Zehn Jahre sind seit „Garden State“ vergangen. Das Warten auf Zach Braffs neuen Film „Wish I Was Here“ hat sich aber gelohnt. Er konnte hier ganz und gar seiner Vision folgen, da er das Projekt zum Teil über Kickstarter finanzierte und darum keinerlei Kompromisse eingehen musste. Das Ergebnis ist ein erstaunlich reifer Film, einer, der Lachen und Weinen zugleich lässt, der keine große Geschichte erzählt, aber groß ist, weil er die Schönheit im Kleinen findet, in der Familie.

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Das Leben eines Schauspielers ist nicht leicht, vor allem dann nicht, wenn man stramm auf die 40 zugeht und nicht viel mehr als ein paar Werbespots vorzuweisen hat. Aidan Bloom (Zach Braff) bewirbt sich mittlerweile schon um Rollen für afroamerikanische Figuren – mit überschaubarem Erfolg. Es liegt an seiner Frau Sarah (Kate Hudson), die Familie durchzubringen. Sein Vater Gabe (Mandy Patinkin) bezahlt die streng jüdisch-orientierte Schule der Kinder, kann sich das aber nicht mehr leisten, da er das Geld für eine experimentelle Krebstherapie benötigt.

Wish I Was Here - „Scrubs“-Star Zach Braff ist am Endpunkt seiner Träume angelangt

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Zach Braffs neuer Film erscheint am 09.10.2014.
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Aidans Bruder Noah (Josh Gad) wiederum ist auch keine Hilfe. Er hat mit seinem Vater schon ewig nicht mehr gesprochen und vergammelt sein Leben. Aber irgendwie muss das Chaos doch zu beherrschen sein. Aidans erster Schritt ist, dass er seine Kinder für den Rest des Jahres selbst unterrichten will. Aber eigentlich weiß er ja selbst nichts, noch nicht einmal, wie sehr seine Frau ihren Job hasst und wie sehr alle unter seinem Traum leiden.

Der amerikanische Traum

Wie lange kann man einem Traum folgen, bis man erkennen muss, dass er niemals mehr als das sein wird, dass er niemals Früchte tragen, dass er niemals wahr werden wird? Das ist das Kernthema von Zach Braffs neuem, wirklich großartigen Film. Ein Thema, das auch den Filmemacher und Schauspieler beschäftigt. Er hat sich zwar eigene Träume erfüllt, mit knapp 40 Jahren ist aber auch Braff an dem Punkt angekommen, an dem eine Zäsur stattfinden muss. Man bewertet das Leben, das man hatte, und wägt ab, was man in der Zeit, die einem noch bleibt, erreichen kann.

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Der Film wurde via Crowdfunding finanziert, was Braff viele Möglichkeiten in der Umsetzung lies.
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Manchmal muss man loslassen können. Nicht nur von Träumen, auch von Menschen, selbst wenn es nicht freiwillig geschieht. Das Sterben von Aidans Vater ist nicht leicht anzusehen, und das umso mehr, da Mandy Patinkin eine Darstellung abliefert, die direkt auf das Herz abzielt. Seine Figur ist wie alle anderen in diesem Film multidimensional, ehrlich, authentisch. Menschen wie Gabe und Aidan, Sarah und Noah, Grace und Tucker gibt es. Sie sind wir, mal mehr, mal weniger.

Das ist die eigentliche Kunst in Braffs neuem Film. Er lädt den Zuschauer ein, wohlwissend, dass er so facettenreiche Figuren hat, dass jeder etwas findet, das sein eigenes Leben tangiert.

Wish I Was Here - Bilder von den Dreharbeiten

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Slice-of-Life-Film

Eine große Geschichte will Braff gar nicht erzählen. Ihn interessieren die kleinen Momente, die aber letztlich doch groß sind, auch wenn dies nur im Mikrokosmos einer Familie gilt. In ihr ist man stark, in ihr wird man aufgefangen, aber ihr muss man auch gerecht werden. Das muss Aidan erkennen, als er sich langsam seiner Selbst gewahr wird. „Wish I Was Here“ ist im Grunde so etwas wie das Coming-of-Age eines Mannes in den mittleren Jahren.

Er muss nun erwachsen werden, und das heißt letztlich auch, Dinge aufzugeben. Je länger man lebt, desto klarer wird auch, dass einem das Leben mehr und mehr nimmt. Das ist eine bittere Erkenntnis, die nicht nur Aidan machen muss. Das Kunststück ist, daran nicht zu verzweifeln, sondern seine eigene kleine Oase des Glücks zu finden.