Takashi Miike zählt zu den wenigen japanischen Filmemachern, deren Arbeiten auch in Deutschland regelmäßig eine Auswertung erfahren. Zwar meist im Heimkino, abgesehen von der zuletzt erfreulichen Ausnahme „Wara No Tate – Die Gejagten“, aber immerhin: da findet ein wichtiges Stück Repräsentation statt. Nun erscheint Miikes nicht mehr neuer, aber auch weiterhin hochvergnüglicher Superheldenfilm „Yatterman“ erneut auf DVD und Blu-ray.

Yatterman - Deutscher Trailer

Dauerinanspruchnahme der Sinne

Im Kontext dessen, was das Kino – und was wir – derzeit unter Filmen über Superhelden verstehen, sticht diese Adaption der gleichnamigen Anime-Serie deutlich hervor. Seit Christopher Nolan auf der einen sowie den jüngeren Marvel-Produktionen auf der anderen Seite, lässt sich Superheldenkino entweder in spröde Ernsthaftigkeit („Comicrealismus“) oder doppelt und dreifach verzahnte Hubba-Bubba-Unterhaltung (MCU) aufteilen.

Yatterman - Der verrückteste Superheldenfilm aller Zeiten?

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Comic-Lolita im Red Room of Pain: Doronjo (Kyoko Fukada) sticht ihre Gegner in der Regel schon durch reine Präsenz aus.
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Das ist natürlich völlig okay so, greift es doch eigentlich nur den alten ästhetischen Widerstreit bekannter Verlagsgiganten auf: bunt versus düster, für jeden was dabei. Zumindest fast, denn ein Film wie „Yatterman“ wäre hier dann doch ziemlich undenkbar. Farbenfroh, lautstark, immer auf Anschlag. Dabei aber auch ungemein energetisch. Voll von Einfallsreichtum und Übertreibung, von Aberwitz und manchmal auch Nervenbelastung: eine comicschöne Dauerinanspruchnahme der Sinne.

Takashi Miike, der sich mit solch explizit kindlichen (jedoch nicht zu verwechseln mit kindischen) Ansätzen auch auf ein für ihn durchaus neues Terrain vorwagte, bleibt dicht an der TV-Vorlage der späten 70er Jahre (bzw. deren Remake von 2008). Er nimmt keine wesentlichen Veränderungen am Yatterman-Konzept vor, sondern bestätigt eher noch das Erfolgsrezept des in Japan irrsinnig populären Franchise-Phänomens, zu dem selbstverständlich auch Mangas, Videogames und allerlei Spielzeug gehören.

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Spielzeugherstellersohn Gan Takada (Sho Sakurai) und Elektrikertochter Ai Kaminari (Saki Fukuda) bilden das ausgetüftelte Heldengespann Yatterman.
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Es geht also auch im ersten Realfilm des Superheldengespanns um den Mechaniker Gan Takada (Sho Sakurai, auch hierzulande bekannt durch die Popgruppe Arashi) und seine Freundin Ai Kaminari (Saki Fukuda), die als Yatterman 1 und 2 gegen das Verbrechertrio Doronbo vorgehen. Einmal wöchentlich (eine Hommage natürlich an die serielle Ausstrahlungsform) kommt es zwischen ihnen zum Duell, das in letzter Instanz meist durch Unterstützung illustrer Mecha-Erfindungen ausgetragen wird.

Schießende Mecha-Nippel

Beide Parteien jagen dabei magischen Schädelsteinen hinterher, die natürlich das Schicksal der Welt bestimmen. Während Gan-chan und Ai-chan mit ihrem treuen Roboterchen Omotchama sowie dem gar nicht mal so knuddeligen Mecha-Hund Yatterwan (später Yatterking) in den Kampf ziehen, tüftelt die Doronbo-Bande unter Aufsicht der verführerischen Doronjo (Kyoko Fukada, „Kamikaze Girls“) stets an neuen gegnerischen Robotern.

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Der niedliche Yatterman-Roboter Omotchama ist so was wie die gute Seele der Titel gebenden Superheldenformation.
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Dazu zählen im Film Mechas mit schießenden Nippeln und Raketenwerferbrüsten, die dann wiederum über fliegende Mini-Mecha-Fische gegen krabbelwütige Mini-Mecha-Ameisen von Yattanwan gewinnen wollen. Dem gehen vergleichsweise geerdete menschliche Fights voraus, die mittels gigantischer Löffel und Gabeln oder unter Einsatz Yattermanscher „Kendamagie“ aber ebenfalls charmant-bizarr ausfallen.

Es klingt nicht nur wüst, es ist sogar blanker Wahnwitz, den Miike hier erstaunlich inszenierungswütig in äußerst eigenwillige CG-Effekte übersetzt. Sein Film mag ganz beharrlich einfach nicht zu Ruhe kommen zu wollen, permanent feuert er dem Publikum wunderbar alberne Action, derangierten Slapstick oder auch einfach mal fantastische Musicaleinlagen entgegen. Zum Ende hin unterlegt er das kunterbunte Digital- und Realfilmgemisch sogar mit Punkrock.

Yatterman - Verrückte Bilder aus dem Film

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Unglaublich, dass dieses höchst enervierende Wahrnehmungschaos in Japan unter Kinderunterhaltung firmiert. Andererseits ist es gut zu wissen, dass jüngere Zuschauer nicht überall in der Welt mit gehorsamer Familiensülze oder ideologischem Botschaftsbrei abgespeist werden. Denn „Yatterman“ ist nicht nur vollkommen drüber, sondern auch noch ziemlich obszön. Als hätte John Waters das Familienkino entdeckt.