Rocky oder der Pate, wer würde wohl gewinnen? Gemeint sind nicht die beiden Filme, die sich qualitativ messen sollen, sondern ein Kampf Mann gegen Mann! Gut, Vito Corleone hat eine große Familie, die ihn sicher unterstützen würde. Aber auch Rocky hat zwei sehr schlagfertige Argumente. In „Zwei vom alten Schlag“ treten die in die Jahre gekommenen Hollywoodgrößen Sylvester Stallone und Robert De Niro gegeneinander an; herrlich selbstironisch und eine Spur dramatisch.

Zwei vom alten Schlag - Deutscher Trailer

Zwei große Helden der Boxgeschichte

Ein Film über zwei gealterte Boxer. Wer wäre für die Hauptrollen wohl besser geeignet als Sylvester Stallone und Robert de Niro? Denn mit Boxerfilmen kennen die beiden sich bestens aus! Stallone ist mit der Rocky Reihe, bestehend aus insgesamt sechs Filmen (Rocky 1-5 und Rocky Balboa), in die Filmgeschichte eingegangen. 1976 gelang ihm damals mit dem Boxer-Drama um den weltberühmten Sportler der Durchbruch, zu dem er sogar selbst das Drehbuch verfasst hatte.

Zwei vom alten Schlag - Altstars: Stallone und De Niro boxen sich durch

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Im Original heißt der Film "Grudge Match".
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Kurze Zeit später trat auch Robert De Niro seine, wie es heißt, bedeutendste Rolle an: 1980 spielte er in Martin Scorseses Boxer-Drama „Wie ein wilder Stier“ das Leben und die Karriere von Jake LaMotta nach, der 1949 Weltmeister im Mittelgewicht wurde. Der Film zeigt das Porträt eines unsympathischen Schlägers, mit dessen Leben es immer weiter bergab geht und der nach seiner Boxkarriere zu einem aufgeschwemmten Entertainer verkommt, der in Nachtclubs schlechte Witze erzählt.

Comeback mit Hindernissen

Genau das gleiche ist auch mit Billy „The Kid“ McDonnen passiert, den Robert De Niro in „Zwei vom alten Schlag“ spielt. Kid war einst ein großer Box-Star aus Pittsburgh. Sein ärgster Widersacher, Henry „Razor“ Sharp, wird von Sylvester Stallone dargestellt. Die beiden Boxer bekämpften sich in ihrer großen Zeit bis aufs Blut, wodurch sie landesweit Schlagzeilen machten.

Jeder von ihnen gewann einen Kampf gegen den anderen, sodass es unentschieden stand. Kurz vor dem dritten, alles entscheidenden Kampf im Jahr 1983, beendete Razor plötzlich seine Karriere und ließ Kid ohne Gegner zurück. Effektiv bedeutete das auch den K.o.-Schlag für McDonnens Laufbahn.

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Generell kam der Film eher schlecht weg: auf Rotten Tomatoes gab es bisher lediglich 27 Prozent.
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Der Film startet 30 Jahre später. Beide Boxlegenden haben sich zur Ruhe gesetzt und genießen ihr Leben außerhalb des Medienrummels. Kid ist inzwischen Besitzer eines Restaurants mit Kneipe, das er „Knocked out“ genannt hat. Razor arbeitet in einer Fabrik. Doch irgendwie hat sich ihre Welt nicht weitergedreht: Kid hängt immer noch diesem einen Boxkampf nach, der nie stattfand und wegen dem er seine Karriere an den Nagel hängen konnte. Abends erzählt er seinen Gästen auf einer kleinen Bühne mit Miniaturboxring und „The Kid“-Bauchrednerpuppe schlechte Witze und schwelgt in Erinnerungen von früher.

Ring frei für Rocky und Jake LaMotta. Dieses Match ist ohne Zweifel dramatisch – aber auch witzig. Und so zwiegespalten der Film, so zwiegespalten auch die Reaktion des Zuschauers.Fazit lesen

Razor hingegen möchte von dem ganzen Boxerdasein eigentlich gar nichts mehr wissen. Doch weiterentwickelt hat er sich trotzdem nicht: Sein Haus sieht immer noch aus, als hätten es seine Eltern in den 70er Jahren eingerichtet. Alte, gemusterte Tapeten, Schnurtelefon, kein Fernseher und abgenutzte Möbel. Beide sind in der Zeit ihrer großen Siege hängengeblieben, wodurch ihrem weiteren Leben der Sinn geraubt wurde.

