Am schlimmsten ist es, wenn ein Film mit einer im Kern guten Idee auftrumpft, sich aber weigert so richtig was daraus zu machen. 2003 durfte Jim Carrey in „Bruce Allmächtig“ für eine Woche Gott spielen, musste aber erkennen, dass Allmacht auch allerhand Probleme mit sich bringt. Die Komödie wurde dank Carreys Grimasseninferno sicherlich zu einem großen Hit, hinterließ aber keinerlei Nachwirkung: Zu brav, zu moralinsauer - nette Unterhaltung für zwischendurch, aber ebenso schnell vergessen. Über ein Jahrzehnt später greifen nun die Briten praktisch den gleichen Stoff auf und das mit diesem Film Monty-Python-Urgestein Terry Jones, der hier als Regisseur und Co-Drehbuchautor aktiv ist, seine rund 20jährige Kinopause beendet, lässt natürlich große Hoffnungen wach werden, die … so gar nicht erfüllt werden.

Zufällig allmächtig - Official Trailer #1

Große Macht bringt große Verantwortung

Dieses Mal spielt der liebe Gott aber keine Rolle, Aliens aus dem All bringen die Handlung ins Rollen, denn die Menschheit soll vernichtet werden. Doch bevor man aktiv werden kann, müssen die unwürdigen Würmer laut Gesetz noch eine letzte Chance bekommen. Man stattet also den frustrierten, schüchternen Londoner Lehrer Neil (Simon Pegg) mit Superkräften aus, mit deren Hilfe er wirklich jeden Wunsch unverzüglich wahr werden lassen kann.

Allerdings gibt’s einen Haken: Setzt er sie für gute Zwecke ein, bleiben alle am Leben, braucht er sie für egoistische Zwecke, wird die Erde pulverisiert. Es dauert etwas, bis Neil erkennt, über was für Gaben er neuerdings verfügt, allerdings nutzt er sie erstmal vor allem um seine Nachbarin Catherine (Kate Beckinsale) rumzukriegen. Doch dann erkennt der verpeilte Lehrer, dass große Macht auch große Verantwortung mit sich bringt.

Zufällig allmächtig - Monty Python & Simon Pegg - So viel Macht und trotzdem nix los

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Hunde sind auch nur Menschen.
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Ein Schatten der Vergangenheit

Mit „Zufällig Allmächtig“ dockt der Verleih natürlich an das bereits genannte Jim-Carrey Vehikel an, der Originaltitel lautet „Absolutely Anything“, die typisch deutsche Umbenennung ist hier aber ausnahmsweise mal gar nicht so verkehrt, da man in zweierlei Hinsicht ins Schwarze getroffen hat: Zum einen orientiert sich Jones’ Film, auch wenn dieser behauptet, das Script schon vor 20 Jahren geschrieben zu haben, natürlich eindeutig am US-Vorbild und zum anderen kommt seine Version überraschenderweise nicht ganz so, aber ähnlich zahm daher.

Der wilde, anarchische, gern Geschmacksgrenzen austestende Humor der vormaligen Großtaten wie „Die Ritter der Kokusnuß“, „Das Leben des Brian“ oder „Der Sinn des Lebens“ ploppt nur noch gelegentlich rein, was besonders verwundert, wenn man bedenkt, was hier für eine theoretisch endgeniale Besetzung aufgefahren wird: Die restlichen Python-Mitglieder John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle und Michael Palin sind nämlich ebenso anwesend und sprechen die Aliens mit zerstörerischen Absichten, Robin Williams verleiht in einer seiner letzten Rollen dem Hund des Protagonisten sein markantes Organ, darüber hinaus finden sich noch Sanjeev Bhaskar und der geniale Eddie Izzard ein UND Pop-Urgestein Kylie Minogue trällert ein Liedchen auf dem Soundtrack.

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Liebesgeschichte ohne Liebe.
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Eine prall gedeckte Tafel nutzt aber nichts, wenn alles gleich schmeckt. Die Komödie bleibt im klar abgesteckten Rahmen, den man so oder so ähnlich nicht nur im Carrey-Film schon zig mal gesehen hat: 08/15-Typ entdeckt überirdische Fähigkeiten, nutzt diese erstmal für private Vergnügen und merkt dann so langsam, dass seine Superpower auch Konsequenzen mit sich bringt oder - ganz profan - der Liebe im Weg stehen kann. Auf dieser Ebene gibt’s nicht die geringste Überraschung, selbst das Ende ist nach 10 Minuten absolut erwartbar und kommt dann tatsächlich auch genau so, allerdings muss man zugestehen, dass das Ding in schlanke 85 Minuten runtergeschrubbt wird, was angesichts der fast immer übermäßig aufgeblasenen US-Komödienkonkurrenz durchaus eine Wohltat ist.

Nett-belanglose Sonntagmittag-Unterhaltung.Fazit lesen

Liebesgeschichte ohne Liebe

Als Problem entpuppte sich die Hauptbesetzung: Dass Simon Pegg wieder einmal Simon Pegg spielt ist nicht schlimm, der Mann verfügt durchaus über ein gewisses, wenn auch arg beschränktes, komödiantisches Talent, die Liebesgeschichte, immerhin der Motor des Films, mit der seltsam ätherischen Kate Beckinsale funktioniert allerdings überhaupt nicht, bleibt pure Behauptung. Die beiden haben einfach viel zu wenig gemeinsame Szenen, in denen sich ein auch nur ansatzweise glaubhafter emotionaler Unterbau entwickeln könnte, man ahnt zwar, weshalb Pegg in Beckinsale verschossen ist (sieht halt gut aus), aber was Beckinsale am verschrobenen Pegg reizt, bleibt ein Rätsel, Pegg verströmt zwar eine harmlose Nettigkeit, ist aber nun beim besten Willen kein Typ, der Frauen vom Typ Kate Beckinsale um den Schlaf bringt. Es wundert somit auch kaum, dass in den paar gemeinsamen Szenen der Bildschirm kalt bleibt, man hat das Gefühl beide spielen in unterschiedlichen Filmen mit.

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Torture-Porn der etwas anderen Art.
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Mit angezogener Handbremse

Was „Zufällig Allmächtig“ dann doch noch zu einem netten Zeitverschwender macht, ist der Umstand, dass Jones’ Film zumindest ein klein wenig dreckiger als das große Hollywood-Vorbild daherkommt: So wünscht sich Neil einen riesigen Schwanz (der dann größer wird als gedacht), lässt Hundescheiße sich selbst entsorgen, eine renitente Schulklasse - wenn auch unbeabsichtigt - pulverisieren, die dann nach einem zweiten missglückten Wunsch zombiemäßig in der Leichenhalle wieder aufsteht oder er verwandelt seinen besten Freund in eine Wurst, weil der ihn gerade nervt. Das ist durchaus amüsant, aber nie wirklich lustig, auch weil man in der Inszenierung verhalten bleibt, die Handbremse beständig angezogen lässt.

Man fragt sich, was die damaligen Pythons aus all dem gemacht hätten - die waren mal wirklich allmächtig.