Man möchte es kaum glauben, vor allem weil inzwischen fast alle namhaften Horrorfilme der letzten Jahrzehnte im Remake-Fleischwolf waren: „Warte bis es dunkel wird“, das Remake von „Der Umleger“ (bitte JETZT lachen!), ist nicht einfach nur eine flashig inszenierte Blaupause, sondern richtig gutes Genrekino. Mit Spannung, Splatter, einer stylishen Inszenierung und vor allem einer intelligenten Geschichte, die den Remake-Gedanken auf eine faszinierend verschachtelte True-Crime-/ Meta-Ebene hebt.

Warte, bis es dunkel wird - Deutscher Trailer #1Ein weiteres Video

Angst vor dem Sonnenuntergang

„Der Umleger“, neben „Der Planet Saturn lässt schön grüßen“ der wahrscheinlich beknackteste deutsche Filmtitel aller Zeiten, erzählt eine True-Crime-Geschichte in bester „Freitag der 13.“-Manier: Ein kleines Kaff in Arkansas, ein „Phantom Killer“ mit Kartoffelsack über dem Kopf und diverse promiskuitive Opfer, die - Stichwort „Tod durch Trompete“ - auf originelle Weise hingerichtet werden. Nach fünf Morden verschwindet der Täter im Sumpf... und wurde bis heute nicht gefasst.

Warte, bis es dunkel wird - Ein großartiges Horror-Remake. Nein! Doch! Ohhh!

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Zwei Löcher in einen Kartoffelsack, fertig ist der ultimative Boogeyman.
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So richtig erfolgreich war das Original damals nicht, aber was soll's, zumindest in dem Arkansas-Kaff wird der Film regelmäßig am Jahrestag des ersten Verbrechens im örtlichen Autokino gezeigt. Behauptet auf jeden Fall das Remake – das sich alleine schon mit diesem Kniff von 99,9 Prozent aller anderen Horror-Remakes absondert. Ein behaupteter True-Crime-Film wird zu einem echten True-Crime-Film wird zur Ausgangsbasis einer neuen Geschichte, die den Killer wieder auftauchen lässt. Mit Morden, die den Morden des Originals nachempfunden sind.

Also wenn schon meta, dann richtig

Und dazu läuft dann der alte Film im Autokino, beziehungsweise wird in Ausschnitten zitiert. Und einer der Verdächtigen ist Charles B. Pierce jr., der Sohn des damaligen Regisseurs. Und überhaupt... ist das hier nicht nur ein Remake, sondern auch ein Sequel – und in dieser Konstruktion so gut wie ohne Vergleich. Die dritte universelle Wahrheit, dass alles miteinander verbunden ist, entstand wahrscheinlich erst durch diesen Film. Verdammt, selbst der ultimative Ausbremser eines Slashers, das Entwischen des Killers, bekommt hier ein spannendes, neues Ziel.

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Down, aber noch nicht out: Das „final girl“, gespielt von Addison Timlin.
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Denn wer weiß, der neue Täter könnte ja auch der alte Täter sein, oder zumindest ein Nachkomme, der nun das „Werk“ des Vaters vollendet (beziehungsweise liebevoll hofiert). „Warte bis es dunkel wird“ ist eine der ganz wenigen Neuauflagen, die offensiv mit dem „cash in“-Vorwurf umgeht und am Ende dem nicht gerade Bäume ausreissenden Original haushoch überlegen ist. Redundante „Innovationen“ wie 3D-Schnickschnack oder CGI-Splatter haben hier keine Chance. Der Film überzeugt auch nur für sich, sowohl was die Thriller- als auch die Horroraspekte angeht.

Teenager in Not

Oh ja, „Warte bis es dunkel wird“ ist vor allem ein waschechter Slasher, der diese inhaltlichen Kniffe kongenial für sich nutzen kann. Wo sonst einfach nur zum fröhlichen Abschlachten geblasen wird, gibt es hier fröhliches Abschlachten mit Methode. Regisseur Alfonso Gomez-Rejon und Produzent Ryan Murphy, beide bekannt durch ihre Mitwirkung an der „American Horror Story“-Serie, setzen die bekannten Genre-Eckpfeiler, wie zum Beispiel die Verbindung von Sex und Blut oder das „final girl“, bewusst ein. Der Film bewahrt seine handfeste Bodenständigkeit, trotz der ungewöhnlich verschlungenen Pfade des Drehbuchs.

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Und damit immer noch nicht genug: Die inszenatorische Sorgfalt, die hier waltet, ist wirklich bemerkenswert, eng verbunden mit einer stilbetonten Farbgebung und dem äußerst effektiven Soundtrack. Besonders hervorzuheben dabei ist eine Verfolgungsjagd durch ein Maisfeld, die perfekt auf den schweißtreibenden Punkt kommt und einfach die beste „scheiße, ich kacke gleich ein“-Sequenz seit langer Zeit ist. Egal wohin man bei „Warte bis es dunkel wird“ blickt, die Erwartungen werden auf bestechende Weise unterlaufen. Schön, dass es so etwas noch geben kann, gerade im in letzter Zeit doch arg gebeutelten Horrorgenre.