Die Frage, was die beiden Krücken moderner Animationsfilme sind, kann leicht beantwortet werden: inhaltliche Nickerchen auf dem Rücken knalliger 3-D Action und duselige Charaktere, denen eher früher als später die Gags ausgehen. Auch die Animationsabteilung von Sony wurde bei ihren bisherigen Veröffentlichungen, “Jagdfieber” und “Könige der Wellen”, nicht von diesen Plagen verschont, doch mit Film Nummer drei ist nun glücklicherweise vieles anders. “Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen” ist ein farbenfrohes, erfrischend wildes und einfach mördermäßig unterhaltsames “all you can laugh”-Buffet.
Die Geschichte von “Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen” basiert auf einem gerade mal 30 Seiten umfassenden Kinderbuch, das einer ranzigen Hafenstadt überdimensionale Fast-Food-Schauer beschert. Der Verursacher dieser kulinarischen Duschen ist ein Daniel Düsentrieb-mäßiger Erfinder, der mittels eines hochkomplizierten Apparates Wasser in Essen verwandelt und somit seiner trostlosen Heimat zu ungeahnter Popularität und Swimmingpools voller Käsesoße verhilft. Zu dumm nur, dass der Apparat von all den produzierten Riesen-Hamburgern heiß läuft und auf einmal zu einer gigantischen Bedrohung wird. Am Horizont taucht bereits ein Spaghetti-Tornado auf und die Hufe wildgewordener Brathähnchen scharren auch schon mächtig laut.
"Wolkig..." brilliert vor allem durch die herrlich skurrile Figurenzeichnung - etwa die des Vaters.Von der Buchvorlage übernimmt der Film lediglich die Idee, dass überdimensioniertes Essen vom Himmel fällt, alles andere entsprang der Fantasie der Regisseure Phil Lord und Chris Miller, die ebenfalls für das Drehbuch verantwortlich zeichnen. Es gelingt ihnen die Schaffung zahlreicher wunderbarer Charaktere, die bei dem hektischen Erfinder und seinem nur aus Augenbrauen bestehenden Vater anfangen und bei dem überkorrekten, schwarzen Polizisten und dem dicken Babymaskottchen aufhören. Diese Personen verbinden alle menschliche Schwächen mit fast schon surrealen Ticks und sind trotz relativ schlichter Animation sofort nahe am Zuschauer. Der Augenbrauen-Vater z.B. ist ein tapsiger Brummbär, der seinen Sohn sehr liebt, doch sich nur über Fisch-Metaphern verständigen kann: „Sohn, nicht jede Sardine ist dafür geboren zu schwimmen.“
Die Vielzahl der gelungenen Figuren geht Hand in Hand mit einem ebenso gelungenen Drehbuch, das auf ein angenehm schräges, wildes Humorverständnis setzt und bis zum Ende eben nicht den tollen 3-D Effekten die ganze Unterhaltungsarbeit zuschiebt. “Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen” ist einer der ganz wenigen Animationsfilme, die tatsächlich konstant Lacher erzeugen und diese auch noch auf einem smarten bis bissigen Silbertablett herantragen. So ganz genau sollte man die Wirkung der Gags gar nicht analysieren, denn ansonsten beraubt man sich einer der wenigen Gelegenheiten, im Kino einfach mal frei von der Leber abzuwiehern. Das Humorverständnis der Regisseure ist auf jeden Fall extrem spannend und trifft fast ohne Panne ins Schwarze. Alleine schon deswegen: ein ganz, ganz großer Film!
Toller Tipp für die gamona-Mittagspause: Cheeseburger aus Regenwasser!Doch nicht nur die Gags passen, sondern auch die Herangehensweise an die Geschichte. Der Bruch so vieler anderer Animationsfilme Richtung Drama und/oder Action passiert hier auf sehr sanfte Weise und drängt sich nie so sehr auf, dass der spritzige Unterhaltungsfluss nach unten saust. Von Anfang an setzt der Film auf ein organisches Miteinander von Gags und Geschichte und steigert sich Richtung Höhepunkt zu einem rauschenden Weltuntergangs-Spektakel, das aber selbst im dröhnensten Spaghetti-Tornado immer noch staubtrockene Gegenpole wie z.B. die massiven Computerprobleme von Mr. Augenbraue oder den heroischen Schwabbelbauch des Riesenbabys setzt. Das Ende der Welt einmal nicht in großer Dramaverpackung, sondern als knallbuntes Durcheinander mit einem wüsten Todesstern als überdimensionalem Fleischklops.
Regie: Chris MillerGenre:AnimationFilmstart:
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Hey der Film ist der beste Animationsfilm seit Jahren. Also behandle ihn mit Respekt