Das haben wir doch alles schon einmal gesehen: ein Mann ohne Rückgrat, der von seiner Freundin betrogen wird und daraufhin zur besten Freundin flüchtet, die er plötzlich mit ganz anderen Augen sieht.

What A Man - Erster TrailerEin weiteres Video

Deutschlands Aushängeschild Matthias Schweighöfer präsentiert mit „What A Man“ sein Regiedebüt und versucht sich nun als Alleskönner: Hauptrolle, Regie, Produzent und Co-Autor. Eine Top-Schauspielkarriere reicht nun einmal nicht, und wie Michael „Bully“ Herbig bewiesen hat, kann man als Allrounder durchaus Erfolg haben.

Aus Memme wird Mann

Fürs Erste wagt sich Schweighöfer nun an eine leichte Liebeskomödie, in der er den 30-jährigen Lehrer Alex spielt. Alex ist ein typischer Ja-Sager und macht alles, was seine Freundin von ihm will. Er lässt sich sogar ohne Murren und Knurren aus der gemeinsamen Wohnung rauswerfen, als sie eine Affäre mit ihrem Nachbarn beginnt.

Immerhin hat Alex gute Freunde: So bleibt er nicht lange obdachlos und kommt bei seiner besten Freundin Nele unter. Während er nach und nach bemerkt, wie toll Nele doch ist, versucht sein bester Freund Okke (gespielt von Elyas M’Barek, bekannt aus „Türkisch für Anfänger“), das Testosteron aus ihm herauszulocken. Mit Boxsport, einem neuen Hip-Hop-Outfit und coolen Macho-Sprüchen soll Alex härter werden.

Alex soll durchs Hacken ein Mann werden.

So wirklich lässt sich dieser Handlungsstrang nicht einordnen, denn obwohl Okke es sich zur Aufgabe gemacht hat, seinen besten Kumpel „männlicher“ erscheinen zu lassen, geben beide nach nur wenigen Szenen auf. Hier wurde wohl zwanghaft versucht, etwas Witziges reinzubringen, was aber nicht ganz zu passen scheint.

Das gleiche Gefühl hat man bei vielen anderen angerissenen Handlungssträngen. So werden im Film verstreut zum Beispiel Szenen aus Alexanders Jugend gezeigt, die keine wirkliche Verknüpfung zum heutigen Alex herstellen.

Quantität statt Qualität

Nachdem Okkes Versuche scheitern, probiert Nele ihr Glück: Sie nimmt Alex auf eine Party mit und setzt eine ihrer Freundinnen darauf an, ihren besten Freund zu verführen. Diese Idee scheint ihr im Nachhinein aber doch nicht zu gefallen, weswegen sie ihm nachstellt und ihn dadurch aus einem brenzligen Zusammentreffen mit seiner Ex-Freundin befreit. Alex steht hier direkt vor mehreren Problemen: Seine Ex-Freundin lässt sich nicht so einfach wie erhofft aus seinem Leben verbannen.

Fang den Panda!

Nele und er verstehen sich blendend, doch er will seine Freundschaft zu ihr nicht riskieren, indem er etwas mit ihr anfängt. Dann sind da immer noch Neles On-und-Off-Freund aus Frankreich und Laura, Neles Freundin von der Party. Ganz schön viele Beziehungsgeflechte also. Außerdem möchte Nele unbedingt nach China fliegen, um dort Pandabären zu retten. Das verträgt sich jedoch absolut nicht mit Alexanders Flugangst. Und dann kommt auch noch Volker mit seiner „Mencademy“ hinzu, der tief im Wald Männer ausbildet, die zu sich selbst finden wollen.

Und als ob das nicht schon genug des Wirrwarrs wäre, bringt man zusätzlich eine Liebesgeschichte aus Alex‘ Klasse rein: Der Lehrer muss nun auch noch den Beziehungsratgeber spielen und einem seiner jungen Schüler dabei helfen, einer Mitschülerin schöne Augen zu machen.

Lasche Liebeskomödie fürs dritte Date. Beim Rumknutschen verpasst man nichts.Fazit lesen

Déjà-vu

Der Film versucht durch unendlich viele zusammengewürfelte Handlungsstränge innovativ zu sein und etwas Neues zu schaffen. Leider erreicht er nur eine Vielzahl von Kopien. Motive, die wir schon aus Filmen wie Keinohrhasen, Verliebt in die Braut oder Serien wie Friends kennen, werden hier nur wiederholt: Der Mann, der sich in seine beste Freundin verliebt, ihr aber seine Liebe nicht gesteht, bevor es dann fast zu spät ist. Der Protagonist, der seiner Angebeteten ins Flugzeug folgt, um sie zurückzugewinnen, und der beste Kumpel, der bloß für die Lacher sorgt…

Echte Männer auf Brautschau.

Diese bekannten Bilder werden begleitet von blöden Sprüchen à la „Frauen sind wie Lutscher…“, albernem Rumgehopse auf überfüllten Partys und einer Gruppe Tierschützern in Pandakostümen. Selbst in den sentimentalen Momenten erkennt man bereits Gesehenes wieder und ebenso wie die humorvollen wirken auch die zärtlichen und nachdenklichen Szenen zu gezwungen.

Und die Moral von der Geschichte ist leider auch keine neue: Bleib so, wie du bist – denn irgendwer wird sich schon finden, dem das Gesamtpaket gefällt. Über diese Endmoral hinaus versucht der Film an wenigen Stellen philosophisch zu sein. Es werden Fragen wie „Was hat es mit dem Mannsein auf sich?“ und „Was gefällt einer Frau an einem Mann?“ in den Raum geworfen, während Matthias Schweighöfer die Aufgabe bekommt, einen Baum zu fällen, um ein neues Leben zu beginnen.

Neben der vorhersehbaren Handlung sind immerhin ein paar überraschende Gastauftritte dabei. So sieht man für einen Moment zum Beispiel Nora Tschirner in einer kurzen Sequenz. Ihre Doppelgängerin Lena liefert übrigens den Titelsong zum Film.