Eigentlich hatten die Jungs von Realtime Worlds die perfekten Zutaten für ein Gourmet-MMOG: einen erfahrenen Designer, eines der besten Spielkonzepte der Welt und satte fünf Jahre Entwicklungszeit. OK, das Ergebnis kann sich auch durchaus sehen lassen, ist jedoch nicht uneingeschränkt zu empfehlen. Denn trotz der derzeit etwas mageren Spielerkost, wird einem am Ende eine gesalzene Rechnung aufgetischt.

Welcher Fan von Grand Theft Auto hat nicht während seiner Sessions hin und wieder davon geträumt, dass seine geliebte Stadt endlich online spielbar wird, als persistente Umgebung in einem MMOG, in der Tausende von Mitspielern nach Herzenslaune für Recht und Ordnung kämpfen dürfen - oder eben für das Gegenteil?

All Points Bulletin: Reloaded - Live Action Trailer6 weitere Videos

Der große Architekt

Auch David Jones muss diesen Traum geträumt haben. Der Mitbegründer von Rockstar North ist ein Urgestein der Spieleentwicklung, hat im vergangenen Jahrtausend nicht nur die Lemminge in den sicheren Tod geführt, sondern ist vor allem auch für die Erfolgsserie Grand Theft Auto nachhaltig verantwortlich. Seit 2002 werkelt er bei Realtime Worlds unter eigener Flagge, seit 2005 sitzt er mit seinen Jungs an All Points Bulletin, dem vor allem die Fans von GTA mit großer Spannung entgegensehen.

All Points Bulletin: Reloaded - GTA als MMO - ob das gutgeht?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 72/761/76
Das Outfit lässt sich ganz nach Belieben designen. Die Grenze setzt nur die eigenen Fantasie.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und so musste David Jones mit All Points Bulletin das Rad gar nicht neu erfinden, sondern darf auf all jene Elemente setzen, die GTA so berühmt gemacht haben. Der Spieler findet sich in San Paro wieder, einer Großstadt, die von kriminellen Elementen derart gepeinigt wird, dass sich die Regierenden dazu durchgerungen haben, die Anforderungen für Gesetzeshüter herunterzuschrauben – fast wie im Wilden Westen. Der Spieler darf sich also wahlweise den Übelwichten anschließen oder so etwas wie ein Hilfssheriff werden.

Doch bevor man sich in den Städtekampf werfen kann, muss man sich ein Alter Ego erschaffen. Dafür steht einem eine Charaktergenerierung Verfügung, wie man sie bislang nur aus Aion oder den Titeln der Cryptic Studios kennt. Wer auch nur im Entferntesten Spaß am Virtualisieren von Personen hat, wird es kaum eilig haben, ins eigentliche Spiel zu kommen, denn hat man die Funktionen der unzähligen Regler erst einmal kapiert, lässt sich mit etwas Geduld tatsächlich jede erdenkliche Person zum virtuellen Leben erwecken.

Packshot zu All Points Bulletin: ReloadedAll Points Bulletin: ReloadedRelease: PC: 1.7.2010
PS4, Xbox One: 2. Quartal 2015

Merkel und Westerwelle marodierend in San Paro gesichtet!

Schon jetzt tummeln sich unzählige Abbilder realer Personen auf dem Server und es kann durchaus passieren, dass man der Crew der Enterprise, Obama und Clinton oder dem A-Team im Kampf gegenübersteht. Optisch perfekt wird das allerdings erst, wenn einem auch sämtliche Kleidungs- und Ausrüstungsstücke zur Verfügung stehen. Die allerdings muss man sich erst häppchenweise freispielen.

All Points Bulletin: Reloaded - GTA als MMO - ob das gutgeht?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 72/761/76
Mit dem richtigen Team bekommt man die Hilfssheriffs der Stadt schnell in den Griff.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Sobald das ebenso kurze wie unvollständige Tutorial gemeistert ist, darf man sich in zwei von drei instanzierten Stadtteilen austoben. Im dritten wird weder geraubt noch gemordet. Dort wird die Ausrüstung verändert, entworfen und gehandelt. Besonders talentierte Designer dürfen darauf hoffen, ihre ureigenen Kreationen im Shop an den Mann zu bringen und sich vom Erlös weitere Spielzeit zu erkaufen. Die tickt nur außerhalb des sozialen Distrikts – wahlweise stündlich oder als Flatrate.

