Obwohl schon 2011 fertig gestellt, lag Adam Wingards „You’re Next“ noch zwei Jahre auf Halde. Das wäre verständlich, wenn es sich um einen Rohrkrepierer handeln würde, aber dieser Home-invasion-Thriller ist deftig und spannend zugleich. Selbst Logiklücken, die man im Verlauf des Films erkannt haben mag, werden am Ende in Wohlgefallen aufgelöst – zumindest mehrheitlich, der Rest ist zu verschmerzen.

You're Next - Deutscher TrailerEin weiteres Video

Paul und Aubrey Davison feiern Hochzeitstag. Zu diesem Anlass kommen ihre vier erwachsenen Kinder mit ihren Partnern zu dem Landhaus, das weit ab vom Schuss steht. Beim abendlichen Dinner gibt es Streit zwischen den Brüdern Crispian und Drake, aber dieser wird jäh unterbrochen, als einer der Gäste mit einem Pfeil, der durch das Fenster geschossen wurde, niedergestreckt wird.

Augenblicklich bricht Panik aus, während weitere Pfeile auf die Leute hernieder prasseln. Aber das ist erst der Auftakt einer Nacht des Grauens, denn die Angreifer befinden sich nicht nur vor dem Haus, einer von ihnen ist auch im Haus. Aber keiner von ihnen hätte damit gerechnet, dass eines ihrer Opfer genau weiß, wie man zurückschlägt und sein Leben so teuer wie möglich verteidigt …

Strangers vor der Tür

Während der Trailer versucht, den Film als einen neuen Slasher zu verkaufen, erinnert er doch mehr an den exzellenten „The Strangers“, verzichtet aber auf die dort anfänglich gezeigte Verbundenheit zum Drama, sondern setzt ganz und gar auf nervenzerrende Spannung, kombiniert mit einer gehörigen Portion Action. Nachdem der Angriff beginnt, lässt der Film nicht mehr nach, auch wenn er eine Transformation durchmacht – vom Thriller hin zur reinen Action, nachdem klar wird, wer die Killer eigentlich sind.

Auf Selbstironie verzichtet der Film, auch wenn er bisweilen Momente findet, in denen er die Spannung durch einen kleinen Lacher brechen kann. Diese sind aber organisch ins Geschehen eingebaut und erscheinen sinnvoll.

You're Next - Da waren’s nur noch neun … acht … sieben … sechs …

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Slasher-Manierismen

Dass der Film als Teil des Slasher-Genres beworben wird, verwundert nicht unbedingt. Er spielt mit einigen Manierismen des Subgenres, vor allem aber mit dem Konzept des Final Girls. Dieses ist die letzte Überlebende, die sich dem Zugriff des Killers entziehen kann, ihn im Verlauf zumeist tötet, aber zumindest seelisch vernarbt zurückbleibt.

Packshot zu You're NextYou're Next

Das Final Girl gibt es auch in „You’re Next“, aber es unterscheidet sich gewaltig von allen, die vor ihm gekommen sind. Von Sharni Vinson („Bait 3D“) gespielt, entwickelt sich Erin zur formidablen Gegnerin für die Angreifer, weil sie sehr wohl weiß, wie sie sich zu wehren hat. Auch dafür gibt es einen Grund. Er mag etwas weit hergeholt sein, verleiht dem Film aber Würze und hebt ihn von ähnlich gestalteten Produktionen ab. Bei Filmen dieser Art sind es in der Regel unbedarfte Normalos, die sich in dieser anormalen Situation zurechtfinden müssen. Das verleiht den Angreifern immer einen Vorteil, der hier jedoch ausgehebelt wird. Die Verteidigung des Hauses mutet dann bisweilen fast wie „Kevin allein zu Haus“ mit brutalen Mitteln an.

Die Unmittelbarkeit der Angst

Adam Wingard versteht es, die ungewöhnliche Situation so realistisch wie möglich zu gestalten. Nach dem ersten Angriff und den ersten Toten setzt er vor allem darauf, den Zuschauer die Panik der Protagonisten spüren zu lassen. Die unruhige Kamera zieht den Zuschauer mitten ins Geschehen, das permanente Geschrei der Überlebenden erscheint authentisch, weil Menschen – zumindest einige – in solchen Extremsituationen sicherlich ebenso reagieren würden. Die Ruhe zu bewahren dürfte in dieser Situation nur den wenigsten gelingen.

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Eine Frau wehrt sich.
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Damit erschafft Wingard eine Unmittelbarkeit für das Publikum, der dieses sich nicht entziehen kann. Er sorgt so dafür, dass man gar nicht innehalten kann, um zu überdenken, was man gerade sieht. Die Frage, wer dafür verantwortlich ist, tritt in den Hintergrund, während das Überleben alles andere überschattet.

Weniger ein Slasher-Film als eine Home-Invasion-Story mit allerhand Überraschungen.Fazit lesen

Gewaltig zur Stimmung beitragend, ist die oft dissonante, unruhig erscheinende und unruhig machende Musik, die zwar auch für billige Schockmomente genutzt wird, wenn es urplötzlich richtig laut wird, aber eben auch durch ihren bloßen Klang eine verstörende Note einnimmt.

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