Mehr als ein Vierteljahrhundert ließ man sich bei DC Zeit, bevor man sich daran machte, die Figuren von Alan Moores „Watchmen“ hervorzukramen. Ein bisschen war es Ehrfurcht vor dem Meisterwerk, das den Superhelden-Mythos in den 80er Jahren gekonnt dekonstruierte, ein bisschen war es auch Angst vor möglichem Furor der Fans. Nun erscheint „Before Watchmen“ mit mehreren Miniserien, die jeweils in abgeschlossenen Bänden präsentiert werden, auch in Deutschland.

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Ab dem 18. Juni geht es bei Panini los. Das restliche Jahr über beschäftigt die deutschen Fans dann „Before Watchmen“. An den Start gehen die Bände „Rorschach“ und „Minutemen“, jeweils zwei weitere folgen in monatlichem Abstand.

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Das Tolle daran: Da sich Zack Snyders Film so nahe an die Vorlage gehalten hat, funktionieren diese Comics auch als perfektes Prequel für den Film. Wer also gerne noch mehr mit den Watchmen gesehen hätte, der hat hier die Gelegenheit dazu.

Es mag wie ein Sakrileg erscheinen: eine Fortführung von „Watchmen“. Oder genauer: eine Auspolsterung der Vorgeschichte von „Watchmen“. Die Rede ist von „Before Watchmen“. Etwas, das es vielleicht nie hätte geben sollen.

Als Paul Levitz noch als Präsident von DC fungierte, da hielt er seine schützende Hand über das Jahrhundertwerk von Alan Moore und Dave Gibbons. Gedrängt wurde er indes immer wieder mal, mit der Ausbeutung dieser Goldmine zu beginnen. Levitz blieb standhaft.

Aber irgendwann war er weg und die Versuchung, Gewinne zu maximieren, erschien immer verlockender. Bei DC spielte man des Öfteren mit dem Gedanken, etwas Neues mit „Watchmen“ zu machen. Man kokettierte damit und testete, wie die Fanboys darauf reagieren würden.

Before Watchmen - Jetzt schon Kult: das Comic-Prequel zum Meisterwerk

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Zack und Debbie Snyder: Das Ehepaar holte Watchmen 2009 auf die Kinoleinwand und damit gleichzeitig wieder ins kollektive Bewusstsein vieler Menschen.
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Babyschritte

Im September 2010 hatte sich mal wieder etwas getan. Alan Moore unterhielt sich mit dem Journalisten Adi Tantimedh und erklärte, dass DC ihm angeboten hatte, die Rechte an „Watchmen“ zurückzubekommen. Im Gegenzug sollte er einwilligen, dass Sequels und Prequels in Multimediaform produziert werden dürfen. Moore lehnte ab.

Das Interessante daran ist, dass DC rein rechtlich nicht gefordert gewesen ist, ein solches Angebot zu machen. Die Möglichkeit, weitere Geschichten zu erzählen, war von jeher gegeben und wurde in den Vertragswerken rund um die Filmadaption weiter zementiert. Dass man sich bei DC nicht daran machte, lag einzig und allein daran, dass man Imagepflege betrieb und hoffte, mit einer Politik des Auf-ihn-Zugehens Moore zu besänftigen.

Es klappte nicht, weswegen man beim Verlagshaus irgendwann zu der Überzeugung gelangte, dass man einerseits ohnehin nie wieder mit Moore zusammenarbeiten würde und andererseits ein riesengroßes Geschäft vor sich hatte. Gerade Letzteres ließ sich nicht länger umgehen, gab es von der DC-Mutter Time Warner doch die Weisung, die Gewinne zu maximieren und ausbeutbare Aktiva auch zu nutzen.

Packshot zu Watchmen - Die WächterWatchmen - Die Wächter

Und so beginnt es

Im Februar 2012 ließ man die Bombe platzen. DC gab offiziell bekannt, dass im Sommer das Projekt „Before Watchmen“ starten würde, das aus sieben Miniserien bestehen sollte und die Vorgeschichte der Graphic Novel weiter ausbaut.

