In der vergangenen Ausgabe des Tagebuchs unseres Barbaren in Age of Conan schilderten wir seine Abenteuer bis Level 45. Nun hat sich der Nahkämpfer bis Stufe 55 hochgeschnetzelt und dabei wieder jede Menge Blut vergossen und Gliedmaßen abgetrennt. Doch das MMOG vermittelt mit seinen Quests nicht nur den brutalen Lebenskampf der Cimmerer, Aquillonier und Stygier, manchmal lauern unerwartete Überraschungen und sogar zarte Liebesbanden bahnen sich an...

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"Liebes Tagebuch,

ich habe Liebeskummer! Das darf keiner erfahren, aber es ist wirklich so. Die Gräfin Albione hat mir schöne Augen gemacht und mich auf eine aussichtslos scheinende Mission geschickt - und doch habe ich alle Aufgaben bravourös gemeistert und mir damit ihre Zuneigung verdient. Da ich aber nicht von adligem Stand bin, weist sie mich trotzdem zurück…"

Age of Conan: Unchained - Tagebuch Teil 2: Unser Barbar sichert sich die "Liebe einer Gräfin" und wagt sich auf das Feld der Toten.

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Liebeskummer eines Barbaren!
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Nein, liebe Leser, ihr habt euch nicht in das Tagebuch eines Gigolos verirrt. Age of Conan bietet gelegentlich wirklich auch mal Quests, die sich von den üblichen deutlich unterscheiden. Das macht das Leveln interessant und spaßig - kommt aber vor allem in späteren Spielstufen immer seltener vor. Je mehr wir uns der 50er-Grenze nähern, desto häufiger sind wir gezwungen, einander ähnelnde Aufgaben zu erledigen oder zu grinden. Während wir also bei "Liebe einer Gräfin" noch bestens unterhalten werden, arten viele andere Missionen in Beschäftigungstherapie aus.

Auf dem Feld der Toten

Gegen Ende der 40er ziehen wir aufgrund von ausgehenden Quests vom Feld der Toten langsam in Richtung des Eiglophianischen Gebirges, wo Menschenfresser auf uns warten. Zuvor ärgern wir uns jedoch noch über eine Quest, die uns ein Geist aufträgt und in den Spukwald verfrachtet, um Medaillons zu sammeln, die wir den dortigen Bossgegnern abnehmen. Keiner hat uns jedoch vorher gesagt, dass wir die Amulette anschließend an Totempfählen ablegen müssen, die über das gesamte Areal der Map verstreut sind. Ein Ultramarathon ist nix dagegen.

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Welche Farbe haben die Unterhosen des Boss-Mobs?
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Dafür kassiert Entwickler Funcom einen Bonuspunkt für eine zufällige Begegnung der besonderen Art: Im Feld der Toten findet man zufällig auftauchende Totems (an den Rauchwolken erkennbar), die euch in eine besondere Instanz verfrachten. Dort bestreitet ihr einen Arena-Kampf gegen einen Boss-Gegner eurer Stufe und erhaltet dafür nette Gegenstände und Erfahrungspunkte.

Weniger gut scheint es jedoch um die Technik des Spiels bestellt zu sein. Zuletzt haben sich vor allem plötzlich auftauchende Lagspikes gehäuft, die das Spiel für mehrere Sekunden einfrieren und somit höchst störend sind. Auch wenn man sich nach wie vor sichtlich bemüht, die Fehler in Quests und Spielmechanik zu beseitigen, gibt es immer noch viele Ungereimtheiten, Bugs und Balancingprobleme - von einer funktionierenden Ingame-Wirtschaft ganz zu schweigen.

Das miserable Transportsystem lässt uns dem Zeitpunkt entgegenfiebern, wenn unser Barbar endlich sein eigenes Pferd inklusive Reitskill erstehen kann - was mit drei Goldstücken zu Buche schlägt (nur noch 17 Silberstücke fehlen!). Dann sind wir zwar pleite, aber es wird uns in erträglichem Maße ermöglich, die großen Distanzen zurückzulegen. Ohne solch Mount dauert es schon mal eine Viertelstunde stupiden Laufens durch Low-Level-Gebiete, um etwa von Tarantia bis zum Feld der Toten zu gelangen.

Hier hat Funcom den Spielspaß unnötig herabgesetzt. Merkwürdig ist auch die Logoff-Prozedur. Das merkt man eigentlich erst dann, wenn man anfängt, zu "twinken" - also weitere Charaktere anzulegen. Wer schnell mal auf seine anderen Spielfiguren switchen möchte, muss sich bis zum Login-Screen ausklinken und das dauert immerhin 30 Sekunden. So was kann man bequemer gestalten.

