Der „World War Z“ ist da und läuft in den Kinos deutlich besser, als jeder erwartet hätte (World War Z Filmkritik). Er ist ja auch unterhaltsam. Durch ihn befeuert, reißt die Zombie-Welle zuhause aber auch nicht ab. Nach unserem ersten Heimkino-Special stellen wir euch heute ein paar weitere Titel vor, die jüngst erschienen bzw. in den nächsten Wochen rauskommen, und trennen die Spreu vom Weizen.

Zombie Biohazard (VÖ: 14.6.2013)

Es sind Produktionen wie diese, die zeigen, dass man nicht riesige Budgets benötigt, um effektiv Geschichten erzählen zu können. Die schottische Produktion (Originaltitel: „The Dead Outside“) wurde mit einem sehr überschaubaren Budget von nur 4.000 britischen Pfund umgesetzt. Möglich macht dies ein auf das Budget zugeschnittenes Drehbuch, kombiniert mit guten Nachwuchsdarstellern und einer Regie-Newcomerin, die weiß, wie es um ihre Vision bestellt ist.

Ein Jahr nach einer verheerenden Seuche, die beinahe die gesamte Menschheit ausgerottet hat, ist Schottland fast ausgestorben. Die Seuche sorgt dafür, dass die Menschen geistesgestört werden, da direkt das Gehirn angegriffen wird. Nur wenige bleiben verschont. Auf einer einsamen Farm treffen ein 16-jähriges Mädchen und ein Mann, der seine Familie verloren hat, aufeinander. Die größte Gefahr für sie ist nicht das Virus, sondern sie selbst.

Der Film präsentiert sich in düsteren Farben. Primärtöne werden hier nicht eingesetzt. Vielmehr setzt man auf eine realistische, kalte Darbietung und zeigt Schottland als einen regnerischen, unwirtlichen Ort. Die filmische Umsetzung spiegelt das Elend der Geschichte wieder. Interessant ist, dass es praktisch nur drei Hauptdarsteller gibt. Es tauchen noch ein paar Schauspieler in kleineren Rollen auf, aber im Mittelpunkt stehen nur drei Figuren. Das Interessante daran ist die Gruppendynamik, da es bei drei Menschen immer der Fall ist, dass zwei sich gegen den Dritten verbünden. Das wird hier überzeugend herausgearbeitet, so dass die Gefahr, in der die Protagonisten stecken, in letzter Instanz selbstgemacht ist.

„Zombie Biohazard“ ist ein Film, der sehr gut die Hoffnungslosigkeit der Situation zum Ausdruck bringt. Er setzt nicht auf Effekte oder Schockmomente, sondern baut eine Stimmung der Paranoia und der Angst auf. Dabei wird auf psychologischen Horror gesetzt, der vor allem ein älteres, reiferes Publikum anspricht. Ein bemerkenswertes Debüt und zugleich ein Horrorfilm, der bis zum Ende konsequent bleibt und beim Zuschauer mehr Wirkung hinterlässt als die großen Studio-Produktionen.

Wertung: 8/10

Zombie Resurrection (VÖ: 21.6.2013)

Aus Dänemark kommt „Zombie Resurrection“, der im Original „Opstandelsen“ heißt, was so viel wie „Auferstanden“ bedeutet. Und genau das passiert in diesem Film auch. Simons Geschwister wohnen seiner Beerdigung bei, doch der Abschied gestaltet sich anders als erwartet. Denn urplötzlich erheben sich die Toten aus den Gräbern, weswegen die Trauergäste in die Katakomben unter der Kirche fliehen. Doch um das Haus Gottes auch wieder verlassen zu können, müssen die Untoten so richtig tot gemacht werden.

Die nur 49 Minuten lange Produktion wurde offenbar mit praktisch keinerlei Budget gedreht. Mit digitalem Video erreicht man ein klares Bild, die Produktionswerte sind jedoch durchschaubar gering. Aber: Die Splattereffekte sind handgemacht und erinnern an 80er-Jahre-Gemetzel.

„Zombie Resurrection“ ist ein Film auf Amateurlevel. Das muss man wissen – und auch mögen –, dann vergehen die 49 Minuten wie im Flug. Im Bonusmaterial von DVD und Blu-ray gibt es auch noch einen 27-minütigen Bonusfilm.

Wertung: 4/10

Zombie World War (VÖ: 28.6.2013)

Okay, vom Titel sollte man sich nicht abschrecken lassen. Mit Brad Pitts Film hat diese taiwanesische Produktion nicht viel zu tun. Aber: Für Zombie-Fans wird ein harter, schnell erzählter Horrortrip geboten.