Im Einzelnen sind dies „Rorschach“ (vier Hefte von Brian Azzarello und Lee Bermejo), „Minutemen“ (sechs Hefte von Darwyn Cooke), „Comedian“ (sechs Hefte von Brian Azzarello und J.G. Jones), „Dr. Manhattan“ (vier Hefte von J. Michael Straczynski und Adam Hughes), „Nite Owl“ (vier Hefte von J. Michael Straczynski, Andy und Joe Kubert), „Ozymandias“ (sechs Hefte von Len Wein und Jae Lee) und „Silk Spectre“ (vier Hefte von Darwyn Cooke und Amanda Conner).

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Before Watchmen: Rorschach (Hardcover-Ausgabe)
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Später gesellten sich noch die One-Shots „Moloch“ (von J. Michael Straczynski und Eduardo Risso) und „Dollar Bill“ (von Len Wein und Steve Rude) hinzu. In den Heften erschienen zudem Back-up-Geschichten mit einem Piraten – analog den Pirateneinschüben, die es in Moores „Watchmen“ gegeben hatte. Diese Geschichte sowie die One-Shots werden in einem Sammelband erscheinen.

Das ist eine beeindruckende Ansammlung an Kreativen, aber im Vorfeld musste man sich natürlich eines fragen: Lohnte es wirklich, die Vorgeschichte zu erzählen? Ist nicht eigentlich interessanter, wie die Welt von „Watchmen“ ein Vierteljahrhundert nach Adrian Veidts Plan aussieht?

Und die Relevanz?

Kann ein Prequel überhaupt eine Relevanz erreichen oder ist dieses Projekt im Grunde nicht nur glorifizierte Fan-Fiction?. Zwar hat J. Michael Straczynski in einem Interview mit „Comic Book Resources“ erklärt, dass diese neue Welle an „Watchmen“-Comics auch zustande kam, um die Figuren relevant zu machen und den Lesern eine Geschichte zu erzählen, die ebenso wie die originale Graphic Novel eine Form von Bedeutung haben, also nicht nur banales Superheldengekloppe sein soll, aber im Vorfeld durfte man zumindest Zweifel hegen.

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Straczynski macht sich so seine Gedanken über das Comic-Prequel.
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„Watchmen“ war in den 80er Jahren relevant, weil es eine gegenwärtige Geschichte war. Es gab zwar viele Rückblicke in die Vergangenheit, die Haupthandlung fand jedoch im Hier und Jetzt statt. Das geht den Prequels ab und macht es deutlich schwieriger, mit Subtext zu operieren.

Problematisch ist auch, dass man rückwirkend Lücken in der Geschichte schließen will. Das ist bei einigen Figuren leichter als bei anderen. Allerdings ist es auch ein Fakt, dass „Watchmen“ in sich so rund ist, dass zwar durchaus größere Lücken in der Vergangenheit herrschen, diese aber nicht derart sind, dass man etwas vermisst.

Nun muss man bedenken, dass die Backstory einiger Figuren sehr explizit ausgearbeitet wurde. Während bei Nite Owl oder Silk Spectre mehr Spielraum herrschen mag, hat Alan Moore die Vergangenheit von Dr. Manhattan alias Jon Osterman sehr genau definiert.

Die Wahrheiten, die man verbirgt

Die Geschichte muss auch in ihrer Gesamtheit überzeugen. Dabei ist es nicht so, dass die Hefte allesamt eine fortlaufende Handlung haben. Jede Miniserie hat ihre eigene Geschichte, aber es muss einen Faden, eine darüber hinausgehende Erzählebene geben, die alles miteinander verbindet. Wäre dem nicht so, bliebe ein zerfasertes Prequel-Experiment.

