Dass die große Hollywood-Zombie-Produktion World War Z unter keinem guten Stern steht, war spätestens dann klar, als Paramount Pictures Drehbuchautor Damon Lindelof (Prometheus) an Bord holte, um das Drehbuch von Matthew Michael Carnahan und Drew Goddard umzuschreiben und nahezu sieben Wochen für Nachdrehs anberaumt wurden. Wie katastrophal es aber tatsächlich um die Produktion stand, das teilte Lindelof nun Vanity Fair in einem Interview mit.

World War Z - Fast 40 Minuten an neu gedrehtem Material ersetzt nahezu den gesamten letzten Akt

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Brad Pitts Herzensprojekt ein Millionengrab?
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Als man ihn an Bord holte, unterhielt er sich mit Hauptdarsteller und Produzent Brad Pitt über Max Brooks' (übrigens der Sohn von Mel Brooks, der u.a. Spaceballs inszenierte) Erfolgsroman. So sei der aufregendste Aspekt des Buches für Pitt die geopolitischen Bezüge gewesen. Doch er erklärte Lindelof, dass sie beim Schreiben des Drehbuches sehr schnell merkten, dass sie vieles davon nicht in den Film hätten übertragen können. Damit der Film funktionierte, musste man viele Ereignisse wegfallen lassen.

Noch ehe sie das Drehbuch beendet hatten, begannen die Dreharbeiten. Und wie so oft, stellte sich alsbald heraus, dass der eigentliche Plan am Ende nicht wirklich aufging. So hätten sie jemanden gebraucht, der völlig unbelastet und von einer gewissen neutralen Perspektive aus sehen könne, was sie bereits hätten und wie man vorgehen müsse, um dahin zu kommen, wo man hingelangen wolle.

Das Ende des Filmes sei laut Lindelof viel zu zusammenhangslos und abrupt gewesen. "Ich sagte ihnen, dass es nun zwei Wege gebe," so Lindelof. "Gibt es Material, welches man besser ausarbeiten kann, um das Ganze besser funktionieren zu lassen? Damit es mehr Sinn macht? Um den emotionalen Anteil zu erhöhen? Und Plot-Logik und all das?" Weg Nummer Zwei wäre der gewesen, die komplette Geschichte nachdem Brad Pitt Israel verlassen habe, umzuschreiben und neu zu drehen. Das hätte auch bedeutet, dass man ein komplett neues Ende kreieren, sowie die rund 12-minütige Kampfsequenz in Russland hätte entfernen müssen.

"Ich dachte nicht, dass auch nur irgendwer sagen würde, 'schmeißen wir sie raus und versuchen wir was anderes.' Als ich ihnen also diese beiden Wege aufzeigte und sie mehr Interesse an letzterem zu haben schienen, was Nachdrehs für rund 30-40 Minuten an neuem Material bedeutete, sagte ich, 'um ehrlich zu sein, viel Glück dabei, es Paramount zu verklickern.'"

Mark Evans, President of Production bei Paramount Pictures erinnerte sich an das Screening des Director's Cut von Regisseur Mark Forster. Der ganze Raum sei still gewesen. "Es war wie, 'Wow, das Ende unseres Filmes funktioniert so nicht. In diesem Moment glaubte ich daran, dass wir den Film noch einmal drehen mussten." Nach nur zehn Minuten Diskussion waren sich alle einig, dass es lange, wesentliche Diskussionen bedurfte, um das Ganze zu fixen.

So kam es dann auch. Das Budget wurde nochmals erhöht, Lindelof kam als Script-Doctor ins Spiel, schrieb den kompletten letzten Akt um und es wurden rund siebenwöchige Nachdrehs angeordnet, um hauptsächlich ein neues Ende zu drehen, das World War Z ein befriedigenderes Finale bescheren sollte.

Nachdrehs, vor allem so umfangreiche wie bei World War Z bedeuten schließlich auch immer eine nicht unerhebliche Kostensteigerung. Und das Budget für Forsters Film belief sich gegen Ende auf 200 Millionen Dollar. Doch auch so war alles bereits aus dem Ruder gelaufen. So fand man beispielsweise nach dem Dreh auf Malta noch unbeglichene Rechnungen in einer Schreibtischschublade, die in die Millionen gingen. Es handelte sich bei den Rechnungen um Bestellungen der Darsteller und Statisten. "Es war buchstäblich wahnsinnig. Adam Goodman (Präsident der Paramount Film Group) und ich dachten, dass wir ohne Probleme aus Malta zurückkamen und dann fand ich heraus, dass dem nicht so war. Das ist ein Albtraum."

Ob die Nachdrehs und der nahezu komplett ausgetauschte letzte Akt den Film retten konnten, wird sich am 27. Juni zeigen, wenn World War Z in den Kinos startet.