Neben den üblichen Elementen – Ausbruch des Zombie-Virus, Angriff der Untoten und ungleiche Figuren, die zusammenarbeiten müssen – gibt es auch noch einen Subplot um die Heldin, die auf ihrer Flucht vor den Zombies an einen Perversen gerät, der allerhand Frauen entführt, im Keller einsperrt und sich an ihnen vergeht.

Die Mixtur aus Zombie-Film und Hinterwäldler-Horror ist zwar nicht immer in sich stimmig, lässt aber zumindest keinen Leerlauf aufkommen. Man hätte aber auf den Plot mit dem Menschenschinder gut verzichten können. Der Film ließe sich als „Texas Chainsaw Massacre trifft The Raid trifft The Walking Dead“ beschreiben - und das alles in Taiwan. Der kulturelle Aspekt bleibt zwar weithin auf der Strecke, so dass dieser Film auch überall sonst spielen könnte, aber als erster Zombie-Film Taiwans macht der Streifen durchaus eine gute Figur.

Wertung: 7/10

Rage of the Undead (VÖ: 28.6.2013)

Noch so ein kurzer Film. Diesmal sind es 70 Minuten. Eigentlich wären es ja 73 Minuten gewesen, aber das gute Stück wurde um drei Minuten erleichtert. Bei dem Streifen handelt es sich um ultratrashige Japan-Kost, die nur für ganz Hartgesottene zu empfehlen ist.

In Tokio tauchen Zombies auf. Ein Schock für alle Japaner, sind Untote doch ein westliches Problem. Zum Glück arbeitet Aiko in einem Videoarchiv und findet das richtige Lehrvideo, das zeigt, wie man Zombies den Garaus macht.

Was folgt, ist flott erzählter Blödsinn. Der Streifen hat kein Fett, er geht sofort los und lässt auch nicht mehr nach. Kunstblut gibt es hektoliterweise (zumindest in der ungekürzten Form, die sicherlich bald auch über Österreich erhältlich sein wird) und die Synchro ist so extrem lustig, dass man es kaum glauben mag. Man fühlt sich gar in die seligen 70er Jahre zurückversetzt, als die hanebüchensten Dialoge in deutschen Filmfassungen zu hören waren. Ein großer Spaß für alle, die übertriebene japanische SF- und Horrorfilme mit extremem Overacting mögen. Wir verleihen das Prädikat „Besonders skurril“.

Wertung: 7/10

Bordello of Blood Death Tales (VÖ: 28.6.2013)

Ein Anthologiefilm vom selben Team, das auch „Nazi Zombie Battleground“ verwirklicht hat. Hier gibt es noch weniger Zombies als dort. Ausgangslage der verschiedenen Geschichten ist ein Bordell. Zuerst wird davon erzählt, wie ein sadistischer Killer auf eine Hure trifft, die den Spieß umdreht, später zeigt sich ein Politiker an seinem „Sündentag“ von seiner unangenehmen Seite.

Eine echte Zombie-Geschichte gibt es nicht, am ehesten geht jedoch „Stitchgirl“ in die Richtung, in der eine Frau aus den Teilen verschiedener, toter Huren zusammengebaut wird. Die in Schwarzweiß gehaltene Geschichte erinnert an den klassischen „Frankenstein“-Film aus den 1930er-Jahren. Der Film zitiert James Whales „Frankenstein“ ausgiebig und ist das Highlight des Trios. Die erste Geschichte wiederum hat zwar keine Zombies zu bieten, ist aber immens blutig geraten.

Wertung: 6/10

The Dead Walking (VÖ: 19.7..2013)

Der Titel ist neu, der Film nicht so sehr. Es handelt sich um „Autumn of the Living Dead“, der eine Adaption der „Herbst“-Romane von David Moody darstellt. Es fängt an, wie es immer anfängt: Ein Virus tötet den Großteil der Menschheit, die Toten erheben sich als Zombies und die Überlebenden kämpfen ums… äh… Überleben.

Der Film ist hauptsächlich mit unbekannten Mimen besetzt. David Carradine („Kill Bill“) absolviert einen Gastauftritt, aber das war’s auch schon. Für ihn dürfte der Großteil des Budgets draufgegangen sein. Das heißt was, denn der Film wurde offenbar mit ganz kleinem Geld produziert. Das verleiht dem Ganzen einen gewissen, rohen Charme, ist aber sicherlich nicht jedermanns Sache.