J. Michael Straczynski fand jedoch beiläufig ein verbindendes Element, auf das Comicautor Dan DiDio ansprach. Er erklärte es so: „Im Verlauf des Gesprächs erwähnte ich meine Überzeugung, dass es fünf Arten von Wahrheit gibt: Die Wahrheit, die man flüchtigen Bekannten gegenüber preisgibt, die Wahrheit, die man der eigenen Familie und engen Freunden enthüllt, die Wahrheit, die man nur wenigen Menschen in seinem Leben offenbart, die Wahrheit, die man sich nur selbst gegenüber eingesteht und die Wahrheit, die man nicht einmal vor sich selbst zugibt. Ich sprach darüber, als Dan sich einschaltete und meinte, die letzten dieser beiden Wahrheiten seien der thematische Kern der Geschichten.“

Der zornige alte Mann

Natürlich hat sich auch Alan Moore zu Wort gemeldet, im Stil des alten grantigen Mannes, den man mittlerweile gewöhnt ist: „Ich sehe diese jüngste Entwicklung als Bestätigung dessen, dass sie immer noch von Ideen abhängen, die ich vor 25 Jahren hatte. Ich will kein Geld. Ich will, dass dies nicht geschieht. So wie ich das sehe, gab es auch keine Prequels oder Sequels zu Moby Dick.”

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Der Mann mit der Doppelmoral: Alan Moore. (Quelle: Stew Dean)
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Da hat er wohl recht, aber H.G. Wells, Lewis Carroll, Jules Verne, Edgar Rice Burroughs und all die anderen, deren Kreationen Moore seit mehr als zehn Jahren verwendet (und sich vornehm zurückhält, eigene Figuren zu erschaffen), würden das wohl ähnlich sehen, und das umso mehr, wenn ihre Figuren in einem Kontext auftauchen, der von ihren Schöpfern so niemals vorgesehen war.

Moore hat aber keine Skrupel, die Kreationen anderer nach Belieben zu nutzen, wirft dies Kollegen jedoch vor. Dabei sollte Moore doch wohl nicht gezwungen sein, sich von den Ideen und Schöpfungen anderer Autoren abhängig zu machen. Die moralische Überlegenheit gibt er ab, wenn seine Ansprüche an andere Kreative so ganz anders sind als die Ansprüche an sich selbst.

Zu postulieren, im zeitgenössischen amerikanischen Comic gäbe es keine großen Ideen mehr – und die Autoren wären ohnehin nur Zeilenschinder – ist zudem Zeugnis für einen Mann, der einerseits Respekt einfordert, aber nicht gewillt ist, ihn auch zu zollen, andererseits die heutige Szene kaum kennen dürfe.

Seine Forderung, DC solle einige der Top-Autoren unserer Tage doch einfach ein Werk entwickeln lassen, das das heutige „Watchmen“ sein könnte, ist etwas blauäugig. Der Comic-Markt hat sich immerhin in den letzten 25 Jahren stark verändert. Man schüttelt ein solches Werk nicht einfach so aus dem Ärmel und Moore selbst konnte daran auch nie anschließen – zumindest nicht in Sachen Erfolg. Vergessen darf man auch nicht: Die wenigsten Autoren verschwenden ihre Top-Ideen heutzutage noch bei DC oder Marvel, wo die Rechte an die Verlage übergehen, sondern verwirklichen diese bei anderen Verlagen. Es scheint, sie alle haben aus dem Beispiel „Watchmen“ gelernt.

Der Blick zurück

Die einzelnen Miniserien spielen nicht alle zur selben Zeit. Vielmehr decken sie einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren ab. Der Ansatz ist dabei sehr unterschiedlich, beliebt ist jedoch der Kunstgriff der Autobiographie. Diesen nutzen sowohl „Minutemen“ als auch „Ozymandias“. Ersteres kann als ausführliche Form von Hollis Masons „Unter der Maske“ verstehen, Letzteres ist Adrian Veidts Lebensbeichte.

