Auf dem Kinoplakat der stilbildenden Horrorkomödie „Shaun of the Dead“ stand einst geschrieben: „Eine romantische Komödie. Mit Zombies.“ Geradezu wörtlich nimmt diese Prämisse der tatsächlich als zombifizierte Romantic Comedy konzipierte „Warm Bodies“. In ihm verliebt sich ein lebender Toter in eine kämpferische junge Frau, die nach anfänglichem Befremden ebenfalls Gefühle für den fauligen Teenager entwickelt.

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Bis(s) zur wahren Zombieliebe

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Debütroman von Isaac Marion (deutscher Titel der Erstauflage: „Mein fahler Freund“), der von bösen Zungen als Zombie-Ausgabe der Twilight-Bücher verhöhnt und bezeichnenderweise unter anderem von Stephenie Meyer mit Lob bedacht wurde. Der Vergleich wird nicht zuletzt durch das Studio hinter der Kinoadaption untermauert, denn Summit produzierte immerhin auch die bisherigen fünf „Twilight“-Filme.

Ganz so leidvoll wie im Liebeswirrwarr von Bella und Edward geht es in „Warm Bodies“ dann aber doch nicht zu. Zwar bedauert R (Nicholas Hoult, „X-Men: Erste Entscheidung“), der sich nur noch an den Anfangsbuchstaben seines Namen erinnern kann, seinen untoten Zustand mehr denn je, als er die selbstbewusste Julie (Teresa Palmer, „Ich bin Nummer Vier“) kennen lernt. Doch die Unterschiedlichkeit der beiden nimmt R weitgehend mit lakonischem Humor hin.

Den Anpassungsprozess dreht der Film außerdem um: Wo Bella zur Erfüllung einer glücklichen Liebe erst zum Vampir werden muss, darf Julie sich ihre Menschlichkeit bewahren und stattdessen für die Akzeptanz ihres allmählich ins Leben zurückfindenden Zombie-Casanovas kämpfen. In der von einer gigantischen Mauer abgeriegelten Stadt nämlich hat General Grigio (John Malkovich) das Kommando – und der ist nicht nur Julies Vater, sondern auch der härteste Bekämpfer der Zombieplage.

Die Untoten tummeln sich außerhalb der Mauern und sind, falls dies missverständlich sein sollte, durchaus gefräßig. Ganz im Sinne der immer wieder unweigerlich als Referenz herangezogenen „…of the Dead“-Filme von Zombie-Godfather George A. Romero haben sie Menschen zum Jagen und Fressen gern. Und irgendwann dann führt der körperliche Verfall gar zur Verwandlung in ein Skelett, das kurioserweise noch gefährlicher und ungleich agiler ist.

Warm Bodies - Twilight mit Zombies?

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Gemeinsam abhängen und Musik hören, nicht zwangsläufig ein Unding zwischen Mensch und Zombie.
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Diese Modifikation am Zombiemythos ist nicht ohne Reiz, zumal der Film mit seinem Antihelden R auch einen Gegentypus im Genre etabliert. Mehr noch als Bob, der lernfähige Zombie aus Romeros „Day of the Dead“, besitzt R starke Gefühle, die ihn über seinen Zustand reflektieren lassen und sogar zur Selbstbeherrschung bringen, um nicht auch mal ein Stück von der angebeteten Julie zu naschen. In durchaus witzigen Voice-Overn erklärt uns R zudem, dass etwa das langsame Wanken als Untoter eine echte Belastung sein kann.

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Romeo und Julia mit faulem Fleisch

Dass „Warm Bodies“ leider dennoch hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, ist der überraschend einfallslosen Regie von Jonathan Levine zuzuschreiben. Mit „All the Boys Love Mandy Lane“ inszenierte dieser vor rund sieben Jahren eine kluge Vorzeichen-Umkehrung im Slasher-Genre, lässt hier jedoch wirklich clevere Modifikationen am Zombiefilm eher vermissen. Die Idee einer untoten Version der romantischen Komödie geht über ihren anfänglichen Witz kaum hinaus.

So verläuft die Annäherung zwischen R und Julie (der namentliche Shakespeare-Verweis findet später im Film auch eine konkrete Entsprechung) erstaunlich problemlos, die irrwitzigen Unterschiede werden nicht deutlich genug herausgearbeitet. Hier hätte Levine aus dem Aufeinandertreffen sowohl schwarzen Humor als auch Tiefgang schöpfen können, verwandelt das ungleiche (Liebes-)Paar aber recht zügig in ein Zweiergespann, das nicht mehr eigene, sondern fremde Hindernisse überwinden muss.

Anfänglich charmanter Versuch, einen Zombiefilm als romantische Komödie aufzuziehen, dem aber zügig die Ideen ausgehen. Leider enttäuschend.Fazit lesen

Die konventionelle Stoßrichtung, die der mitunter auch dramaturgisch überraschend schleppende „Warm Bodies“ spätestens ab der Hälfte einschlägt, enttäuscht dann angesichts der spannenden Idee umso mehr. Amüsante bzw. bizarre Einfälle wie noch zu Beginn, als R uns das Verspeisen von Gehirnen schmackhaft macht, weil man dadurch die Gedanken und Erfahrungen der Opfer aufnehmen könne, bleiben im Verlauf der Handlung leider gänzlich aus.

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Lucio Fulci auf Blu-ray, ein netter Gag am Rande.
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Stattdessen vertraut der Film, möglicherweise mit Blick auf seine schlussendlich doch allzu jugendliche Zielgruppe, auf passgenau eingesetzte Indie-Popsongs, verhaltene Gewaltdarstellung und die schrittweise Menschwerdung der Zombies. Wer übrigens Blut und Gekröse sucht, wird auf die Heimkino-Fassung warten müssen, denn für das in den USA lukrative PG-13-Rating wurden laut Levine diverse Stellen entschärft.

Den Anachronismus der Beziehung zwischen Mensch und lebendem Toten, wie ihn etwa Bruce La Bruce in seiner schwulen Zombie-Romanze „Otto or Up with Dead People“ gefühlvoll betonte, gibt „Warm Bodies“ zugunsten einer letztlich dann doch recht gewöhnlichen Romantic Comedy leider auf. Kein schlechter Film, aber gewiss einer, der eigentlich so viel besser hätte sein können. Oder auch sein müssen.