Kaum einem Fantasy- und Actionfan dürften die mittlerweile über 25 Jahre alten Film-Schinken mit Arnold Schwarzenegger unbekannt sein, in denen er die Rolle des Barbaren Conan verkörperte. Nun diente genau dieser auf der Arbeit des Autors Robert E. Howard basierende brutal-blutige Stoff als Hintergrundgeschichte für ein neues Online-Rollenspiel: Age of Conan.

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Über fünf Jahre hat der norwegische Entwickler Funcom (u.a. Anarchy Online) an diesem Vertreter des umkämpften Genres getüftelt und ist nach knapp einwöchiger Early-Access-Phase nun auch offiziell an den Start gegangen. Dass bei diesem Spiel der Stahl der Schwerter im Mittelpunkt steht, ist jedoch - bei Crom! - nicht der einzige Grund, weshalb hier noch lange nicht alles Gold ist, was glänzt.

Age of Conan: Unchained - Die Pforten nach Hyboria haben sich endlich geöffnet! Ein Bericht über die ersten Tage im Conan-MMO.

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Die Landschaft wirkt sehr lebendig und authentisch.
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Anmerkung: Auch wenn unsere Redakteure bereits mehrere Dutzend Stunden in der Welt von Hyboria verbracht haben, sind wir uns darüber im Klaren, dass ein MMO sehr viel mehr Spielzeit erfordert als andere Titel, um ein fundiertes Fazit abzugeben. Daher versorgen wir euch an dieser Stelle mit allen Infos und Eindrücken, die wir mit Age of Conan gemacht haben, und reichen eine Prozentwertung und einen umfangreichen Test an geeigneter Stelle nach – ausführlich, fair und fundiert.

Teufel liegt im Detail

Grundsätzlich verlief der Start von Age of Conan zwar durchaus flüssig und frei von allzu großen technischen Pannen, trotzdem hat sich Funcom nicht nur mit Ruhm bekleckert. So wurde die Anzahl der Teilnehmer an der nicht kostenlosen Pre-Order-Phase spontan zusammengestrichen und viele erwartungsvolle Gamer standen trotz gültiger Keys vor verschlossenen Server-Toren.

Beim Handling dieser Situation gab der Entwickler öffentlich keine gute Figur ab, schließlich kann einem Käufer nicht zugemutet werden, auf irgendwelchen Fanseiten Infos über eine Limitierung informiert zu werden und so beherrschte eher Verwirrung statt Aufklärung und Spielspaß das Bild. Doch selbst wenn man diese "Vorglüh-Phase" außer Acht lässt, erweckt das MMOG derzeit teilweise noch den Eindruck, unfertig auf den Markt gekommen zu sein. Auch wenn AoC über weite Strecken sehr viel Spaß bietet, stößt es doch negativ auf, dass einige wichtige Features noch gar nicht oder nur unvollständig integriert wurden.

Age of Conan: Unchained - Die Pforten nach Hyboria haben sich endlich geöffnet! Ein Bericht über die ersten Tage im Conan-MMO.

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Die Welt von Hyboria präsentiert sich mit viel Liebe zum Detail.
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Funcom ist im Laufe der Produktion ein wenig von seinem Vorhaben abgekommen, die Spieler in den ersten 20 Levels als Einzelkämpfer auf die Reise durch Hyborien zu schicken. Vielmehr gestaltet sich der Spielstart nun als Mixtur aus Einzelspieler- und Multiplayerereignis, dessen Modus ihr frei bestimmt. Wenn ihr die fesselnde und episch aufgemachte Schicksalsquest eines jeden Charakters erleben wollt, wechselt ihr in den Nachtmodus und habt die Spielwelt für euch allein.

