Den Kopf mal richtig freimachen, ganz zu sich selbst kommen, den inneren Schweinehund überwinden – dafür scheint es im Kino oft keinen besseren Ort als in der schönen tristen Ländlichkeit zu geben. Irgendwann wollen sie alle mal raus, um dann so ganz und gar verrückte Ideen verwirklichen zu können. Etwa: einen abgehalfterten Zoo in der Einöde kaufen. Was für ein Abenteuer! Und wenn dort auch noch so schöne Tierpflegerinnen wie Scarlett Johansson arbeiten, lohnt der Lebenswandel gleich umso mehr.
Es passiert exakt das, was der Titel verspricht. Der Rest ist penetrante gute Laune und grenzenlos strapaziertes Sitzfleisch.FazitDiese traumhafte Vorstellung hat Cameron Crowe in seinem neuen Film umgesetzt. Bei „Wir kaufen einen Zoo“ ist der Titel sogleich pure Programmatik. Matt Damon spielt einen verwitweten, allein erziehenden Familienvater, der sich und seinen beiden Kindern einen Tapetenwechsel gönnt und mitten im Nirgendwo einen heruntergekommenen Tierpark erwirbt. Dort lernt Papi auch die junge und hübsche und ach so goldige Scarlett Johansson kennen, die sich ganz bald in den sanftmütigen und sichtlich in die Jahre gekommenen Matt verguckt, obwohl er den hässlichsten Haarschnitt seiner Karriere trägt.
Crowe, der mit teils klugen („Singles“), teils trivialen („Elizabethtown“) Filmen immer wieder wehmütige Rückblicke in Stationen seiner persönlichen Vergangenheit wagte, ist mit diesem tragikomischen Provinzschmalz an seinem bisherigen Tiefpunkt angelangt. Was in „Almost Famous – Fast berühmt“ noch so wunderbar glückte, die bittersüße, aber ironische Nostalgisierung von individueller Selbstverwirklichung nämlich, verkommt in „Wir kaufen einen Zoo“ zur bloßen Altherrenromantik, deren mutwillige Banalität zuweilen schon Schmerzen nach sich zieht.
Bitte alle lächeln und gut fühlen - dafür ist der Film ja gemacht.Ridley Scott hat vor einigen Jahren einen ähnlichen Film gedreht, „Ein gutes Jahr“ hieß er. Auch in ihm ging es um die rituelle Wiedermannwerdung – dort nach beruflichem Misserfolg, hier hingegen nach persönlichem Verlust – und darum, wie man sich einen naiven Lebenstraum mit schrecklich unwahrscheinlicher Leichtigkeit erfüllt. „Wir kaufen einen Zoo“ bezieht in diese romantische Vorstellung, die auch im Kino natürlich immer nur den Privilegierten zusteht, noch zwei zentrale Dinge mit ein: Kinder und Tiere. Damit alle was von haben.
Beides wird vom Film hemmungslos für den passenden Anstrich der Leichtigkeit instrumentalisiert. Das jüngste Filmkind von Damon, ein kleines niedliches Mädchen mit Löckchen, zeichnet sich durch große Kulleraugen und ein entzückendes Lächeln aus, das besonders dann zur Geltung kommt, wenn es neunmalkluge Sätze sagen und damit die Herzen aller Zuschauer erobern darf. Die süßen Tiere wiederum eignen sich besonders für jene Gelegenheiten, in denen Crowe bei totaler inhaltlicher Einfallslosigkeit bequemlich auf sie schneiden und damit viele Ohs und Ahs beim Publikum anfachen kann. Nur sprechen, das können sie leider nicht.
Diese üblichen Inszenierungsstrategien wären noch halbwegs verdaulich, hätte „Wir kaufen einen Zoo“ wenigstens irgendetwas zu erzählen. Alle Probleme, die sich für die Figuren aus der Handlung heraus ergeben, sind weitgehend nichtig und werden, sofern sie wirklich einmal in die Nähe von etwas Profundem zu rücken drohen, in Wohlgefallen aufgelöst. All die konstruierten und forcierten Konflikte (lachhafter Höhepunkt: ein Inspekteur, der die Eröffnung des Zoos gefährdet) können der locker-luftigen Atmosphäre dieses schmalzigen Irgendwas-Films nichts anhaben. Garantiert.
