Erinnern wir uns an unsere Kindheit zurück. An Träume, Hoffnungen und Hirngespinste. Die eine wollte Prinzessin werden, der andere träumte von einer Karriere als Astronaut. Und wenn so mancher auf sein Leben zurückblickt, fragt man sich, wo die Kindheitsträume geblieben sind. Ein paar wollen die Zeit sogar am liebsten zurückdrehen, um dann vieles anders zu machen. Ähnlich verhält es sich bei der neuen Tragikomödie des Erfolgsgespanns von „Juno“.
Hochgradig depressive Tragikomödie im Stile von „Juno“: Ehrlich, bissig und verzweifelt.FazitRegisseur Jason Reitman (Juno, Up In The Air) und Drehbuchautorin Diablo Cody (Juno) bringen in dieser schonungslos ehrlichen Tragikomödie die Hauptfiguren und Zuschauer auf den Boden der Tatsachen zurück. Wie schon bei Juno vorgemacht, schrecken die beiden vor wenigem zurück. Bei diesem Film war eine ungeplante Teenager-Schwangerschaft das Thema. Dort musste ein Kind schnell erwachsen werden. Bei „Young Adult“ hingegen scheint ein Erwachsener sein inneres Kind einfach nicht loslassen zu wollen.
Dabei handelt es sich um Mavis Gary (Charlize Theron). Ihr lagen in der Highschool-Zeit alle Leute zu Füßen. Sie war schön, beliebt und erfolgreich. So zog sie aus der Provinz in die Großstadt, feierte dort Erfolge als Autorin und heiratete.
Heute ist vieles anders: Mavis ist geschieden, die Buchreihe, für die sie als Ghostwriter schreibt, endet und sie ertränkt ihre Depressionen im Alkohol. Als sie die Nachricht von ihrer Jugendliebe Buddy erhält, dass er Vater geworden sei, überkommt sie ein wahnwitziger Plan: Mavis reist zurück in ihre Heimatstadt und will den glücklich verheirateten Buddy zurückgewinnen. Neben der Tatsache, dass Alkohol nicht alle Probleme löst, muss sie feststellen, dass man die Zeit nicht zurückdrehen kann und sie keine Freunde mehr im Kleinstadtörtchen hat.
Nach der Rückkehr in ihre Heimatstadt beginnt ihr Abstieg.Einzig ihr ehemaliger Klassenkamerad Matt (King-of-Queens-Star Patton Oswalt) zeigt Mitleid für Mavis und kümmert sich um sie. Denn Matt kennt sich nur zu gut damit aus, wenn im Leben etwas schiefläuft: Er wurde auf der Highschool von ein paar Jungs heftigst zusammengeschlagen, weil man glaubte, er sei schwul. Seitdem muss der gebrandmarkte Matt auf Krücken gehen und sein Geschlechtsteil ist nicht mehr voll funktionsfähig. Ihr Hass auf ihr Umfeld und ihr trostloses Leben vereint den tragischen Nerd und Mavis, weswegen die ehemalige Highschool-Königin immer wieder Zuflucht bei dem kläglichen Außenseiter sucht, weiterhin drauf und dran, Buddy von ihren Reizen zu überzeugen, um ihr altes, glückliches Leben zurückzugewinnen.
„Young Adult“ ist eine traurig-tragische Komödie, in der mehr Drama als Komik steckt. Ganz ohne langwieriges Vorgeplänkel setzt sie direkt beim Kernproblem ein und weicht von diesem im Verlauf des Films auch nicht ab. Bitter und schonungslos wird das gescheiterte Leben von Mavis Gary porträtiert, bis ins kleinste Detail bebildert ihr Lebensstil ihre Depression: Mavis lässt sich unglaublich gehen, schwebt aber weiterhin in ihrer kleinen semi-perfekten Traumwelt. Dabei fängt jeder Tag für sie gleich an: Sie wacht total verkatert auf und greift direkt zur Cola-Light-Flasche, von der sie ein paar große Schlucke nimmt.
Im Schlabberlook geht es dann zum Sport – zur Wii-Fit-Konsole vor ihrem Fernseher. In den gleichen Klamotten geht es dann auch überall anders hin. Ihre Kleidung drückt ihre Lebenseinstellung aus: Gleichgültigkeit. Während man ihren schlurfenden Gang im Schlabberlook zu Beginn noch witzig findet, werden diese Szenen im Laufe des Films für den Zuschauer immer trauriger und nachdenklicher.
Dabei hängt sie so fest an der Welt in ihren Romanen, dass sie ihre eigene Situation völlig außer Acht lässt und sogar naiv glaubt, ihr könne alles gelingen, ähnlich wie ihrer Protagonistin in der schicken Glamourwelt. Diese Charakterisierung gelingt Diablo Cody so unfassbar gut, dass man ihr mit jeder weiteren Szene vermehrt abkauft, dass (mindestens) eine Mavis Gary irgendwo auf der Welt existiert. Nicht zuletzt Charlize Therons Verdienst.
Patton Oswalt liefert ebenfalls einen sehr guten Auftritt.Den gesamten Film über ist es dramatisch mitzuerleben, wie sich Mavis immer weiter in den Wahnsinn, ihr altes Leben zurückzugewinnen, hineinsteigert. Während des Films bekommt man auch immer mehr von ihrer kaputten Psyche zu Gesicht, die ihren Höhepunkt findet, als sie auf Buddys Ehefrau Beth (Twilight-Star Elizabeth Reaser) trifft. Dabei versucht Cody niemals, Mitleid beim Zuschauer für die naive Mavis zu produzieren. Mal lacht man mit ihr und mal hasst man sie einfach.
Dass sie aber nicht die Einzige ist, die es im Leben schwer hat, zeigt ihr der verkrüppelte Matt. Patton Oswalt spielt diese tragische Existenz mit viel Gefühl, aber auch mit viel Selbstironie. So hat der Humor in dieser Tragikomödie einen sehr bissigen und scharfen Unterton. Man weiß oft nicht so recht, ob man lachen, schmunzeln oder betrübt den Kopf schütteln soll, wenn sich Mavis immer tiefer ins Missgeschick manövriert. Letzten Endes ist das Ganze nämlich mehr als traurig. Dank des unterschwelligen Humors und der biestigen Dreistigkeit von Mavis muss man aber trotzdem nicht weinen.
Regie: Jason ReitmanGenre:Tragikomödie, Komödie, DramaFilmstart: Spieldauer: 94 minDarsteller:J.K. Simmons, Patrick Wilson, Patton Oswalt, Charlize Theron
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wenn ich kommentare lese weiß ich OHNE VORWARNUNG ja nicht ob ich am ende des satzes gespoilt werde ... oder ?
ich hasse so was - hätte man da nicht wenigstens vorwarnen können?
Ich musste nur bis zum mittleren Teil des Artikels lesen und wusste das schon, wen hätte es gewundert wenn das passiert ? Ich sollte nach Hollywood gehen <,<
ich hasse so was - hätte man da nicht wenigstens vorwarnen können?
musst es ja nicht lesen...
ich hasse so was - hätte man da nicht wenigstens vorwarnen können?
Na guck ihn dir halt an.
Fitnessstudio würd dem Mann mal ganz gut tun.
Witzig ist er ja, muss man ihm lassen, aber vom Äußeren...