Schon die Titelsequenz von Alex de la Iglesias neuem Film hat Eier. Sie präsentiert neben den Stabsangaben Bilder von Hexen, bösen Frauen, Serienkillerinnen und Politikerinnen von Weltrang, nämlich Margaret Thatcher und Angela Merkel. Das muss man sich erst mal trauen, aber de la Iglesia ist ein Filmemacher, der ohnehin viel Mumm beweist, und das nicht nur wegen seinen immer schwarzhumorigen, oftmals politisch völlig inkorrekten Filmen, sondern auch wegen der Mixtur aus Komödie und Groteske, die mit gewalttätigen Akten garniert ist und auf eine Genre-Einordnung keinen Wert legt.

„Witching and Bitching“ ist so etwas wie Alex de la Iglesias „From Dusk Till Dawn“, ein Gangsterfilm, der eine krasse Kehrtwende macht und dann Horror mit Humor verbindet, wie es in den 60er Jahren schon Roman Polanski mit seinem „Tanz der Vampire“ getan hat. Eine Sequenz mutet besonders als Hommage an Polanskis Film an, als Jose und seine Freunde in dem großen Anwesen vor den Hexen fliehen.

Witching and Bitching - Alex de la Iglesias makaberer Tanz der Hexen

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Der Film erscheint bei uns am 25.04.2014 auf Blu-ray und DVD.
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Jose und Tony rauben einen Pfandleiher aus und machen sich mit Kiloweise goldenen Eheringen aus dem Staub. Dumm nur, dass der Überfall nicht problemlos verlief, Jose auch noch seinen Sohn Sergio dabei hatte, und das Fluchtauto plötzlich fehlt. Sie entführen also ein Taxi, mit dem sie dann in Richtung Frankreich unterwegs sind.

Aber dann gerät die ungleiche Gruppe in das kleine Örtchen Zugarramurdi, in dem im 17. Jahrhundert mehrere Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Nur: man hat bei weitem nicht alle ausgerottet. Mehr als genug sind noch da. Die Gruppe gerät in die Fänge der Hexen, aber damit nicht genug. Eine der Hexen ist heiß auf Jose, seine Ex-Frau Silvia ist hinter ihm her und mehrere Polizisten hat sie auch im Schlepptau …

Wenig Satire, viel Groteske

„Witching and Bitching“ ist sicherlich nicht Alex de la Iglesias bester Film, er ist aber vielleicht einer seiner zugänglichsten. Oftmals garniert er seine Stoffe mit sozialkritischen Elementen, die vom Zuschauer erwarten, ein gewisses Maß an Kenntnis in Hinblick auf die spanische Gesellschaft zu haben. Bei seinem neuesten Film ist dies jedoch nicht gegeben, hier setzt er vor allem auf eine flotte, herrlich überzogene Erzählung, bei der sich alles immer mehr überschlägt.

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Originaltitel: "Las brujas de Zugarramurdi".
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Ganz sinnig mag das nicht immer sein – etwa, wenn die Hexe Eva sich unsterblich in Jose verliebt –, aber darüber gleitet man hinweg, während die Geschichte immer größere Züge annimmt.

Kein Meisterwerk, aber eine in ihrer grotesken Anmutung sehr vergnügliche Genre-Mixtur.Fazit lesen

Spongebob wird niedergemäht!

Exzellent gemacht ist der Überfall auf den Pfandleiher am Anfang des Films. Die Räuber haben sich alle wie Straßenkünstler verkleidet. Jose ist Christus, Tony ist ein Plastiksoldat und ihre Kumpane sind unter anderen der Unsichtbare und Spongebob Schwammkopf. Schon hier zeigt sich de la Iglesias Freude am Irrsinnigen.

Nicht nur der Verkleidungen der Protagonisten wegen, sondern auch, weil er den Überfall lustig inszeniert, aber dann seine Figuren knallhart agieren lässt. So wird Spongebob Schwammkopf mit zahlreichen Schüssen niedergestreckt!

Auch Jose, der de-facto-Held, schießt wild um sich. Ganz freundliche, sympathische Räuber sind dies nicht. Damit muss man zurechtkommen, aber dafür befindet man sich auch in einem de-la-Iglesia-Film, in dem die Haupthandlungsträger nur selten derart gestaltet sind, dass man sich vorbehaltlos mit ihnen identifizieren könnte.

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Typisch Álex de la Iglesia.
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Dementsprechend ist „Witching and Bitching“ auch keine reinrassige Komödie, sondern bietet zuweilen durchaus brutale Momente, die sich vor allem beim Dinner der Hexen ergeben, für das die Schreckschrauben gewisser Körperteile bedürfen. Es könnte sich leicht eine Diskrepanz aus Humor und Brutalität einstellen, dem Regisseur gelingt es aber, die unterschiedlichen Elemente recht harmonisch zusammenzufügen.

Was für ein Happyend!

Bei Alex de la Iglesia darf man nicht zwangsläufig ein Happyend erwarten. Und wenn es doch eines gibt, dann könnte es sich anders gestalten, als das gemeinhin erwartet wird. So ist es auch hier, denn nach dem furiosen Finale bietet er eine Nachklappe, die noch mal alles auf den Kopf stellt. Gut, es mag nicht besonders glaubwürdig erscheinen, aber es stellt einen amüsanten Schlusspunkt dar, bei dem man sich gerne vorstellt, was danach noch kommen mag.