Wer lieber mit anderen zockt, wechselt einfach die Tageszeit und betätigt sich als Gruppenspieler oder geht den vielen vorhandenen Quests alleine auf den Grund. Erst ab ca. Level 20 (nach Abschluss der Schicksalsquest) eröffnet sich die komplette AoC-Welt. Was bis dahin noch fein durchchoreografiert wirkt, verliert ein wenig den Faden und offenbart spätestens dann die teilweise vorhandenen Mängel.

Spannendes Schicksal

Ich persönlich hätte mir z.B. gewünscht, dass die wirklich interessante und spannende Destiny-Questreihe weitergeführt wird und mich so noch tiefer in der Conan-Welt verankert. Zwar sind viele der Missionen interessant und wirken zumindest bis ca. Level 40 wenig generisch. Der rote Faden, den die epische Questreihe zuvor gesponnen hat, geht aber durch die viel zu lose Fortführung mit Level 30, 50 usw. sehr schnell verloren.

Wettbewerber wie Der Herr der Ringe Online zeigen, wie man mit solchen Mitteln den Spieler bei der Stange halten und interessante Inhalte abseits des stupiden Monster-Kloppens (das auch hier viele Quests enthalten) bieten kann. Dies ist jedoch vermutlich eine Design-Entscheidung und als solche kein anzuprangernder Fehler. Interessante Quests abseits langweilige Sammel-Missionen gibt es zumindest bis Level 40 zu Genüge.

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Hyboria: Schön, aber mit Mängeln.
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Gravierender und störender sind die kleinen, aber auffälligen Macken von Age of Conan, die den Spielspaß deutlich trüben. Da wäre beispielsweise das eher zu kleine Inventar zu nennen, das zwar grundsätzlich eine gut gelungene Aufteilung der Gegenstände vornimmt, allerdings nach wenigen Schritten völlig überquillt und regelmäßige Gänge zum Händler notwendig macht.

Dieser Umstand wäre vielleicht noch akzeptabel, wenn nicht ein Fehler während der Early-Access-Phase dazu geführt hätte, dass alle Bankfächer deaktiviert wurden und auch zum regulären Start nicht aktiv waren. Jeder kann sich ausmalen, wie nervig es ist, keine eventuell später gebrauchten Gegenstände ablegen und "bunkern" zu können. Wichtige Items schleppt man daher ständig mit sich rum, was angesichts des viel zu kleinen Rucksacks noch gravierender ist.

Bei den Gegenständen selbst gibt es auch momentan sehr wenig Abwechslung. Häufig findet man Items, die gleich um mehrere Spielstufen zu hoch sind - und das bei Gegnern, die dem eigenen Level entsprechen. Dass man selbst bei Quests, die auf den eigenen Charakter zugeschnitten sind, Items erhält, die man überhaupt nicht verwenden kann, oder viele Boss-Monster überhaupt nichts fallen lassen, passt leider in dieses Bild.

Umfangreiche Problemliste

Die Liste der Unzulänglichkeiten beim Start von Age of Conan endet hier aber leider noch nicht. Das beginnt bei angekündigten Features, die es noch gar nicht in Spiel geschafft haben. Dies betrifft beispielsweise die DirectX 10-Unterstütung, die erst Ende August zur Games Convention integriert werden soll, geht über Kneipenschlägereien, die zu einem unbekannten Termin nachgeliefert werden, einem derzeit noch sehr unfertig wirkenden Chat-Interface, das dringender Überarbeitung benötigt oder auch Quests, die nicht abgeschlossen werden können, weil der dafür notwendige NPC nicht vorhanden ist (was sich gelegentlich durch einen Neu-Login beseitigen lässt).

Unfertig wirkt auch das Handwerken, wo vor allem das Sammeln von Ressourcen dem Ansturm der Spieler nicht gewachsen ist und das System dahinter dem Spieler noch nicht im Detail wirklich nahe gebracht wird. Merkwürdig unfertig wirkt auch das Gruppeninterface, das im Vergleich zu Konkurrenzspielen eigentlich fast schon ein schlechter Scherz ist und man seine Mitspieler zudem sehr schnell aus dem Blick verliert. Hier herrscht akuter Handlungsbedarf, Funcom!