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Sylvester Stallone, Kevin Hart & Robert De Niro.
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Als ein HBO-Special über die landesweiten Bildschirme flimmert, wird die alte Story wieder aufgerollt. Da kommt dem Box-Promoter Dante Slate Jr. (Kevin Hart) die Idee der Vermarktung der beiden Altstars. Als er beide Boxer zu dem Dreh für ein Videospiel einlädt, dass ihnen eine schöne Summe verspricht, geraten die zwei Rivalen am Set prompt aneinander. Und wie sollte es anders sein? In der heutigen Zeit geht keiner dazwischen, sondern alle zücken erst einmal ihr Smartphone.

Schwupp, der Clip über die Schlägerei der alten Herren landet im Internet, das mediale Aufsehen gehört ihnen. Diese Chance nutzt Slate Jr. und arrangiert einen weiteren, letzten Box-Kampf zwischen den beiden. Kid willigt sofort ein, er will seinen letzten Kampf. Aber auch Razor hat noch eine Rechnung mit ihm offen…

Zwiespalt: Vorsicht, Spoiler!

Hier beginnt das Drama. Bislang wurde alles noch humoristisch gehalten, mit einer gewissen Spur Tiefgründigkeit, wenn man sich einmal die verblichenen Größen alter Tage näher betrachtet. Doch hinter der Zwietracht steckt noch viel mehr.

Es offenbart sich ein Familiendrama, das von Ängsten, Leidenschaft und Rachegelüsten getragen wird, wenn auch nicht so offensiv, wie man vielleicht meinen mag, sondern eher im Stillen, zwischen den Zeilen lesbar. Das macht den Film in gewisser Weise interessant. Beide Charaktere haben ihre Stärken und ihre Schwächen und sind dadurch Sympathieträger.

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Sylvester Stallone steigt wieder in den Boxring.
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Das wiederum macht die Position des Zuschauers jedoch umso schwerer. Denn es wird, früher oder später, zu diesem finalen Kampf kommen. Auf wessen Seite steht man dann? Gerne möchte man seinem Favoriten im Kino die Daumen drücken und hoffen, dass er gewinnt. Aber was, wenn es keinen Favoriten gibt? Ist man hin- und hergerissen, was es vielleicht umso spannender macht?

Nein, leider nicht. Denn es stellt sich eine vollkommene Gleichgültigkeit ein. Es ist dem Zuschauer egal, wer gewinnt und wer verliert. Egal wie der Kampf ausgeht, es hat nichts zu bedeuten. Für die beiden Darsteller endet der Film nämlich eigentlich schon vor der letzten, großen Begegnung im Boxring.

Hier könnte man natürlich wieder philosophisch eingreifen und sagen: Es wird für die beiden niemals enden, wenn sie diesen Kampf nicht austragen! Aber eben darum geht es in dem Film. Der Kampf ist nur Mittel zum Zweck, nur das vordergründige Thema, das zwischen den beiden Boxern steht. Eigentlich geht es um viel mehr. Und sind diese Probleme gelöst oder geklärt, ist eigentlich auch der Kampf vorbei.

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Robert Mario De Niro Jr.
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Der Zuschauer ist schon zufrieden, mehr braucht es in diesem Film nicht. Und das ist so schade, denn es macht das große Finale unnötig. Dadurch, dass diese Spannung ganz und gar entfernt wurde, zieht sich das Ende in die Länge, obwohl darauf die ganze Zeit hingearbeitet wurde. Und sobald der letzte Gong ertönt, ist der Film auch schon vorbei.

Es gibt nichts mehr zu klären. Das lässt einen irgendwie unbefriedigt zurück, irgendwie verwirrt. „Das war’s jetzt? Einfach so?“ Dabei ist zuvor so viel geschehen. Ein unnötiger Rattenschwanz, der sich da an den Film schlängelt, weil er einfach dazu gehören muss, um das Werk komplett zu machen. Oder nicht? Hier scheiden sich sicherlich die Geister und es gibt genug Stoff zur Diskussion.

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Sylvester „Sly“ Gardenzio Stallone
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Auch ich habe hier eine geteilte Meinung. Zum einen macht diese Herangehensweise den Film interessant. Regisseur Peter Segal zeigt damit ganz deutlich: Es ging nie wirklich um den Kampf! Und dadurch, dass die Spannung am Ende herausgenommen wurde, realisiert man dies vermutlich auch viel mehr.

Aber ganz ehrlich: Bei einem Box-Film, der mit einem wichtigen Wettkampf endet, möchte man doch seinen Kandidaten des Herzens anfeuern? So lässt dieser Film, der in seiner Machart schon zwiespältig ist, auch einen zwiegespaltenen Zuschauer zurück.