So viele Spiele, so wenig Zeit! Wer sich nicht allzu fest an ein bestimmtes Genre oder Thema bindet, der dürfte sich angesichts der vielen Veröffentlichungen und Updates in diesen Tagen kaum langweilen. Zumindest unser Kolumnist hat sich aktuell bis Unterkante Oberlippe mit Titeln eingedeckt und berichtet aus der Welt der mehr oder weniger massiven Onlinewelten, auf dass wir uns den einen oder anderen unnötigen Download ersparen mögen.

Mit dem Sand verschwanden die Spieler

Während der vergangenen Jahre galt es lange als großer Hoffnungsträger. In Südkorea lockte es 2012 schon mehr Spieler in die Beta, als die meisten anderen Top-Titel nach Release zählen konnten. Dann jedoch fingen die Entwickler an, am System herumzuschrauben. Aus der als ‘Sandpark’ bezeichneten Kombination aus Themepark- und Sandbox-MMORPG rieselte zusehends mehr Sand und mit dem verschwanden die Spieler.

Ihr wisst es sicher schon - die Rede ist natürlich von ArcheAge, das in Südkorea mittlerweile kaum noch einen nennenswerten Marktanteil hat. Update 1.0, das ArcheAge-Schöpfer Jake Song in einem Interview mal als ‘Themepark-Update’ bezeichnete, hat das Spiel nachhaltig beschädigt. Bei XL Games scheint das niemanden zu stören und man steht weiterhin zu den seltsamen Veränderungen. Immerhin verspricht man, dass das nächste Update ein ‘Sandbox-Update’ werde.

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Sandbox-Update. Ja oder nein?
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Trions letzte Hoffnung

Trotzdem hatten zwischenzeitlich die meisten westlichen Spieler die Hoffnung verloren und den koreanischen Servern den Rücken gekehrt, nicht jedoch ArcheAge an sich. Schon der Start der russischen Server via Mail.ru hat viele Spieler aus dem Westen angelockt - in der Hoffnung, dass man dort begreift, dass nicht etwa zu wenig Themepark-Anteil für die Abwanderungen der Fans in Korea verantwortlich war, sondern das Gegenteil.

Genau das hat man bei Trion Worlds kapiert. Der westliche Publisher macht gerade eine harte Phase durch, da weder Rift noch Defiance sonderlich gut laufen. Doch mit ArcheAge, das merkt man mittlerweile, könnte man den eigenen Kopf doch noch aus der Schlinge ziehen - wenn man es denn richtig anstellt. Und so kam die Nachricht, dass man versuche, die umstrittene Neuausrichtung von Patch 1.0 im Westen zu umgehen, vor einigen Wochen gerade zur rechten Zeit.

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In der Sandbox hat jede Handlung ihre Konsequenzen. Nicht jeder Spieler kann mit diesem Konzept etwas anfangen
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Hardcore-Allianz gegen Südkorea

Zwar kann noch niemand so recht sagen, ob Trion Worlds als westlichem Publisher überhaupt die technischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen, an grundsätzlichen Mechaniken von ArcheAge zu rütteln, da jedoch auch die Russen ganz klar ein Sandbox-Design bevorzugen, könnten sie in einer Allianz mit Trion möglicherweise den nötigen Druck auf die südkoreanischen Entwickler ausüben.

Diese Hoffnung der Spieler ist es, die den Hype um ArcheAge in diesen Tagen neu entfacht. Obwohl das Spiel noch immer in der Alpha ist und keineswegs kostenlos, explodiert die Nachfrage förmlich. So sehr, dass sich Trion-Chef Scott Hartsman aktuell zu Wort gemeldet hat und bekennen musste, dass man selbst bei Trion die Nachfrage nach dem Titel aus Fernost gewaltig unterschätzt hat.

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Sorgenkind ArcheAge.
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Ungeahnt stressig

So wurde die kostenpflichtige Alpha bereits zum unfreiwilligen Stresstest und die Kapazitäten des Servers mussten um das Dreifache dessen erweitert werden, was er eigentlich an Charakteren hatte bewältigen können. Und wenn man Twitch.tv als Indikator für ein interessantes Spiel heranzieht, dann stehen Trion Worlds noch ein paar weitere Server-Upgrades bevor.