Man könnte natürlich argumentieren, dass solche Probleme das Spielen nur am Rande stören und dass dies für den Launch eines neuen MMOGs normal wäre. Doch das wäre der zahlenden Kundschaft gegenüber höchst unfair. Schließlich nimmt das Unternehmen euch vom Start weg die volle Summe ab - und das sogar mit den momentan höchsten Abogebühren auf dem Markt. Meiner Meinung nach kann man da selbst bei einem Onlinegame weniger Fehler erwarten.

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Bei den Fatalitys verliert der Gegner schon mal den Kopf oder andere Körperteile.
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Das soll jedoch nicht heißen, dass man mit Age of Conan keinen Spaß haben würde - im Gegenteil. Es stellt sich schon nach sehr kurzer Zeit ein höchst befriedigendes Gameplay ein, vor allem dann, wenn man die Nahkampfklassen spielt. Die "Tanks" und Schleicher profitieren besonders von dem dynamischen Kampfsystem, bei dem ihr die volle Kontrolle über euer Alter Ego habt und daher mehr gefordert werdet als bei den Genre-Kollegen. Wer sich hier in den Kampf gegen die "Mobs" stürzt, kann sich nicht auf automatisch ablaufende Fights verlassen, jeder Schlag, jede Aktion wird von euch initiiert. Ihr verfügt dabei über drei bis fünf Grundschläge, mit denen ihr die Schlagrichtung bestimmt und mit ein wenig Geschick auf eventuelle Körperschilde der Feinde reagiert, um die Wirkung zu erhöhen oder die eigene Taktik umzusetzen.

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Per Mammut durch die Wüste...
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Richtig effektiv kämpft man allerdings erst, wenn man das Kombosystem beherrscht, das gerade Anfänger oder auch Gelegenheitsspieler vor das eine oder andere Problem stellen könnte. So muss man nicht nur die Spielfigur ständig zu seinen Gegnern ausrichten und bewegen, sondern auch auf die Schilde des Feindes achten und dementsprechend seine Aktionen planen, Heiltränke aktivieren oder Spezialfähigkeiten anbringen bzw. kontern. Das wirkt alles sehr dynamisch und fordert den "Skill", könnte auf der anderen Seite aber den einen oder anderen auch überfordern. Möglicherweise fällt dann die Wahl eher auf Zauberer-Klassen, bei denen der Spielablauf eher dem bisher bekannten MMOG-Prinzip entspricht. Insgesamt motiviert dieses Kampfsystem aber eher, seine Fähigkeiten zu verbessern, anstatt euch verzweifeln zu lassen.

Große Titten und noch viel mehr!

Schlagkräftige Argumente liefert Age of Conan aber auch in optischer-akustischer Hinsicht - und das nicht nur, weil die weiblichen Spielfiguren mit sehr üppigen Oberweiten ausgestattet sind und diese auch gerne zeigen. Wer über entsprechende Hardware verfügt, darf sich wohl die mit schönsten und atmosphärischsten Landschaften und architektonisch ausgefeiltesten Gebäude ansehen, die es derzeit bei MMOGs zu sehen gibt, auch wenn die Qualität nicht durchgehend in allen Gebieten auf so hohem Niveau ist und einige Dungeons lieblos mit Standard-Texturen erstellt scheinen.

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Sexuelle Anspielungen findet man im gesamten Spiel.
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Gerade atmosphärisch macht das Spiel sehr viel her, wofür auch die hervorragende musikalische Untermalung verantwortlich ist. Jedes Gebiet bietet einen eigenen akustischen Hintergrund und das auf absolut hochwertigem Niveau. So schnell hört sich hier wohl niemand satt. Die Erzählungen in den Quests sind düster, ja teilweise gerade zu depressiv - und so gestaltet sich auch häufig die toll inszenierte Umgebung, wo aufgespießte Leiber, Köpfe oder Erhängte die Wege säumen, Blut den Schnee gleich literweise besprenkelt hat oder man dazu aufgefordert wird, Verletzte in ihren Krankenlagern dahinzumetzeln. Das mag nicht jedem gefallen, doch die gewalttätige Conan-Welt wird damit authentisch umgesetzt und bietet so das perfekte Schlachtengemälde.

