Wenn man ins kalte Wasser geworfen wird, gibt es eigentlich nur zwei Dinge, die passieren können: Man stellt sich der Herausforderung und wächst an ihr - oder man scheitert. Ähnlich erging es vielen Spielern an diesem Wochenende, die zu dem auserkorenen Kreis derer gehörten, die am Age of Conan PvP-Beta-Wochenende teilnehmen durften.

Viele hatten bis dahin nur rein theoretische Kenntnisse des Ende Mai erscheinenden Action-MMOGs und wurden nun in die Lage versetzt, drei Tage lang einige Bestandteile des PvP-Modus auszuprobieren. Ohne auch nur eine einzige Minute des laufenden Closed Beta-Tests gespielt zu haben, betrat ich also erstmals die Online-Welt Hyborias.

Exklusive Eindrücke aus dem PvP Beta Weekend präsentieren wir euch in unserem Video-Special.

Age of Conan: Unchained - Ymir's Pass64 weitere Videos

Ein Hinweis vorab

Bevor ihr unsere Eindrücke von diesem PvP-Wochenende lest, soll fairerweise noch auf Folgendes hingewiesen werden: Was ihr auf den Screenshots, in den Videos und unseren Schilderungen erfahrt, beruht auf einer Beta-Version, die sich von der fertigen Fassung des Spiels noch deutlich unterscheidet.

Age of Conan: Unchained - Schlachtplatte deluxe: Ein Erfahrungsbericht vom großen PvP Beta Wochenende.

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In der Beta gab es nur die DX9-Variante. Scharf war die Grafik dennoch.
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So enthielt der Game-Client zum einen keine Highres-Texturen und auch nur die DirectX 9-Version der Engine. Die gesammelten Eindrücke lassen also nur ungefähre Rückschlüsse auf das Endprodukt zu - was auch auf Spielerfahrung betrifft. Schließlich hatten wir es noch mit einer unfertigen Variante des MMOGs zu tun.

Aller Anfang ist schwer…

Auch wenn dieses Beta-Wochenende ganz im Zeichen des PVP-Modus stand, hatten wir doch die Gelegenheit, auch einen kleinen Einblick in den Ablauf des PvE-Bestandteils von Age of Conan zu werfen. Dieser war zwar fakultativ, aber als Neuling wollte ich mir natürlich keine Sekunde des Spiels entgehen lassen. Zudem fungieren diese ersten Minuten als eine Art Tutorial, in dem man sich mit den wichtigsten Spielabläufen vertraut machen kann.

Packshot zu Age of Conan: UnchainedAge of Conan: UnchainedErschienen für PC

So retten wir flugs eine knapp bekleidete Sklavin aus den Fängen eines Taugenichts, metzeln einige Krokodile, Gorillas oder humanoide Plünderer und Pikten und verdienen uns damit nicht nur die Freiheit vom Sklavendasein, sondern auch den Zugang zur Stadt Tortage. Damit endet jedoch diese Einleitung, und unser Beta-Charakter wird unversehens von Level 5 auf Level 20 angehoben und in die PvP-Lobby versetzt.

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Das Tutorial spielt sich wie ein Einzelspieler-RPG.
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Genau damit ist jedoch der Sprung ins kalte Wasser gemeint, den wir eingangs beschrieben haben: Gerade im Bereich des PvP ist die gute Beherrschung seiner Spielfigur und Kenntnis der eigenen Fähigkeiten eigentlich von großer Bedeutung, um erfolgreich in den Kämpfen bestehen zu können. Dieses Wissen und die Fertigkeit, mit dem Charakter umzugehen, eignet man sich für gewöhnlich in den Fights gegen Monster an.

So steht man jedoch ein wenig wie der Ochs vorm Berg und versucht erst einmal, mit der Fülle an Informationen zurechtzukommen und scannt zunächst die Skilltrees der eigenen Spielfigur. Diese sind in Age of Conan nämlich durchaus ziemlich umfangreich und bieten bereits auf Level 20 ein in dieser kurzen Zeit kaum zu durchschauendes Arsenal an Fertigkeiten.

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Zu Beginn ist die Verwirrung groß...
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So war es denn auch kein Wunder, dass die ersten Spielsessions mehr von Frust als Spaß geprägt waren und man nicht nur mit der kompliziert anmutenden Steuerung kämpfte, sondern auch versuchte, die Skillleiste halbwegs sinnvoll zu bestücken. Dass man damit nicht allein stand, bewies der doch sehr chaotische Spielablauf in den Schlachten, in denen eigentlich kaum von einer zielgerichteten Action berichtet werden kann.

Age of Conan ist komplexer, anspruchsvoller und fordernder als seine Mitbewerber. Das wird was!Ausblick lesen

Dazu hatte zumindest vorläufig jeder genug mit sich selbst und der Beherrschung seiner Charaktere zu tun. Unter dieser Maßgabe scheint es auch durchaus nachvollziehbar, dass Entwickler Funcom lediglich zwei der PvP-Minigames (Annihilation und Capture the Flag) zum Ausprobieren bereitstellte und auf die epischen Belagerungsschlachten ganz verzichtete. Die kleinen Arenen mit 6vs6-Schlachten sind übersichtlich und kompakt genug, um schnell genug auf Widersacher zu treffen, und boten auf diese Weise das geeignete Areal, um sich möglichst schnell an das Handling der Charaktere zu gewöhnen.

