Mein Name ist Clophaym. Ich bin ein Krieger, der nicht durch die Türen unserer Redaktion passt. Schon gar nicht, wenn ich meine mächtigen, dunklen Schwingen ausbreite. Mit meinem XXL-Breitschwert könnte ich aber auch bequem ein riesiges Loch in der Häuserwand hinterlassen. Bevor unser Chefredakteur aber anfängt, ängstlich den Eingang für mich zu verbreitern, kann ich ihn beruhigen. Es gibt mich nicht wirklich. Ich bin ein digitales Abbild in einem Kosmos, der eine Ober- und eine Unterwelt besitzt. Mein Lebensraum ist Atreia im Fantasy-Epos Aion.

Tagebuch eines Asmodiers

Um noch genauer zu sein, bin ich ein Angehöriger des stolzen Asmodier. Eigentlich sind wir eher die Kellerkinder Atreias. Wir leben in der Unterwelt, die wir Asmodae nennen. Das helle Himmelsvolk hat sich in Elysea breit gemacht. Diese dandyhaften Geschöpfe sind uns ziemlich ähnlich, abgesehen davon, dass wir hübscher sind. Wir haben leuchtend rote Augen, eine zart blau schimmernde Haut, sowie die hübschesten Hände und Füße, die je das Licht der Spielewelt erblickt haben. Ich glaube, Menschen würden vor uns weg laufen, wenn sie uns im Dunkeln begegneten.

Aion - Aion-Tagebuch #1: Asmodier - Mein Leben in der Hölle

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Das Balancing entscheidet über ein Spiel als Asmodier oder Elyos.
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Beinahe wäre ich ebenfalls ein Elyos geworden. Das Balancing auf den Servern duldet keine ungleiche Verteilung der Rassen. Gerade einmal zwei Prozent dürfen Elyos oder Asmodier in der Überzahl sein, danach müssen sich Neuankömmlinge für die unterbesetzte Seite entscheiden. Oder man sucht sich einen neuen Server, was natürlich zu Verstimmungen führen kann, wenn man mit Freunden zusammen auf einem Server spielen möchte. Da hilft nur Warten. Ich entscheide mich zu warten. Im Leben jenseits des eingeschalteten Computers gibt es noch eine Menge Aufgaben zu erledigen. Ich denke an WoW-Freaks, die rapide nach ihrem Einstieg in die Spielwelt verwahrlost sind.

Ich möchte wenigstens, dass es aufgeräumt ist, wenn ich vom PC entfernt werden muss. Schlimme Bilder laufen vor meinem inneren Auge ab: Ich sehe mich mit verfilzten Haaren im Morgenmantel vorm PC sitzen, gebleichte Haut, leere Pizza-Kartons stapeln sich rings um meinen Arbeitsplatz, man riecht mittlerweile, dass ich der Körperpflege keine Bedeutung mehr beimesse. Die nächste Instanz ist wichtiger. Wichtiger als Abgabetermine, wichtiger als Freunde, wichtiger als mein Leben vor Aion. Ich schüttle den Kopf. Eine schreckliche Vorstellung, die mir ganz und gar nicht nahe kommt.

Drei Stunden Wartezeit

Da beschäftige ich mich doch lieber mit dem Äußeren meines Charakters. Einfach einmal alle Einstellungen durchprobieren. Das Endergebnis sieht aus wie Elvis Presley nach drei Jahren Fitnessstudio und einer strengen Anabolika-Diät. Ich will nun endlich rauf auf den Server, muss aber noch einmal abbrechen. Als ich wieder ins Spiel starten und endlich einmal die Welt um mich herum erkunden will, trifft mich der Schlag: Ein kleines Fenster in der Bildschirmmitte verkündet mir nüchtern eine Wartezeit von drei Stunden. Ich beginne allmählich die Bedeutung des Wortes „Zeitfresser“ zu verstehen und wende mich anderen Dingen des täglichen Lebens zu. Morgen ist auch noch ein Tag.

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Gestatten: Clophaym, Held der Banditen.
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In weiser Voraussicht gehe ich dieses Mal spätabends hinein. Es funktioniert! Die Wartezeit ist minimal, Clophaym ergattert erste Aufträge und fängt an, sich im Aldelle-Becken zu orientieren. Hier rennt man von Pontius zu Pilatus, sammelt Gegenstände, erschlägt harmlose Kreaturen, überbringt Botschaften oder raubt harmlosen Mitbewohnern die Kornsäcke, damit die Banditenbande, der man anfangs automatisch angehört, etwas zu beißen hat.

Ich schaue auf die Uhr. Donnerwetter! Es kam mir vor, als wäre ich gerade einmal zwei Stunden im Spiel gewesen. Nun graut schon der Morgen. Eine Meldung bestätigt: „Ihr habt bereits 5 Stunden gespielt. Bitte macht eine Pause, der Gesundheit zuliebe“. Der Bitte leiste ich mit hochrotem Kopf folge. Trotzdem bin ich ein klein wenig stolz auf das Erreichte.

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Überblick über die Festung – außerhalb herrscht Flugverbot.
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Neuer Tag, neues Glück. Ich starte mal wieder Aion. Schließlich habe ich noch ein bisschen zu tun, bis ich endlich den Abyss bewundern kann und die moralinsauren Engel noch ein wenig tiefer in den Orkus pusten kann. Farmen ist eigentlich nicht mein Ding. MMORPGs sind sowieso kein Genre für Ungeduldsnaturen wie mich. Großes Rätselraten beginnt: Wie lang werde ich dieses Mal in der Warteschlange ausharren müssen? Die Antwort folgt prompt, erbaut mich aber nicht sonderlich. Ganze 80 Minuten muss ich mich anderweitig beschäftigen. Da kann das Essen heute mal mit mehr Aufwand zubereitet werden. Also ran ans Werk.