Einer der schlechtesten Auftritte Matt Damons.Das alles gipfelt schließlich in einem Finale, das diese Bezeichnung eigentlich nicht verdient, wenn Papa, Kinder, Zooangestellte und natürlich die Tierchen zur großen Einweihungsparty laden. Dieses Großereignis jedoch droht von einem plötzlichen Regen überschattet zu werden (dramatisch), sodass die Spannungskurve am Ende noch einmal kräftig angezogen wird. Ob es Scarlett Johansson, deren neuestes L'Oréal-Make-up der von ihr dargestellten tierlieben Landpomeranze allerhöchste Glaubwürdigkeit verleiht, und ihren Mitstreitern doch noch gelingen wird, den Zoo pünktlich zu eröffnen?
Man nennt solche Filme wohl gemeinhin „Feel-good-Movies“. Oder auch Filme für die ganze Familie, geeignet von 0 bis 99 Jahren. Dagegen ist trotz quiekenden Phrasenschweins auch erst einmal nichts einzuwenden. Da dieses Etikett aber allzu oft Werke auszuweisen scheint, die sich – genauestens kalkuliert – in (selbst-)gefälliger Seichtigkeit, ja einer geradezu penetrant lieblichen Happiness-Stimmung suhlen, sollte man es allmählich zum Warnsignal umdeuten. Wenn bezaubernde Niedlichkeit nur noch mit Waffenschein erträglich wird, gehört der Feel-good-Begriff ein für alle Mal abgeschafft.
Regie: Cameron Crowe Genre:Drama, KomödieFilmstart: Darsteller:Elle Fanning, Patrick Fugit, Thomas Haden Church, Matt Damon
Snow White & the HuntsmanKinostart: 31. Mai 2012 Video ansehen
Pakt der RacheKinostart: 01. Juni 2012
Ein Jahr vogelfrei!Kinostart: 14. Juni 2012 Filmkritik lesen
Kingdoms of Amalur: Reckoning
Diablo 3 KomplettlösungKomplettlösung: Alle Quests, Klassenguides, Tipps
Diablo 3 TestJetzt endlich: unser finaler Test mit Wertung
Risen 2: Dark Waters KomplettlösungMit der Komplettlösung die Meere befreienMit der derzeitigen und auch weiteren Benutzung dieser Seite stimmen Sie unseren Nutzungsbestimmungen zu.
Copyright 2003-2012, Webguidez Entertainment GmbH
Impressum | Team | Jobs | Netzwerk | Get Hosted | FAQ | Kontakt
gamona Server und Datenbanken werden professionell gewartet von der Comtrance GmbH
Es kam beim lesen einfach das Gefühl auf, dass der Herr Autor nicht auf Harmonie steht und somit der Film schlecht ist.
Naja, idem man es vielleicht macht wie ein richtiger Kritiker?
Man lässt eigene Empfindung so gut es geht außen vor. So wie es nun mal sein sollte. Jeder wird natürlich eigene Empfindungen mit rein bringen, aber einem Film schlecht zu bewerten weil einem das Setting nicht gefällt hat nichts mit Filmkritik zu tun, sonder mit dem eigenen Geschmack.
Ich kann ja verstehen, dass ein junger Mann welcher
Ich kann ja verstehen, dass ein junger Mann welcher einfach nicht auf so einen Familienfilmkram steht, solche Filme nicht mag.
Aber bei einer Wertung von 2/10 drängt sich mir der Gedanke auf, dass die Wertung von einem jungen Mann kommt und nicht von einem redaktionellen Kritiker. Nennt es doch bitte nicht "Filmkritik" und suggeriert eine faire Kritik. Nennt es doch einfach " Rajko Burchardt's Meinung"...
Wie kann eine Kritik neutral sein? *kopfschüttel*
Ich kann ja verstehen, dass ein junger Mann welcher einfach nicht auf so einen Familienfilmkram steht, solche Filme nicht mag.
Aber bei einer Wertung von 2/10 drängt sich mir der Gedanke auf, dass die Wertung von einem jungen Mann kommt und nicht von einem redaktionellen Kritiker. Nennt es doch bitte nicht "Filmkritik" und suggeriert eine faire Kritik. Nennt es doch einfach " Rajko Burchardt's Meinung"...
Man darf doch auch als Hetero darauf stehen :P
Das ließt sich jetzt aber fast wie ein Coming-out ;)