Fun Fact: Der erste „Zoolander“ war ursprünglich ein mittlerer Flop, was gerne auf das damals unvorbereitete Publikum geschoben wird, doch tatsächlich mehr mit der mittleren Qualität des Films zu tun hatte. „Zoolander 2“ dürfte dieses Schicksal nicht ereilen (also jetzt ein Flop zu werden), doch komödiantisches Gold ist hier leider auch nicht zu holen, trotz der herrlichen Trailer. Immerhin darf deutlich mehr gelacht werden als bei „Dirty Grandpa“ und „Daddy's Home“, den anderen beiden aktuellen US-“Komödien“. Okay, auch ein Affe in einer Mikrowelle würde mehr Lacher bringen, aber humoristische Bettler haben nun mal keine Wahl. Die Augen in Blue-Steel-Stellung und ab auf den mittleren Doofi-Laufsteg!

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Wake me up

Dass „Zoolander 2“ überhaupt unter uns ist, darf der langwierigen Verwandlung des ersten Films zur Kultkomödie zugeschrieben werden. Die Sachen, die hier funktionieren, wie zum Beispiel die Benzin-Party zu „Wake me up before you go go“, sind einfach gut genug, um die ganze lahme Action und das penetrant runtergedummte Geschrei im letzten Drittel aufzuwiegen. „Zoolander“ hatte letztendlich Erfolg und wohl jeder, der den Film kennt, dürfte mit einem mittleren Lachergefühl von dannen ziehen. Da wäre schon noch Luft nach oben, da bräuchte man nur mal so viel Intelligenz hinter der Kamera, dass das mit der Doofheit wesentlich straffer ankommen kann.

Cut to: 15 Jahre später und die komplette alte Gang darf erneut ran. Was zwar eine gewisse Stringenz ermöglicht, aber die Luft da oben nicht unbedingt dünner werden lässt. Machten die Trailer, die die verführerischen Seiten des „Zoolander“-Universums, also völlig irre Typen, die aus tiefster Überzeugung dumm sind, perfekt bündelten, noch Hoffnung, so rumpelt der komplette Film wieder genauso dahin wie der erste Teil. Inspirierte Momente, wie Benedict Cumberbatchs Auftritt als All oder eine Diskussion zwischen Derek und Hansel, ob Fettleibigkeit Derek jr. zu einem schlechten Menschen macht, stehen direkt neben zerdehnter Action und hohler Hysterie. Als Sketchformat wäre „Zoolander“ ideal, auf Filmlänge hängt vor und neben den Filetstücken zu viel Gemüse herum.

Zoolander 2 - Die Rückkehr von Blue Steel, Baby

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Eine Frauenrolle zum Heulen: Penélope Cruz und ihre Titten.
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From zero to hero

Exemplarisch hierfür ist auch die Geschichte, die auf Biegen und Brechen möglichst viele Cameos einbauen möchte. Nur zu gut passt es da, dass ein Unbekannter Berühmheiten ermordet, denn so kann gleich zu Beginn Justin Bieber mit dem Blue-Steel-Look ins Gras beißen. Derek (Ben Stiller) und Hansel (Owen Wilson) werden daraufhin aus ihrem Ruhestand geholt und sollen zusammen mit Interpol-Agentin Montana Grosso (Penélope Cruz) dem Täter auf die Spur kommen. Was leichter geschrieben als getan ist, denn ständige Cameos (von Sting, Katy Perry, Kiefer Sutherland, Ariana Grande…) lenken einfach ständig ab. Ebenso wie diverse Subplots, unter anderem mit Dereks Sohn, die zerrenden Titten-Gags um Frau Cruz und die zunehmend verschenkte Figur von Kristen Wiig.

Wenn hinter „Zoolander 2“ wirklich intelligente Köpfe stecken würden, hätte man mindestens die Cameos auf ein, zwei wirklich prägnante Auftritte reduziert, à la David Bowie in Teil eins. Dann hätte man erkannt, dass die ganze Figur von Penélope Cruz grottenschlecht geschrieben ist. Dann hätte man Mugatu (Will Ferrell) nicht erst im letzten Drittel auftauchen lassen. Und dann wäre vielleicht auch nicht der gleiche Fehler wie beim Vorgänger passiert, die potentiell mögliche Schärfe mit hektischer Action und hohlem Blödsinn zu verwässern – eine inzwischen etablierte Unsitte, die überhaupt nicht davon ablenken kann, dass der anfängliche Witz einfach nicht für 90 Minuten ausreicht.

Zoolander 2 - Die Rückkehr von Blue Steel, Baby

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Dreimal Blue Steel hinter Sonnenbrillen: Derek, Hansel und Montana.
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„Zoolander 2“ ist als Idee ein Knaller und als Film nicht mehr als okay. Stiller und Wilson sind herrlich, Ferrell ist so gut wie seit „Anchorman“ nicht mehr und die Gags, die sitzen, sitzen richtig. Um diesen Kern herum scharen sich dann aber viele Zutaten, die mindestens verwässern und maximal verärgern. Je länger der Film dauert, desto mehr wird das Versprechen der Trailer aufgeweicht, desto stärker drängt chaotische Multiplex-Unterhaltung nach vorne. Irgendwie schon passend, wie die Hohlheit der Fashionwelt hier ähnlich hohl abgebildet wird, aber wer hier einen neuen „Fraktus“ oder irgendwas auf Christopher-Guest-Niveau erwartet, sollte mal besser mit Blue-Steel-Visage ins Kino dackeln. Um beim Anblick der hier vergebenen Chance nicht nach unten zu entgleisen, müssen die Gesichtsmuskeln perfekt beherrscht werden.