Wenn ein deutscher Film 6,3 Millionen Besucher ins Kino gelockt hat, darf die Aussicht auf eine Fortsetzung in feinstes Marmor gemeißelt werden. „Keinohrhasen“ gefiel als drollige bis sympathische Komödie mit romantischer Nase, so dass natürlich auch „Zweiohrküken“ in diesem Boot weiterrudert. Das fast identische Kinoplakat ließ ja schon so etwas ahnen, genauso wie der fast identische Trailer. Und das mit der Verweigerung von Pressevorführungen, na das kennen wir von Til Schweiger ja ebenfalls bereits.

Zweiohrküken - TrailerEin weiteres Video

Ein Schniedel in der Krise

„Zweiohrküken“ knüpft zwei Jahre nach „Keinohrhasen“ an und zeigt ein Paar mitten im Alltag: Macho Ludo (Til Schweiger) gibt den domestizierten Vorzeige-Freund, selbst wenn er immer noch nicht den Müll runterträgt, und Anna (Nora Tschirner) kommentiert jede Verfehlung mit wortreichen Vorträgen. Eine ganz normale Beziehung eben, inklusive selbstverständlich gewordenen Gefühlen, die inzwischen in der zweiten Schublade von oben, gleich neben den Sommersocken, ihren kuscheligen Platz gefunden haben.

Wird im kommenden Jahr wahrscheinlich wieder für astronomische DVD-Abverkäufe sorgen: das plüschig-drollige Zweiohrküken.

Dass nach der romantischen Eroberung auch mal Alltag folgt, verschweigen viele romantische Komödien, doch „Zweiohrküken“ geht dafür dahin, wo es richtig weh tut. Aus dem regulären Nebeneinander entstehen natürlich fremdelnde Bedürflichkeiten, die bei ihr Ralf heißen und bei ihm auf dem Namen Marie hören. Ralf ist gekennzeichnet als a) Entwicklungshelfer, b) Frauenversteher und c) Rieseldödel-Träger, wohingegen es Marie nur bis b) schafft: a) Verflossene von Ludo und b) dralle Sexbombe.

Die Geschichte von „Zweiohrküken“ ist eine offensichtliche Weiterentwicklung des Endes von „Keinohrhasen“ und versucht, das völlig romcom-untaugliche Wort „Alltag“ mit Charme, Romantik und Gefühlen aufzuladen. Dass dies kein allzu leichtes Unterfangen ist, zeigt ein kurzer Blick in die Vergangenheit des Romantic-Comedy-Genres, die so gut wie keinem der großen Kassenhits, heißen sie nun „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Pretty Woman“ oder „Harry und Sally“, eine Fortsetzung beschert hat. Das Paar liegt sich endlich in den Armen und aus. Am Ende einer romantischen Komödie stehen unweigerlich Glück und zumindest die Suggestion ewiger Liebe.

Anna meckert überall - selbst im Restaurant. Und ist der Müll eigentlich schon rausgebracht?

Auch bei „Zweiohrküken“ ist am Ende natürlich wieder alles in Ordnung, doch zuvor darf man über weite Strecken eine Dekonstruktion des heiligen „Happy Ends“ genießen. Will man wirklich satte zwei Stunden einem bestehenden Paar bei der Abarbeitung ihrer schludrigen Willensstärke zusehen, um dann irgendwann, sehr viel später, schier endlosen wir-zünden-Kerzen-an-und-entdecken-erneut-unsere-Gefühle-Szenen beizuwohnen? Hochromantische Strandpaziergänge an der im Abendrot leuchtenden Ostseeküste in allen Ehren, doch viel wichtiger sind natürlich Riesenlatten, Männer in Frauenkleidern und Kacke auf’m Kopf.

Mario Barth reloaded

Die grundlegende inhaltliche Attraktion von „Zweiohrküken“ sind, ganz ähnlich wie bei Mario Barth oder, äh, sehr vielen anderen deutschen Komödien, geschlechterspezifische Eigenheiten und die damit verbundenen Reibungen. „Typische“ Klischees aus beiden Lagern werden auf neckische Weise überhöht und treffen damit im besten Fall auf Loriot-gleiche Dialoge und im schlechtesten Fall auf Til Schweiger in Frauenkleidern, der nach einem zünftigen Besäufnis von Heiner Lauterbach abgeschleppt wird.

Ohne Toilettenszene geht es scheinbar nicht: Nora Tschirner (erneut) in fäkaler Situation.

Diese „mitten aus dem Leben“-Nummer von „Zweiohrküken“ sichert dem Film auf jeden Fall breitestmögliches Interesse, wobei jedoch vor allem die Anhänger der Loriot-Fraktion ganz kleine Brötchen backen müssen. Die trockenen bis skurrilen Wortspiele, die in Teil eins noch üppig anwesend waren, werden hier auf kurze Lichtblicke reduziert, so dass umso mehr Platz für grobgeschnitzte Allgemeinplätze und ganz, ganz viele Klischees bleibt. Beim Anblick der beiden Beziehungsstörer z.B. kommt man sich vor wie in einer durschnittlichen Brigitte-Kolumne, doch auch diese Frauenkleider-Nummer und die zahlreichen Fäkaljokes gehören weder zur Rom- noch zur Com-Abteilung

Es ist das Vorrecht einer Fortsetzung, bewährte Motive erneut aufzuwärmen und alles etwas breiter und leichter verdaulich zu kloppen. In „Zweiohrküken“ gibt es sehr wohl auch feinsinnige bis hinterlistige Momente gekonnt dargesteller Geschlechter-Anarchie, doch vor allem ab der Hälfte weicht der anfängliche Schwung einer mäßig aufregenden Abfolge platter Zoten und schwerfällig zurechtgeschnitzter Gefühle. Leichtigkeit und smarte Gags? Besonders im breiten Mittelteil bekommt man eher den Eindruck, die Genre-Zielvorgabe verläuft sich zunehmend in seichte Klamauk-Gewässer.

Lieber die Grünen oder die Roten: Einer dieser Momente, in denen wohl jeder Mann versagt.

Fairerweise muss erwähnt werden, dass ein paar der lautesten Lacher Matthias Schweighöfer zuzuschreiben sind, der eben genau jener Kaka-Abteilung angehört, doch eigentlich sollte der Film ja vorwiegend mit Herrn Schweiger und Frau Tschirner zu tun haben. Die beiden Hauptdarsteller zeichnet weiterhin eine nekische Chemie aus, wobei Nora Tschirner klar die Sympathie-Nase vorn hat und Til Schweiger immerhin nicht ganz auf braves Weichei schaltet. Was im ersten Teil funktioniert hat, bleibt hier zumindest streckenweise erhalten und wird auch Teil zwei einen satten Erfolg an der Kinokasse einbringen. Vielleicht hat ja der Chef des Films tatsächlich recht: was nörgeligen Kritikern aufstößt, muss bei der breiten Masse keineswegs für Unmut sorgen. Einfach mal abschalten, sich zwei Stunden berieseln lassen und danach dann noch Arm in Arm über den Weihnachtsmarkt bummeln.