Ein Teenager kommt auf einen Polizisten zu. Er will Gras kaufen. Der Polizist sagt ihm, er solle das Geld auf den Boden legen. Dann befiehlt er dem Jungen, es wieder aufzuheben und es ihm in die Hand zu drücken. Dass es passend ist, weiß er, das hat er gesehen, als es auf dem Boden lag. Der Polizist überreicht dem Jungen eine tote Ratte. In ihr befindet sich das Gras.

Wrong Cops - Official Trailer #1

So fängt der neue Film von Quentin Dupieux an. Nach „Rubber“ und „Wrong“ hat er erneut einen Film abgeliefert, der sich einer narrativen Struktur verweigert, der sich der Normalität selbst verweigert, und stattdessen immer tiefer in den Irrsinn des Lebens eintaucht. „Wrong Cops“ läuft hier zu Lande auf dem Fantasy Film Fest, wird Ende des Jahres von Tiberius Film aber auch auf DVD und Blu-ray veröffentlicht.

Wrong Cops - Marilyn Manson und die Reise nach Absurdistan

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 6/91/9
Der neue Film von Quentin Dupieux ist unvorhersehbar.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Miese Cops

Was Dupieux hier bietet, ist so etwas wie die Antithese zu David Ayers Filmen. Ayer beschäftigt sich häufig mit Polizisten, er versucht, sie in einem authentischen Licht zu zeigen, nicht heroisiert, aber auch nicht dämonisiert. Bei Dupieux ist das anders: Hier sind die Cops grundsätzlich Menschen, die frei von jeder Moral sind.

Der eine erschießt versehentlich jemanden und schleppt den Halbtoten ewig mit sich rum, der andere bedroht Frauen mit der Knarre, damit sie ihm ihre Brüste zeigen, wieder eine andere erpresst einen Kollegen und ein weiterer hat keinerlei Interesse an seinem Job, sondern arbeitet nur an seiner ins Nichts führenden Musiker-Karriere. Das sind die Cops, die die Straßen von Los Angeles bevölkern. Und so überzogen sie auch sind, irgendwie läuft es einem kalt über den Rücken, wenn der Gedanke erst mal im Kopf Fuß gefasst hat, dass Dupieux vielleicht gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt ist.

Wrong Cops - Marilyn Manson und die Reise nach Absurdistan

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden3 Bilder
Schockrocker Marilyn Manson gibt sich ebenfalls die "Ehre".
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Vignetten aus dem Leben vieler Cops

Wer „Rubber“ und „Wrong“ kennt, der weiß, was ihn bei „Wrong Cops“ erwartet. Dupieux bleibt seiner Linie treu, er erzählt eine Geschichte, wie sie absurder nicht sein könnte. Immer dann, wenn man denkt, es könnte nicht mehr schräger werden, setzt Dupieux noch einen drauf. Gehört man zu jenen, bei denen es bei Dupieux‘ Filmen Klick macht, dann hat man nicht nur eine gute Zeit, sondern auch jede Menge zu lachen.

Die Situationen, in die er seine Figuren geraten lässt, sind nie vorhersehbar. Da er sich einer durchgehenden Geschichte verweigert, raubt er dem Zuschauer auch die Sicherheit eines ausgelutschten Plots. Hier weiß man nie, was in der nächsten Szene passieren wird. Zeitsprünge gibt es, kuriose Erscheinungen auch, und merkwürdige Begegnungen ungewöhnlicher Menschen sind zuhauf vorhanden.

Wrong Cops - Marilyn Manson und die Reise nach Absurdistan

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 6/91/9
Der Film wird Ende 2014 auf Blu-ray und DVD erscheinen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der Film spielt dabei in einer Art verrückter Hyperrealität, in der sich keiner dran stört, dass ein Polizist einen sterbenden Mann mit sich rumschleppt. Der Sterbende übrigens auch nicht, solange er Musik hören kann.

Der Humor, den Dupieux hier bietet, ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Bisweilen ist er sogar herrlich politisch inkorrekt (Stichwort: die Frau im Rollstuhl), aber allem ist gemein, dass dieser Film von einer ungeheuren Originalität getragen wird. Man weiß nie, wo man bei „Wrong Cops“ ankommt, und was jede neue Szene an Überraschungen parat hält.

Originell, unvorhersehbar, absurd, herrlich komisch – der neue Film von Quentin Dupieux ist ein Highlight.Fazit lesen

Robert und Dolph

„Wrong Cops“ spielt in derselben Welt wie „Rubber“ und „Wrong“. In einer Szene sieht man Jack Plotnik als Dolph, die Hauptfigur aus „Wrong“, in einer anderen kann man einen Penner sehen, der in seinem Einkaufswagen einen Reifen spazieren fährt. Das könnte Robert, der Reifen aus „Rubber“ sein. Allerdings geht Dupieux in Hinblick auf seinen ersten Film deutlich mehr in die Metarichtung, was zu dessen Geschichte auch passt. Hier ist es nämlich auch so, dass die Familie von Sunshine sich „Rubber“ ansieht.