Zeitgeist, das ist die Denk- und Fühlweise eines Zeitalters, der Versuch, einer der Eigenarten einer Epoche gerecht zu werden. Der Begriff ist ein mehr als passender Titel für Jason Reitmans neuen Film, weit griffiger, als es das originale „Men, Women & Children“ ist, denn ja, es geht um all die Männer, Frauen und Kinder da draußen, deren Leben exemplarisch anhand einiger Figuren beleuchtet wird. Mehr noch geht es aber um die Veränderung, die unser aller Leben durchlaufen hat. Es geht, wie es auf dem Poster so schön steht, um digitale Nähe und analoge Entfremdung.

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Reitmans Film folgt keiner einzigen Geschichte. Er greift das Schicksal einer ganzen Reihe von Menschen heraus und erzählt ihre kleinen, für sie und ihr Umfeld wichtigen, Geschichten. Da hat man das seit Jahren zusammenlebende Ehepaar, in dessen Leben es keine Leidenschaft mehr gibt, weswegen er und sie sich diese woanders suchen. Dann das junge Mädchen, dessen Mutter es auf Schritt und Tritt überwacht, um es vor den Gefahren des Internet-Zeitalters zu schützen.

#Zeitgeist - Digitale Nähe und analoge Entfremdung

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Der Film läuft bei uns am 11.12.2014 in den Kinos an.
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Der Junge, der daran zu knabbern hat, dass seine Mutter ihn verlassen hat und der sich von allem zurückzieht, weil er in nichts mehr eine Bedeutung erkennt. Das Mädchen, das es als Schauspielerin groß schaffen will, von ihrer Mutter unterstützt wird, aber zusammen mit ihr vom Weg abkommt, als es darum geht, eine Website zu erstellen, die nicht pure Selbstausbeutung ist. Ein anderes Mädchen ist magersüchtig und verliebt – in den falschen Jungen.

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Es sind alles normale Leben in einer normalen Welt, aber Normalität wird immer neu definiert. In einem Zeitalter, in dem ein Leben auch abseits des Realen stattfinden kann, gilt dies noch umso mehr.

Keine Warnung

Anders als „Disconnect“, der sich der wirklich dunklen Seiten des Internet-Zeitalters angenommen hat, versteht sich „#Zeitgeist“ nicht als Warnung vor den Gefahren, sondern versucht vielmehr, anhand einiger Figuren exemplarisch aufzuzeigen, wie die Welt ist, in der wir heute leben.

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Originaltitel: "Men, Women & Children".
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Das ist eine vignettenhafte Erzählung, da angesichts der großen Menge an Figuren und Geschichten die Handlung absolut zerfasert. Es gibt hier Figuren, die treffen einander nicht – oder nur peripher. Das ist eine Nachbildung des Lebens, in der unsere eigene Erlebniswelt immer die ist, die alles definiert. Das erinnert an „360“, in dem aufgezeigt wurde, wie verbandelt die Leben aller sind, wie flüchtig dies aber auch ist.

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Digital und analog

Reitmans Film versucht zu eruieren, wo die Unterschiede zu früher sind – für den Teil des Publikums, der sich an das „früher“ noch erinnert. Wie den Vater, der herausfindet, welche Art Pornos sich sein Sohn im Internet ansieht und wehmütig daran zurückdenkt, wie er selbst als Jugendlicher in der Garage die Sammlung an Pornomagazinen seines Vaters gefunden hat.

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Es hat sich etwas verschoben, eine Art Staffelstabübergabe, wie die Erzählerin es hier so trocken beschreibt, findet in der Moderne nicht mehr statt. Man mag das exemplarisch für die veränderte Welt nehmen, in der wir leben, in der das RL – das „richtige Leben“, wie Tim es so schön nennt – nicht zwangsläufig dieselbe Priorität hat wie noch vor wenigen Jahren. Oder anders gesagt: Es hat sich transformiert, ist eine Mixtur aus analogem und digitalem Leben geworden.