Nach etwa 100 Minuten schaue ich auf die Uhr. Hurra! Jetzt müsste ich eigentlich loslegen können. Eine Meldung belehrt mich eines Besseren, denn „aus Sicherheitsgründen wurde die Verbindung vom Server getrennt“. Ich muss mich also neu einloggen. Natürlich fällt erneut eine Wartezeit an. Dieses Mal bin ich bei 40 Minuten. Ganze zwei Stunden also, bis ich endlich ein Computerspiel daddeln kann.

Ich schaue noch einmal auf die Verpackung. Heißt das Game wirklich „Aion“ und nicht „DDR online“? Ich fühle mich jedenfalls wie ein Bürger des ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaates, der vorm HO-Geschäft steht, in dem heute Orangen feilgeboten werden sollen. Da lese ich lieber auf gamona die neue Glosse von Kollege Olnigg – auch er hat ähnliche Aion-Erfahrungen gemacht und verarbeitet.

Aion verleiht endlich Flüügel

Dieses Mal bleibe ich hartnäckig. Und es hat sich prompt gelohnt. Ich war kurz vor Level neun. Level neun besteht aus einer Filmsequenz, die das Leben im Abyss zeigt, den Kampf gegen Elyos und gegen die KI-gesteuerten Balaur. Mitstreiter jubeln mir zu. Ein gefangener Questgeber zeigte mir meine Zukunft. Aber er warnte mich auch: So hoch mein Aufstieg sein mag, so tief wird auch mein Fall sein. Anschließend werden mir in einer Zeremonie meine Flügel verliehen. Ich habe es tatsächlich geschafft, auf Level zehn zu kommen und konnte meinen ersten Rundflug unternehmen.

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Trotz eigener Flügel braucht man für größere Strecken einen Flugtransporter - gegen Geld natürlich.
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Ich habe mein Räuberdasein hinter mir gelassen und bin zum waschechten Daeva erhoben worden, eine göttliche Gestalt, die in der Hauptstadt Pandämonium wohnt. So cool sind die Elyos sicher nicht drauf. Ihre Hauptstadt ist bestimmt hell, wolkenverhangen, von grellem Licht durchflutet und todsterbenslangweilig.

Von Pandämonium geht es in die Festung Altgard. Altgard wird von Wäldern umgeben, in denen Schwarzklauen hausen. Sie beschützen das Volk der Mumu. Die nähere Umgebung wird zunehmend gefährlicher. Glücklicherweise finden sich immer schnell nette Mitstreiter, die gemeinsam Missionen und Quests zu erledigen haben. Sie brauchen Anfangs noch ein hohes Maß Geduld mit mir.

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Rolle rückwärts zur Verwirrung, dann das Schwert auf die Omme.
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Ab und an unterlaufen mir dämliche Fehler, beispielsweise begleite ich einen NPC zum Hafen, der Asmodae satt hat, erledige alle Gefahren und lasse ihn bei seinem Kumpel. Quest abgeschlossen, Gold und Punkte kassiert, jedoch meinen Mitspieler vergessen. Der hätte die Quest auch annehmen müssen. Ich kann verstehen, dass er sauer ist, und bin dankbar, dass er diplomatisch genug bleibt, es mir zu erklären.

Die sorgfältige Arbeit am Spiel merkt man: Es gibt es kaum Bugs. Einmal kam es vor, dass ein Quest-Gegenstand auch nach Abschluss im Gepäck blieb, das war es aber auch schon. Mittlerweile habe ich mich gut eingelebt, das Standard-Prozedere ist folgendermaßen: Einloggen, ab ins Auktionshaus, seine Verkäufe einsehen alle Spammer blocken, die für echtes Geld Spielwährung anbieten wollen, den Kopf über die Paranoiker schütteln, die mutmaßen, wer auf den Servern mit Farmbots spielt, wer der chinesischen Bot-Mafia angehört und wer irgendwie anders schummelt.

Gottseidank gibt es auch nette Mitspieler. Ein Haufen von ihnen hat mich in ihre Legion aufgenommen. Hier hilft man sich immer. Mein Ziel, Level 20 zu erreichen und somit den Abyss bereisen zu können habe ich noch immer nicht erreicht. Aber ich freue mich schon drauf. Auch mein Grad der Verwahrlosung und die Vernachlässigung meiner sozialen Kontakte halten sich in Grenzen. Ich bin erfreut.

Anmerkung: Wann kommt der Test? Da uns bereits zahlreiche Leser darauf angesprochen haben, an dieser Stelle ein paar Worte zum Aion Test auf gamona. Ein dermaßen komplexes und umfangreiches Spiel wie Aion erfordert eine entsprechend lange Spieldauer, um ein fundiertes und faires Urteil samt Wertung abgeben zu können. Daher werden wir, wie auch in der Vergangenheit bei MMOs, keinen vorschnell verfassten Test veröffentlichen, sondern so lange spielen, bis wir jeden Aspekt des Spiels, vom Support bis zum Late Game, genau einschätzen können. In der Zwischenzeit schildern wir euch unsre Erfahrungen, Meinungen und Eindrücke in unseren Aion-Tagebüchern und auf unserer Aion-Seite.

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