Da rangiert ArcheAge auf Twitch zur US-Abendzeit auch schon mal auf dem zweiten Platz, gleich hinter League of Legends und weit vor allen anderen Spielen der Gattung MMOG. Und die besseren ArcheAge-Streamer freuen sich über vierstellige Einschaltquoten und jeder von ihnen hat mehr Zuschauer als das kurz vor der Veröffentlichung stehende WildStar insgesamt - von The Elder Scrolls Online ganz zu schweigen, das irgendwo mit dreistelligen Zuschauerzahlen vor sich hin dümpelt.

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In ArcheAge bewegt man sich nicht nur zu Lande, sondern auch auf und im Wasser sowie in den Lüften.
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Gut Ding will Weile haben

Viele namhafte MMO-Gilden haben sich ohnehin längst wieder aus ESO abgeseilt und versuchen jetzt, in der Alpha von ArcheAge möglichst viel zu lernen, um nach dem unvermeidbaren Server-Wipe einen möglichst schnellen Start ins Spiel zu bekommen, in dem es weniger um die Leistung des Einzelnen geht als darum, was ein gut koordiniertes Team aufbauen kann.

Die Eindrücke, die man von den Spielern zu lesen bekommt, sind überwiegend positiv. Selbst jene Spieler, die der südkoreanischen Version einst den Rücken gekehrt hatten, sind wieder mit von der Partie und guter Dinge, dass Trion diese nicht ganz einfache Publishing-Aufgabe stemmen wird. Auch in Sachen Kommunikation tut sich etwas. Trions Mitarbeiter streamen selbst und auch mir ist es mittlerweile gelungen, eine Ansprechpartnerin auszumachen, die sich für zuständig hält, Presseanfragen aus Europa zu beantworten.

Derzeit, so heißt es aus dem Hauptquartier von Trion Worlds, arbeite man an einer neuen Alpha-Version und daran, sich auf Beta-Test und Release vorzubereiten. Und wenngleich letzteres wahrscheinlich noch ein Weilchen auf sich warten lassen wird, habe auch ich mir einen Zugang zu ArcheAge gesichert, um mir selbst ein Bild zu machen und zu schauen, ob Trion tatsächlich den Kurs verfolgt, den sich die Community erhofft. Denn eines zeigt die aktuelle Begeisterung für die Alpha von ArcheAge ganz deutlich: Der Bedarf an einer hochwertigen Sandbox ist hier in der westlichen Welt größer denn je.

World of Warcraft: Warlords of Draenor - alleine im Sandkasten

Das hat mittlerweile sogar Blizzard verstanden und arbeitet mit Warlords of Draenor an einer ganzen Reihe von Mechaniken, die zumindest im Ansatz in Richtung Sandbox gehen. Vor allem sind es die Elemente Rund um die eigene Garnison, die den einen oder anderen Sandkastenfan ansprechen dürften. Leider hat die Sache auch einen Haken: Blizzard legt wieder einmal großen Wert auf extrem einfachen Zugang und macht die Garnison quasi zu einem Solo-Erlebnis.

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Die Garnison in Warlords of Draenor - eine hübsche, aber ausgesprochen einsame Angelegenheit.
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Damit beraubt sich der Publisher leider eines wesentlichen Elements: Ausschließlich im Zusammenspiel mit Gildenkollegen und Freunden macht ein Konzept wie das der Garnisonen nämlich wirklich Sinn. Immerhin scheint Blizzard das System als eine Art Versuchsballon zu starten und erwägt schon jetzt, einzelne Elemente daraus auch im Rest der Welt einzusetzen.

Star Citizen - die Module spielen verrückt

Überhaupt lohnt es sich zusehends, bei der Entwicklung virtueller Welten auf Module zu setzen, die sich einzeln entwickeln und vielfältig einsetzen und testen lassen. Problematisch wird es nur, wenn eines der wichtigsten Module nicht wie gewünscht funktioniert. So geht es derzeit Chris Roberts, dessen Team es trotz schlafloser Nächte nicht gelungen ist, das Dogfight-Modul püntklich abzuliefern.