Die Radieschen von unten…

Im Eiglophianischen Gebirge warten dann die Kannibalen-Stämme auf uns, die unsere werten Cimmerer terrorisieren. Keine Frage, dass wir uns dort der vielen Quests annehmen und über die vereisten Berge kraxeln, um dieser Plage Herr zu werden. Hier killen wir ein Mammut, dort suchen wir nach vereisten Abenteurern, sammeln Blumen und Salz, wagen uns in Kannibalenhorte und dürfen bei Level 50 auch endlich unserer Erzfeindin Mithrelle entgegentreten, womit wir unsere Schicksalsquest ein wenig vorantreiben. Leider geht die Fortsetzung dann erst mit Stufe 60 weiter, was sehr schade ist, denn diese Questreihe spinnt den roten Faden von Age of Conan und hält die Hintergrund-Story zusammen.

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Nette Überraschung: Eine Arena im Nirgendwo.
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Doch auch hier bemerken wir immer häufiger, was wir auch schon bei Quests in Alt-Tarantia (bzw. dem Reichenviertel) erlebt haben: Die Missionen werden generischer. Immer häufiger wiederholen sich die Aufträge, es stellt sich Ideenarmut ein. Wo wir in Aquillonien die Villen der Reichen von "Ungeziefer" befreien und dabei dem "Grind" anheim fallen, scheinen sich im fernen Gebirge nur noch die Namen und das Aussehen der Feinde zu ändern.

Und auch die technischen Fehler sind gleich: Mehrmals fallen wir einfach durch den Boden der Spielumgebung und dürfen uns die Welt von unten ansehen. Das mag für den einen oder anderen interessant erscheinen - ist es aber nicht, wenn man nur mit Tricks wieder aus der Misere hinausgelangt. Auf Hilfe von Game-Mastern kann man aufgrund ihrer Überlastung in solchen Situationen kaum hoffen.

Während wir uns langsam auf Level 55 zu bewegen, gelangen wir in Tarantia an Quests, die uns in die Kanalisation bzw. das so genannte Main System schicken. Was dazu gedacht ist, diese Spielphase mit Missionen zu füllen, geht deutlich in die Hose. Hierbei handelt es sich um zwei hintereinander angelegte Instanzen, die jedoch für jeden geöffnet sind. Enge, verwinkelte Dungeons, durch die sich gerade einmal eine Gruppe vernünftig schnetzeln kann. Da aber alle Spieler gleichzeitig Zutritt haben, entwickelt sich ein heilloses Chaos, weil jeder auf alles prügelt, was ihm unter die Knute kommt.

Das ist zu großen Teilen den Spielern nicht mal groß anzukreiden. In dem Tohuwabohu fällt es außerordentlich schwer, seine eigenen Mitstreiter im Blick zu behalten. Durch den schnellen Respawn der normalen Gegner mischen sich zudem immer wieder Feinde ins Schlachtgetümmel, die man so nicht erwartet. Dummerweise nutzen zudem höhere Level-Spieler den Dungeon zum Sammeln von Items und metzeln die Bosse regelmäßig vor unserer Nase ab. Wer sich ins Main System wagt, muss wahrlich Nerven aus Stahl haben. Mit Spaß hat das da unten nämlich auf diese Weise nichts zu tun.

Geil nach Items

Zu guter Letzt auch nochmal ein Wort zu den Gegenständen: Wer "Item-Geil" ist, wird momentan wenig Spaß haben an Age of Conan. Die Gegenstände sind häufig generisch und viele Charaktere wirken daher wie geklont. Kaum ein Barbar unterscheidet sich vom anderen, auf gleicher Spielstufe werden meist dieselben Rüstungen und Waffen getragen.

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Schon wieder durch den Boden gefallen, langsam nervts.
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Schlimmer erscheint jedoch, dass es scheinbar kaum einen Unterschied macht, was für Ausrüstung man trägt: Die Werte der Gegenstände haben entweder gar keine Wirkung oder diese ist so marginal, dass man auch fast nackt in die Schlacht ziehen könnte. Es geht hier nicht um Super-Duper-Über-Items, sondern einfach mehr Vielfalt und die Unterstützung eines "gesunden" Sammeltriebs - für viele ist dieser Punkt bei MMOGs sicherlich nicht unerheblich.

"So liebes Tagebuch,

das war es für heute. Bald darf ich mich in die gefährlichsten Kerker, Höhlen und Verließe vorwagen. Bis dahin muss ich aber noch ein bisschen Größer werden und werde dafür den mächtigen Hyboriern und Zauberern der Weißen Hand kräftig in den Hintern treten. Wenn ich Zeit habe, lasse ich dich wieder an meinen Abenteuern teilhaben." …