Garriotts Shroud of the Avatar. Trotz seines frühen Entwicklungsstadiums begeistert das schon so manchen Unterstützer - bis vor kurzem jedoch unter Ausschluss der virtuellen Öffentlichkeit. Die dritte und aktuellste Testphase bringt allerdings erstmals auch einige Multiplayer-Features ins Spiel.

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Die sind zwar bislang weder vollständig noch optimiert, lassen jedoch erahnen, welche Dimension das Rollenspiel einmal annehmen wird, obwohl es doch eigentlich kein MMOG sein möchte. Außerdem neu dabei ist das Dörfchen Braemor, das die Spielwelt ordentlich vergrößert und um ein äußerst stimmungsvolles Wäldchen erweitert. Ultima-Veteranen werden sich auf jeden Fall sofort heimisch fühlen.

Camelot Unchained, EverQuest Next Landmark, Neverwinter

Camelot Unchained - Zuflucht für alternde Recken

Heimisch sollen sich in Camelot Unchained gleich zwei Gruppen von Spielern fühlen - die ganz alten Recken, die sich in Dark Age of Camelot noch durch Darkness Falls geschlagen haben und die etwas jüngeren, die von Warhammer Online mehr oder weniger begeistert waren. Nicht vollends begeistert war von letzterem übrigens Mark Jacobs, obwohl der einst mit dafür verantwortlich zeichnete.

Doch als einer von drei Lead Designern hatte Jacobs nicht immer den Einfluss auf das Spiel, den er gerne gehabt hätte und manche von ihm favorisierte Mechanik hat es gegen seinen Willen auch gar nicht ins fertige Spiel geschafft - darunter auch die Idee von den sichtbar alternden Avataren. Umso wichtiger ist es ihm daher, dass es diese Mechanik in Camelot Unchained eingebaut wird.

Wie genau sich das Alter der Avatare in Camelot Unchained auf deren Erscheinungsbild auswirken wird, hat der Altmeister zwar noch nicht verraten, jedoch zieht er den Vergleich zu Warhammer Online, wo Orks eigentlich mit zunehmender Lebenserfahrung an Statur hätten gewinnen sollen und alternde Zwerge an Bartwuchs. Zum natürlichen Ableben durch erhöhtes Alter allerdings soll diese Funktion in Camelot Unchained dann auch nicht führen, entwarnt Jacobs, der sich übrigens gerade darüber freut, wie gut die ersten internen Tests verlaufen.

EverQuest Next Landmark - alles im Griff

Ganz so intern wie Camelot Unchained ist EverQuest Next Landmark nicht mehr, wobei dieser Titel ohnehin eher ein Baukasten zu EverQuest Next werden soll und kein eigenständiges MMOG. Spaß macht Landmark trotzdem, hebt es doch die beliebten Elemente aus Spielen wie Minecraft auf eine völlig neue Ebene und ermöglicht die Errichtung von wirklich atemberaubenden Bauwerken, Objekten und Landschaften.

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Trotz allem muss man bei EverQuest Landmark nicht auf das Spielgefühl mit dem klassischen Avatar verzichten. Im Gegenteil - Sony Online Entertainment hat sich sogar ein paar außergewöhnliche Möglichkeiten ausgedacht, wie man sein alter ego möglichst unkompliziert und ohne großen Zeitverlust über die Landschaft bewegt. Das entsprechende Video lässt zumindest erahnen, dass unter den Entwicklern von SOE auch ein ein paar Marvel- oder DC-Fans sind.

Neverwinter - sag niemals nie!

Dass bei Cryptic auf jeden Fall keine eingefleischten PvP-Fans sitzen, lässt die bisherige Inkarnation von Neverwinter vermuten, denn wenngleich das Kampfsystem eigentlich prima dafür geeignet wäre, sich mit anderen Spielern zu messen, war Neverwinter in jeder Hinsicht auf PvE ausgerichtet. Zwar gibt es im Spiel Arenen, doch fehlt es bislang an Mechaniken, die das völlig aus dem Ruder gelaufene Kampfgeschehen irgendwie in eine ordentliche Balance bringen könnten.