Wertung: 3/10

Portrait of a Zombie (VÖ: 23.7.2013)

Es ist durchaus möglich, im ausgelutschten Zombie-Genre noch neue Ideen zu präsentieren. „Portrait of a Zombie“ ist eine Art Dokumentation, die davon berichtet, wie eine Familie lebt, die sich entschieden hat, ihren zombifizierten Sohn Billy nicht zu töten, sondern mit ihm unter einem Dach zu leben – natürlich mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen.

Das funktioniert ausgesprochen gut. Die irischen Darsteller, obschon allesamt unbekannt, wirken sehr authentisch. Die Figuren sind dreidimensional gestaltet, so dass die Probleme des Familienlebens so ungewöhnlich nicht sind, auch wenn der Bruder bzw. Sohn ein Zombie ist.

Regisseur Bing Bailey befasst sich zudem mit sozialen Problemen, die durch den objektiven Dokumentationsansatz für unerwarteten Tiefgang sorgen. Zwar gibt es auch typische Zombie-Momente, so Attacken – auch und gerade durch Billy –, aber sie sind nicht das, was „Portrait of a Zombie“ auszeichnet. Ein höchst kreativer Film, der zeigt, wie das Leben mit einem Zombie aussehen könnte und wie sich die Gesellschaft dadurch verändert.

Wertung: 7/10

Nazi Zombie Battleground (VÖ: 26.7.2013)

Ein geschmackvoller Titel ist beim Heimkinogeschäft schon die halbe Miete. Wenn das Cover noch schreiend bunt ist, kann man nicht mehr meckern. Hier gibt es zwar einige Nazis, aber eigentlich nur wenige Zombies. Drei Geschichten werden in dieser Anthologie geboten. In „Medal of Horror“ soll ein britischer Soldat die neue Wunderwaffe der Nazis – zombifizierte Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg – ausschalten.

Bei „Devils of the Blitz“ geht es fleischfressende Dämonen in einem Bunker während des Bombenangriffs auf London. „Harriet’s War“ handelt schließlich von einer jungen Dame, die einen mysteriösen Mord untersucht. Dem Opfer wurden Hakenkreuze in die Haut geritzt.

Die Geschichte mit den zombifizierten Soldaten ist auch die beste des Trios und wartet u.a. mit dem untoten Roten Baron auf. Für den gibt es auch ein Modellflugzeug, das als solches leicht zu erkennen ist. Das mickrige Budget des Films wird hier besonders sichtbar. Das gilt auch für die Actionsequenzen und Kostüme, die nicht immer überzeugend sind.

Besser damit umgehen kann „Harriet’s War“, eine Geistergeschichte, die filmisch am kompetentesten umgesetzt ist. Wer sich nur für Zombies interessiert, für den gibt es hier nicht viel zu entdecken. Fans von Anthologie-Formaten finden jedoch ein oder zwei Geschichten, die zu gefallen wissen. Für einen Low-Budget-Film gar nicht schlecht – und dank der Kürze der einzelnen Episoden auch tatsächlich kurzweilig.

Wertung: 6/10

Night of the Living Dead: Resurrection (VÖ: 2.8.2013)

George A. Romeros Film ist Public Domain – den Titel kann darum auch jeder nach Lust und Laune nutzen. Jemand wie James Plumb, der sich fragte, wie der Zombie-Ausbruch wohl in seiner Heimat Wales ablaufen würde.

Die Toten erheben sich aus ihren Gräbern. Niemand weiß, wie es dazu kam, aber Theologen gehen davon aus, dass das Buch der Offenbarung Recht hatte und das Armageddon beginnt. Während die Zivilisation fällt, suchen ein paar Überlebende in einem Landhaus Schutz, aber auch dort lauert die Gefahr.

Ein Remake des Romero-Films ist dies nicht, das soll er aber auch gar nicht sein. Der Titel ist lediglich dazu da, etwas Aufmerksamkeit zu erlangen. Stattdessen gestaltet sich der Streifen als typischer Zombiefilm bis… ja, bis ein Twist daherkommt, der dem Zuschauer den Boden unter den Füßen wegreißt.

Es gibt Schwächen: Die Schauspieler bewegen sich oft auf Laienniveau und das niedrige Budget äußert sich in mageren Produktionswerten, aber der Film hat das Herz auf dem rechten Fleck. Dem gegenüber steht ein atmosphärischer Score, der den Film bisweilen größer erscheinen lässt, als er ist. Wie die meisten Filme in diesem Special ist auch „Night of the Living Dead: Resurrection“ ein Film mit Mikrobudget. Zieht man das in Betracht, ist das Ergebnis ordentlich.

Wertung: 5/10