Besucht man einen der beiden umkämpften Stadtteile, kommt man sofort in den Genuss eines der besten Matchmaking-Systems der Branche. Das Spiel analysiert die Stärke der Spieler und ordnet sie entsprechenden Teams zu. Die Ausrüstung kommt dabei allerdings nicht zum Tragen – es zählt lediglich die Bilanz. Level gibt es bei APB gar nicht. Für die Spieler geht es vorrangig darum, bei ihrem jeweiligen Auftraggeber in der Gunst zu steigen. Bisweilen steht man also auch Spielern gegenüber, die weit besser bewaffnet sind, bislang allerdings eher mäßig gespielt haben.

Nicht die Entwickler haben geschludert, sondern das Management. Free to play hätte APB nämlich durchaus erfolgreich werden können. So allerdings wird zu wenig Abwechslung für die teure Spielzeit geboten.Fazit lesen

Gut gedeckt ist halb gewonnen

Generell zählt das spielerische Talent mehr als bei regulären MMOs. Der Vergleich mit einem Shooter liegt hier nahe – auch wenn es keine Hitbox gibt, es also völlig egal ist, ob man dem Gegner in den Finger schießt oder in den Kopf. Wer weiß, wie er mit einer Waffe umzugehen und sich selbst aus der Schusslinie zu bringen hat, wird auch mit einer billigen Wumme einen waffenstarrenden, aber trotteligen Gegner spielend wegpusten können. Orientierungssinn und Teamplay gehören hier zu den wohl wichtigsten Eigenschaften, die ein Spieler aufweisen muss.

All Points Bulletin: Reloaded - GTA als MMO - ob das gutgeht?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 72/761/76
Während man sich im sozialen Distrikt aufhält, bleibt der Spielzeit-Ticker stehen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dabei sind es die Scharmützel am Einsatzort, bei denen man möglichst jede Form der Deckung nutzen und alle Hintertürchen und Leitern kennen sollte. Die Missionen der Auftraggeber erfordern hingegen keine Ortskundigkeit, denn die Richtung, in der das jeweilige Ziel liegt, wird stets eingeblendet. Die Aufgaben sind insgesamt wenig abwechslungsreich und ausgesprochen einfach zu meistern – wäre da nicht das gegnerische Team, das natürlich immer genau die Aufgabe bekommt zu verhindern, was man selber da so vorhat.

Schafft man es nach ein paar gegnerischen Treffern in Deckung zu gehen, regeneriert sich die Gesundheit langsam wieder und man kann sich bald wieder in die Schlacht werfen. Segnet man das Zeitliche, spawnt man nahezu unverzüglich in der Nähe des Schauplatzes. Zu nah, denn bisweilen befindet man sich noch in Sichtweite der lauernden Gegner, was nicht gerade für ein gesundes Maß an Realismus sorgt.

Stell dir vor, es ist Krieg und kein Schuss trifft!

Jede Instanz beherbergt bis zu 80 Spieler, die sich in kleinen Teams gegenüberstehen. Wer nicht Mitglied der eigenen oder der jeweils zugeordneten gegnerischen Gruppe ist, kann auch nicht erschossen werden. Es trägt also wenig zum Spielgeschehen bei, dass neben den für die eigene Mission bedeutenden Akteuren noch weitere Spieler quasi als Statisten in der Instanz herumhampeln. Und genau da liegt das Problem, denn wenn der Hersteller APB schon als MMO ankündigt, muss er auch eine persistente Welt bieten, wie sie einem dem Genre zugehörigen Spiel zu eigen ist.

All Points Bulletin: Reloaded - GTA als MMO - ob das gutgeht?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 72/761/76
Dank unzähliger Werbemöglichkeiten im Spiel wäre ein Free-to-play-Konzept für APB klüger gewesen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Nach zwei, drei Stunden hat man alle Missionen mindestens einmal durch und spätestens dann fragt man sich erstmals, was die Jungs bei Realtime Worlds eigentlich im Laufe von fünf Jahren getrieben haben. Klar, im sozialen Bezirk lässt sich noch ein wenig Zeit verbringen, doch auch der ausgefeilteste Editor kann kaum darüber hinwegtäuschen, dass es dem eigentlichen Spiel massiv an Inhalten fehlt.

Einzig mit einem verlässlichen Team an guten Freunden macht All Points Bulletin auch über längere Zeit hinweg Spaß. Dank angepasstem Outfit lassen sich so grandios lustige Momente erleben und mit dem richtigen Teamplay sind auch die Gegner bald nicht mehr als unterhaltsames Kanonenfutter. Allerdings müssen sich die Entwickler die Frage nach dem Sinn von kostenpflichtiger Spielzeit gefallen lassen, denn gerade für Teams gibt es dort draußen grandiose Shooter ohne Abo.