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Das allerdings soll sich in Zukunft ändern, denn Cryptic widmet sich mit dem nächsten Update doch tatsächlich ausdrücklich dem PvP. Dafür werden Skills und CCs überarbeitet, die Arenen sollen ein ordentliches Matchmaking-System bekommen und - wahrscheinlich die wichtigste Funktion überhaupt - wer einfach so aus einem Match aussteigt, bekommt eine entsprechende Strafe aufgebrummt.

Ob das wirklich ausreicht, das dürftige PvP in Schwung zu bringen, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall hätte Cryptic besser daran getan, von Anfang an ein Auge auf die Arenen zu werfen. Die Entwicklung von ordentlichen PvP-Mechaniken parallel zum Rest des Spiels fällt deutlich leichter als eine verspätete Anpassung.

War Thunder, EVE Online

War Thunder - Panzer auf dem Vormarsch

Bei Gaijin weiß man das sehr wohl und hat War Thunder von Beginn an auf PvP getrimmt. Im Nachhinein PvE-Missionen einzubauen fällt dann nicht schwer. Etwas schwieriger ist es da schon, die Online-Flugsimulation um ein Element zu erweitern. Konkret sind es die Bodenfahrzeuge, an denen die Entwickler derzeit arbeiten und die gerade in der Closed Beta auf Kette und Motor getestet werden - aktuell in der dritten und letzten Phase.

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Dem zeitnahen Übertritt in die offene Betaphase steht also nicht mehr viel im Weg und als Teilnehmer der Beta kann ich, ohne gegen die Verschwiegenheitsauflagen zu verstoßen, zumindest eines versprechen: Die Entwickler von World of Tanks müssen sich verdammt warm anziehen, denn was Gaijin da gebastelt hat, wird das etablierte Panzer-Geschiebe von Wargaming mindestens ebenso eindrucksvoll überrollen, wie die Fliegerei in War Thunder zuvor schon World of Warplanes aus dem Himmel gefegt hat. Da nützt es auch nichts, dass Wargaming derzeit mit allen Mitteln versucht, das flügellahme Spiel über den Wolken ins Gespräch zu bringen, indem man Fallschirmspringer für den Formationsflug bucht.

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EVE Online - ist es wirklich schon so spät?

Apropos buchen - habt ihr noch Urlaub übrig und bislang keine Ideen? Island ist ja generell schon ein interessantes Reiseziel für alle Abenteurer, doch vom 01. bis zum 03. Mai lohnt es sich in diesem Jahr besonders, das Ende der Welt zu besuchen, denn CCP lädt mal wieder zum Fanfest und will in diesem Jahr nicht nur eine riesige Statue in Reykjavík enthüllen, auf der die Namen aller aktiven Kapselpiloten eingraviert sind, sondern auch Valkyrie, jenen Weltraumshooter für Oculus Rift, der im letzten Jahr nur ein Feldversuch mehrerer CCP-Entwickler war, mittlerweile jedoch als komplettes Spiel entwickelt wird.

Außerdem vorgestellt werden die nächste Erweiterung zu EVE Online sowie die weiteren Pläne zum glücklosen PS3-Shooter Dust 514. Und natürlich sind auch wieder einige Infohäppchen zur Vampire-Sandbox World of Darkness zu erwarten. Und dann wären da noch die schrägen Fans. Wer schon immer mal erleben wollte, wie nerdig und gleichzeitig unglaublich cool eine Sandbox-Community sein kann, der sollte möglichst bald Kontakt zur einzigen Fluggesellschaft Islands aufnehmen, denn deren Plätze sind ebenso begrenzt wie die 1600 Sitze im Harpa.

Ausblick

Mein Ticket nach Island liegt auf jeden Fall schon auf dem Tisch. Doch das Fanfest ist in diesem Frühjahr nicht das einzige Ziel auf meiner Liste. Auch das passionierte Team von Cryptozoic ist für eine erste Visite bereit, denn das Trading-Card-MMO HEX, das auf Kickstarter über zwei Millionen Dollar eingespielt hat, nähert sich der Fertigstellung und schickt sich an Hearthstone herauszufordern. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.