Die Krone der Brutalität wird natürlich durch die "Fatalities" aufgesetzt: Das sind zufällig ablaufende Spezialmoves, die die Feinde köpfen, in Stücke metzeln, Köpfe und Körper zusammengekloppt werden, dass das Blut nur so spritzt - auch in sehr plastischer Weise gegen den Bildschirm. Das ist vermutlich nicht Jedermanns Sache, zudem stören diese Abläufe gelegentlich sogar den Spielablauf, weil sie den Rhythmus aus dem Kampfgeschehen nehmen. In der deutschen Spielversion fehlen übrigens fünf besonders brutale Endmoves, wirklich auffallen oder gar das "Erlebnis" stören wird das aber höchstens die ganz Pingeligen unter euch.

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In Tortage beginnt das Spiel.
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Das durchaus flüssige und häufig packende Spielgeschehen kann aber nicht über die noch existierenden Probleme von Age of Conan hinwegtäuschen. Potenzial ist jede Menge vorhanden, doch was wir oben bereits an Kritikpunkten angesprochen haben, ist leider noch nicht das Ende der Fahnenstange. So wirkt das PvP-Gameplay nicht nur unfertig und irgendwie nur "angeschustert", das gesamte damit verbundene Belohnungssystem ist nicht existent. Spieler erhalten für "Kills" keine Erfahrungspunkte oder anderweitige Auszeichnungen und somit entfällt die für viele wichtigste Motivationsquelle.

Merkwürdig ist teilweise auch das Verhalten von NPCs, wo euch gelegentlich nur einer von drei attackiert, dann aber wieder gleich das halbe Räuberlager schon aus hundert Metern auf euch aufmerksam wird. Von häufigen Lokalisierungs-Fehlern in Texten, Clipping-Fehlern, mitten im Kampf davonlaufenden Mobs, einem laufintensiven und unpraktischen Reisesystem sowie anderen Ungereimtheiten ganz zu schweigen. Dafür ist das Kartensystem vorbildlich ausgefallen: Mit diversen Icons werdet ihr Schritt für Schritt geleitet und könnt der Minimap ansehen, wo sich Händler, Questgeber oder auch Questziele befinden. Auch wenn man weite Wege zurücklegen muss, wird man sich wohl nur selten verlaufen.

Fazit:

Insgesamt entsteht bei Age of Conan der Eindruck, dass zwar sehr viel Potenzial vorhanden ist, der Start aber noch einige Monate zu früh kam. Wenn man auch bereits zu diesem zeitpunkt sehr viel Spaß an AoC haben kann, stößt man sich noch regelmäßig an den Ecken und Kanten, hier muss Funcom noch einiges an Arbeit investiere. Aus diesem Grunde - und weil wir noch mehr Spielzeit benötigen, um das Spiel im Live-Betrieb zu testen - haben wir uns dazu entschlossen, noch keine Wertung zu vergeben und dem Spiel die Chance zu geben, in den nächsten Wochen zu beweisen, dass es noch besser geht.

Wenn nämlich die fehlenden wichtigen Features wie z.B. Bank-System und ein größeres Inventar, PvP-Punkte und Belagerungen integriert wurden bzw. getestet werden können, die gröbsten Fehler beseitigt und nur noch die für MMOGs üblichen Feinheiten einer Anpassung bedürfen. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir Age of Conan aber nur eingeschränkt empfehlen, jedoch noch nicht abschließend beurteilen und werden erst in einigen Wochen - wenn auch das Endgame einer Überprüfung standhalten muss - ein endgültiges Fazit ziehen können.