Dabei werden Momente von „Watchmen“ angespielt, aber auch bereichert, so das Treffen der Crimebusters, das für Ozymandias zum Schlüsselmoment wird, da er hier erkennt, dass ihm die Verantwortung zufliegt, die Welt retten zu müssen.

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Die visuelle Gestaltung ist genauso facettenreich wie der Inhalt der verschiedenen Comics.
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In anderen Serien und Momenten werden Kleinigkeiten aufgegriffen, die in „Watchmen“ nur nebenbei erwähnt wurden, z.B. Nite Owls Begegnung mit der Domina. Und manches entwickelt sich ganz anders, als man es erwartet hätte, so etwa die Freundschaft von Eddie Blake zu den Kennedys. Wo die originale Graphic Novel impliziert, dass es der Comedian war, der den tödlichen Schuss auf JFK abgefeuert hat, geht Brian Azzarello einen anderen Weg. Es ist legitim, ist der Comedian auf dem Grashügel zwar eine reizvolle Idee, aber durch die Graphic Novel nicht in Stein gemeißelt.

Ist das noch Dr. Manhattan?

JMS ist ähnlich kühn. Sein „Dr. Manhattan“ scheint zuerst entgegen allem zu gehen, was Moore in „Watchmen“ etabliert hatte. Für Dr. Manhattan ist Zeit eine einzige Straße von der Vergangenheit in die Zukunft. Sie zersplittert nicht. Es gibt keine parallelen Straßen, keine alternativen Zeitlinien. Aber nun schon, wie sich im ersten Heft von Manhattans eigener Serie zeigt.

Das sorgte für einen Aufschrei unter Puristen, aber JMS wäre nicht JMS, hätte er nicht eine exakte Vorstellung, wie sich diese Veränderung der Quintessenz der Figur organisch erklärt. Er findet diese Erklärung direkt in einem Schlüsselmoment aus „Watchmen“, in dem Manhattan selbst dafür sorgt, dass aus einer Zeitlinie ein Multiversum wird. Geschickt verankert JMS seine Geschichte im Quellmaterial, bereichert und erweitert es zugleich.

„Before Watchmen“ klärt auch Fragen. Jene, wie Hooded Justice verschwand. Das Verschwinden des Vigilanten interessiert Ozymandias, der der Erklärung jedoch keinen Schritt näher kommt. Auch der Comedian befasst sich damit, doch die Aufklärung, was wirklich mit dem Mann geschah, ist eine der großen Überraschungen von „Minutemen“. Sie geht direkt auf Straczynskis Konzept der verschiedenen Arten von Wahrheiten zurück. Die letzten zwei Wahrheiten. Jene, die man nur sich selbst eingesteht, und jene, die man nicht einmal sich selbst gegenüber zugeben kann. Als Leser kennt man sie – und sie verändert den Blick auf Hollis Mason, auf „Unter die Maske“, ja, sogar auf die ursprüngliche Graphic Novel.

Der rote Faden

„Before Watchmen“ ist stark miteinander verwoben. Kleine Momente der einen Geschichte hallen in einer anderen wider. Erst durch das Lesen aller Geschichten formt sich das komplette Bild einer reichhaltigen Historie. Jede Serie ist in sich abgeschlossen und für sich lesbar, aber zugleich nur Stück eines größeren Mosaiks.

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Typisch für Watchmen: Mit Gewalt wird nicht gespart.
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Die Qualität der einzelnen Serien schwankt naturgemäß. Zu den Highlights gehören „Dr. Manhattan“, „Minutemen“, „Silk Spectre“ und „Ozymandias“, die es mehr als die anderen Titel verstehen, den von der ursprünglichen Graphic Novel begonnenen Erzählfaden weiterzuspinnen.