Kernstück: Kombo-Kampfsystem

Im Mittelpunkt steht dabei das Kombo-Kampfsystem, das prinzipiell gar nicht so schwer zu durchschauen ist: Für Levelaufstiege erhaltet ihr Zugriff auf neue Kombos und Fertigkeiten, diese initiiert ihr wie gewöhnlich mit einem Tastendruck. Damit jedoch die speziellen Schläge, die beispielsweise Stuns oder Knockbacks auslösen, auch tatsächlich ausgeführt werden, müssen jedoch noch einige der drei Standard-Angriffstasten gedrückt werden. Erst wenn ihr diese in der korrekten Reihenfolge betätigt, rappelt’s im Karton.

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Das Kombo-Kampfsystem bildet das Kernstück von AoC.
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In der Praxis zeigte sich jedoch, dass die Anwendung der Kombo-Attacken alles andere als leicht ist. Die Problematik liegt im Kampfsystem von Age of Conan begründet, denn dieses unterscheidet sich von den üblichen, eher statischen Kämpfen - wie z.B. bei Dark Age of Camelot. Hier ist ständig alles in dynamischer, hektischer Betriebsamkeit, was die zuvor als "chaotisch" beschriebenen Zustände auf dem Schlachtfeld erklärt.

Es gibt nur selten Stillstand bzw. Stellungskämpfe, man muss seine Spielfigur also nicht nur fortwährend neu zum Gegner ausrichten, sondern auch in dessen Reichweite halten. Währenddessen auch noch die Zifferntasten für die Kombos und Skills zu bedienen, fällt ohne Übung auch MMOG-Veteranen nicht leicht.

Die Folge dieser Abläufe und Regularien ist jedoch, dass viele Spieler der direkten Konfrontation regelrecht aus dem Wege gehen oder sich aus Kämpfen, die sich zu ihren Ungunsten neigen, verdrücken oder auch einfach "kiten" ohne Ende. Gerade für Nahkämpfer wie den Guardian oder den Eroberer kann dieses Verhalten frustig werden. Außerdem kann man sich vorstellen, dass das Anbringen von Kombos bei diesem ständigen Hin und Her alles andere als einfach ist, zumal man für den finalen Schlag der Kombination auch stehen muss.

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Age of Conan fordert dem Spieler mehr "Skill" ab.
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Es verfestigte sich mit der Zeit der Eindruck, dass das AoC-Kampfsystem wohl mehr "Skill" vom Spieler abverlangt als alles bisher da Gewesene. Zumal ab Level 40 noch zwei weitere Standard-Angriffstasten benötigt werden und man auch die Körper-Schilde für seinen Charakter per Strg-Taste setzen kann. Wenn man jedoch die Zeit hat, all diese Abläufe für einige Stunden zu vergegenwärtigen, wird der gehobene Anspruch mit einer gehörigen Portion Spielspaß belohnt. Wer von anderen MMOGs (wir wollen keine Namen nennen) gewohnt ist, dass lediglich 3-4 Tasten zum Erfolg führen, könnte allerdings schon überfordert werden.

Die üblichen Beta-Leiden

Es war nicht davon auszugehen, dass die Beta völlig fehlerfrei abläuft - und das war auch nicht der Fall. Mit Abstürzen, fehlerhaften Texturen und ähnlich unfertigen Bedingungen kann man in diesem Fall also sehr gut leben und hoffen, dass diese Probleme noch abgestellt werden. Aufgefallen ist dabei auch eine oft instabile Framerate in den PvP-Gebieten, die hoffentlich bis zur Veröffentlichung des Spiels der Vergangenheit angehört.

Age of Conan: Unchained - Schlachtplatte deluxe: Ein Erfahrungsbericht vom großen PvP Beta Wochenende.

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Die Klassen sind noch nicht optimal ausbalanciert.
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Ähnliches gilt für die noch nicht optimale Balance zwischen den zwölf spielbaren Klassen, bei denen vor allem die Ranger anfangs völlig overpowered waren, aber noch während des Tests abgeschwächt wurden. Funcom wird den Test hoffentlich auch bezüglich einiger Exploits analysieren, die das ungefährdete Killen durch Assassinen begünstigte.

Allerdings darf man bei diesen Vergleichen nicht vergessen, dass es sich um Stufe-20-Charaktere handelte und diese zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt aufeinander abgestimmt sein müssen. Insgesamt scheint man aber beim Verhältnis der Nahkämpfer und Zauberer auf einem ordentlichen Weg zu sein.

Allerdings gibt es auch einige Details, die unbedingt bis zum Start am 23. Mai ausgeräumt werden sollten: Momentan ist es in den Arenen noch möglich, Spawncamping zu betreiben - also gerade erst gefallene Widersacher am Neueintrittspunkt gleich wieder ins virtuelle Jenseits zu befördern. Oft sogar, ohne dass sich diese dagegen wehren könnten.

Zudem ist es ärgerlich, dass man beim Respawn jedes Mal wieder den Ladebildschirm zu sehen bekommt, selbst wenn man nur wenige Meter neben dem Bindepunkt gefallen ist. Aber nicht zuletzt um Feedback auf solche Details zu erhalten, werden ja Beta-Tests durchgeführt, oder?

Age of Conan: Unchained - Schlachtplatte deluxe: Ein Erfahrungsbericht vom großen PvP Beta Wochenende.

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Die Kollisionsabfrage ermöglicht taktisches Vorgehen.
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Gut ist hingegen die Kollisionsabfrage der Charaktere: Diese verhindert, dass Widersacher einfach durch eure Spielfiguren hindurch rennen können, um sich etwa an von euch bewachten Freunden zu vergreifen. Vor allem Tanks werden dieses Spielfeature zu ihrem Vorteil nutzen können. Interessant ist auch die Tatsache, dass sich nicht nur die üblichen Schleicher-Verdächtigen tarnen können, auch alle anderen Spielfiguren können sich diese Fähigkeit antrainieren, was ganz neue Spieltaktiken hervorrufen könnte.