Es wäre töricht, so der Altmeister, eine nicht stabile Version zu veröffentlichen. Ein Publisher hätte genau dies gefordert, doch die Stärke des Crowdfunding sei es, der Qualität verpflichtet zu sein und nicht den Geldgebern. Für die Fans ist das dennoch eine herbe Enttäuschung und so mancher bekundet, dass er doch lieber mit den derzeitigen Bugs leben würde als ganz ohne die Cockpit-Action.

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Star Citizen.
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Die Summe, die täglich auf dem Konto des Studios eingeht, ist entsprechend gesunken, beläuft sich jedoch immer noch auf knapp 40.000 Dollar pro Tag - zudem hat das Projekt aktuell die 44-Millionen-Marke überschritten. Bis zur Veröffentlichung des Arena Commanders verpricht Roberts, täglich einen Bericht darüber abzuliefern, welche konkreten Fehler denn noch zu beseitigen sind, bis der Arena Commander spielbar wird - derzeit sind es derer zwölf.

Elite: Dangerous - Premium Beta - über 10.000

Wie viele Fehler Elite: Dangerous derzeit hat, weiß wohl nicht einmal David Braben genau. Trotzdem ist der Erfinder der Weltraum-Sandbox zuversichtlich, dass mit der gestern erst gestarteten Premium Beta alles in Ordnung sein wird. Fünf Sternensysteme gibt es darin derzeit zu erkunden - in einem stolze 200 Lichtjahre umfassenden Gebiet, das insgesamt 400 Milliarden Sternensysteme beherbergt.

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Dieses Vergnügen haben derzeit immerhin über 10.000 Spieler, die bereit waren, 120 Euro oder mehr für ihren und Brabens Traum von der virtuellen Galaxis auszugeben. Und eines ist sicher: Je länger Chris Roberts an seinen Modulen schraubt und versucht, die CryEngine in den Griff zu bekommen, desto mehr Weltraum-Fans wird Braben für Elite: Dangerous gewinnen können.

CryEngine - bis einer weint

Wie schwierig das ist, kann aktuell jeder selbst ausprobieren, denn die CryEngine ist ab sofort auf Steam erhältlich - für 9,90 Euro monatlich. Klingt nicht sonderlich spektakulär, wird jedoch aller Voraussicht nach gewaltige Folgen für die Branche haben. Ein derart einfacher Zugang zu einem solch mächtigen Werkzeug wird es einer ganz neuen Gruppe von Nutzern ermöglichen, ihre großen und kleinen Träume in die virtuelle Realität umzusetzen.

Modder werden fortan also ein eigenständiges Werkzeug in der Hand haben, mit dem sie nicht länger die Spiele anderer verändern müssen, sondern komplett eigene aufbauen können. Auch können passionierte Bastler endlich großen Studios, die auf die CryEngine setzen, zuarbeiten oder auch ganze Filme in feinster Cry-Optik in Szene setzen. Und dann weiß man ja: The internet is for porn!

Ausblick

Bis es so weit ist, werden allerdings noch ein paar Monate ins Land gehen. Monate, in denen ich noch so manches mehr oder wenige professionell entwickelte Spiel vor mir habe. Neben dem erwähnten ArcheAge ist das aktuell natürlich WildStar, das just heute in den Headstart geht und mit dem ich die nächsten Tage und Wochen möglichst unvoreingenommen verbringen werde.

Und dann wäre da noch War Thunder, das ich ohnehin immer wieder anschmeiße und in dem jetzt erstmals auch gemischte Missionen zur Auswahl stehen - mit spielergesteuerten Panzern und Flugzeugen auf einer Karte. Und falls jemand von euch eine ungenutzte PS4 in der Ecke stehen hat - ab Dienstag wird War Thunder dann auch für die Konsole zu haben sein. Langweilig wird es bis zum kommenden Samstag also nicht.