Die visuelle Gestaltung ist sehr unterschiedlich, einerseits eine Verbeugung vor den Comic-Techniken der gezeigten Epochen (die 40er Jahre bei „Minutemen“, die 60er Jahre bei „Silk Spectre“, die 70er Jahre bei „Rorschach“), dann wieder eine Reminiszenz an Gibbons und andererseits in seiner Experimentierfreude modern und kühn („Ozymandias“). „Before Watchmen“ bietet inhaltlich wie formal viel zu entdecken.

Die Abenteuer

„Comedian“ erzählt davon, wie Eddie Blake als Freund der Kennedys dreckige Einsätze unternimmt, wie er in Vietnam wütet und was er macht, als er erfährt, dass Bobby Kennedy ermordet werden soll.

„Silk Spectre“ befasst sich mit Laurie Jupiter, die es leid ist, von ihrer Mutter gedrillt zu werden. Sie reist mit ihrem Freund nach San Francisco, inmitten der Flower-Power-Bewegung, nimmt Drogen und bekommt es mit einem Drogenbaron zu tun.

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Die Minutemen-Ausgabe der Before-Watchmen-Reihe spielt chronologisch am frühesten von allen Werken.
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„Minutemen“ ist die chronologisch am frühesten spielende Geschichte und erzählt, wie der erste Nite Owl den Wunsch der toten Silhouette erfüllt und nach einem Kindermörder sucht. Er hat einen seiner Teamkollegen im Verdacht und am Ende eine Erkenntnis, die dergestalt ist, dass man die Figur als Leser auch völlig neu sieht.

„Nite Owl“ ist dem zweiten Superhelden mit diesem Namen vorbehalten. Man erlebt hier mit, wie er den alten Nite Owl kennenlernt und in dessen Fußstapfen tritt. Zudem erfährt man mehr über Dan Dreibergs Familie und sieht, wie er im Team mit Rorschach agiert.

„Dr. Manhattan“ ist eine Geschichte des Multiversums – obwohl es ein solches in der Welt von „Watchmen“ eigentlich gar nicht gibt. Dies ist die vielleicht komplexeste Geschichte von „Before Watchmen“, die auch als einzige zeigt, was Minuten nach dem Finale von „Watchmen“ passiert. Alle anderen Geschichten wagen es nicht, an diesen Punkt zu gehen.

„Rorschach“ macht das, was er am besten kann: Er legt sich mit Straßenkriminellen an. Schnörkellose Action ist geboten. Und ein Cameo von „Taxi Driver“ Travis Bickle.

„Ozymandias“ erzählt die Lebensgeschichte von Adrian Veidt. Minutiös erfährt man, wie er seinem Plan über Jahre hinweg treu blieb, wie er wurde, wer er ist und welche Opfer er bringen musste, um den Plan in die Tat umzusetzen. Schade ist eigentlich nur, dass man keine Ahnung hat, wem Adrian das alles erzählt – außer uns, den Lesern, natürlich.

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Before Watchmen: Comedian (Hardcover-Ausgabe)
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„Moloch“ und „Dollar Bill“ befassen sich mit der Historie der beiden Figuren, ohne allzu sehr in die Tiefe zu gehen.

After Watchmen?

Trotz exzellenter Autoren und Zeichner hätte dieses Unterfangen auch scheitern können. Es hätte die Anmutung von Fan-Fiction haben können, aber herausgekommen ist ein weit aufgefächertes Prequel, das dem Original alle Ehre macht. Alan Moore wird es dennoch nicht gutheißen, die glühendsten seiner Verehrer mögen es ihm gleichtun, Freunde hochwertiger Comic-Unterhaltung sollten aber unvoreingenommenen einen Blick riskieren. Sie könnten mögen, was sich ihnen bietet.

DC hat mittlerweile erklärt, dass es keine Planungen zu weiteren „Watchmen“-Comics gäbe. So wie der Rubel rollt, dürfte dies im Moment aber allenfalls vornehmer Zurückhaltung zuzuschreiben sein. Immerhin wird man „Before Watchmen“ aus einem guten Grund so genannt haben. Die logische Konsequenz kann schließlich nur „After Watchmen“ sein.