Zombie-Filme gibt es viele – sehr viele sogar. Aber „World War Z“ hat ein Alleinstellungsmerkmal. Dies ist ein 200 Millionen Dollar teurer Film, was ihm Möglichkeiten verleiht, die andere Horrorfilme gar nicht haben. Wo Zombie-Filme in der Regel sehr komprimiert sind – ein Haus, ein Einkaufszentrum oder auch ein Militärcamp –, ist für „World War Z“ die Welt die Bühne.

Das große Geld wird benutzt, um im ganz großen Stil zu zeigen, wie ein Zombie-Aufkommen Grenzen einreißt und die Zivilisation in den Zusammenbruch stürzt. Nur leider hält der Film diesen Ansatz nicht bis zum Schluss durch.

Zombies breiten sich überall auf der Welt aus. Dem UN-Mitarbeiter Gerry Lane gelingt es gerade noch so, mit seiner Familie aus einer Zombie-verseuchten Stadt zu fliehen. Sie werden auf ein militärisches Schiff gebracht, wo man daran arbeitet, der Seuche Herr zu werden. Doch dafür benötigt man Gerrys Hilfe, der Aufpasser für einen Wissenschaftler spielen soll, der in Korea den mutmaßlichen Patienten Null untersucht und herausfinden will, wie man die Plage in den Griff bekommen kann.

Eigentlich möchte Gerry bei seiner Familie bleiben, aber man macht ihm klar: Entweder er erweist sich als nützlich oder seine Familie verlässt das Schiff. So bricht Gerry zu einer Weltreise auf, die ihn von Korea über Israel nach Wales führt, immer auf der Suche nach einem Mittel gegen die Zombie-Seuche. Derweil tickt die Uhr und immer mehr Menschen fallen den Untoten zum Opfer.

World War Z - Der Zombie-Weltkrieg ist da – und Brad Pitt kämpft mittendrin

alle Bilderstrecken
Weitere Bilder zuWorld War Z
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/2Bild 2/31/3
Die Welt geht vor die Hunde - und Brad Pitt nebst Filmfamilie mittendrin.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Vom Großen ins Kleine

Eigentlich sind Filme so aufgebaut, dass sie zum Ende hin anschwellen, dass die Gefahr größer, die Location und die Effekte aufregender und alles noch intensiver wird. Bei „World War Z“ geht man den umgekehrten Weg. Der Film beginnt immens groß, endet dann aber unglaublich klein. Das Finale findet in einem Forschungslabor statt, womit man wieder dort ist, wo eigentlich alle Zombie-Filme leben: im Kleinklein beengter Örtlichkeiten. Das ist günstig, aber nicht immer gut.

Bei „World War Z“ keimt die Vermutung, der Chaosproduktion ging das Geld aus. Über mehrere Monate hinweg wurde nachgedreht, das Budget blähte sich auf und das komplette Finale wurde neu gestaltet. Sieht man sich den Film an und bedenkt, was im Laufe der Monate darüber berichtet wurde, dann hat man eine Ahnung davon, was fürs Finale wirklich geplant war. Eigentlich hätte es noch die ganz große Action auf der Schiffsflotte geben sollen.

Packshot zu World War ZWorld War Z

Immerhin hieß es, dass die Zombies wie eine wogende Welle über das Meer kämen. Tun sie hier nicht mehr. Darum ist auch ein kompletter Subplot mit Matthew Fox („Lost“) der Schere zum Opfer gefallen. Wenn man blinzelt, könnte man seinen Auftritt, der nun nur noch ein Cameo ist, versäumen. Dabei äußerte er sich in Interviews, dass ihm das Zombie-Killen viel Spaß gemacht hätte.

Schwächen und Stärken

Das ist die große Schwäche des Films. Das Finale ist viel zu klein geraten, es wird dem großen Ansatz nicht gerecht. Das ist umso bedauerlicher, da die Sequenzen in Israel, aber auch an Bord des Passagierflugzeugs wirklich großartig sind. Sie sind es, die einen guten Eindruck hinterlassen und dafür sorgen, dass man „World War Z“ nicht als Rohrkrepierer einstufen würde.

Der größte Zombie-Film aller Zeiten wird am Ende winzig-klein. Da wäre mehr drin gewesen.Fazit lesen

Das wiederum wäre auch nicht gänzlich fair. Auch wenn das Finale mit seiner Minimierung des Möglichen enttäuscht, gestaltet sich der Film ansonsten über die knapp zwei Stunden Laufzeit durchaus spannend und unterhaltsam.

Natürlich darf man hier keine bluttriefenden Zombie-Attacken erwarten, aber das umgeht der Film geschickt, da er die Untoten anders definiert, als dies im Genre üblicherweise der Fall ist. Diese Zombies sind Überträger eines Virus, das sich verbreiten will. Opfer darum mit Stumpf und Stiel aufzufressen ist kontraproduktiv.

Blut und Gedärm sorgt aber ohnehin nicht für Stimmung und Atmosphäre. Vielmehr ist dafür dieses richtig große Gefühl des Weltuntergangs verantwortlich. Spätestens als die Zombies selbst sichere Häfen überrennen und Flugzeuge im Sekundentakt starten, weiß man, wie eine solche Plage in großem Maßstab aussieht.

World War Z - German Trailer #16 weitere Videos

Anschlussfehler und Absonderlichkeiten

Direkt am Anfang sollte man mal darauf achten, wie der Lastwagen an Gerrys Wagen vorbeirast. Kurioserweise konnte man zuvor sehen, dass jede Menge Autos hinter Gerrys Wagen stehen. Dass die von dem Lkw weggerammt worden wären, hört man aber nicht. Solche Patzer erlaubt sich der Film in rauen Mengen. Sie mögen auch Indiz für die weitreichenden Nachdrehs gewesen sein, durch die Ungereimtheiten zustande kamen.

Die Motivation der handelnden Figuren ist nicht immer nachzuvollziehen. Manche Schauspieler wie Barry Morse sind schlichtweg verschwendet. Er übrigens in einer Szene, in der ein paar Minuten unheilschwanger im Raum steht, dass Israel für den Zombie-Virus verantwortlich sein könnte. Aber dann geht der Film doch in eine andere Richtung, auch wenn er dafür eine relativ hanebüchene Erklärung auftischt.